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  • 09.04.2010 – Deutsche Tischtennis Liga

    DTTL am Freitag: Vier 3:1-Sieger, spektakulärer "Rossi"-Abschied

    DTTL am Freitag: Vier 3:1-Sieger, spektakulärer Jörg Roßkopf im Moment des verwandelten Matchballs gegen Robert Svensson (Foto: Roscher).

    TTC indeland Jülich - Borussia Düsseldorf 1:3

    Im Westderby setzte sich der amtierende Deutsche Meister vor 450 Zuschauern in der Jülicher Nordhalle standesgemäß durch. Zunächst schlug Seiya Kishikawa Yang Zi 11:8, 11:5, 12:10, dann legte Christian Süß in Form eines 11:8, 12:10, 11:5 über Filip Szymanski nach. Doch die Herzogstädter kamen zurück: Marcos Freitas bezwang Trinko Keen 11:9, 9:11, 11:8, 10:12, 11:9. Chistian Süß machte jedoch gegen Yang Zi nach einer Gesamtspielzeit von rund 140 Minuten alles klar für den Rekordchampion (11:8, 12:10, 11:8). Die Düsseldorfer bauten mit diesem Erfolg ihre beeindruckende Saisonbilanz auf nunmehr 15 Siege in 17 Spielen aus. Borussia-Trainer Dirk Wagner: "Wir können heute mit der Vorstellung unserer Mannschaft zufrieden sein. Obwohl wir bereits als Hauptrundensieger feststanden, haben sich die Jungs nochmals richtig reingehängt und verdient diesen deutlichen Sieg eingefahren." Der Ligaprimus wird ohnehin auf der Poleposition die Runde beenden, die Jülicher bleiben einstweilen auf Rang acht. Jülichs Trainer Johannes Dimmig: "Wir haben unser kleines Ziel mit dem Einzelsieg von Marcos erreicht. Gratulation an den amtierenden Meister! In der Form plus Boll kann sie in Europa keiner schlagen. Alles Gute von uns auch an Rossi!"
     

    TTF LIEBHERR Ochsenhausen - SV Werder Bremen 3:1

    Vor 1.100 Zuschauern in Markdorf bei Pfullendorf in der Bodenseeregion legte Ochsenhausen los wie die Feuerwehr. 2:0 stand es zur Pause für den letztjährigen Vizemeister: Chuang Chih-Yuan besiegte Adrian Dodean 11:5, 11:3, 11:6, Tiago Apolonia schlug Jens Lundquist 11:8, 11:5, 11:9. Doch der SV Werder kam durch Taku Takakiwa zurück ins Spiel, der sich ein wenig überraschend gegen Adrian Crisan klar durchsetzte (11:3, 11:5, 11:8). Aber die Oberschwaben ließen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Nach exakt 90 Minuten Gesamtspielzeit verwandelte der Taiwanese Chuang Chih-Yuan seinen Matchball gegen den Ex-Ochsenhausener Jens Lundquist zum Sieg des Play-Off-Anwärters, der mit diesem Sieg die Halbfinalspiele erreicht hat. Ob es am Ende Platz drei oder vier wird, entscheidet sich am Sonntag in Grenzau. TTF-Präsident Rainer Ihle: "Wir haben souverän gewonnen und müssen am Sonntag in Grenzau nachlegen, um sicher den dritten Platz zu erreichen." Werder-Trainer Christian Tamas: "Ochsenhausen war heute klar besser und hat verdient gewonnen."

     

    TG 1837 Hanau - TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 1:3

    Mit einem spektakulären Groß-Event mit Livemusik und Lichtshow hat die TG Hanau am Freitagabend Jörg Roßkopf verabschiedet. "Danke Rossi" stand auf einem Plakat, das Zuschauer zur Abschiedsparty mitgebracht hatten.

    Ein tolles und in seiner zweiten Hälfte dramatisches Dreistunden-Match wurde vor der Hanauer Rekord-Kulisse von 1.850 Menschen geboten mit dem glücklicheren Ende für Fulda-Maberzell, das sich damit Platz zwei in der DTTL vorzeitig sichern konnte.

    Jan-Ove Waldner zeigte im Auftakteinzel, dass er sein Metier immer noch perfekt beherrscht. Hanaus Steffen Mengel kam - trotz einer 6:1-Ligabilanz vor dem Match - nie richtig heran und unterlag dem großen Meister mit 7:11, 9:11, 7:11. Anschließend mühte sich der 17-jährige Europe-Youth-TOP10-Sieger Patrick Franziska redlich gegen Maberzells Defensiv-Ass Wang Xi, musste nach drei Sätzen aber dem drahtigen Chinesen zum Sieg gratulieren, der beim 11:7, 11:2, 11:9 jederzeit Herr im Ring war. Allerdings merkte man dem hoch talentierten TGH-Youngster auch eine gewisse Nervosität im Rampenlicht vor einer so großen, erwartungsvollen Kulisse an.

    Und dann der große Auftritt von Jörg Roßkopf in "seinem Spiel" - der Großteil der vielen Tischtennisfans in der Halle wünschte, bei aller sportlichen Fairness, dem großen Sympathieträger des deutschen Tischtennissports nichts sehnlicher als einen Sieg im Linkshänder-Duell gegen Robert Svensson, den letzten Heimsieg seiner Karriere. Doch der Schwede spielte ebenfalls auf ganz hohem Niveau. Ein richtig dramatisches Match entwickelte sich, bei dem fast immer derjenige im Vorteil war, der Aufschlag hatte. Doch "Rossi" war am Ende einen Tick nervenstärker, wehrte zwei Matchbälle seines Gegners ab und durfte nach 45-minütiger Matchdauer die Ovationen des Publikums sowie seiner Mitspieler und des sichtlich bewegten Trainers Helmut Hampl entgegennehmen. Ein Auftritt nach Maß und eine Dramaturgie wie aus dem Bilderbuch - und das bei zwei Gegnern, die bis in die Haarspitzen motiviert waren. Jörg Roßkopf musste sich jeden einzelnen Punkt bei seinem 10:12, 11:8, 5:11, 11:5 und 14:12 hart erkämpfen. Einige fulminante Rückhandschüsse des Rekordnationalspielers erinnerten an seine ganz großen Zeiten. Ein schlicht und einfach fantastisches Match zweier absolut gleichwertiger Gegner.

    Die TGH hatte Blut geleckt. Ein großartig aufspielender Steffen Mengel brachte Abwehrkünstler Wang Xi an den Rand einer Niederlage. Bei 5:0-Führung beim Seitenwechsel im Enscheidungssatz sah der hochgewachsene Siegerländer wie der sichere Sieger aus. Doch der Chinese arbeitete sich Punkt für Punkt heran und hatte schließlich das bessere Ende auf seiner Seite. Mengel war völlig konsterniert, obwohl er - ebenso wie sein Widersacher - grandioses Tischtennis geboten hatte. Dem Tabellenneunten Hanau fehlt nun theoretisch noch ein einziger Spielgewinn zum Klassenerhalt.

    Nach der Partie wurde "Rossi" von prominenten Freunden und Weggefährten wie Hans Wilhelm Gäb, Michael Bachtler, Dr. Fritz Wienke, Dr. Norbert Englisch oder Steffen Fetzner geehrt und reich beschenkt. Auch Vertreter der Politik wie der Sprecher der Landesregierung, Staatssekretär Dirk Metz, und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky gehörten zu den Gratulanten. Timo Boll ließ es sich natürlich auch nicht nehmen, seinem Vorbild Roßkopf persönlich die Ehre zu erweisen. Auch der ehemalige Bundestrainer Zlatko Cordas war eigens aus Katar angereist. Als besonderer Clou wurde ohne Vorwarnung "Angstgegner" Manfred Nieswand präsentiert, gegen den der junge "Rossi" 1986 sein allererstes Bundesligamatch verloren hatte. Beim anschließenden Schaukampf zwischen den beiden unter den gestrengen Augen des "Schiedsrichters" Fetzner schien der künftige DTTB-Herren-Bundestrainer diesmal aber technisch überlegen zu sein. Die Ehrungen und Sympathiebekundungen gingen Jörg Roßkopf sichtlich nahe: "Ich bin sehr gerührt, das ist ein ganz spezieller Moment für mich."

    Eine große Sportlerkarriere neigt sich den Ende zu - eine DTTL-Partie wird "Mister Tischtennis" am Sonntag noch bestreiten -, eine womöglich ebenso große Karriere als Bundestrainer könnte folgen.

    Hanaus Manager Johannes Herrmann: „Ich glaube, ich darf sagen, dass wir hier etwas für unseren „Rossi“ auf die Beine gestellt haben, was es so im deutschen Tischtennis noch nicht gegeben hat. Wir haben diesem tollen Sportler einen würdigen Abschied bereitet und freuen uns unendlich, dass wir ihn künftig weiter an unserer Seite haben. Das Spiel heute war ein Wahnsinns-Krimi, ein einziger Spielgewinn fehlt uns rein theoretisch noch in Saarbrücken – und das werden wir auch noch schaffen!“ Fuldas Vorsitzender Stefan Frauenholz: „Jetzt haben wir den 2. Platz sicher und das macht uns sehr glücklich."

     

    SV Plüderhausen - 1. FC Saarbrücken 3:1

    Es sieht nicht gut aus für den 1. FC Saarbrücken im Kampf um den Play-Off-Einzug. 0:2 lag man zur Pause beim SV Plüderhausen zurück, der vor 330 Zuschauern in der Hohbergsporthalle einen Start nach Maß erwischte: Ex-Weltmeister Jörgen Persson bezwang Leung Chu Yan in vier Sätzen (9:11, 11:5, 11:9, 11:8). Jakub Kosowski besiegte anschließend Andrej Gacina in einem ganz engen Match nach 0:2-Satzrückstand noch mit 3:2 (5:11, 8:11, 12:10, 11:7, 11:9). Doch die Saarländer wollten sich noch nicht geschlagen geben: Bojan Tokic schaffte den Anschluss durch einen Viersatzsieg gegen Aleksandar Karakasevic. "Kara" musste das Spiel allerdings verletzungsbedingt im dritten Satz beim Stand von 15:15 aufgeben. Dann jedoch rechtfertigte der "alte Schwede" im SVP-Dress erneut seinen Einsatz: Persson beendete die Begegnung durch ein 3:2 gegen Andrej Gacina (6:11, 11:7, 6:11, 11:4, 11:4).

    Plüderhausen kletterte auf Platz sechs, Saarbrücken ist Fünfter. Um noch auf einen Play-Off-Platz zu klettern, müsste am Sonntag die TG Hanau mit 3:0 geschlagen werden bei einem gleichzeitigen 3:0 der Ochsenhausener in Grenzau - eine nicht unmögliche, aber auch nicht sehr wahrscheinliche Variante. Es sieht so aus, als hätte Saarbrücken eine wirklich sehr gute, greifbare Chance in den letzten fünf Wochen verspielt - vier Niederlagen in Folge haben die zuvor so überzeugenden Saarländer mächtig zurückgeworfen.

    SVP-Sportkoordinator Ulrich Engele betonte in seiner Nachbetrachtung zu der Partie, dass auch ein wehmütiger Aspekt dabei war: "Das SVP-Team verabschiedete sich von seinen treuen Zuschauern, denn die gesamte Mannschaft wird in der nächsten Saison für andere Vereine aufschlagen, und wurde nach Spielende mit großem Applaus gefeiert."

     

    Nachfolgend noch einige Aufnahmen vom Roßkopf-Abschiedsspiel in Hanau (Fotos: Roscher)

    Jörg Roßkopf betritt mit Sohn Linus die Spielbox.

    Spielszene Roßkopf vs. Svensson.

    Hallenperspektive: 1.850 Menschen in der Main-Kinzig-Halle.

    Helmut Hampl drückt "Rossi" nach dessen Match fest an sich.

    Nicht für alle war es ein glücklicher Tag: Steffen Mengel am Boden zerstört nach der knappen Niederlage gegen Wang Xi, der den Hanauer zu trösten versucht.

    DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb überreicht "Rossi" den "stibitzten" Siegesball vom WM-Endspiel 1989 in Dortmund.

    Die Fans feierten Jörg Roßkopf gebührend.

    Jörg Roßkopf mit Freunden und Weggefährten, v.l. Michael Bachtler, Roßkopf, Manfred Nieswand, Steffen Fetzner.

    DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher

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