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  • 14.04.2010 – Tischtennis Bundesliga

    Bilanz 2009/10: Trends und Highlights einer spektakulären Punktrunde

    Bilanz 2009/10: Trends und Highlights einer spektakulären Punktrunde Prickelnde DTTL-Atmosphäre beim Abschiedsspiel für Jörg Roßkopf (Foto: Roscher).

    Nichts für schwache Nerven

    Es war eine verrückte Runde mit einer Ausgeglichenheit der Mannschaften, wie sie in der Bundesligageschichte beispiellos ist. Diese Konstellation führte zu serienweise dramatischen Partien, wie man sie Zuschauern mit Herz- oder Kreislaufproblemen eigentlich gar nicht mehr guten Gewissens empfehlen konnte. Wann etwa gab es zuletzt einen derart prickelnden Abstiegskampf wie in der Saison 2009/10! Jeder konnte Jeden schlagen – nur Ligaprimus Düsseldorf zog lediglich zweimal den Kürzeren -, und wochenlang trennte nur ein Lufthauch den vierten vom letzten Platz. Mit zwei in Folge gewonnenen Spielen konnte man locker um vier Ränge nach oben klettern, mit zwei Niederlagen ganz ans Tabellenende rutschen. Dort stand zum Schluss nicht von ungefähr ein Team, das gegen Ende der Vorrunde noch auf Play-Off-Kurs war und – nachdem einem Spieler gekündigt werden musste – plötzlich kein Bein mehr auf den Boden bekam.

    Zehn Klubs zwischen Anspruch und Wirklichkeit

    Am Ende erreichten zwar vier Teams die Play-Offs, denen man dies durchaus vorher zugetraut hatte, zwei davon hatten jedoch ganz hart um die Qualifikation zu kämpfen. Nur Titelverteidiger Düsseldorf, der am 9. Juni zu gerne erneut den Meisterpokal in Empfang nehmen möchte, und die mit Ausnahmeakteur Wang Xi eine tolle Runde spielenden Maberzeller, wochenlang sogar Spitzenreiter, hatten relativ früh Planungssicherheit. Vizemeister Ochsenhausen musste dagegen schon eine grandiose Rückrunde mit 14:4 Punkten hinlegen, um dabei zu sein. Die Grenzauer drehten – nach einer streckenweise verkorksten Rückserie – gegen Ende nochmals auf und verdrängten die unglücklichen Saarbrücker auf den undankbaren fünften Rang, die monatelang auf Play-Off-Kurs waren und sich lediglich zum falschen Zeitpunkt ihr Runden-Tief nahmen, nämlich im Endspurt um die Plätze an den Fleischtöpfen.

    Der Sechste Bremen dagegen steckte über zwei Drittel der Saison hinweg im Tabellenkeller fest, zog aber rechtzeitig den Endspurt an und war drei Spieltage vor Schluss sorgenfrei. Kurz darauf konnten auch die Plüderhausener durchatmen, die - nach einer bescheidenen Saison - eigens nochmals Ex-Weltmeister Jörgen Persson als Leitwolf reaktivieren mussten, um sich aller Abstiegsprobleme zu entledigen. Eine respektable Saison spielte „Seiteneinsteiger“ Hanau mit Ikone Jörg Roßkopf, der nach einer sehr ordentlichen Rückserie, in der vier Siege gelangen, verdientermaßen auf einem sportlichen Nichtabstiegsplatz stand. Auch in Sachen Zuschauerresonanz hat der „Gönnern-Erbe“, der die Saison überwiegend mit talentierten deutschen Spielern bestritt, Akzente gesetzt und gezeigt, dass im Rhein-Main-Gebiet Potenzial für hochklassigen Tischtennissport gegeben ist.

    Erst mit dem letzten Spieltag rutschten die tapferen Jülicher auf Rang neun ab. Die Dimmig-Truppe, mit dem niedrigsten Etat der Liga ausgestattet, hat sich teuer verkauft und immerhin zwölf Punkte auf der Habenseite verbucht. Schon vor Wochen hatte man in der Herzogstadt am Niederrhein die Entscheidung getroffen, in der kommenden Saison einen Neuaufbau in der 2. Liga zu starten, und keine Lizenzunterlagen eingereicht. Die rote Laterne wurde am Ende mit dem TTC Frickenhausen ein ganz namhafter Klub nicht mehr los, der in den Jahren 2006 und 2007 noch zu Meisterehren gelangt war. Nach der Vorrunde Fünfter, brach nicht zuletzt der „Fall Tan Rui Wu“ dem „Tälesklub“ das Genick. Nach der fristlosen Entlassung des flinken China-Kroaten – wir berichteten über die Hintergründe – trat ein, was kaum einer für möglich gehalten hätte: Trotz zweier renommierter Spieler wie Bastian Steger und Kenta Matsudaira wurde die Rückrunde mit 0:18 Punkten zum Desaster. Jülich verlässt die DTTL, Frickenhausen muss voraussichtlich den schweren Weg ins Unterhaus mitgehen. Diesmal wollen nämlich zwei Vereine ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen, Ruhrstadt Herne und der TSV Gräfelfing, was grundsätzlich als positiv zu bewerten ist und die gestiegene Attraktivität von Europas stärkster Liga unterstreicht.

    Ein Liga-Highlight erster Güte war das Roßkopf-Abschiedsspiel in Hanau vor wenigen Tagen. 1.850 Fans wurden Zeugen eines perfekt inszenierten Tischtennis-Events mit bewegenden Momenten im Rahmen des DTTL-Hessenderbys gegen Fulda. Der fast 41-jährige „Rossi“, der in seiner 24. und letzten Bundesligasaison eine respektable 9:11-Bilanz erspielte, wechselt endgültig ins Trainerfach und wird im August Richard Prause als Herren-Bundestrainer nachfolgen.

    Auf internationaler Bühne läuft es auch diese Saison gut für die DTTL-Teams: Düsseldorf und Ochsenhausen stehen nach teilweise grandiosen Auftritten erneut in den Halbfinals der europäischen Königsklasse. Die Borussia steht bereits mit eineinhalb Beinen in der Endspielserie. Gleiches gilt für Fulda-Maberzell im Europapokal. Bis ins Halbfinale stießen überraschend die Hanauer „Nobodys“ vor, die mit jungen deutschen Spielern Hochkaräter wie Turin, Moskau und Priego aus dem Rennen warfen, in der Runde der besten Vier allerdings gegen die Waldner-Truppe an ihre Grenzen gestoßen zu sein scheinen, die klar auf Finalkurs ist. Dass ein Steffen Mengel, bei dem es auch in Liga zuletzt vorzüglich lief, im ETTU-Cup eine 8:1-Bilanz einfuhr, zählt zu den angenehmen Überraschungen der Saison.

    Den Ligapokal sicherten sich am 27.12. vor 4.300 Fans in der Dortmunder Westfalenhalle die Düsseldorfer, die im Finale Ochsenhausen keine Chance ließen. Auch diesmal lautete das Motto „Cup + Concert“ und erneut gelang auch musikalisch ein großer Wurf mit der Verpflichtung der deutschen Topgruppe Culcha Candela.

    Gewinner und Verlierer: Blick auf die Bilanzen

    Der begeisternd aufspielende Wang Xi (Fulda) führt mit einer 15:2-Bilanz die Rückrunden-Bestenliste an, gefolgt von Christian Süß (Düsseldorf, 10:2) und Chuang Chih-Yuan (Ochsenhausen, 10:3). Aber auch das 8:3-Ergebnis eines Marcos Freitas (Jülich) oder das 7:3 des Hanauers Mengel sind aller Ehren wert, ebenso wie das 6:2 des Bremers Lars Hielscher. Nicht berauschend war Patrick Baums 4:9 im Dress der Grenzauer – der nach Düsseldorf wechselnde Nationalspieler hat aber wenigstens Gelegenheit, in den Play-Offs nochmals nachzulegen. Noch weit weniger allerdings überzeugte Fabian Akerströms 1:9-Rückrundenbilanz, die am letzten Spieltag durch den Sieg gegen Landsmann Robert Svensson (Fulda), bei dem es auch überhaupt nicht mehr rund lief (1:8), wenigstens einen Tick erträglicher gestaltet wurde.

    Maberzells Dauerbrenner Wang Xi, der lebendige Beweis dafür, dass modernes Abwehrspiel durchaus auf höchster Ebene konkurrenzfähig sein kann, erreichte die beste Gesamtbilanz der Punktrunde (27:5). Wer das Kunststück fertigbrachte, den sympathischen Chinesen zu bezwingen, wie zuletzt Lars Hielscher und Tomas Pavelka, konnte sich eine dicke Kerbe in den Gürtel machen. Direkt dahinter folgen Akteure des Klassenprimus: Der deutsche Einzelmeister Christian Süß (23:4) zeigte, dass er die Rolle des Leitwolfs erfolgreich geschultert hat und inzwischen gerade bei Abwesenheit Timo Bolls (5:1) als Leader unverzichtbar ist. Seiya Kishikawas 15:4 beeindruckt immens – die Ochsenhausener könnten künftig ihre helle Freude an dem 22-jährigen Weltklasse-Japaner haben. Jörgen Persson hat es auch mit 43 Jahren noch drauf (10:4) und Chuang Chih-Yuan (16:8) ist in der DTTL stets ein sehr guter Mann, wenngleich er aufgrund stärkerer Schwankungen keine Extrembilanzen produziert. Sein Klubkamerad Adrian Crisan, der künftig das Werder-Trikot tragen wird, war mit 11:6 durchaus erfolgreich. Gleiches gilt für den Plüderhausener Jakub Kosowski (13:9) und seinen Saarbrücker Kollegen Bojan Tokic (13:10), aber auch für Jülichs Yang Zi (16:13), der nach Hanau wechselt, und Bastian Steger, der nächste Saison in Saarbrücken aufschlagen wird. „Bastis“ 15:12-Resultat war freilich zu wenig, um Frickenhausen in der Klasse zu halten – speziell in der Rückrunde (5:8) blieb der zeitweise bis auf Platz 20 des Welt-Rankings vorgerückte DTTB-Nationalspieler unter seinen Möglichkeiten. Mit 6:3 spielte sich erneut ein Matsudaira ins Rampenlicht, diesmal aber nicht Frickenhausens Kenta, für den die zweite Saison in Deutschland unter keinem guten Stern stand (4:15), sondern Bruder Kenji im Grenzauer Dress.

    Weniger begeisternd fielen die Resultate gestandener Bundesligaspieler wie Aleksandar Karakasevic (7:11), Trinko Keen (4:9) oder Pär Gerell (2:8) aus. Jan-Ove Waldners 5:11 berauscht ebenso wenig, allerdings zeigte das 44-jährige Tischtennis-Genie aus Schweden zuletzt wieder deutlich ansteigende Form (Rückrundenergebnis 4:3) und bot im ETTU-Cup ansprechende Leistungen.

    Die Doppelbilanzen sind angesichts der nicht allzu vielen Matches wenig aussagekräftig. Recht häufig zusammen spielten Meng/Waldner (Fulda, 3:2), Freitas/Szymanski (Jülich, 2:2) und Franziska/Roßkopf (Hanau, 2:3). Akerström/Matsudaira (Frickenhausen, 0:3) war das Glück ebenso wenig hold wie ihrer gesamten Mannschaft. Deutschlands Paradedoppel Boll/Süß trat noch gar nicht in Erscheinung, was sich aber in den Play-Offs noch ändern könnte.

    Zuschauerzahlen als Gradmesser der Attraktivität

    Insgesamt sahen 52.980 Zuschauer die 90 Spiele der Punktrunde. Der recht ansprechende Zuschauerschnitt der Vorrunde (629) war in den Rückspielen nicht zu halten und verringerte sich auf 588 für Hin- und Rückserie zusammen. Damit liegt er fast punktgenau auf dem Wert der Vorsaison (586) und etwa auf dem Niveau der letzten Spielzeiten. Der Durchschnittswert dürfte durch die sechs Play-Off-Matches nochmals deutlich nach oben gehen und könnte sich am Ende bei etwa 630 bis 640 einpendeln, was im normalen Rahmen läge, allerdings auch keine augenfällige Steigerung bedeuten würde. Man muss sich also weiterhin Gedanken darüber machen, wie man ein so tolles „Produkt“ wie die - gerade in dieser Saison - so ungemein spannende und hochklassige DTTL künftig noch besser inszenieren und bewerben kann, um sie noch attraktiver für Tischtennisfans und ein sport-affines Publikum generell zu machen.

    Ligaprimus Borussia Düsseldorf (1.048), DTTL-Neuling TG 1837 Hanau (882), Senkrechstarter TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell (875) und Vizemeister TTF Liebherr Ochsenhausen (772) können sich über mangelndes Faninteresse nicht beschweren. Danach folgt ein breites Mittelfeld von Vereinen, die etwa zwischen 500 und 350 Menschen pro Partie liegen – angeführt von den Frickenhausenern (502), die in der Rückserie zulegten und zweimal deutlich über 1.000 Zuschauer begrüßen konnten. Schlusslicht in dieser Kategorie und extremer Ausreißer nach unten ist Jülich mit nur 188 Zuschauern im Schnitt. Eigentlich schade, bekamen die Fans in der Nordhalle in der vorerst letzten Jülicher Bundesligasaison nach 33 Jahren der Erstklassigkeit doch fast immer spannendes Tischtennis und bis zum Umfallen kämpfende Spieler zu sehen. In der Auswärtsstatistik liegt erwartungsgemäß Düsseldorf (954) vorne vor Saarbrücken (731), Hanau (693), Fulda (646) und Grenzau (630).

    Rekordbesuch waren die 2.900 Menschen im Düsseldorfer Burg-Wächter Castello beim Saisonauftakt des Rekordmeisters gegen Aufsteiger Saarbrücken, gefolgt von 2.300 Tischtennisfans, die in der Fuldaer Esperantohalle das Hessenderby zwischen Maberzell und Hanau am vorletzten Hinserien-Spieltag sahen - eine höchst ungewöhnliche Zuschauerzahl für ein Spiel ohne Beteiligung von Borussia Düsseldorf mit ihrem Publikumsmagneten Timo Boll. Die 1.900 Besucher am 8. November in der Arena Ludwigsburg beim Match zwischen „Vize“ Ochsenhausen und dem Titelverteidiger können sich auch sehen lassen, ebenso natürlich die 1.850 Besucher des spektakulären „Rossi“-Abschiedsspiels am 17. Spieltag in Hanau. Damit sahen insgesamt 4.150 Zuschauer die beiden DTTL-Hessenderbys der Saison 2009/10! In Hanau erlebten auch 1.480 Menschen den Auftritt des Rekordmeisters am 6. September live mit. Düsseldorf begrüßte 1.300 Fans zum Rückrunden-Topspiel gegen Fulda-Maberzell, eine ebenso respektable Zahl wie die 1.300 Zuschauer in Frickenhausen beim Thriller gegen Grenzau und die 1.100 in der Sporthalle auf dem Berg gegen den Boll-Klub. 1.050 Zuschauer sahen die Partie Düsseldorf vs. Grenzau, während 1.008 Besucher zur Premiere des ARAG CenterCourts im Düsseldorfer Tischtennis-Zentrum gegen die TG Hanau erschienen und mit einem Tischtenniskrimi belohnt wurden, der erst im Zielfinish einen Sieger fand.

    Standardergebnis 3:1

    26 Mal entschied das Doppel über Sieg und Niederlage, 25 der insgesamt 90 Partien endeten mit einem glatten 3:0. Das Standardergebnis lautet folglich 3:1 – 39 Mal trug der Oberschiedsrichter dieses Endergebnis in seinem Spielbericht ein. Doch viele dieser 3:1-Spiele waren äußerst umkämpft, manche dauerten rund drei Stunden.

    Apropos 3:1: Borussia Düsseldorf stellte zu Beginn der Runde einen ganz und gar ungewöhnlichen Rekord auf: Die ersten acht Spiele des Rekordmeisters endeten allesamt mit 3:1 zugunsten der Borussia - fünf in der DTTL, drei in der Champions League. Bis zum 11. Oktober hatte die fast unheimliche 3:1-Serie Bestand, dann beendete sie Verfolger Fulda, der seinerseits die Rheinländer mit 3:1 abfertigte.

    128 Minuten Spitzentischtennis zum fairen Preis

    Insgesamt sahen die Zuschauer 12.916 Minuten fast immer hochklassigen, bisweilen dramatischen Tischtennissport, das ergibt eine durchschnittliche Spieldauer von etwas über 143 Minuten. Zieht man die Pause ab, ergibt sich als Mittelwert eine reine Spielzeit von zwei Stunden und acht Minuten - eigentlich ein sinnvolles, angebrachtes Maß, entspricht dies doch locker einem DFB-Pokalspiel im Fußball inklusive Verlängerung, das man gemeinhin mit dem Gefühl verlässt, richtig viel Sport für sein Geld geboten bekommen zu haben.

    Bisweilen dauert es aber auch viel, viel länger: Den Vogel in der Hinrunde schoss der Thriller zwischen Jülich und Ochsenhausen am 4. Oktober ab, der die Nerven der Fans 225 Minuten lang strapazierte, also eine reine Spielzeit von dreieinhalb Stunden hatte. Die Begegnung zwischen Bremen und Plüderhausen am ersten Spieltag dauerte immerhin 210 Minuten, also 195 Minuten nach Abzug der Pause. Nur eine einzige Minute kürzer war das Spektakel zwischen Fulda und Grenzau am 15. November, das die Osthessen im Zielfinish mit 3:2 zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Auch nicht übel waren die 200 Minuten, also 185 Minuten reine Spielzeit, die den Fans bei Düsseldorf vs. Hanau am 23.03. geboten wurden – und das bei der Partie des Spitzenreites gegen einen um den Klassenerhalt kämpfenden Widersacher. Ausnahmen waren Spiele wie Hanau vs. Plüderhausen am 15.11. oder Plüderhausen-Düsseldorf am letzten Vorrunden-Spieltag, die insgesamt jeweils nur exakte 100 Minuten dauerten, also nach 85 Minuten reiner Spielzeit einen Sieger gefunden hatten. Auch das Rückspiel zwischen der Borussia und einem ersatzgeschwächten SVP am 11.04. war für längere Tischtennisgenüsse ungeeignet – ganze 75 Minuten vermochten die Schwaben dem Topteam Widerstand zu leisten. Derart sportliche "Kurzarbeit" gab es aber nur in seltenen Ausnahmefällen, was bei der extremen Ausgeglichenheit der Liga nicht verwundert.

    Die Liga tourte durch die Republik

    "Outsourcing" ist nach wie vor ein aktuelles Thema. "DTTL on Tour“ hieß die Devise 2009/10 und schloss auch Champions-League-Auftritte deutscher Vereine mit ein. Es gab zwei Kategorien: 1. Vom TV-Partner der Liga organisierte und vermarktete Events in originellem Ambiente, wie etwa das Schwabenderby Ochsenhausen vs. Frickenhausen in der Arena Hohenlohe in Ilshofen oder das ECL-Topspiel Ochsenhausen vs. Niederösterreich im Münchner Circus Krone Bau; 2. Von Bundesligavereinen unter Mitwirkung lokaler oder regionaler „Presenter“ selbst betreute Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Partie der Ochsenhausener gegen Düsseldorf in der Arena Ludwigsburg, das TTF-Heimspiel gegen Werder Bremen in Markdorf oder das Match des Boll-Klubs in der Königsklasse gegen Hennebont in der Großsporthalle Berg Fidel in Münster.

    Eine entscheidende Größe schien dabei die Vorbereitungszeit zu sein, zudem spielten lokale Netzwerke in der Bewerbung eine wichtige Rolle. Spiele der zweiten Kategorie wurden über längere Zeiträume minutiös geplant und konnten auf bereits vorhandene Strukturen vor Ort zurückgreifen - folglich waren die Hallen sehr gut gefüllt. Events des ersten Typus hingegen fanden mit 600 bis 1.000 Zuschauern nicht die Resonanz, die sie als außergewöhnliche Sportveranstaltungen verdient gehabt hätten. Das sind wichtige Erkenntnisse, die dazu beitragen, solche und ähnliche Konzepte künftig noch effektiver zu gestalten. Schließlich betritt man in mancher Hinsicht Neuland und befindet sich noch in der Lernphase. Dass die Richtung erfolgversprechend ist, steht jedoch außer Frage.

    Dass es auch ein „Outsourcing“ im Kleinen geben kann, bewiesen die Grenzauer im ETTU-Cup. Beide Heimspiele wurden „auswärts“ ausgetragen und in Löf (Mosel) sowie Wangen (Allgäu) von den ansässigen Tischtennisklubs organisiert und beworben. Es kamen recht viele Zuschauer - die Halle in Löf war sogar ausverkauft -, die packende Matches erlebten und begeistert mitgingen. Die Zielrichtung, den schnellsten Rückschlagsport der Welt auf Topniveau verstärkt auch dort zu präsentieren, wo er normalerweise nicht zu sehen ist, ist sinnvoll und unumstritten. Es geht längst nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie, Wo und Wann.

    DTTL und Champions League in TV und Internet

    Die TV-Präsenz der DTTL und ihrer Klubs war - wie schon in der Vorsaison - sehr gut. Die Highlight-Zusammenfassungen im DSF (nunmehr: Sport1) und Live-Übertragungen im Internet erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, weit über die herkömmlichen Tischtennis-Fankreise hinaus. Die Zuschauer in den Hallen haben sich zudem längst an die Moderatoren, Kommentatoren, High-Tech-Kameras, Kabelberge sowie Türme weiteren Equipments gewöhnt. Hunderttausende in Deutschland und in aller Welt verfolgten jedes der bisherigen dreizehn TV-Spiele im Internet-Livestream und/oder am Fernsehschirm. Die Highlight-Zusammenfassungen im DSF (Sport1) hatten regelmäßig zwischen 150.000 und 280.000 Zuschauern.

    Die "Marke DTTL": Ausstrahlung und Philosophie

    Es läuft noch längst nicht alles optimal, jedoch befindet sich die Herren-Bundesliga auf einem erfolgversprechenden Kurs. Die Aufbruchsstimmung in unserem Sport ist am Beispiel der DTTL intensiv spürbar. Es ist eine Stärke auch der Topliga Europas, dass wir in Deutschland mit 600.000 Aktiven so viele Tischtennisexperten haben wie nirgends auf der Welt mit Ausnahme Chinas. Ein reiner Insider-Sport - wie es Tischtennis in manchen Bereichen jahrzehntelang war - darf es aber nicht sein beziehungsweise nicht mehr werden. Die „Message“ unseres Sports und seine Ausstrahlung sind auch im größeren Maßstab konkurrenzfähig, nicht bloß unter Spezialisten. Auch in diesem Sinne soll und will die „Marke DTTL“ richtungsweisend und wegbereitend wirken - anscheinend mit recht gutem Erfolg.

    Zusammenfassung

    Die Punktrunde 2009/10 war gekennzeichnet durch extrem ausgeglichene Mannschaften und große Spannung im Kampf um die Play-Off-Teilnahme sowie in der Abstiegsfrage bis zum letzten Spieltag. Düsseldorf, Fulda-Maberzell, Ochsenhausen und Grenzau stehen im Halbfinale, Saarbrücken scheiterte auf der Zielgeraden. Absteigen müssen Jülich und Frickenhausen, das sämtliche Rückrundenspiele verlor und von Platz fünf zum Vorrundenende auf zehn im Schluss-Klassement zurückfiel. Elf Vereine, darunter die Zweitligisten Herne und Gräfelfing, möchten 2010/11 in der DTTL spielen und haben die Lizenzunterlagen fristgerecht eingereicht.

    Überragender Akteur war Fuldas Abwehrkünstler Wang Xi mit einer 27:5-Bilanz, gefolgt vom Deutschen Einzelmeister Christian Süß (Düsseldorf), dessen 23:4 ebenfalls als grandioses Ergebnis bewertet werden kann. Mit 15 Siegen und nur vier Niederlagen konnte auch Seiya Kishikawa glänzen, der von Düsseldorf nach Ochsenhausen wechselt.

    Der Zuschauerschnitt liegt mit 588 pro Partie fast genau auf dem Wert der Vorsaison (586) und etwa auf dem Niveau der letzten Spielzeiten. In den Play-Offs wird er nochmals deutlich ansteigen. Die meisten Heimfans können Düsseldorf (durchschnittlich 1.048), Hanau (882) und Fulda-Maberzell (875) vorweisen. Elf Partien hatten mehr als 1.000 Besucher, die meisten kamen zum Saisonauftakt ins Burg-Wächter Castello zu Düsseldorf vs. Saarbrücken (2.900). Ein Highlight, auch in der Präsentation und vom Stimmungsfaktor her, war das Roßkopf-Abschiedsspiel in Hanau am 9. April (1.850 Zuschauer).

    Am häufigsten – 39 Mal bei 90 Partien – lautete das Spielergebnis 3:1. 128 Minuten, nach Abzug der Pause, dauerte eine durchschnittlich lange DTTL-Begegnung 2009/10. Ein ordentlicher Wert zum fairen Eintrittspreis, den andere Sportarten erst einmal überbieten müssen.

    Nach „draußen“ vergebene DTTL-, ECL- und ETTU-Cup-Partien erwiesen sich überwiegend als Erfolgsmodelle. Von Bundesligavereinen unter Mitwirkung lokaler oder regionaler „Presenter“ selbst betreute Veranstaltungen, wie etwa Ochsenhausen vs. Düsseldorf in der Arena Ludwigsburg, Ochsenhausen vs. Bremen in Markdorf oder Düsseldorf vs. Hennebont (ECL) in der Großsporthalle Berg Fidel in Münster stießen auf gute Publikumsresonanz und begeisterten die Tischtennisfreunde. Andere tolle Tour-Events wie der Königsklassen-Auftritt der Ochsenhausener gegen Niederösterreich im Münchner Circus Krone (knapp 1.000 Zuschauer) fanden nicht ganz die erhoffte Resonanz.

    Die TV- und Internetpräsenz der Liga war erneut sehr gut, die Highlight-Zusammenfassungen im DSF hatten bis zu 280.000 Zuschauern und sprachen ein breites, sport-affines Publikum an. Die Liveübertragungen im Internet waren besonders unter klassischen Tischtennisfans äußerst beliebt. Von den Play-Offs ab dem 16.04. werden wieder reichlich bewegte Bilder zu sehen sein.

    Die Entwicklung der „Marke DTTL“ ist auf einem guten Weg. Allerdings bleibt noch eine Menge zu tun, damit die Tischtennis-Bundesliga auch in der öffentlichen Wahrnehmung dort ankommt, wo sie aufgrund ihres sportlichen Niveaus und ihrer Event-Qualität hingehört. 

    DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher

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