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  • 16.03.2016 – National: Spezial

    DM-Favoritenschreck, Lokalmatador, DTTB-Co-Coach: Lei Yang

    DM-Favoritenschreck, Lokalmatador, DTTB-Co-Coach: Lei Yang 2008 in Hamburg: Hier besiegt Lei Yang gerade Timo Boll (Foto: Bender)

    Bielefeld. Er war 30, als ihm Tischtennis-Deutschland den Titel „Favoritenschreck“ verlieh. Bei seiner ersten Teilnahme an Deutschen Meisterschaften im Jahr 2008 in Hamburg hatte Lei Yang im Achtelfinale Doppel-Weltmeister Jörg Roßkopf ausgeschaltet und in der Runde der besten Acht sogar den topgesetzten Rekord-Europameister Timo Boll. Zuschauer und Journalisten hatten in der Sporthalle Hamburg die Köpfe zusammengesteckt. Wer ist bloß dieser Penholderspieler, der sich selbst für ihn überraschend angeschickt hatte, Deutscher Einzel-Meister zu werden und den erst der EM-Finalist von 2003, Torben Wosik, im Finale hat stoppen können?

    2008: "Ich dachte, ich fliege in der ersten Runde raus und schaue mir die Stadt an"

    Dieser Lei Yang war heute vor acht Jahren Spielertrainer der Oberliga-Mannschaft des württembergischen ASV Grünwettersbach und hatte sich als Baden-Württembergischer Meister für die DM in Hamburg qualifiziert. „Ich bin wirklich nur zum Spaß hierher gekommen“, erzählte er damals. „Ich habe gedacht, vielleicht fliege ich in der ersten Runde raus und schaue mir dann die Stadt an.“ Daraus wurde nichts, fast hätte es sogar zum Titel gereicht bei 2:1- und 3:2-Satzführungen und einem sechsten Durchgang, den er nach vergebenem Matchball mit 10:12 gegen Wosik verlor und der Faden dann endgültig gerissen war.

    Heute sagt er rückblickend über den 29. und 30. März 2008: „Ich frage mich immer noch, wie ich gegen Timo gewonnen habe. ‚Timo verliert gegen Oberligaspieler‘, hieß es da. Was haben nur die deutschen Fans gedacht? Mir war das ein bisschen unangenehm, aber ich habe mich auch über meine Leistung gefreut.“

    Stationen in Liga zwei und eins

    Soviel Spitzen-Tischtennis und hohe Belastung in so kurzer Zeit wie beim nationalen Höhepunkt in Hamburg war Lei nicht mehr gewöhnt, hatte sich während des Turniers an Krämpfen in den Beinen behandeln lassen müssen. Er zählte damals wie heute zum Kreis der Sparringspartner des deutschen Nationalteams, bekam Anfang 2007 den deutschen Pass, strebte aber schon zu der Zeit keine Karriere im Hochleistungssport an. „Ich will nicht mehr so hart trainieren“, erklärte der heute 38-jährige Rechtshänder.

    1997 heuerte der gebürtige Chinese beim Zweitligisten DJK Offenburg an, machte danach bei anderen Zweitliga-Vereinen Station und spielte für den bayerischen TSV Gräfelfing auch ein Jahr im Oberhaus. Seinen Sieg in Hamburg gegen Timo Boll, für den es nach wochenlanger Verletzungspause der erste Wettkampf war, relativierte Lei direkt im Anschluss: "Ich kann diesen Sieg gegen Timo ganz gut einschätzen. Normalerweise darf er gegen mich nicht verlieren, aber ich habe heute meine Chance genutzt." Und er ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Ich habe gesehen, wie Ma Lin gegen Boll spielt und ein paar Ideen bekommen.“

    Foto mit Kobe Bryant, Match mit George Bush

    Chinas Volksheld Ma Lin hat bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking zweimal Gold geholt, und auch zu den Sommerspielen in Lei Yangs alter Heimat weiß Lei eine Geschichte zu erzählen. Er war damals als Sparringspartner der US-Tischtennis-Mannschaft vor Ort und trainierte im selben Hallenkomplex wie das US-Basketball-Dream-Team. So hatte er unverhofft die Gelegenheit zu einem Foto mit Basketball-Star Kobe Bryant, das inzwischen in der Pekinger Wohnung seiner Eltern hängt, und zu ein paar Ballwechseln mit dem ehemaligen US-Präsidenten George Bush Senior (Amtszeit von 1989 bis 1993), der den amerikanischen Sportlern einen Besuch abstattete.

    Ehemann von Topspielerin Han Ying

    Seine Ehefrau und Trainingspartnerin: Han Ying (Foto: ms)In Bielefeld ist Lei Yang vom 18. bis 20. März der Lokalmatador. Der A-Lizenz-Trainer, seit Mitte 2014 in Drittliga-Diensten des DM-Organisators SV Brackwede, hat Anfang 2015 vorzeitig seinen Vertrag bei den Ostwestfalen bis 2017 verlängert. Er ist die Nummer zwei der ersten Mannschaft hinter Frantisek Placek; von seinen Erfahrungen als Spieler und Trainer sollen zusätzlich die heimischen Talente der zweiten und dritten Garde profitieren.

    Für Lei Yang zählt auch die Nähe zu seiner Familie. Mit Ehefrau Han Ying, Deutschlands und Europas Nummer eins, und der gemeinsamen kleinen Tochter Leonie lebt er in Düsseldorf, fungiert am dortigen Deutschen Tischtennis-Zentrum auch als DTTB-Honorartrainer. „Die Familie ist jetzt wichtiger. Ich will nicht mehr so viel unterwegs sein“, begründete er den Schritt weg von seinem Langzeit-Verein Grünwettersbach und der Fernbeziehung zu seiner Familie und hin zur SV Brackwede.

    „Ich hoffe, dass ich nicht zu nervös sein werde“

    Für die DM in Bielefeld hat er sich als Westdeutscher Meister qualifiziert. Seit seinem Überraschungscoup 2008 ist ihm bei seinen drei folgenden Teilnahmen „nur“ noch ein dritter Platz im Doppel an der Seite von Ex-Nationalspieler Philipp Floritz gelungen, 2012 in Berlin war das. Im Einzel war spätestens im Achtelfinale Schluss. Von 2013 bis 2015 war er nicht mehr am Start, zur Freude der Brackweder Fans greift der Mann mit der 19:6-Bilanz und damit Dritter in der Spielerrangliste der dritten Liga Nord aber jetzt wieder an.

    „Mein erstes Ziel war zuerst einmal die Qualifikation für die Deutschen über die Westdeutschen Meisterschaften. Ich hätte nicht damit gerechnet dort zu gewinnen“, sagt Lei Yang. „Da die Deutschen Meisterschaften wichtig für meinen Verein SV Brackwede sind, habe ich versprochen, mein Bestes für die Zuschauer zu geben. Ich hoffe, dass ich nicht zu nervös sein werde und gute Spiele abliefern kann.“ Den abwesenden Timo Boll wird er diesmal nicht schlagen können, aber vielleicht reicht es trotzdem für die eine oder andere Überraschung durch den „Favoritenschreck“ bei seiner Heim-DM.

    Eintrittskarten und Live-Streaming

    Hinweis: Bei den 84 nationalen Titelkämpfen in Bielefeld gibt es von Freitag bis Sonntag ein Live-Streaming an bis zu zwei Tischen. Auch Eintrittskarten für alle Turniertage in der Seidensticker Halle sind noch zu haben. Tickets: Wo es sie gibt, was sie kosten.

    SH

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