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  • 09.02.2010 – Tischtennis Bundesliga

    Tag der Außenseiter: Saarbrücken und Hanau gewinnen

    Tag der Außenseiter: Saarbrücken und Hanau gewinnen Saarbrückens Andrej Gacina bezwang die Düsseldorfer Keen und Kishikawa jeweils in fünf Sätzen (Foto: Roscher).

    1. FC Saarbrücken - Borussia Düsseldorf 3:1

    Das Topspiel hielt, was es versprochen hatte, und zog die Zuschauer aufgrund einer großen Kampfmoral der Kontrahenten und sehenswerter Ballwechsel in seinen Bann. Nicht weniger als 20 Sätze bekamen die 1.000 Fans in der Joachim-Deckarm-Halle zu sehen, jedes Match ging über die volle Distanz.

    Andrej Gacina setzte sich zunächst knapp gegen Trinko Keen durch (11:6, 11:9, 7:11, 9:11, 11:7). Beim 1.FCS spielte Jiri Vrablik anstelle von Leung Chu Yan, der wegen eines steifen Genicks passen musste. Dann gelang fast die Sensation durch eben jenen Tschechen, der normalerweise nur Reservist bei den Saarländern ist: Vrablik vollbrachte das Kunststück, der aktuellen Nummer 29 der Welt, Seiya Kishikawa, die ersten beiden Sätze deutlich abzunehmen. Allerdings legte der untersetzte Japaner den Schalter in höchster Bedrängnis gerade noch rechtzeitig um und punktete am Ende doch für den Rekordmeister (6:11, 6:11, 11:9, 11:9, 11:4).

    Doch der bärenstarke Aufsteiger schien den Pausentee besser vertragen zu haben und meldete sich mit einem neuen Adrenalinschub zurück: Bojan Tokic schlug Christian Süß in einem dramatischen Match in 3:2 Sätzen (7:11, 11:8, 9:11, 11:8, 11:8). 2:1 für den Tabellendritten - doch noch stand das zumindest nominell schwerste Einzel für Gacina bevor, der sich mit Kishikawa zu messen hatte, der vor diesem Match eine DTTL-Bilanz von stolzen 10:1 vorweisen konnte. Der durchtrainierte Kroate mit dem wuchtigen Angriffsspiel lieferte eine Klasseleistung ab und setzte sich gegen den Japaner in einem Wahnsinnsspiel, das vier Sätze lang auf der Kippe stand, mit 3:2 durch (12:10, 3:11, 6:11, 12:10, 11:4).

    Der Jubel kannte keine Grenzen, ganz Saarbrücken war - wie es schien - in vorzeitige Karnevalsstimmung versetzt. Die Borussia kann die Schlappe am Sonntag im Spiel gegen Tabellenführer Fulda in Hagen wieder ausbügeln. Saarbrücken kommt den Play-Offs immer näher, zumal wenn es gelingen sollte, am Sonntag vor heimischer Kulisse gegen die angeschlagenen Frickenhausener nachzulegen.

    Borussia-Manager Andreas Preuß erkannte die Leistung der Saarländer an: "Saarbrücken war heute ein Quäntchen besser als wir. Daher geht der Sieg in Ordnung, auch wenn wir hier gerne gewonnen hätten. Möglich war es allemal, denn nach der Pause hätten wir auch beide Matches für uns entscheiden können." Auch Trainer Dirk Wagner trug die Niederlage mit Fassung: "Christian fehlte heute vielleicht ein wenig die Frische, Kishi hatte etwas Pech und Trinko hat gut gekämpft. In vielen Partien hätte es trotzdem zum Sieg gereicht. Aber Saarbrücken hat eine starke Mannschaft, die für mich ganz sicher in die Play-Offs kommen wird. Es ist nie schön, zu verlieren, aber unser Spiel des Jahres findet am Freitag gegen Roskilde statt. Da wäre eine Niederlage sehr viel schmerzhafter."

    1.FCS-Coach Matthias Landfried sagte nach der Begegnung: "Ich möchte noch nicht mal behaupten, dass das heute unser bestes Saisonspiel war, denn wir haben in fast jeder Partie sehr gut gespielt. Aber es war schon ein tolles Spiel vor einer begeisterten großen Kulisse. Andrej Gacina hatte nach 1:2-Satzrückstand gegen einen starken Kishikawa vom Kopf her fast schon abgeschaltet, doch ich konnte ihn in der Satzpause nochmals "puschen", indem ich ihm versichert habe, dass er das Ding noch drehen würde und wir diesmal kein Doppel spielen müssten. Auf einmal war er wieder voll da. Nach dem Spiel hatten wir eine Mannschaftsbesprechung und waren uns einig, dass wir noch nicht viel erreicht und noch nicht mal die halbe Play-Off-Miete haben. Folglich müssen wir genau so weiterspielen und hoch konzentriert in jedes Match gehen. In diesem Sinne nehmen wir Frickenhausen am Sonntag äußerst ernst, zumal wir wissen, was Steger und Matsudaira an guten Tagen leisten könnn. Außerdem sind angeschlagene Gegner oft besonders gefährlich."

    Jiri Vrablik, der Weltklassespieler Kishikawa ein großes Match lieferte und bei 2:0-Satzführung und 6:2 einen vom Schiedsrichter bereits für ihn gezählten Ball wegen einer leichten Berührung seines Shirts fair zurückgab, zeigte sich noch Stunden nach dem Spiel emotional aufgewühlt: "Ich freue mich wahnsinnig über den Sieg der Mannschaft, bin aber auch jetzt noch sehr traurig und unendlich enttäuscht, dass ich die große Chance zu gewinnen nicht genutzt habe."

    Sein Trainer Landfried sah das anders und unterstrich die tolle Darbietung des sympathischen Tschechen, der dem favorisierten Japaner sportlich auf Augenhöhe begegnete: "Jiri muss nicht traurig sein, da er heute eindrucksvoll gezeigt hat, dass er Erstligaformat besitzt. Ihm fehlt es vielleicht etwas an Spielpraxis, zudem war er in den entscheidenden Momenten einen Tick zu nervös und hat vielleicht ein bißchen Angst vor dem Gewinnen gezeigt. Aber er hätte genauso gut siegen können und das wäre nicht unverdient gewesen. Man hat heute gesehen, warum er kürzlich das tschechische TOP 12 gewonnen und im Finale Petr Korbel geschlagen hat."

     

    TTC Frickenhausen - TG 1837 Hanau 1:3

    Anfänglich schien alles im Sinne der Schwaben zu laufen: Den Auftakt bildete der Viersatz-Sieg Kenta Matsudairas, der ganz allmählich wieder zu alter Form zu finden scheint, über Chiang Hung-Chieh (11:6, 12:10, 6:11, 11:2). Erwartungsgemäß folgte der Ausgleich durch den schon gegen Bremen bärenstarken "Mr. Tischtennis" Jörg Roßkopf, der gegen Fabian Akerström wenig Mühe hatte (11:8, 11:5, 11:6). 1:1 zur Pause in der Sporthalle auf dem Berg, alles war völlig offen. Dann die große Überraschung: Nicht Europe-TOP12-Teilnehmer "Basti" Steger setzte sich im dritten Einzel des Abends durch, sondern der baumlange Steffen Mengel, der sich allerdings in den letzten Wochen bereits sehr stark präsentiert hatte. Mengel behielt in vier Sätzen die Oberhand über den enttäuschenden und enttäuschten Mannschaftseuropameister von St. Petersburg und Stuttgart (9:11, 11:6, 11:9, 11:7).

    Anschließend konnte "Rossi" gegen Matsudaira bereits alles klar machen, jedoch musste der hoch talentierte japanische Tischtennis-Teenager erst einmal bezwungen werden, was dem 40-jährigen Linkshänder zuvor zweimal nicht gelungen war. Doch es klappte tatsächlich, ein Jörg Roßkopf in seinem "dritten Tischtennis-Frühling" ließ auch Matsudaira keine echte Chance (11:4, 11:6, 13:11) und führte seine Hanauer zu einem sensationellen 3:1-Sieg im Neuffener Tal nach einer Gesamtspieldauer von nur knapp zwei Stunden.

    Die Hessen können vor dem Kellergipfel am Freitag in Jülich wieder hoffen und haben sogar Anschluss ans hintere Tabellenmittelfeld gefunden, während für den im Jahr 2010 noch sieglosen "Tälesklub" die Play-Offs in weite Ferne gerückt sind. Im schlimmsten Fall könnte man sich demnächst sogar im Abstiegskampf wiederfinden.

    TTC-Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann zeigte sich verärgert: "So kann es nicht weitergehen, sonst steigen wir ab. Die Mannschaft ließ heute jeglichen Kampfgeist vermissen.“ Auch Manager Jürgen „Max“ Veith reagierte schockiert: „Momentan fehlen mir die Worte, irgendwo müssen wir noch mindestens zwei Punkte herbringen. Am Sonntag in Saarbrücken sind wir ja Gott sei Dank Außenseiter, vielleicht klappt's ja dann.“

    Hanaus Trainer Helmut Hampl gab sich, wie fast immer, gelassen: „Ich bin eigentlich gar nicht überrascht, meine Jungs waren schon im Training richtig gut. Da Chiang zwar auf dem Weg der Besserung ist, aber noch etwas angeschlagenen war, sind wir kein Risiko eingegangen und haben ihn nicht an Position eins gestellt." Dann lobte der Cheftrainer des Hessischen Tischtennis-Verbandes aber doch seine Akteure: "So wie „Rossi“ heute gespielt hat, müsste er eigentlich auch als Spieler wieder in die Nationalmannschaft. Und Steffen Mengel hat auch sehr gut gespielt. Hut ab aber vor der gesamten Mannschaft! Es sind noch 14 Punkte zu vergeben und wir werden bis zum Schluss mit größter Hingabe darum kämpfen, den sportlichen Klassenerhalt zu schaffen.“ Auch Jörg Roßkopf zeigte sich hoch zufrieden: „Meine Leistung war schon gut heute, zumal ich gegen Matsudaira die letzten beiden Male verloren hatte. Aber ich hatte auch vor dem Spiel schon ein gutes Gefühl. Die Mannschaftsleistung hat einfach gestimmt und es war ein ganz wichtiger Sieg für uns. Das Spiel in Jülich wird aber nicht leichter werden. Ich habe selbst zwei Jahre dort gespielt und kenne deren Heimstärke. In dieser spannenden Liga hängen Sieg oder Niederlage fast immer von Kleinigkeiten ab.“

    DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher

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