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  • 29.09.2015 – Europameisterschaften, Herren

    "Am Ende haben uns immer eins, zwei Punkte gefehlt" / DTTB-Herren verpassen siebten EM-Titel im achten Finale / Walther ab Mittwoch in der Qualifikation

    Dimitrij Ovtcharov gewann beide Einzel (Foto: ms)

    Jekaterinburg. Kein siebter EM-Titel für die DTTB-Herren im achten EM-Finale in Folge: In dem nervenaufreibenden, mehr als vierstündigen Finale von Jekaterinburg unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Roßkopf stark aufspielenden Österreichern mit 2:3 und gewinnt – wie 2014 – die Silbermedaille. Zwar gelangen Dimitrij Ovtcharov in einer hoch intensiven wie spannenden Begegnung vor 1500 Zuschauern im Jekaterinburg-Expo zwei Zähler, aber Patrick Baum und Patrick Franziska bezogen Niederlagen. Bei Österreich punkteten Robert Gardos, Stefan Fegerl und Daniel Habesohn jeweils einmal. Es ist der erste Europameistertitel für die Alpenrepublik, die 2005 schon einmal im Finale gestanden hatte. Am Mittwoch beginnen die Individual-Wettbewerbe. Als einziger aus der DTTB-Mannschaft muss Ricardo Walther in die Qualifikation.

    Werbung für den Sport

    „Jeder Ball, jeder Satz war hart umkämpft. Es war ein sehr spannendes Spiel auf hochklassigem Niveau, das eigentlich keinen Sieger oder Verlierer verdient gehabt hat. Das war Werbung für unseren Sport. Wir haben gewusst, wie schwer es wird. Die ersten drei Spiele waren so knapp, dass sie in alle Richtungen hätten laufen können. Keiner hätte sich beschweren können, wenn er mit 0:3 nach Hause geht. Am Ende haben uns immer eins, zwei Punkte gefehlt, daran müssen wir weiter arbeiten“, resümierte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

    Patrick Baum stand kurz vor dem Break

    Patrick Baum zählte die liegengelassen Chancen gegen Gardos mit (Foto: ms)Die ersten drei Einzel gingen über die volle Distanz. Patrick Baum hatte das Break gegen Österreichs Einser Robert Gardos auf dem Schläger, bei 10:9 im Entscheidungssatz und Matchball setzte der 28-jährige EM-Zweite von 2011 und 2010 einen Gegentopspin knapp über den Tisch. Gardos holte sich das Match. Somit lastete auf Dimitrij Ovtcharov ein gewisser Druck. Die deutsche Nummer eins verlor gegen einen furchtlos aufspielenden Stefan Fegerl den ersten Satz und musste im zweiten Durchgang vier Satzbälle abwehren. Dann drehte sich das Blatt zu Gunsten des Deutschen, der bei 2:1-Satzführung und 10:6 sowie 12:11 allerdings fünf Matchbälle liegenließ. Fegerl spielte in dieser Phase sein bestes Tischtennis. Im Entscheidungssatz wehrte Ovtcharov selbst einen Matchball ab, ehe er nervenstark die Partie gewann.

    Österreich den „Tick besser“

    „Ein Spiel war nervenaufreibender als das andere. Ich habe schon sehr bei Pattis erstem Spiel mitgefiebert. Er hatte im fünften Satz ein 9:6 und 10:9 gegen Gardos und hat dann noch verloren. Ich war etwas geschockt und habe selbst erst mal Zeit gebraucht, um in mein Spiel zu kommen. Gegen Fegerl hatte ich eine 2:1- und 10:6-Führung, dann ist er noch mal unglaublich zurückgekommen. Ich war froh, dass ich noch gewinnen konnte. Franz hat etwas nervös agiert, da hat man ihm auch seine Niederlagen in dem Turnier etwas angemerkt. Aber er ist ein junger Spieler und er wird wieder zurückkommen. Ich konnte noch mal ausgleichen, aber am Ende hat es nicht gereicht. Auch Patti kann man keinen Vorwurf machen. Jeder hat alles gegeben, Österreich war heute den Tick besser“, lautete das Fazit der deutschen Nummer eins.
    In der dritten Partie unterlag Patrick Franziska in fünf Sätzen Habesohn. Vor allem im fünften Durchgang unterliefen dem Düsseldorfer doch eine Reihe ungewohnter Fehler, die Habesohn eiskalt nutzte. Dimitrij Ovtcharov konnte durch ein 3:1 im Topeinzel gegen Gardos wieder ausgleichen, doch Stefan Fegerl machte durch ein 3:1 über Patrick Baum den EM-Premierensieg Österreichs perfekt.

    „Mir fehlen die Worte“

    Patrick Franziska mühte sich vergebens (Foto: ms)"Wir waren in diesem Spiel der Underdog, hatten im Gegensatz zu Deutschland nichts zu verlieren, was uns zugutekam. Wir sind in diesem Spiel davon ausgegangen, dass Ovtcharov beide Punkte holt. In meinem Spiel gegen Baum war ich sehr fokussiert. Wir sind jetzt glücklich, die erste Goldmedaille im Mannschafts-Wettbewerb für Österreich gewonnen zu haben. Mir fehlen jetzt einfach die Worte nach diesem Sieg“, so ein überglücklicher Fegerl.
    Für Bundestrainer Jörg Roßkopf geht es nun darum, die Spieler bis zum Einzel-Wettbewerb wieder aufzubauen. Vor allem die beiden Patricks, Baum und Franziska, waren entsprechend geknickt nach dem Endspiel. „Die beiden sind Sportler genug, um damit klarzukommen. Ich bin nicht der Typ, der direkt nach dem Spiel in eine Besprechungen geht. Dafür ist jetzt noch nicht die Zeit. Die beiden haben jetzt mit sich selbst zu kämpfen. Morgen haben wir einen Tag frei, da bleibt Zeit für Gespräche, aber dann geht es auch gleich weiter. Ricardo (Walther) muss schon am Mittwoch in die Qualifikation. Das wird schwer genug. Ich hoffe, wir haben am Ende sechs Spieler in der Hauptrunde“, so Roßkopf.

    „Wir greifen wieder an“

    Dimitrij Ovtcharov schaute nach dem achten EM-Finale, in dem die deutschen Europameisterinnen auf der Tribüne diesmal keine Glücksbringer waren, wieder nach vorn. „Ich denke, wir können trotzdem erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb gehen. Man muss bedenken: Bei uns hat mit Timo die Nummer zwei Europas gefehlt, Patti ist noch nicht da, wo er schon mal war. Christian Süß hat aufgehört, Bastian Steger war verletzt. Ich denke, wir befinden uns momentan in so einem kleinen Umbruch. Aber wir werden wieder angreifen.“

    Deutschland - Österreich 2:3
    Patrick Baum - Robert Gardos 2:3 (7,8,-8,-7,-11)
    Dimitrij Ovtcharov - Stefan Fegerl 3:2 (-10,17,7,-12,10)
    Patrick Franziska - Daniel Habesohn 2:3 (-9,-7,10,10,-5)
    Ovtcharov - Gardos 3:1 (-8,8,8,5)
    Baum - Fegerl 0:3 (-9,-8,-6)

    Am Donnerstag beginnt die Einzel-Hauptrunde / Ricardo Walther bereits am Mittwoch in der Qualifikation

    Nach den Team-Wettbewerben ist erst Halbzeit bei der EM in Jekaterinburg. Die Einzel- und Doppelkonkurrenzen werden noch bis zum Sonntag ausgespielt. Von den deutschen Nationalspielerinnen und -spielern muss nur Ricardo Walther durch die Mühlen der Einzel-Qualifikation. Alle anderen DTTB-Asse, zu denen auch der Montagfrüh angereiste Steffen Mengel gehört, können am Mittwoch regenerieren. Nicht so sein Bergneustädter Teamkollege Ricardo Walther. Bei seinem EM-Debüt muss der 23-Jährige als einziger vom deutschen Team in die Qualifikation. Nur der Erstplatzierte aus seiner Vierergruppe mit dem Belgier Devos, dem Ungarn Szudi und dem Malteser Bajada löst das Ticket für die erste Hauptrunde der besten 64, die am Donnerstag beginnt. „Mein Ziel ist es, die Hauptrunde zu erreichen. Gegen Devos habe ich einmal bei German Open gespielt und 4:1 gewonnen. Über die anderen beiden kann ich nicht viel sagen. Ich bin Favorit in der Gruppe. Wenn ich meine Leistung vom Ukraine-Spiel abrufen kann, bin ich zuversichtlich“, sagt Walther.
    Nach den beiden Medaillen im Team-Wettbewerb hat der Deutsche Tischtennis-Bund auch in den Einzelkonkurrenzen Chancen auf Podestplätze, allen voran die im Einzel topgesetzten Dimitrij Ovtcharov und Han Ying, die die Europaranglisten anführen. Ovtcharov ist bei den Herren der Titelverteidiger. Auch das Doppel Petrissa Solja/Shan Xiaona ist an Nummer eins notiert, vor den beiden Defensivspielerinnen Han Ying/Irene Ivancan.

    Einzel-Qualifikation am Mittwoch/Donnerstag
    Mittwoch, 10.30 Uhr (deutsche Zeit): Ricardo Walther – Daniel Bajada (MLT)
    Mittwoch, 15.30 Uhr: Walther – Adam Szudi (HUN)
    Donnerstag, 8.30 Uhr: Walther – Robin Devos (BEL)

    FL

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