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  • 29.01.2010 – Deutsche Tischtennis Liga

    Vier Sonntags-Knaller in der DTTL – Fulda behagt die Poleposition

    Vier Sonntags-Knaller in der DTTL – Fulda behagt die Poleposition Foto: Saarbrückens Bojan Tokic möchte mit seinem Team auch Klassenprimus Fulda ins Wanken bringen (Foto: Roscher).

    Sonntag, 15:00 Uhr: TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – 1. FC Saarbrücken

    Am 15. Januar hatte das Wang-Xi-Team Kellerkind Jülich in einer dramatischen Partie bezwungen und damit erstmals in der Vereinsgeschichte die Bundesliga-Tabellenführung übernommen, zwei Pluspunkte vor Rekordmeister Düsseldorf, der allerdings zwei Partien weniger bestritten hat. Dort oben thront man nun bereits seit vierzehn Tagen – weitere Spiele der Maberzeller und der Borussen gab es seitdem nicht - und fühlt sich pudelwohl in der Position des Ligaprimus, der gnädig auf das Verfolgerfeld hinabschaut. Am Sonntag, 40 Stunden nach dem Europacup-Schlager gegen Angers, muss man erstmals die Spitzenreiter-Position verteidigen.

    Und der Herausforderer aus dem Saarland - derzeit auf Tabellenplatz drei - ist zwar Aufsteiger, spielt aber ganz und gar nicht wie ein solcher, sondern so als ob es die normalste Sache der Welt wäre, in der Spitzengruppe von Europas stärkster Liga mitzumischen. Mit Tokic, Gacina und Leung verfügt man über die wohl ausgeglichenste Truppe der gesamten DTTL und denkt gar nicht daran, ehrfurchtsvoll in der Wilmingtonhalle zum Punkteabliefern zu erscheinen. Man möchte den Spitzenreiter zumindest ärgern, am liebsten aber schröpfen und die beiden Zähler in den Südwesten der Republik entführen.

    Wer das Hinspiel in Saarbrücken gesehen hat, bei dem Tokic & Co. die Fuldaer Cracks am Rande einer Niederlage hatten, dann aber doch noch nach 195-minütigem, verbissenem Fight unglücklich kapitulieren mussten, wird davon ausgehen, dass am Sonntag jeder Spielausgang im Bereich des Möglichen liegt. Am 6.10. bezwang ein über sich hinauswachsender Andrej Gacina in der Joachim-Deckarm-Halle sogar Fuldas 26-jähriges Defensiv-Ass Wang Xi, das dennoch die absolute Trumpfkarte der Maberzeller bleibt. Solange der drahtige Chinese, der sich nicht nur sportlich vorzüglich in Osthessen eingelebt und kürzlich seinen Vertrag bis 2012 verlängert hat, im Aufgebot des TTC steht, muss jeder Gegner Großtaten verbringen, um dessen Klub in Gefahr zu bringen und eventuell sogar zu schlagen.

    Stefan Frauenholz, der hofft, dass der zuletzt angeschlagene Jan-Ove Waldner wieder mitmischen kann, versichert glaubhaft: „Natürlich wollen wir Tabellenführer bleiben, die Luft da oben ist super gut!!!!“ Fuldas Chef weiß natürlich auch, dass der Gegner der Kategorie der Hochkaräter zuzurechnen ist: „Saarbrücken hat einen super Lauf, da wird es sehr schwer werden.“ Gästemanager Klaus Bastian stapelt zunächst einmal tief: „Maberzell ist klarer Favorit, denn Wang Xi ist immer für zwei Punkte gut“, um dann aber einzuräumen, doch auf das Erreichen des Schlussdoppels zu spekulieren: „Unsere Chancen sind dann 50:50.“ Besondere Erwartungen setzt Bastian in den Kroaten Gacina: „Andrej hat kürzlich beim Energis Masters gegen Wang Xi verloren. Darüber war ich gar nicht so unfroh. Jetzt muss er sich mehr anstrengen, dann ist alles möglich.“ Der 1.FCS-Funktionär weiß natürlich, dass die Saarbrücker Chancen signifikant steigen würden, wenn Wang Xi in einem Einzel zu knacken wäre. Auch von Matthias Landfried, Coach des Tabellendritten von der Saar, liegt uns ein Statement zum bevorstehenden Spitzenspiel vor: "Die Rollen sind vor dem Spiel klar verteilt: Fulda ist aktueller Tabellenführer und stellt zwei der aktuell fünf Spieler mit der besten Bilanz, und wir müssen in der "Höhle des Löwen" antreten. Das wird aber nichts daran ändern, dass wir wieder versuchen werden, Fulda einen heißen Kampf zu liefern. Ich sehe uns nicht völlig ohne Chance. Um aber ein Erfolgserlebnis zu schaffen, wird wohl wieder die Grundvoraussetzung sein, dass einer unserer Jungs Wang Xi schlagen muss. Dass dies nicht völlig ausgeschlossen ist, hat das Hinspiel gezeigt, als wir nur denkbar knapp mit 2:3 verloren haben."

    Einen besonderen Appetithappen für die treuen, begeisterungsfähigen Fans hat man sich – ähnlich wie übrigens auch Ligarivale Ochsenhausen an diesem Wochenende – in der Rhön einfallen lassen: einmal zahlen, zwei Spiele sehen. Stefan Frauenholz: „Die Eintrittskarte vom Spiel gegen Angers gilt auch für die DTTL-Partie am Sonntag gegen Saarbrücken.“


    Sonntag, 15:00 Uhr: TTC Zugbrücke Grenzau – Borussia Düsseldorf

    Zwei große deutsche Traditionsklubs treffen in der Zugbrückenhalle aufeinander - von der ursprünglich geplanten Verlegung ins nahe Koblenz hatte man wieder Abstand genommen -, die schon viele und bedeutsame Erfolge feiern konnten. Rekordchampion Düsseldorf, den Münchner Bayern inzwischen eine Nasenlänge voraus, peilt den 23. Meistertitel an, Herausforderer Grenzau hat immerhin bereits deren sechs gewonnen und auch international große Zeiten hinter sich.

    Ärgerlich für die in diesem Jahr noch sieglosen Westerwälder, dass es – nach überzeugendem Saisonstart – zum dritten Mal in Folge nichts mit den Play-Offs werden könnte, es sei denn, die Trendwende nach drei enttäuschenden Auftritten würde ausgerechnet gegen die „Übermannschaft“ des deutschen Tischtennissports gelingen. Gegen Hanau, Jülich und Plüderhausen ohne Chance, dafür Düsseldorf geschlagen nach Hause schicken - das wäre irgendwie verrückt, würde aber nicht schlecht zu dieser Extrem-Saison passen, in der auch das eigentlich Unmögliche möglich erscheint. Die vielen treuen Fans des TTC jedenfalls hoffen auf das „Wunder vom Brexbachtal“ und wollen die vermutlich randvolle Zugbrückenhalle in einen Hexenkessel verwandeln – sämtliche Sitzplätze sind seit vierzehn Tagen ausverkauft, an der Tageskasse wird es nur noch Stehplätze geben.

    Die Borussia, die zunächst am Freitagabend das schwere Champions-League-Spiel in Roskilde zu absolvieren hat, wo Timo Boll – im Gegensatz zum Sonntag – auflaufen wird, stört sich ganz im Sinne eines selbstbewussten Abonnement-Champions nicht daran, einstweilen die Tabellenführung an die ehrgeizigen Fuldaer verloren zu haben, möchte aber auch im winterlichen Westerwald demonstrieren, wer in Europas stärkster Liga Chef im Ring ist. Mit Süß, Kishikawa und Keen werden drei starke Akteure die Düsseldorfer Farben tragen – die beiden ersteren in der gesamten bisherigen Saison ungemein erfolgreich, der 1,92 Meter große Niederländer immerhin routiniert genug, um an einem guten Tag gegen jeden Grenzauer etwas auszurichten. Auch ohne den Weltranglistenvierten aus dem Odenwald reist die Borussia als klarer Favorit in das weltbekannte Tischtennisdörfchen im Westerwald.

    TTC-Chef Manfred Gstettner fordert keinen Sieg ein, erwartet jedoch einen ansprechenden Auftritt von Blaszczyk & Co.: „Nach den letzten schwachen Leistungen hoffe ich, dass wir unserem Publikum gegen Düsseldorf einen offenen Schlagabtausch mit guten Kämpfen bieten werden.“ Coach Michele Comparato, dessen Truppe zunächst am Freitag im polnischen Grodzisk im ETTU-Cup bestehen will, lässt keinen Zweifel daran, dass der Tischtennis-Titan eigentlich bezwungen werden müsste, wenn die Saison doch noch einen guten Verlauf nehmen soll: „Im Düsseldorf-Spiel entscheidet sich endgültig, ob es für uns noch in Richtung Play-Offs gehen kann oder ob wir uns im Abstiegskampf der Liga behaupten müssen.“ Comparato setzt gegen den Topfavoriten auf das Prinzip Rehabilitierung: „Ich hoffe, dass jeder Spieler endlich wieder einmal frei aufspielen kann und die angestrebte Wiedergutmachung für den verpatzten Start ins Jahr 2010 betreibt.“


    Borussia-Manager Andreas Preuß freut sich auf die Partie, die er nicht für einen Selbstläufer hält: „Auch wenn Grenzau in dieser Saison nicht so stark zu sein scheint, sind die Duelle im Westerwald immer etwas Besonderes. Wir haben in der Zugbrückenhalle schon so manche verloren geglaubte Schlacht gewonnen, aber mindestens genauso viele Spiele überraschend verloren.“ Trainer Dirk Wagner betont nochmals: „Gegen Grenzau wird Timo nicht spielen. Das bedeutet aber nicht, dass wir den Gegner unterschätzen. Vielmehr trauen wir einfach der siegreichen Mannschaft aus dem Hinspiel zu, diesen Gegner schlagen zu können. Wir haben gut trainiert und gehen mit Selbstvertrauen ins Spiel.“ Gar nicht irritieren lässt sich der erfolgreiche Coach in seiner letzten Saison in Diensten des Rekordmeisters von der Maberzeller Tabellenführung: „Der Spitzenplatz Fuldas tangiert uns nicht. Dies ist eine Momentaufnahme und wird keinen Einfluss auf die Vergabe der Meisterschale haben. Wir haben Respekt vor unseren Gegnern und wissen deren Leistung zu schätzen. Somit ist es in Ordnung, dass zu diesem Zeitpunkt auch eine andere Mannschaft auf Platz eins der Tabelle stehen kann.“

    Das Internetportal www.tt-total.tv wird die Partie filmen und am Montagnachmittag den Usern kostenlos zur Verfügung stellen.


    Sonntag, 15:00 Uhr: TTF LIEBHERR Ochsenhausen – TTC indeland Jülich

    Trotz der herben Enttäuschung der 2:3-Schlappe am 4. Oktober in Jülich - Ochsenhausen spielte damals ohne Topmann Chuang -, gehen die Oberschwaben 40 Stunden nach dem ECL-Schlager gegen Hennebont favorisiert an den Start gegen das zuletzt durchaus überzeugende Ligaschlusslicht. Allerdings hat Jülich mit den zuletzt starken Yang Zi und Marcos Freitas so gut wie nichts zu verlieren, der ambitionierte Gastgeber dagegen nahezu alles.

    Bei einer neuerlichen Niederlage in der DTTL müsste man die Play-Offs wohl endgültig abschreiben, die gegenwärtig durchaus wieder in Reichweite scheinen. Zwar rangiert man lediglich auf Tabellenplatz sieben, liegt aber ganze zwei Pluspunkte hinter dem Trio aus Frickenhausen, Plüderhausen und Grenzau und hat somit durchaus noch Rang vier, der zur Halbfinalteilnahme berechtigt, im Visier. Zudem trauen viele Beobachter der Johansson-Truppe eine Aufholjagd in der Rückrunde angesichts der Qualität der Mannschaft zu, nur beginnen muss diese eben am Sonntag und nicht später, wenn es noch etwas werden soll.

    Auch der Umstand, dass mit dem Taiwanesen Chuang Chih-Yuan, dem Rumänen Adrian Crisan und dem Schweden Pär Gerell gleich drei Spieler den oberschwäbischen Tischtennis-Giganten nach der Saison verlassen müssen - der Verein möchte neue Reizpunkte setzten und qualitativ aufrüsten -, dämpft die Zuversicht des TTF-Präsidenten Rainer Ihle nicht entscheidend: „Die haben einfach einen guten Charakter und zudem wollen sie sich ja auch für neue Vereine ins Gespräch bringen.“ Auch Trainer Anders Johansson rechnet mit einem Sieg: „Wir müssen dieses Spiel gewinnen und nach vorne schauen.“ Sein Gegenüber Johannes Dimmig spekuliert – trotz des Hinspiel-Coups – nicht auf zwei Punkte in Biberach: „Unser Teamgeist ist sehr gut und die super Trainingseinstellung ist weiterhin vorhanden. Gegen Ochsenhausen rechnen wir uns aber nur eine kleine Chance aus.“

    Mancher Zuschauer muss seinen Geldbeutel nicht an der Kasse zücken. Wer eine Karte für den Königsklassen-Knaller gegen Hennebont erworben hat, darf damit nämlich auch das DTTL-Spiel am Sonntag kostenfrei besuchen – „Schau zwei, zahl eins“ heißt die pfiffige Devise in Biberach. Rainer Ihle: „Wir brauchen die Unterstützung der Zuschauer mehr denn je.“


    Sonntag, 16:00 Uhr: TG 1837 Hanau – SV Werder Bremen

    Der 4. Oktober 2009 war ein besonderer Tag für den Liganeuling aus der Brüder-Grimm-Stadt: Mit 0:6 Punkten fuhr man ohne allzu große Erwartungen an die Weser und feierte dort überraschend den ersten Sieg im Profitischtennis.

    Von dieser Schlappe sollten sich die ursprünglich eher für das vordere Ligamittelfeld gehandelten Bremer wochenlang nicht erholen, die bis Dezember den Schluss der Tabelle zierten. Erst gegen Ende der Hinserie wachten Hielscher & Co. plötzlich auf, besiegten zunächst Vizemeister Ochsenhausen und fegten kurz darauf Jülich im Blitztempo aus der Halle. Doch Pech für die Norddeutschen, dass die Winterpause ihren Lauf unterbrach. Sechs Wochen später kamen sie nämlich erneut nicht optimal aus den Startlöchern und kassierten zu Hause gegen den starken Aufsteiger Saarbrücken eine deftige 0:3-Abfuhr.

    Die Partie wird von den Hanauern äußerst ernst genommen. Selbst Trainer Helmut Hampl, der normalerweise wenig von Schlüsselspielen hält und gerne betont, dass sämtliche 18 Ligaspiele gleichermaßen wichtig seien, räumt ein: „Das Spiel kann einen vorentscheidenden Charakter haben, sich etwas von den Abstiegsplätzen zu entfernen.“ Alle fünf Spieler werden an Bord sein. Vermutlich werden Chiang, der mit 6:4 die mit Abstand beste Hanauer Einzelbilanz aufweist, und der künftige Herren-Bundestrainer Roßkopf gesetzt sein. Als Dritten im Bunde dürfte Helmut Hampl den Spieler auswählen, der ihn am Freitagabend beim ETTU-Cup-Viertelfinale im spanischen Priego am meisten überzeugt. „Die Aufstellung wird sich nach meinen Eindrücken im Europapokal-Spiel vom Freitag erst kurzfristig ergeben“, bestätigt dies „Chef“ Hampl.

    Auch Johannes Herrmann betont den besonderen Charakter des Abstiegsduells: „Gegen Bremen ist es ein Drei-Punkte-Spiel. Wir wollen unbedingt den Sieg und werden alles in die Waagschale werfen. Die Mannschaft hängt sich rein und will den Abstieg verhindern.“ Nichts Neues hat der umtriebige TGH-Manager derzeit von der Wechselfront zu verkünden, betont jedoch, dass es bald Neuigkeiten geben werde: „Ich denke, in der nächsten Woche gibt es Brauchbares zu vermelden.“ Man befinde sich gegenwärtig in sehr guten Verhandlungen und werde vermutlich schon in Kürze den neuen Kader für die Saison 2010/11 bekannt geben können. Außer der Vertragsverlängerung um drei Jahre mit Riesentalent Patrick Franziska ist anscheinend noch nichts entschieden. Es bleibt also spannend, auch in personeller Hinsicht.

    Werder-Manager Sascha Greber möchte natürlich in Hanau bestehen, zeigt aber auch Respekt vor dem Liganeuling: „Hanau hat eine gute Mannschaft, die an guten Tagen und mit Chiang wohl gegen fast jeden in der Liga gewinnen kann. Ich gehe von einem echten 50:50-Spiel aus. In den letzten Jahren haben wir öfters knappe Spiele gegen Gönnern gewonnen und hoffen, das auch diesmal gegen die Hanauer zu schaffen. Unsere Spieler, allen voran Jens Lundquist, der bis ins Finale kam, haben jedenfalls zuletzt bei den Slovenian Open frisches Selbstbewusstsein getankt.“ Zum Stellenwert der Partie meint Greber: „Es ist ein wichtiges Spiel für uns, da man im Fall eines Sieges von den Abstiegsplätzen wegkommt, aber noch ohne Endspielstimmung, da es nur eines von noch acht verbleibenden Spielen ist und man in dieser ausgeglichenen Liga auch noch gegen die vermeintlich Großen punkten kann.“

    DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher

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