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  • 13.03.2016 – 1. Bundesliga Damen

    Der ttc berlin eastside lässt sich nicht aus der Spur kippen

    Der ttc berlin eastside lässt sich nicht aus der Spur kippen Georgina Pota wird beim Deutschen Meister ttc berlin eastside im Schlagerspiel den Erwartungen gerecht (Aufnahme: Petra Steyer)

    Neu-Isenburg. Der SV DJK Kolbermoor hat beim amtierenden Deutschen Meister ttc berlin eastside sein Versprechen eingelöst. In einer hochklassigen, kampfbetonten Partie vor einer guten Kulisse mussten die Bundeshauptstädterinnen über die volle Distanz gehen, ehe der Jubel kein Halten mehr kannte. Mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze nähert sich der ttc, nach dem Sieg im Pokalwettbewerb, seinem nächsten Etappenziel. Durch den Halbfinal-Erfolg im Champions-League-Hinspiel bleiben momentan keine Wünsche offen. Bei den Bayerinnen agierte die Ex-Berlinerin Kristin Silbereisen überragend, bei den Gastgeberinnen ergab sich hinten ein sattes 4:0. Die LTTV Leutzscher Füchse 1990 hatten nach einem dramatischen Verlauf im Doppel beim TTV Hövelhof ihr Pulver verschossen, diesmal blieb sogar der Ehrenpunkt wieder Mangelware. Der TUSEM Essen verbuchte letztendlich einen klaren Erfolg gegen die SV Böblingen.

    ttc berlin eastside – SV DJK Kolbermoor: 6:4

    Kristin Silbereisen präsentiert sich in Galaform

    Der ttc berlin eastside stand vor dem Topspiel gegen den SV DJK Kolbermoor noch unter Strom. Der knappe 3:2-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Champions-League in Linz löste mächtig viel Rückenwind aus. Und 160 Zuschauer wollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Bei gleicher Doppel-Konstellation wie in der Vorrunde überrollten Petrissa Solja/Shan Xiaona mit einem 11:7, 11:8, 11:8 Sabine Winter/Kristin Silbereisen. Eine beeindruckende Revanche, denn für die Bayerinnen ging eine goldene 12:0-Bilanz zu Ende. Auch Georgina Pota/Miyu Kato legten ein 2:0 vor. Doch den Auftakt nach Maß vereitelten Wenling Tan-Manfardini/Bernadett Balint mit einem 11:7 im fünften Satz. Die Auszeit beim 7:9 aus Sicht der Berlinerinnen brachte nicht mehr die erhoffte Wende. „Diese Niederlage war unnötig. Nach der Führung sind die Zwei eingeschlafen. Ich traf die Doppel genau wie gewollt, spekulierte auf ein 2:0. Dann wäre einiges einfacher geworden“, resümierte ttc-Trainerin Irina Palina.

    Im oberen Paarkreuz passte sich das Niveau den Vorstellungen in einem Gipfeltreffen weiter an. Shan zeichnete sich schon in der Königsklasse aus, und das 11:9, 11:5, 6:11, 16:14 gegen Winter war zu diesem Zeitpunkt für den amtierenden Deutschen Meister unbezahlbar. Beim 9:10 im vierten Satz war die Suppe kurz davor überzukochen, denn Winter kam immer stärker auf. In gewohnt cooler Art und Weise wehrte die Penholderakteurin aber die beiden Satzbälle ihrer Konkurrentin ab und schloss anschließend den Deckel. Im Gegenzug düpierte Silbereisen die Deutsche Meisterin Solja mit einem 3:1. Ihr eigenes, nachträgliches Geburtstagsgeschenk rückte bei der Linkshänderin noch in die Warteschleife, während für SV DJK-Neuzugang Silbereisen sich das vorgezogene Präsent schon sehen lassen konnte. Und die Freude über den Triumph in ihrer ehemaligen Wirkungsstätte erhöhte sich dadurch noch.

    Nach diesem umkämpften 2:2-Auftakt, der von ttc-Trainerin Irina Palina im Vorfeld als in Ordnung eingestuft wurde, folgte das erwartete Break zum 4:2. Georgina Pota war als Nummer 37 der Weltrangliste für die Rumänin Balint eine Nummer zu groß, und die 16-jährige Japanerin Kato ließ sich von der erfahrenen Tan-Monfardini beim 11:8, 11:7, 11:6 nicht ins Bockshorn jagen.
    Im zweiten Einzeldurchgang gewann das Match erneut an Farbe, denn Winter setzte wie schon im Pokalwettbewerb Solja schachmatt. Das 11:6 im fünften Kristin Silbereisen vom SV DJK Kolbermoor lieferte eine überragende Vorstellung ab (Aufnahme: Holger Straede)Satz bedeutete den 3:4-Anschaluss. Die Nummer eins der Berlinerinnen wirkte deprimiert und niedergeschlagen. Für die Krönung sorgte Silbereisen, die im fünften Abschnitt ein 4:1 vorlegte und Shan zur Auszeit zwang. Der berüchtigte Eisenarm stellte sich nicht ein, und mit einem 11:6 erzielte die Bayerin den Ausgleich. Eine 3:1-Bilanz im oberen Paarkreuz in der Höhle des Berliner Bären bedeutete eine traumhafte Ausbeute. Shan erwischte erst die dritte Saisonniederlage im Einzel. „Petrissa hatte bei der Team-WM etwas Falsches gegessen, ganz fit war sie vielleicht noch nicht. Aber es ist schwer zu sagen, warum es bei ihr nicht klappte. Sie spielte noch nie in einem Verein, wo der Leistungsdruck derart hoch ist. Sie benötigt mal wieder einen Erfolg, bei dem sie aus einem Rückstand heraus gewinnt“, sagte Palina.

    Der unter Zugzwang geratene Titelverteidiger kam jedoch mit heiler Haut aus dieser brenzligen Situation. Pota und Kato komplettierten das 4:0 im unteren Paarkreuz. „Miyu ist eine moderne Spielerin, auch wenn sie noch jung ist. Technisch ausgereift und schnell. Sie verfügt über gute Aufschläge. Wir freuen uns natürlich sehr, sind optimistisch, aber noch haben wir den Titel nicht in der Tasche“, meinte Palina.

    „Wenn wir gegen den vermeintlichen Favoriten etwas ausrichten wollten, dann brauchten wir auch die hervorragende Bilanz oben. Wir mussten aber die Übermacht unserer Gastgeberinnen unten anerkennen. Wenling unterlag im Pokal gegen Pota nur knapp, das wäre das Schlüsselspiel gewesen. Kristin spielte richtig gut, mit echt starkem Kopf. Es passte bei ihr alles. Im Doppel fanden Kristin und Sabine einfach nicht ins Match. Dennoch zeigten wir bereits zum zweiten Mal, dass Berlin nicht unschlagbar ist. Wir werden voraussichtlich Deutscher Vizemeister, das waren wir mit unserem Verein noch nicht. Unser Vorsitzender Günter Lodes war auch zufrieden, deshalb sind wir nicht enttäuscht“, kommentierte SV DJK-Betreuer Michael Fuchs.

    TTV Hövelhof – LTTV Leutzscher Füchse 1990: 6:0

    Doppel-Highlight verdient sich Bestnoten

    Mehr als 45 Minuten dauerte das unfassbare Doppel zwischen Yvonne Kaiser/Linda van de Leur-Creemers vom TTV Hövelhof und Katrin Mühlbach/Marina Shavyrina von den LTTV Leutzscher Füchsen 1990. Das 12:10, 10:12, 10:12, 13:11, 12:10 wird sicher als eines der längsten Spiele in die Annalen der Liga eingehen. Die Fans wurden von einem Aha-Erlebnis in das nächste gerissen, teilweise trauten sie aber auch ihren Augen nicht. Im ersten Satz lag das TTV-Duo 10:7 vorn, im zweiten 5:1, im dritten 7:4 und 10:6. Die Serie setzte sich im vierten Abschnitt nach einem 5:2 und 10:6 nahtlos fort. Auch im fünften Durchgang waren die Leipzigerinnen noch nicht müde, glichen ein 4:6 und 5:7 zum 8:8 aus. Beim 10:9 ergab sich der einzige Schwachpunkt, Yvonne Kaiser vom TTV Hövelhof heimste viel Lob ein (Aufnahme: Holger Straede)doch diese Begegnung hätte eigentlich keinen Sieger verdient gehabt. Svetlana Ganina/Jing Tian-Zörner konnten dafür nach dem schnellen 11:4, 11:3, 11:1 gegen Pia Maria Lorenzotti/Huong Do Thi eine schöpferische Pause einlegen. Lorenzotti zauberten die Gäste für Anna-Marie Helbig aus dem Hut.

    Ganina und Kaiser knüpften an ihre guten Leistungen zum 4:0 an, die Messe war gelesen. Shavyrina blieb gegen die russische Abwehrspielerin ohne Satzgewinn, und Mühlbach konnte nach einem 11:7, 4:11, 10:12, 6:11 die vergebene Chance im dritten Durchgang nicht verdrängen.

    Eine kostenlose Lehrstunde musste dann Do Thi gegen die ehemalige Nummer vier der Weltrangliste Tian-Zörner über sich ergehen lassen. Bei nur zwei gewonnen Punkten in den ersten beiden Sätzen beherrschte die inzwischen 53-jährige Spielertrainerin ihre Konkurrentin nach Belieben. Lorenzotti wusste den Siegeszug der Gastgeberinnen auch nicht mehr zu stören.

    „Wir sind auf einem guten Weg und wieder angriffslustig. Der Knackpunkt war eindeutig das Doppel, und auch ich habe so etwas in meiner langen Funktionärszeit noch nicht erlebt. Bei einer Satzbilanz von 18:3 deutete sich dann zunehmend ein Klassenunterschied an. Herheben muss ich Yvonne, die beim Bundesranglistenfinale im Viertelfinale noch mit 3:4 gegen Mühlbach verlor. Jing bereitete sich sehr professionell vor, denn ihre knappe Niederlage in Essen wurmte sie schon sehr“, zeigte sich TTV-Manager Klaus-Dieter Borgmeier zufrieden.

    „Die Mannschaft verpasste es, den Schwung aus dem Sieg gegen den TSV Schwabhausen zu transportieren. Es bleiben nur noch fünf Spieltage und eine theoretische Chance den Klassenerhalt sportlich zu packen“, sagte LTTV-Pressesprecher Christian Heck.

    TUSEM Essen – SV Böblingen: 6:1

    TUSEM nutzt Heimvorteil

    Zwischen dem TUSEM Essen und der SV Böblingen ergab sich aufgrund von personellen Veränderungen zum Hinspiel ein neuer Touch. Yin Na trat für Su Yan an, und bei den Gästen rückte Julia Kaim für Anja Schuh ins Aufgebot.

    Im Doppel machte die Mädchen-Nationalspielerin Kaim an der Seite von Nadine Bollmeier vom TUSEM Essen markiert unerwartet beide Einzelpunkte (Aufnahme: Holger Straede)Theresa Kraft beim 5:11, 11:9, 6:11, 11:7, 11:6 gegen Nadine Bollmeier/Alena Lemmer gleich positiv von sich reden. Beim TUSEM bestätigte Barbora Balazova, dass sie als Linkshänderin auch eine hervorragende Doppelspielerin ist. Mit einem 12:10, 12:10, 11:5 knackte die Slowakin zusammen mit Na das Abwehrduo Qianhong Gotsch/Rosalia Stähr. Und die 24-jährige Nummer zwei präsentierte sich auch bei ihrer Revanche gegen Gotsch hellwach und mental sattelfest. Im entscheidenden vierten Abschnitt rückte die SV-Spitzenspielerin nach einem 3:6 zum 7:8 Schritt für Schritt näher. Mit einem 9:11 zog die beste Spielerin der Liga schließlich doch den Kürzeren. Bollmeier fand nach einem 11:13 zunehmend ihren Rhythmus und zeigte gegen Stähr zum 3:1 ein gutes Spiel.

    Diesen Zwei-Punkte-Vorsprung rückten die Essenerinnen nicht mehr heraus. An Position drei und vier bauten Lemmer mit einem 7:11, 11:9, 13:11, 7:11, 11:7-Arbeitssieg gegen Kraft und Na mit einem 3:1 gegen Kaim den Vorsprung zum 5:1 aus. Nicht ganz bedeutungslos, denn die Gäste gaben noch nicht klein bei.

    Die Spielzeit insgesamt durchbrach die Drei-Stunden-Schallmauer. Bollmeier war dies nach ihrem überraschenden Sieg gegen Gotsch mit 11:7, 11:13, 7:11, 11:3, 11:5 völlig egal. Das gegen Stähr getankte Selbstvertrauen gegen defensive Spielsysteme beflügelte die 34-Jährige enorm.

    „Das war überhaupt keine langweilige Party, fast jede Partie verlief spannend. Wir verloren nicht gegen die Halle oder die merkwürdige Aufschlaginterpretation von Hongi, Essen war die bessere Mannschaft. Aber daraus resultierte schon ein echter Heimvorteil. Speziell unsere beiden Abwehrspielerinnen monierten die Griffigkeit des Hallenbodens. Hongi verliert nicht alle Tage zwei Einzel und das Doppel. Ihr schneller Antritt von hinten nach vorn war nicht möglich, sie stand nie richtig. Außerdem wurden ihr zwei Aufschläge direkt aberkannt. Angeblich war der Ballwurf nicht hoch genug. Wir haben versucht das Beste daraus zu machen, keine Spielerin enttäuschte“, monierte SV-Coach Andrzej Kaim.

    „Die Aufschläge von Gotsch sind halt grenzwertig. Und natürlich brachte sie dieser Umstand gegen Nadine aus dem Konzept. Doch das soll die klasse Leistung von Nadine, die beide Einzel gewann, überhaupt nicht schmälern. Sie war zu Recht stolz darauf, denn damit rechneten wir nicht. Der Sieg von Barbora gegen Gotsch war mindestens genau eindrucksvoll. Alena freute sich sehr über das 3:2 gegen Kraft, das auf des Messers Schneide stand. Sie agierte nicht kopflos, und wurde von Nadine sehr gut gecoacht. Der Schönheitsfleck im Doppel legten wir schnell zu den Akten“, berichtete TUSEM-Teammanager Klaus Ohm. Mit 18:8 Punkten verteidigte der Ruhrpott-Klub den dritten Tabellenplatz.
     

    Martina Emmert

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