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  • 26.03.2014 – Personalie

    Anna-Marie Helbig - die Lokalmatadorin in Magdeburg

    Anna-Marie Helbig - die Lokalmatadorin in Magdeburg Anna-Marie Helbig hatte in ihrem ersten Einzel erwartungsgemäß einen schweren Stand (Foto: ms)

    Magdeburg. Eine Stunde und 30 Minuten wird sie dauern, die Fahrt zum Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere. Am Mittwoch und Donnerstag feiert Anna-Marie Helbig vom Leipziger TTV Leutzscher Füchse als erste Nachwuchsspielerin in der 24-jährigen Vereinsgeschichte überhaupt ihre Premiere auf der vom internationalen Tischtennis Verband (ITTF) veranstalteten World Tour. Die 22-Jährige schlägt bei den German Open (26.3.-30.3.) in Magdeburg auf. Und sie ist die Lokalmatadorin. Denn keine Spielerin hat einen kürzeren Anfahrtsweg. Dass Helbig überhaupt spielen kann, hat sie einigen glücklichen Zufällen zu verdanken und einer Mannschaftskollegin. Kathrin Mühlbach (22), beste Tischtennisspielerin in Mitteldeutschland mit Länderspielerfahrung, verzichtete auf die Teilnahme. „Ich war schon bei einigen Turnieren am Start“, verriet Mühlbach. Die Spitzenspielerin schlug den Verantwortlichen der Füchse vor, die drei Teamkolleginnen und gebürtigen Leipzigerinnen Helbig, Huong Do Thi (19) und Linda Renner (25) stattdessen zu nominieren. Mühlbach: „Sie spielen seit zehn Jahren gemeinsam bei den Füchsen, trainieren so unglaublich hart neben dem Studium und der Ausbildung. Sie hätten es einfach mal verdient, bei einem internationalen Turnier aufzuschlagen.“

    Von der Nominierung völlig überrascht

    Doch nur Helbig wurde vom Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) auf die Warteliste der German Open gesetzt, und das war noch eine Ausnahme. Normalerweise nominiert der DTTB für internationale Turniere keine Spielerinnen, die „nicht zu den besten 50 der deutschen Rangliste zählen und nicht in den Kadern stehen“, so Rainer Kruschel, Leistungssportreferent beim DTTB. Bei Helbig, Nummer 53 in Deutschland, drückte der DTTB beide Augen zu. Hauptgrund war der „lokale Bezug der Spielerin“, begründet Kruschel die Nominierung. Da Helbig nur für die Warteliste gemeldet war, hieß es Daumen drücken, bis sie nach einer Spieler-Absage noch reinrutschte. Das geschah am vergangenen Donnerstag.
    „Ich wäre niemals nur auf die Idee gekommen, mich anzumelden“, erzählt die Bundesligaspielerin, die diese Geschichte noch immer nicht fassen kann. Mit neun Jahren hatte Helbig das erste Mal einen Schläger in der Hand und war sofort vom Tischtennissport infiziert. Selbst eine Eisschicht auf der Steinplatte vor der Haustür konnte Helbig nicht stoppen. Mit elf Jahren ging es zum ersten Verein (LSV Südwest Leipzig) und nur zwei Jahre später, im Jahr 2004 wechselte Helbig zu ihrem heutigen Verein, den Leutzscher Füchsen. „Sie hatte eine komische Frisur“, erinnert sich Kai Wienholz an das erste Training. Zusammen mit Trainerkollege Marco Fehl und der Tischtennistrainerschule „TeTaKo“ schlief Wienholz aus dem „Rohdiamanten mit tollem Ballgefühl, aber schwacher Technik eine tolle Spielerin, die bei 9:9 ihren besten Ball spielt“, so Wienholz weiter. Der Trainer zählt Helbig inzwischen sogar zum engsten Freundeskreis. „Ich kann mit ihr einfach wunderschön ablachen. Sie ist eine unglaubliche liebe Person.“

    Ein Jahr kein Tischtennis

    Die harte Trainingsarbeit zeichnete sich aus, schnell kletterte Helbig mit den Füchsen von der Landesliga bis in die zweite Bundesliga. Alles lief perfekt. Bis zu jenem Tag im September 2011. Ungeschlagen nach vier Einzeln musste Helbig beim sächsischen Top-16-Turnier in Wilsdruff aufgeben. Weil das Immunsystem versagte, lag sie anschließend drei Monate im Bett. „Am schlimmsten waren die Schwindelgefühle, hinzu kamen körperliche Schwäche und Übelkeit“, sagte Helbig einmal 2012 rückblickend. Alles deutete auf das Pfeiffersche Drüsenfieber hin, doch bestätigt wurde es nie. Erst im Oktober 2013, also zwei Jahre später, erreichte Helbig den sportlichen Leistungsstand von 2011 und startete durch. Beim Bundesranglistenfinale, dem wichtigsten Turnier nach den Deutschen Meisterschaften, erschmetterte sie mit Platz neun die beste Platzierung ihrer Karriere. In den letzten beiden Monaten entwickelte sich die Angriffsspielerin dann zur Talentjägerin der Bundesliga. Sie feierte Einzelerfolge gegen B-Kader-Nationalspielerin Anja Schuh (19, SV Böblingen), Ex-Jugendnationalspielerinnen Theresa Kraft (18) und Jennie Wolf (14, beide TV Busenbach), die deutsche Meisterin im Schülerbereich ist. Alle Talente haben der angehenden Heilpraktikerin und Amateurspielerin Helbig bisher vorausgehabt, Erfahrung auf internationalen Turnieren gesammelt zu haben. „Was Helbig in den letzten Spielen gezeigt hat, ist das Beste der Saison“, lobt Trainer Wienholz und versucht, eine Prognose abzugeben, wohin der Weg führen kann: „Natürlich ist die Nationalmannschaft kein Thema. Aber ein Achtelfinale bei einer Deutschen Meisterschaft oder ein vierter Platz beim Bundesranglistenfinale könnte ich mir schon vorstellen.“ Mit ihren Erfolgen hat Helbig angefangen, sich einen Namen in Deutschland zu machen. Am Mittwoch wartet ihr vorläufiger Karriere-Höhepunkt: Ein Aufschlag bei einem internationalen Tischtennis-Turnier als Lokalmatadorin.

    Helbig trifft auf Teamkollegin

    Ihr Debüt auf der internationalen Bühne feierte Helbig am Nachmittag gegen die Japanerin Tashiro. „Es ist ein toller Moment, bei so einem Turnier zu spielen“, freute sich die 22-Jährige trotz ihrer 0:4-Niederlage. „Meine Gegnerin kann schon gut Tischtennis spielen“, anerkannte Helbig die Leistung ihrer Kontrahentin. „Ich habe gegen sie kein richtiges Konzept gefunden. Sie hat jeden Ball sofort angegriffen. Ich bin einfach nicht ins Spiel gekommen.“ Doch so einfach wie es das Ergebnis vermuten lässt, hat sie es der 23-jährigen Japanerin nicht gemacht. Sie bot ihr immer wieder die Stirn mit schnellen harten Topspins.
    In Vorbereitung auf das Spiel analysierte Helbig ein Internet-Video der Japanerin. „Das Video war allerdings schon zwei Jahre alt. Und es ist dann auch ganz anders, in der Realität gegen jemanden zu spielen“, relativiert die Leipzigerin den Nutzen dieser Vorbereitung.
    Auch Ana-Maria Erdelji, ihre nächste Gegnerin am Mittwochabend ist für sie eine Unbekannte. „Ich möchte die Spiele und die Atmosphäre einfach genießen und Erfahrungen sammeln. Alles andere wäre vermessen. Die einzige Gegnerin, die ich kenne, ist Marina“, spielt Helbig auf die Russin Marina Shavyrina an. „Das Los wollte es, dass meine Vereinskameradin meiner Gruppe zugelost wurde. Vielleicht habe ich da eine Chance.“
    Bis zum Spiel heute Abend wird sie die Zeit in der GETEC-Arena verbringen, zusammen mit ihrem Freund und ihren Eltern, die sie begleitet haben und sie beim Spiel anfeuern und unterstützen. „Und ich werde mir natürlich weitere Spiele ansehen."
     

    Die Partien von Anna-Marie Helbig in der Qualifikation

    Gruppe 29
    26.03., 14.30 Uhr: Anna-Marie Helbig - Saki Tashiro JPN 0:4 (-6,-4,-5,-5)
    26.03., 19.45 Uhr: Anna-Marie Helbig - Ana Maria Erdelji SRB
    27.03., 14.30 Uhr: Anna-Marie Helbig - Marina Shavyrina RUS

    Leipziger TTV / Barbara Link / FL

    Bildergalerie

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