Suppliers' Pool:

Partner:

 
  • 28.09.2014 – Europameisterschaften, Damen

    Deutsche Damen erneut Europameister / "Ich bin stolz auf diese Mannschaft"

    Deutsche Damen erneut Europameister / Deutschland ist erneut Europameister (Foto: ms)

    Lissabon. Vor dem EM-Finale wurde Dirk Schimmelpfennig von einem Journalisten gefragt, inwieweit sich die Mannschaft entwickelt habe. „Sie hat sich nicht nur spielerisch stabilisiert, sondern jede Spielerin ist vor allem mental stärker geworden“, antwortete der DTTB-Sportdirektor. Eine Stunde später konnte man sich von dieser mentalen Stärke direkt überzeugen. Im Endspiel in der MEO Arena in Lissabon wäre Deutschland fast mit 0:2 in Rückstand geraten, aber eben nur fast. Sowohl Han Ying als auch Shan Xiaona bogen in ihren Einzeln einen 0:2-Rückstand um und brachten die DTTB-Damen noch auf die Siegerstraße, ehe die 20-jährige Petrissa Solja zum 3:0 vollendete. Europameister 2014, Titel verteidigt.

    "Die ganze Arbeit hat sich gelohnt"

    „Ich habe vergangene Nacht sehr wenig geschlafen und mir viele Gedanken gemacht. Klar war ich ein bisschen nervös, aber ich wusste, dass wir die bessere Mannschaft sind und war mir sicher, dass wir dieses Spiel nicht verlieren können“, sagte Bundestrainerin Jie Schöpp. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat es verdient. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.“
    Bis der zweite EM-Titel in Folge und der sechste insgesamt feststand, musste die deutsche Mannschaft brenzlige Situationen überstehen. Shan Xiaona lag im Eröffnungseinzel gegen Sofia Polcanova bereits mit 0:2 und stand im vierten Satz bei 4:7 und 7:9 am Rand einer Niederlage, konnte die Partie aber noch drehen. Es war der vierte Fünf-Satz-Erfolg für die Berlinerin im vierten Einzel bei dieser EM. „Das hört sich komisch an. Ich habe momentan das Gefühl, dass ich ein Spiel gar nicht verlieren kann“, sagte „Nana“. „Eigentlich liegt mir das schnelle Spiel, doch nur zu blocken und den Ball auf den Tisch zu spielen reicht nicht gegen sie. Am Anfang war ich zu passiv. Ich dachte: So kann ich nicht gewinnen. Dann habe ich mehr auf Risiko gespielt“, erklärte die Weltranglisten-24 ihren knappen Auftakterfolg.

    Jubel über den wichtigen Sieg zum zum 2:0: Han Ying (Foto: ms)Nicht minder spannend machte es im Anschluss Han Ying. Die Abwehrspielerin, bis dato noch ohne jeden Satzverlust bei dieser EM, lag gegen Österreichs Nummer eins Liu Jia ebenfalls mit 0:2 hinten. Die Weltranglisten-Zwölfte, Europameisterin von 2005, spielte gegen die Deutsche taktisch clever und gewann die ersten beiden Sätze, holte im ersten Durchgang noch einen 5:9-Rückstand auf. Doch Han zeigte ihre berüchtigten Kämpferqualitäten, gewann Satz drei und vier. Im Entscheidungssatz wurde es dramatisch. Beim Stand von 8:7 zieht die Defensivspielerin  einen harten Topspin, den Liu Jia nur noch gerade so erreicht. Der Ball scheint über den Tisch zu gehen – Han Ying jubelt über den vermeintlichen Punkt – doch er fällt auf die Kante. 8:8. Die 31-jährige Weltranglisten-Neunte geht 10:8 in Führung, muss dann aber erneut den Ausgleich hinnehmen. Letztlich setzt sie sich mit 12:10 durch. “Ich habe gewusst, dass es ein schwierigeres Spiel wird als in der Vorrunde. Dort hatte ich noch relativ einfach gegen sie gewonnen. Nach dem ersten Satz bin ich nervös geworden. Da habe ich 9:5 geführt und verloren. Wenn ich diesen gewonnen hätte, wäre es einfacher geworden“, sagte Han, die wie im vergangenen Jahr in Schwechat im Team-Wettbewerb ungeschlagen blieb.

    „Zuschauen ist für mich schwieriger als selbst zu spielen"

    Der EM-Tanz (Foto: ms)„Das größte Drama spielte sich ja vor meinem Spiel ab“, sagte Petrissa Solja später in der Pressekonferenz und meinte damit die beiden knappen Spiele vor ihrem dritten Einzel. „Zuschauen ist für mich schwieriger als selbst zu spielen. Man hat es selbst nicht in der Hand, kann nur von außen anfeuern“, sagte die 20-jährige Berlinerin, die wie in der Vorrunde gegen Li Qiangbing ran musste. „Ich war richtig motiviert und heiß, den Sack zuzumachen. Anfangs war ich ein bisschen nervös, aber das hat sich mit Spielbeginn gelegt“, sagte die Team- und amtierende Doppel-Europameisterin (mit Sabine Winter). Spielfreudig und häufig mit dem besseren Ende in den langen Ballwechseln holte sich Solja mit 3:0 das Match und den Europameistertitel für Deutschland.

    "Jede unterstützt die andere"

    Neben der reinen sportlichen Leistungsfähigkeit des deutschen Teams nannte die Linkshänderin ein weiteres Erfolgsrezept. „Wir sind wirklich eine Mannschaft, wohnen alle in Düsseldorf, trainieren gemeinsam. Jede unterstützt die andere, gibt Tipps und baut einen auf. Ich glaube, das macht uns auch so stark“, sagte Solja.
    Bundestrainerin Jie Schöpp pflichtete dem Youngster bei. „Mir fällt es unheimlich schwer, immer zwei der fünf Spielerinnen auf die Bank zu setzen. Aber wie die damit umgehen und was da ein Zusammenhalt herrscht, ist einfach klasse. Da kommt kein böses Wort, wenn eine Spielerin nicht spielt, sondern sie stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft. Das erleichtert mir die Arbeit sehr“, betont Schöpp.

    Deutschland - Österreich 3:0
    Shan Xiaona - Sofia Polcanova 3:2 (-5,-10,4,9,7)
    Han Ying - Liu Jia (-9,-8,8,5,10)
    Petrissa Solja - Li Qiangbing 3:0 (4,3,9)
     

    "Es kann gut sein, dass wir Österreich im Turnier noch mal wiedersehen", hatte Bundestrainerin Jie Schöpp nach dem 3:0-Erfolg in der Gruppe A am Mittwochabend gesagt. Der Fall ist eingetreten. Deutschland und Österreich bestreiten heute ab 15 Uhr (deutscher Zeit) das Finale um die Team-EM in Lissabon. Sollten die DTTB-Damen triumphieren, wäre es das sechste EM-Gold nach 1962, 1968, 1996, 1998 und 2013 in Schwechat.

    Am Morgen saßen die Kontrahentinnen beim Frühstück noch nebeneinander, ab 15 Uhr werden sich die Damen von Deutschland und Österreich in der Box gegenüberstehen und um EM-Gold kämpfen.
    In der Vorrunde gewannen die DTTB-Damen das Duell mit 3:0, allerdings endeten zwei Einzel erst im Entscheidungssatz. Petrissa Solja möchte dem klaren Erfolg von Mittwoch daher nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Das wird ein ganz anderes Spiel“, sagt die 20-jährige Linkshänderin. „Es geht um die Goldmedaille. Österreich wird entsprechend mehr kämpfen. Wir müssen in diesem Spiel alles zeigen“, gibt Solja die Marschroute vor.

    Liu Jia: "Ich habe es als Kind nicht gemocht, fast gehasst. Ich habe Tischtennis erst in Österreich lieben gelernt"

    Österreich hatte in der Vorrunde gegen Deutschland Li Qiangbing eingesetzt und Sofia Polcanova, die in den vergangenen Monaten eine gute Entwicklung genommen hat, rausgelassen. "Es kann gut sein, dass sie diesmal Polcanova einsetzen", sagt Jie Schöpp. Unumstrittene Nummer eins bei Österreich ist die vierfache Olympiateilnehmerin und Europameisterin von 2005, Liu Jia (EM-Bilanz bislang: 6:1). Die Weltranglisten-Zwölfte ist 32 jahre alt und in Peking geboren. "Susi", wie sie genannt wird, wurde 1998 in Österreich eingebürgert. Die zierliche Linkshänderin siedelte nach Europa über, weil sie den Drill in ihrer Heimat nicht mehr ertragen konnte. "Ich habe es als Kind nicht gemocht, fast gehasst. Ich habe Tischtennis erst in Österreich lieben gelernt", erklärte Liu Jia 2010 dem "Standard".

    Team Österreich
    Liu Jia, Europarangliste: 2, Weltrangliste: 12
    Sofia Polcanova, ER: 10, WR: 31
    Amelie Solja, ER: 20, WR: 50
    Li Qiangbing, ER: 41, WR: 98
    Coach: Liu Yan Jun

    Final-Schiedsrichter
    Isabelle Beumier (Belgien)
    Ingrid Borgren (Schweden)

    Statistik von Österreich bei dieser Team-EM

    Halbfinale: 3:1 Polen (Liu Jia 2:0, Polcanova 1:0, Solja 0:1)

    Viertelfinale: 3:1 Ungarn (Liu Jia 2:0, Polcanova 0:1, Solja 1:0)

    Gruppe A, Endstand: 1. Deutschland, 2. Österreich, 3. Frankreich, 4. Türkei

    • 3:0 Türkei (Liu Jia 1:0, Solja 1:0, Polcanova 1:0)
    • 0:3 Deutschland (Liu Jia 0:1, Solja 0:1, Li Qiangbing 0:1)
    • 3:0 Frankreich (Liu Jia 1:0, Polcanova 1:0, Solja 1:0))

    Letzter Vergleich: Deutschland - Österreich 3:0 (Shan Xiaona, Han Ying, Petrissa Solja), Team-EM 2014, 24.09.2014
    Shan Xiaona - Amelie Solja 3:2 (-11,6,-9,6,7)
    Han Ying - Liu Jia 3:0 (5,10,3)
    Petrissa Solja - Li Qiangbing 3:2 (-7,7,4,-9,9)

     

    Die EM-Delegation des DTTB

    Herren
    Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazproma Orenburg/Russland, Weltrangliste: 5)
    Timo Boll (Verein: Borussia Düsseldorf, Weltrangliste: 9)
    Steffen Mengel (TTC Schwalbe Bergneustadt, Weltrangliste: 36)
    Patrick Franziska (Borussia Düsseldorf, Weltrangliste: 40)

    Damen
    Han Ying (KTS Zamek Tarnobrzeg/Polen, Weltrangliste: 9)
    Shan Xiaona (ttc berlin eastside, Weltrangliste: 24)
    Petrissa Solja (ttc berlin eastside, Weltrangliste: 38)
    Irene Ivancan (Fenerbahce Istanbul, Weltrangliste: 44)
    Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor, Weltrangliste: 52)

    Trainer, Betreuer und Schiedsrichter
    Sportliche Leitung

    Dirk Schimmelpfennig (DTTB-Sportdirektor)

    Trainerteam
    Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
    Zhu Xiaoyong (Assistenztrainer Herren)
    Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
    Wan Guohui (Assistenztrainer Damen)

    Medizinische Betreuung
    Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt, Düsseldorf)
    Birgit Schmidt (Physiotherapeutin, Olympiastützpunkt Hessen)
    Lisa Stark (Physiotherapeutin, Köln)

    Organisationsleitung
    Christian Back (DTTB-Referat Leistungssport)

    Schiedsrichter
    Gerhard Schnabel (Karlsfeld, Deputy Referee), Rainer Hoffmann (Vlotho), Nico Keiser (München), Dr. Hubertus Reiner (Bad Hersfeld), Jürgen Schödel (Engen), Dr. Holger Schwarze (Bremerhaven), Gert Selig (Hannover), Hans-Peter Wörner (Steinheim)

    FL

    Weitere Informationen: