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  • 30.01.2016 – Spezial

    Dieter Hebenstreit und der Kartenvorverkauf: Vom heimischen Wohnzimmer an die Tageskasse

    Dieter Hebenstreit und der Kartenvorverkauf: Vom heimischen Wohnzimmer an die Tageskasse Der Herr der Tickets: Dieter Hebenstreit (Foto: ms)

    Berlin. Er ist der Herr der Tickets: Dieter Hebenstreit organisiert den Versand der Eintrittskarten für Tischtennis-Großveranstaltungen. Das macht der 62-Jährige freiwillig. Sein Zeitaufwand in 32 internationalen Events summiert sich auf 3500 Stunden und 434 Arbeitstage.

    Wieviele Tischtennis-Fans kommen bei den German Open aus welchen Ecken Deutschlands in die Max Schmeling-Halle? Das ist, für die Verantwortlichen der Tischtennis-Marketing-Gesellschaft (TMG) etwa, zwar keine elementare Frage. Aber eine interessante allemal. Ihre Beantwortung jedenfalls ist die einzige Schnittstelle zwischen Dieter Hebenstreits beruflicher Kompetenz und seinem ehrenamtlichen Engagement bei Tischtennis-Großveranstaltungen.

    Seit zwölf Jahren betreibt der 62-jährige Diplom-Ingenieur Kartographie aus Halle an der Saale in seiner Freizeit den Versand der im freien Vorverkauf abgesetzten Eintrittskarten für die großen Turniere im Lande. Eine Arbeit, die ihm „sehr viel Spaß macht“, sagt er, „denn ich habe in meinem Leben immer schon gerne organisiert“. Früher Schulmeisterschaften, jetzt eben bei Top-Veranstaltungen den Kartenversand wie deren Verkauf an der Tageskasse. Wobei er dem Tischtennis seit früher Jugend verbunden sei. Als Schüler mit zwölf hat er bei Dynamo Halle seine Leidenschaft für den Sport entdeckt, vor fünf Jahren beendeten Hüftprobleme seine Ambitionen am Tisch.
    Die Vereinskasse aber betreut er als Schatzmeister noch immer und im Landesverband Sachsen-Anhalt fungiert er seit 1996 als Vizepräsident für Finanzen. In diesem Amt entstanden bei den nationalen Einzelmeisterschaften 2000 in Magdeburg die ersten Kontakte zu DTTB und TMG, die sich in den Folgejahren bei den German Open in der Domstadt und dann in Bremen weiter vertieften. Das aktuelle Turnier in Berlin inklusive hat er seither nach eigener Aussage 32 internationale Großveranstaltungen abgewickelt.

    3500 Stunden, 434 Arbeitstage und zuhause stapeln sich Kartons


    Mit einem beachtlichen Zeitaufwand versteht sich. Den hat er übrigens ebenso penibel bilanziert wie den Versand tausender Tickets. 205 Einsatztage an den Tageskassen stehen demnach zu Buche, davon immerhin 127 Urlaubstage vom Landesamt für Geodäsie und Geoinformation in Magdeburg, seinem Arbeitgeber. Und gar auf fast 3500 Stunden summiert sich sein Zeitaufwand für das so genannte Ticketing im heimischen Wohnzimmer, umgerechnet also 434 Arbeitstage.
    Da stapeln sich dann die Kartons mit den Billets. Besonders spannend wird es Hebenstreit zufolge stets, wenn der Versand für mehrere Veranstaltungen parallel läuft. Nur eine akribische Bearbeitung ermöglicht ihm dann noch den Überblick. Wer hat wann Karten für welche Plätze erhalten? Das kann Dieter Hebenstreit zu jedem Zeitpunkt beantworten, manchmal auch in Notlagen helfen. Wie bei den Weltmeisterschaften 2006 in Bremen zum Beispiel einem halben Dutzend Fans aus Stuttgart, die ihre Karte zuhause vergessen hatten. Die Namen genügten und er konnte ihnen die reservierten Plätze nennen, die WM war für das Schwaben-Sextett gerettet.
    Für eine koreanische Spielerin ebenfalls. Ihr besorgte der gebürtige Crimmitschauer kurzfristig Ersatz für die verlorenen Essenmarken. Das koreanische Team bedankte sich mit einer kompletten Autogramm-Sammlung auf einem überdimensionalen Schlägerholz. Nicht minder freute sich der bekennende Ma Lin-Verehrer über dessen Unterschrift auf einem Sperrholz-Schlägerchen.

    Ehrenamtliche Arbeit

    „Als Kind in der ehemaligen DDR habe ich nie gedacht, die Chinesen einmal live zu erleben“, beschreibt Dieter Hebenstreit sein Gefühl bei solchen Erlebnissen, für ihn fraglos das zentrale Motiv seines Engagements. Denn mehr als seltene Top-Ereignisse in Moskau, Prag oder Budapest etwa erlaubte die beschränkte Reisefreiheit seinerzeit bekanntlich nicht. Neben Spitzensport und Tapetenwechsel boten die Trips in die seinerzeitigen Bruderstaaten noch einen weiteren Vorteil: Den Einkauf von Tischtennis-Materialien im West-Standard, Schlägerbeläge zumal. Wofür nicht selten über Jahre hinweg in passenden Währungen gespart wurde.
    Noch heute erinnert sich Dieter Hebenstreit lebhaft an die Mangeljahre. Auch deswegen freue er sich, dass seine Arbeit den Kartenvorverkauf ohne Zuschläge für Provisionen oder dergleichen ermöglicht hat. Damit dürfte es allerdings bald vorbei sein. „Mit Blick auf die Weltmeisterschaften 2017 in Düsseldorf müssen wir aktuellen Entwicklungen beim Ticketing Rechnung tragen“, sagte TMG-Geschäftsführerin Britta Gerlach. Und der aktuelle Trend geht online. Zwar können schon seit Jahren Tickets online bestellt werden, aber der Service soll weiter verbessert werden: Sitzplatz-Suche zuhause per Maus-Click, Bestellung und Zahlung ebenso, den Ausdruck des Tickets nicht zu vergessen. Um rund 60 000 WM-Karten geht es Gerlach zufolge und das will sie nicht ohne Testlauf angehen. Deshalb sei bereits mit dem Vorverkauf für den World Cup in Saarbrücken ein Unternehmen beauftragt worden. „Aber den Dieter brauchen wir weiter, nicht nur für die Betreuung der Tageskasse“, betont die TMG-Managerin, „er bleibt für uns ein überaus zuverlässiger und wichtiger Mitarbeiter“.

    Willi Baur

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