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  • 11.01.2011 – Spezial

    Hans Wilhelm Gäb: Darum brauchen wir neue Regeländerungen / Teil 1

    Hans Wilhelm Gäb: Darum brauchen wir neue Regeländerungen / Teil 1 Bald anders? Gäb schlägt unter anderem Änderungen beim Aufschlag vor (Foto: Dr. Roscher)

    Münster/Westfalen. Mit freundlicher Genehmigung des Philippka-Sportverlags in Münster lesen Sie hier Auszüge aus dem Text von DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb aus der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "tischtennis". Den kompletten Beitrag finden Sie im Magazin, das Sie abonnieren oder in vielen Bahnhofsbuchhandlungen kaufen können.

    "Es ist ein Drama"

    Die Voraussetzungen sind eigentlich exzellent. Tischtennis als weltweit betriebener Leistungssport hat sich in den letzten Jahrzehnten extrem athletisch und dynamisch entwickelt. Als Spiel ist es ein gesundes Life-Time-Vergnügen. Und was Deutschland angeht – unser Herrenteam ist Vize-Weltmeister und Olympia-Zweiter hinter China, die Damen waren zuletzt Dritter bei der WM in Moskau. Doch diese eindrucksvollen Tatsachen stehen im Gegensatz zu den Entwicklungen im Umfeld unseres Sports. Tischtennis spielt in den Medien nur eine untergeordnete Rolle. Der DTTB ist im deutschen Sport zwar nach wie vor ein bedeutender Faktor, aber es gibt kein Wachstum.

    Die Zuschauerzahlen zeigen in Europa und auch China eine erschreckend negative Tendenz. Beim ITTF Grand Final Ende Dezember in Seoul (Südkorea) liefen die Viertelfinal-Einzel in einer 10000 Menschen fassenden Arena vor 250 Zuschauern ab. Die relativ gut besuchten Veranstaltungen in Deutschland leben vom großen Heer der aktiven Spieler und Senioren, ziehen aber nur wenige generell am Sport interessierte Fans an. Und auch im Hobby-Bereich gibt es ungute Entwicklungen. Warum sind beispielsweise die früher in jedem Hotel und jeder Freizeitanlage üblichen Tischtennis-Tische so viel seltener anzutreffen?
    Es ist allerhöchste Zeit, zu analysieren und zu handeln.

    Schönheit, Artistik und Dynamik verständlich demonstrieren

    Ich glaube, dass wir es selbst zu verantworten haben, wenn die Attraktivität von Tischtennis in der Welt des Sports und beim Sportpublikum nur bedingt erkannt wird. Denn wir, ob ITTF, ETTU oder DTTB, wir sind es, die es bisher nicht fertig bringen, die Schönheit, die Artistik und die Dynamik unseres Spiels der Öffentlichkeit verständlich zu demonstrieren. Tischtennis leidet an Krankheiten, die seine Zukunft gefährden. Aber diese Krankheiten sind heilbar, denn sie liegen nicht in der Qualität des Sports begründet, sondern in einem überholten, falsch verstandenen Regelwerk. Und an Rahmenbedingungen, die man ändern kann.
    Man könnte jetzt auf die schreckliche Vielfalt unserer Mannschafts- Spielsysteme eingehen, wo wir es doch tatsächlich geschafft haben, für WM und EM, für Olympia, Champions League und Bundesliga unterschiedliche Lösungen zu erfinden.

    Man könnte das Thema Material-Regeln beleuchten. Dort haben wir als wohl einziger Ballsport der Welt Materialien zugelassen, die einzig und allein dazu entwickelt wurden, den Ballwechsel zu zerstören, die Logik der Ballflugkurven und damit die Verständlichkeit des Spiels. (Wie viele Jugendliche und Kinder haben aufgegeben, wenn sie zum ersten Mal gegen destruktive Beläge antreten mussten und die Freude am Spiel verloren?) Man könnte sich wundern, dass wir nicht dem Trainerberuf und dem persönlichen Status der Trainer eine Bedeutung geben, wie sie in anderen Sportarten selbstverständlich ist und sie als Wegbereiter des Erfolges in gleicher Weise ehren wie die Athleten.

    Man muss auch darüber reden. Aber ich möchte mich hier auf fünf Problemfelder beschränken, welche die Verbreitung und die Anerkennung unserer Sportart derzeit wohl in besonderem Masse hemmen. Wenn wir Tischtennis nach vorn bringen wollen, müssen wir vor allem die Aufschlagregel ändern.

    Hans Wilhelm Gäb / Rahul Nelson / SH

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