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  • 31.01.2016 – Spezial

    German-Open-Premiere für die Digital-Bande

    German-Open-Premiere für die Digital-Bande Die LED-Bande gestern beim Spiel Boll vs Samsonov (Foto: ms)

    Berlin. Der eine oder andere Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle hat sich dieser Tage vielleicht verwundert die Augen gerieben: Beim Blick von den Rängen tat sich auf dem Hallengrund Ungewohntes, für die German Open sogar eine Premiere. Wechselnde Werbung und verschiedene Informationen in Leuchtschriften lösten sich aus der fixierten Statik des Bandensystems, wenngleich nur an den beiden Stirnseiten der so genannten Fernseh-Box. Jeweils zehn LED-Elemente leuchteten hier sozusagen die mediale Zukunft im Umfeld des Tisches ein.

    Banden dürfen nicht zu hell sein

    „Auch wir kommen am Zeitgeist nicht vorbei“, sagt Britta Gerlach, Geschäftsführerin der Tischtennis-Marketing-Gesellschaft (TMG), „die elektronische Unterhaltung hält überall Einzug“. In der Tat sind LED-Bandensysteme im Sport nichts Neues, auch nicht im Tischtennis. Zum Einsatz kommen sie freilich meist dann, wenn größere Summen im Spiel sind, TV-Präsenz und renommierte Sponsoren dazu, etwa bei World Cup oder der WM. Asien jedenfalls marschiert hier fraglos schon seit längerem voraus, nicht zuletzt im Tischtennis. Wobei der Sport mit dem kleinen weißen Ball schon gewisse Besonderheiten pflegt. Nicht zu hell sollen die Banden sein, das gibt allein das Regelwerk vor. Ein weiteres Kriterium formuliert DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilheim Gäb, seit Jahrzehnten engagierter Verfechter fernsehgerechter Spielbedingungen, auf seine Art kurz und bündig. „Natürlich sind die LED-Banden lange überfällig“, begrüßt er die Neuerung, schränkt indes ein: „So lange während der Ballwechsel Ruhe herrscht, ist das in Ordnung.“

    System wird manuell gesteuert

    Verständlich. Während im Fußball oder in anderen großräumig betriebenen Disziplinen kein Mensch Anstoß an startenden Jets, rollenden Omnibussen oder knallenden Sektkorken nähme, würden sich im Tischtennis die Akteure über solcherlei Unterhaltung mitten im Ballwechsel bedanken. Die Lösung sitzt abseits der Box, muss hellwach und technisch versiert sein. „Denn das System kann nur manuell gesteuert werden“, erklärt Gerd Reith, Marketing-Manager bei der TMG und zuständig für die Bereiche Werbung und Vermarktung. Schließlich sei ein Match weder vorherseh- noch programmierbar. Aber Reith zufolge erfordert die Bedienung nicht nur Spielverständnis, sondern bei einzelnen Vorgängen, dem Einmarsch etwa, eine enge Zusammenarbeit mit den Hallensprechern und der Video-Regie. Denn die LED-Bandenkommunizieren phasenweise auch mit zwei Riesen-Bildschirmen an der Decke.

    Kooperation mit Unternehmen aus Magdeburg

    Speziellen Personalbedarf nennt der TMG-Mann indes nicht nur für die laufende Betreuung des Systems. Zum einen müssten die mit Sicherheit benötigten Datensätze, Namen, Fachbegriffe oder Slogans etwa, schon im Vorfeld programmiert und abgespeichert werden, zum Teil mit Unterstützung eines Grafikers, zum anderen müssten einzelne LED-Anzeigen natürlich im Laufe des Turniers der aktuellen Entwicklung angepasst werden. „Das ist jeweils innerhalb einer halben Stunde möglich“, erklärt Reith.
    Dabei kooperiert die TMG übrigens mit dem Magdeburger Unternehmen Screen Rent, das dort auch für die Bundesliga-Handballer des SC arbeitet. „Technisch hat bisher alles sehr gut geklappt“, lobt Gerd Reith, basierend nicht zuletzt auf der gründlichen Vorbereitung. Detaillierte Absprachen mit der Hallentechnik eingeschlossen, schon der vielen verlegten Kabel wegen unabdingbar.

    Hoffnung auf bessere Vermarktungsmöglichkeiten

    Relativ bescheiden dagegen der Zeitaufwand für die Montage der LED-Banden selbst, den der TMG-Mann auf rund drei Stunden beziffert. Und der finanzielle Einsatz? Momentan sei die neue Technik im Budget nur ein Kostenfaktor, berichtet Britta Gerlach, zusätzliche Einnahmen von Sponsoren resultierten daraus nicht. Längerfristig indes erwarten die TMG-Verantwortlichen von den LED-Banden durchaus bessere Vermarktungsmöglichkeiten, gestützt auch auf Erfahrungen in anderen Sportarten. Fraglos biete die Elektronik damit deutlich bessere Präsentationschancen als das starre Banden-System, so Gerlach und Reith unisono. Beide denken freilich auch an das Publikum in der Halle und vor den Bildschirmen. Ihr Wunsch: Mehr Stimmung auf den Rängen, mehr Atmosphäre und zusätzliche Regie-Möglichkeiten zur Stärkung des Erlebniswerts. Britta Gerlach ist überzeugt: „Die Zuschauer wollen besser unterhalten werden.“

    Willi Baur

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