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  • 29.05.2010 – WM in Moskau: Damen

    Deutsche Damen: Favorit geärgert, Bronze gewonnen

    Deutsche Damen: Favorit geärgert, Bronze gewonnen Das DTTB-Team, hier Kristin Silbereisen, ärgerte Singapur und ist stolz auf Bronze. (Foto: MS)

    Moskau. Sie haben den hohen Favoriten zumindest ein bisschen zittern lassen, gestürzt ist Singapur im WM-Halbfinale jedoch nicht. Deutschlands Tischtennis-Damen haben sich gegen den Olympiazweiten von Peking erneut teuer verkauft. Zwar ging auch die Partie in der Vorschlussrunde der 50. Mannschaftsweltmeisterschaften im Moskau mit 0:3 verloren, doch diesmal war das Trio des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) noch näher dran an Satz- und sogar Spielgewinnen. "In der Vorrunde waren wir nah an Satzgewinnen", so Bundestrainer Jörg Bitzigeio. "Jetzt haben wir schon zwei Sätze gewonnen und hatten Chancen auf mehr."

    Noch wichtiger ist aber: Nach einer geschlossenen Mannschaftsleistung aller vier deutscher Spielerinnen und hervorragendem Teamgeist haben die DTTB-Damen den größten Erfolg seit 1997 gelandet. In Manchester hatte es zuletzt WM-Bronze gegeben. Wie bei den Herren gewannen auch die deutschen Damen die einzige Medaille für Europa. "Diese Medaille haben wir für Deutschland, aber auch für Europa gewonnen", sagte Bundestrainer Bitzigeio. "Realisieren kann ich diese Bronzemedaille im Moment allerdings noch nicht. Das passiert wahrscheinlich erst nächste Woche mit ein bisschen Abstand und ein paar Tagen Urlaub." Der Einzug ins WM-Halbfinale und in der Arena dann der zweitbesten Nation der Welt gegenüber zu stehen, sei schon eine "große Ehre" gewesen. "Dass wir in dieser Situation sehr nervös waren, ist normal", so Bitzigeio. "Beim nächsten Mal werden wir schon mehr Erfahrung haben."

    Wu wärmt Winter - eine Umarmung gegen die Nervosität. Harmonie war für das DTTB-Team ein Schlüssel zum Gewinn von Bronze (Foto: MS)Satzbälle für Wu gegen Weltranglistenzweite

    In leicht veränderter Aufstellung gegenüber der Begegnung in der Vorrundengruppe B präsentierte sich das deutsche Team vam Samstagmorgen im Olimpiysky Sports Complex in Moskau. Wu Jiaduo startete auf Position eins gegen die Weltranglistenzweite Feng Tianwei. In Durchgang eins erspielte sich die amtierende Einzel-Europameisterin von FSV Kroppach zwei Satzbälle, unterlag jedoch in der Verlängerung. Feng agierte danach sicherer und selbstbewusster, gewann die folgenden beiden Durchgänge deutlicher.

    Silbereisen gegen Wang ganz nah dran

    Kristin Silbereisen (Busenbach) verpasste gegen die 35 Plätze über ihr rangierende Nummer 13 der Welt, Wang Yuegu, nur knapp den Anschlusspunkt. Eine 9:6-Führung im fünften Durchgang konnte die 25-jährige Deutsche Einzel-Meisterin allerdings nicht zum Sieg nutzen. "Es war wieder einmal sehr knapp." Kristin Silbereisen ärgerte sich merklich über die verpassten Möglichkeiten. "In den entscheidenden Situationen habe ich mich nicht getraut zu variieren, sie zu überraschen. Zum Beispiel einen anderen Aufschlag zu machen oder ihre gute Seite anzuspielen. Sie dagegen hat mutiger gespielt." Ein bisschen Pech mit Netzbällen gegen Satzende kam hinzu. "Ich war heute eigentlich die bessere Spielerin als sie. Gerne hätte ich auch noch mein zweites Einzel gemacht", so Silbereisen.

    Die 17-jährige WM-Debütantin setzte ihr „Winter“-Märchen zumindest in Durchgang eins gegen Sun Beibei fort, hielt den ersten Satz lange Zeit offen. Sabine Winter war jedoch in den Sätzen zwei und drei gegen die Nummer 17 der Welt chancenlos. "Wir sind jetzt einfach sehr froh über diese Bronzemedaille", sagte Kristin Silbereisen. "Jeder von uns kann sehr zufrieden mit dem sein, was wir hier erreicht haben."

    "Über die Distanz zu China brauchen wir gar nicht nachzudenken"

    "Die Bronzemedaille bedeutet nicht, dass wir die anderen europäischen Nationen überholt haben", stellte Jörg Bitzigeio klar. "Viele europäische Teams spielen auf einem ähnlichen Niveau." Dass der Abstand zur Topnation China durch den Einzug ins Halbfinale geringer geworden sei, bezweifelt der Diplom-Sportwissenschaftler. "Über die Distanz zu China brauchen wir gar nicht nachzudenken, auch nicht zu den anderen asiatischen Spitzenteams", sagte er. "Die Chinesen haben uns den Rat gegeben, erst einmal die europäischen Teams zu schlagen, dann an Asien mit Hongkong und Japan zu denken. Einen Schritt nach dem anderen." Seine Mannschaft werde nicht den Fehler begehen, zu den nächsten Europa- und Weltmeisterschaften zurückzukehren und Medaillen für selbstverständlich zu halten. "Jeder muss verstehen, dass nur harte, konzentrierte Arbeit der Schlüssel zum Erfolg ist", erklärte der Coach. "Alle haben hier über ihrem eigentlichen Maximum gespielt und auch am Rande der Box Maximales geleistet. Wir hatten Glück bei knappen Spielständen und auch ein bisschen bei der Auslosung. Für diese Medaille ist viel zusammengekommen." Wie am Vortag hob er neben den Spielerinnen auch die Trainingsgruppen mit den übrigen Kadermitgliedern und den Sparringspartnern hervor, die Heimtrainer und das Umfeld beim DTTB.

    "Phantastisches Ergebnis", kaum zu toppen

    "Der Gewinn der Bronzemedaille bei den Damen ist eine riesige Überraschung", sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig, der auf die positive Entwicklung der Damen in den vergangenen Jahren verwies, unter anderem mit dem EM-Einzeltitel durch Wu Jiaduo in Stuttgart 2009 und dem Doppel-Bronze für das Duo Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen. "Nach dem Sieg gegen Rumänien haben die Damen ihre große Chance auf Edelmetall genutzt und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Dieser Weg wird 2012 zwei weitere wichtige Zwischenstationen haben: die Mannschaftsweltmeisterschaften in Dortmund und die Olympischen Spiele in London.

    "Es ist ein phantastisches Ergebnis", urteilte auch DTTB-Präsident Thomas Weikert. "Wir haben mit den Niederlanden den amtierenden Europameister geschlagen und mit Rumänien die am höchsten eingestufte europäische Mannschaft in der Weltrangliste. Hinzukommt der Sieg über Hongkong. Die Damen sind eindeutig im Aufwind. Es ist der verdiente Lohn für die sehr gute Arbeit des Trainerteams." Mit Blick auf die Herrenmannschaft, die am Abend ab 17.30 Uhr gegen Südkorea die sichere Bronzemedaille noch veredeln kann, fügte er hinzu: "Welche Farbe es bei den Herren auch werden mag, schon jetzt ist der Erfolg der gesamten deutschen Teams hier in Moskau kaum zu toppen."

     

    Das DTTB-Team bedankt sich nach dem Halbfinale bei den mitgereisten Fans (Foto: MS)

    Championship Division, Damen-Halbfinale

    China - Japan, 14.30 Uhr

    Deutschland - Singapur 0:3
    Wu Jiaduo - Feng Tianwei 0:3 (-15,-5,-7)
    Kristin Silbereisen - Wang Yuegu 2:3 (-5,6,-3,8,-11)
    Sabine Winter - Sun Beibei 0:3 (-7,-1,-4)

    4. Spiel in der Vorrundengruppe

    Deutschland - Singapur 0:3
    Kristin Silbereisen - Feng Tianwei 0:3 (-6,-9,-9)
    Wu Jiaduo - Wang Yuegu 0:3 (-15,-6,-11)
    Sabine Winter - Sun Beibei 0:3 (-7,-5,-7)

    Das deutsche Damen-Team in Moskau

    Wu Jiaduo (FSV Kroppach), 32 Jahre, Weltrangliste: 22
    WM-Teilnahmen: 2006, 2007, 2008, 2009

    Kristin Silbereisen (TV Busenbach), 25 Jahre, Weltrangliste: 48
    WM-Teilnahmen: 2005, 2006, 2007, 2009

    Elke Schall (DJK TuS Essen-Holsterhausen), 36 Jahre, Weltrangliste: 50
    WM-Teilnahmen: 1991, 1993, 1995, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009

    Sabine Winter (TSV Schwabhausen), 17 Jahre, Weltrangliste: 101
    WM-Teilnahmen: -
    Betreuer: Dirk Schimmelpfennig (Sportdirektor), Jörg Bitzigeio (Damen-Bundestrainer), Eva Jeler (Mädchen-Bundestrainerin und Nachwuchskoordinatorin), Dr. Sabine Arentz (Mannschaftsärztin, Sportmedizinisches Institut in Frankfurt/Main), Annette Zischka (Physiotherapeutin, Olympiastützpunkt Hessen in Frankfurt/Main), Dr. Thorsten Weidig (Sportpsychologe, Uni Bochum) 

    SH

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