Nach 2009 erneut Sieger des Bundesranglistenfinales: Steffen Mengel. Zweiter wurde Patrick Franziska, Dritter Ricardo Walther (Foto: FL) Seligenstadt. Es war ein sogenanntes Cappuccino-Finale. Helmut Hampl konnte es sich ab 14 Uhr auf der Tribüne bequem machen. Für den leidenschaftlichen Coach sicher etwas ungewohnt. Unten in der Box duellierten sich die beiden Hessen sowie Hanauer Bundesligaspieler Steffen Mengel und Patrick Franziska, oben schaute der TGH-Coach und hessische Landestrainer einfach nur zu. Das ist als Trainer Usus, wenn zwei aus dem gleichen "Stall" gegeneinander spielen. Und was Hampl sah, war eine Partie zweier Akteure, die sich aus dem Effeff kennen.
Taktisch geprägtes und enges Cappuccino-Finale zwischen Mengel und Franziska
Eng ging es zu – vier von sechs Durchgängen wurden erst in der Verlängerung entschieden – und auch der eine oder andere Ballwechsel zum Zungeschnalzen war dabei. „Die Spiele zwischen mir und Patrick sind aber oft sehr taktisch geprägt und nicht so schön anzusehen“, erklärte Steffen Mengel. Am Samstag in der Zwischenrunde hatte der Zwei-Meter-Mann gegen den 19-Jährigen noch das Nachsehen gehabt, heute hieß der Sieger Mengel. „Gestern war die Luft schon etwas raus, ein Finale ist dann doch was anderes, da ist man noch heißer. Gegen Patrick muss ich voll konzentriert sein, muss mir jeden Punkt hart erarbeiten“, betonte er. Mitentscheidend sei der erste Satz gewesen, den sich Mengel nach Rückstand mit 18:16 holte. „Ich wusste, wenn ich den Satz gewinne, sieht es gut aus und ich habe einen psychologischen Vorteil.“ Im dritten Satz wehrte er zwei Satzbälle ab, ging mit 3:0 in Führung. Im vierten Satz hatte Mengel bei 10:9 einen Matchball, ehe sich Franziska ins Match zurückkämpfte. Im sechsten Durchgang war Mengel wieder obenauf und holte sich den Titel.
Für „Franz“ war die Verletzungszeit der „Horror“
„Wir kennen uns richtig gut, er war heute sehr konzentriert, das ist eine seiner großen Stärken“, lobte Franziska seinen Teamkameraden. Für den 19-Jährigen selbst ging in Seligenstadt ein langes Kapitel der wettkampflosen Zeit zu Ende. Ein halbes Jahr hatte Franziska wegen einer Schulter- und Rückenverletzung pausieren müssen. „Es war der Horror“, fasst „Franz“ diese Zeit zusammen. Familie und gute Freunde, die nicht unbedingt etwas mit Tischtennis zu tun haben, hätten ihm Halt gegeben – in einer Phase, in der der Youngster auch so etwas wie Existenzängste hatte. „Ich dachte mir, du bist jetzt 19 Jahre alt und musst noch mal was ganz anderes machen. Das war alles nicht einfach“, erzählt Franziska. Nun, seit mittlerweile fünf Wochen, trainiert er wieder richtig hart am Tisch. Aber daran, dass Franziska in Seligenstadt derart auftrumpft, war nicht unbedingt zu denken. „Das ist vom Kopf so schwierig. Patrick hat sechs Monate keinen Wettkampf gehabt und kommt hier ins Finale. Unglaublich“, stellte Coach Helmut Hampl fest. „Als ich im ersten Spiel gegen Alexander Flemming 0:3 hinten lag, habe ich schon gedacht, oh je… Ich habe mich aber von Spiel zu Spiel steigern können, und nach der langen Pause lief es hier wirklich gut für mich“, freute sich Franziska.
Ricardo Walther weiterhin im Aufwind
Im Halbfinale hatte der Hanauer unter den Augen von Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf den Hilpoltsteiner Zweitligaspieler Alexander Flemming ausgeschaltet, Sieger Mengel den Jülicher Ricardo Walther. Im Spiel um Platz drei behielt Walther klar gegen Flemming die Oberhand. 4:0 hieß es am Ende für den 20-jährigen Senkrechtstarter. "Wenn mir vorher einer gesagt hätte, ich werde Dritter, dann hätte ich das genommen. Ich war hier nur an sechs gesetzt und es waren viele Bundesligaspieler hier", sagte Walther, der seinen Aufwärtstrend in Seligenstadt bestätigte. "Im Sommer habe ich die Schule beendet, seitdem trainiere ich in Düsseldorf zweimal täglich mit sehr guten Spielern. Das bringt mich weiter", betonte Walther. Der Zweitligaspieler vom TTC indeland Jülich wird in der kommenden Saison wohl für einen Erstligaverein aufschlagen. "Es sieht gut aus", sagt der Youngster.
Han Ying nimmt erfolgreich Revanche für die Halbfinal-Niederlage bei den Deutschen Meisterschaften
Han Ying gegen Zhenqi Barthel? Da war doch was. Genau. Bei den Deutschen Meisterschaften in Bamberg hatte es in diesem Jahr ein Marathonmatch über sieben Sätze gegeben. Sieger damals: Zhenqi Barthel, die später auch den Titel holte. Diesmal im Finale in Seligenstadt waren es nur sechs Sätze und diesmal hieß die Siegerin Han Ying. Die Revanche war erfolgreich. Die Tostedter Abwehrspielerin hatte bereits mit 3:0 in Sätzen und 8:4 geführt, doch Nationalspielerin Barthel kam noch mal gefährlich auf 2:3 heran. „Bei 8:4 im vierten Satz habe ich schon gedacht, dass ich gewonnen habe. Danach hat sie gut gespielt. Ich bin glücklich, hier gewonnen zu haben. Das Turnier war anstrengend, so viele Spiele an zwei Tagen bin ich nicht gewohnt“, sagte Han Ying, ehe es zu Dopingkontrolle und Siegerehrung ging.
"Lulu" kämpft sich heran, aber vergebens...
Zhenqi Barthel, nicht gerade als Abwehrkillerin bekannt, geriet im Endspiel schnell mit 0:3 ins Hintertreffen. Dann erst fand sie zu ihrer taktischen Linie, spielte clever, geduldig und wartete ab, bis die Bälle einigermaßen hoch standen, um dann mit einem Endschlag zu verwandeln. Zwei Sätze konnte sie so klauen, doch im sechsten Durchgang war wieder Han Ying im Vorteil. „Bei 7:7 im letzten Satz macht sie einen Netzroller. Das hat mich rausgebracht. Ich kam von 7:10 auf 9:10 heran, habe dann aber einen Ball verschossen. Schade, aber wenn man gleich 0:3 hinten liegt, wird es schwierig. In den ersten Sätzen habe ich einfach keinen Rhythmus gefunden“, kommentierte „Lulu“ ihre Finalniederlage.
Tanja Krämer feiert als Vierte starkes Turnier-Comeback
Den dritten Rang erspielte sich Nadine Bollmeier (Tostedt) durch einen umkämpften Sieben-Satz-Erfolg über Tanja Krämer (Berlin). Krämer feierte in Seligenstadt nach langer Verletzungspause ein gelungenes Turnier-Comeback. Im Halbfinale hatte die Managerin des Bundesligisten ttc berlin eastside gegen Zhenqi Barthel nur den ersten Satz gewinnen können. Bollmeier war gegen Teamkollegin Han Yin in der Vorschlussrunde ohne Chance geblieben. „Im Training sehe ich ganz gut gegen sie aus, aber beim Top 48 habe ich eine ganz schöne Packung kassiert“, hatte die Bundesligaspielerin am Tag vor dem Halbfinale gesagt. Auch diesmal war die Partie eine klare Sache zu Gunsten der Abwehrspielerin. Mit ihrem Abschneiden kann Bollmeier aber sehr zufrieden sein.
Jung-Nationalspielerin Sabine Winter (Schwabhausen), die gestern das Halbfinale trotz einer 2:1-Bilanz in der Zwischenrunde knapp verpasst hatte, holte sich heute mit souveränen Vorstellungen Platz fünf. Herren-Titelverteidiger Ruwen Filus (Hanau), der nach seinem bitteren Vorrundenaus am Samstag um die Plätze 9-12 spielen musste, wurde trotz einer einzigen Turnierniederlage lediglich Neunter.
Finale
Han Ying - Zhenqi Barthel 4:2 (6, 10, 9, -9, -8, 9)
Spiel um Platz 3
Nadine Bollmeier - Tanja Krämer 4:3 (7, -5, 5, 3, -9, -4, 8)
Halbfinale
Nadine Bollmeier - Han Ying 0:4 (-5, -6, -4, -4)
Tanja Krämer - Zhenqi Barthel 1:4 (8, -5, -5, -7, -11)
Finale
Patrick Franziska - Steffen Mengel 2:4 (-16, -8, -10, 11, 10, -6)
Spiel um Platz 3
Alexander Flemming - Ricardo Walther 0:4 (-7, -3, -2, -8)
Halbfinale
Patrick Franziska - Alexander Flemming 4:2 (6, -8, 9, 7, -7, 5)
Ricardo Walther - Steffen Mengel 2:4 (7, -6, 3, -9, -5, -6)
Spiel um Platz 5
Kathrin Mühlbach - Sabine Winter 2:4 (5, -10, -7, -6, 9, -10)
Spiel um Platz 7
Anna Krieghoff - Rosalia Stähr 0:4 (-6, -4, -6, -9)
Spiel um Platz 9
Katharina Michajlova - Jessica Göbel 0:4 (-7, -9, -7, -6)
Spiel um Platz 11
Svenja Obst - Anja Schuh 4:2 (6, -4, 6, -9, -6, 7)
Spiel um Platz 13
Yvonne Kaiser - Jessica Wirdemann 1:4 (-5, -3, -6, 11, -8)
Spiel um Platz 15
Nadine Sillus - Chantal Mantz 2:4 (-5, 3, 6, -11, -7, -6)
Platzierungsspiele 5-8
Kathrin Mühlbach - Anna Krieghoff 4:2 (5, 5, 5, -10, -8, 6)
Sabine Winter - Rosalia Stähr 4:0 (3, 6, 6, 2)
Platzierungsspiele 9-12
Svenja Obst - Katharina Michajlova 3:4 (3, -7, 6, -5, 9, -10)
Jessica Göbel - Anja Schuh 4:1 (9, 5, -8, 4, 5)
Platzierungsspiele 13-16
Yvonne Kaiser - Nadine Sillus 4:3 (5, 11, -10, 8, -6, -8, 9)
Chantal Mantz - Jessica Wirdemann 0:4 (-8, -9, -6, -4)
Spiel um Platz 5
Lennart Wehking - Philipp Floritz 4:1 (10, 11, -11, 6, 8)
Spiel um Platz 7
Nico Christ - Lars Hielscher 4:0 (kampflos)
Spiel um Platz 9
Jörg Schlichter - Ruwen Filus 1:4 (-6, 6, -12, -4, -5)
Spiel um Platz 11
Roman Rosenberg - Arne Hölter 4:1 (9, 9, -8, 7, 7)
Spiel um Platz 13
Marc Rode - Deniz Aydin 1:4 (-9, -4, -6, 9, -5)
Spiel um Platz 15
Felix Bindhammer - Sebastian Stürzebecher 4:0 (kampflos)
Platzierungsspiele 5-8
Lennart Wehking - Nico Christ 4:0 (7, -5, 9, 9, 9)
Lars Hielscher - Philipp Floritz 0:4 (kampflos)
Platzierungsspiele 9-12
Roman Rosenberg - Jörg Schlichter 0:4 (-5, -5, -7, -9)
Ruwen Filus - Arne Hölter 4:1 (4, -9, 2, 6, 6)
Platzierungsspiele 13-16
Felix Bindhammer - Marc Rode 3:4 (-9, 8, 9, -10, -12, 9, -9)
Deniz Aydin - Sebastian Stürzebecher 4:0 (kampflos)
Damen
Zwischenrunde
Vorrunde
Herren
Zwischenrunde
Vorrunde
Damen
Han Ying (MTV Tostedt)
Sabine Winter (TSV Schwabhausen)
Zhenqi Barthel (TTG Bingen/Münster/Sarmsheim)
Nadine Bollmeier (MTV Tostedt)
Nadine Göbel (TV Busenbach)
Tanja Krämer (ttc Berlin eastside)
Rosalia Stähr (SV Böblingen)
Kathrin Mühlbach (TSV Schwabhausen)
Katharina Michajlova (SG Marßel Bremen)
Svenja Obst (MTV Tostedt)
Jessica Wirdemann (TTVg. WRW Kleve)
Yvonne Kaiser (MTV Tostedt)
Anna Krieghoff (BSC Rapid Chemnitz)
Nadine Sillus (TuS Uentrop)
Anja Schuh (ATSV Saarbrücken)
Chantal Mantz (SV DJK Kolbermoor)
Herren
Ruwen Filus (TG Hanau)
Steffen Mengel (TG Hanau)
Lars Hielscher (TTC Ruhrstadt Herne)
Patrick Franziska (TG Hanau)
Jörg Schlichter (TTC Weinheim)
Ricardo Walther (TTC indeland Jülich)
Lennart Wehking (SV Union Velbert)
Philipp Floritz (SV Plüderhausen)
Roman Rosenberg (TTC Schwalbe Bergneustadt)
Nico Christ (TV Hilpoltstein)
Deniz Aydin (SV Siek)
Arne Hölter (TuS Celle)
Alexander Flemming (TV Hilpoltstein)
Sebastian Stürzebecher (TuS Celle)
Felix Bindhammer (TV Hilpoltstein)
Marc Rode (NSC Watzenborn-Steinberg)
FL
1. Damen-Bundesliga / 2. Bundesligen
24.02.2012, 19:30 Uhr
ttc berlin eastside – SC Budaörsi
24.02.2012, 20:00 Uhr
TSV Schwabhausen 1929 – DJK TuS Essen-Holsterhausen
25.02.2012, 14:00 Uhr
TTC Fortuna Passau – DJK Sportbund Stuttgart
25.02.2012, 18:30 Uhr
TTG Bingen / Münster Sarmsheim – DJK TuS Essen-Holsterhausen
25.02.2012, 18:30 Uhr
Leipziger TTV LF – NSC Watzenborn-Steinberg
25.02.2012, 19:00 Uhr
TTC Zugbrücke Grenzau 2 – 1. FC Saarbrücken Tischtennis 2
26.02.2012, 14:00 Uhr
ttc berlin eastside – MTV Tostedt
26.02.2012, 14:00 Uhr
TTC Langweid – SV Böblingen
26.02.2012, 14:00 Uhr
SV Union Velbert – TuS Celle
10.03.2012, 15:30 Uhr
MTV Jever – TuS Celle
TTBL
(1. Herren-Bundesliga)
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Zum 1. Januar dieses Jahres ist das "Bundeskinderschutzgesetz" in Kraft getreten - mit Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit im Sport. Der DTTB bittet darum, sich diesem sehr sensiblen und brisanten Thema auf Vorstands- und Vereinsebene anzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.