Suppliers' Pool:

Partner:

 
  • 19.03.2016 – National

    Favoritinnen im Halbfinale / Franziska und Mengel gewinnen Sieben-Satz-Krimis / Traum wird wahr für Schreyer/Mühlbach

    Favoritinnen im Halbfinale / Franziska und Mengel gewinnen Sieben-Satz-Krimis / Traum wird wahr für Schreyer/Mühlbach Der sitzt: Sabine Winter im Einzel und Doppel auf der Erfolgswelle (Foto: Straede)

    Bielefeld. Bei den 84. Deutschen Meisterschaften in Bielefeld sind am Finaltag die Spielerinnen und Spieler vertreten, die auch weitestgehend dort zu erwarten waren. Lediglich bei den Herren leistete sich der topgesetzte Ruwen Filus im Achtelfinale einen Ausrutscher. Bei den Damen machen die Top-4-Gesetzten das Rennen unter sich aus.

    Spannung am Samstagabend: Zwei der vier Herren-Viertelfinals in der Seidensticker Halle gingen über die volle Distanz. Ganz nah dran an der Überraschung war Lennart Wehking (Köln), der Nationalspieler Patrick Franziska nach sieben Sätzen zum Sieg gratulieren musste. Wehking – mit Nico Christ bereits viermal im Doppel bei einer DM auf dem Treppchen – war so nah dran an seiner ersten Einzel-Medaille wie noch nie, vergab im sechsten Satz bei 11:10 aber einen Matchball. Ein vermeintlich leichter Rückhandball Wehkings landete im Netz. „Schade. Ich ärgere mich vor allem über den Matchball. Ich wusste, wenn es in den siebten Satz geht, kann ich das Niveau womöglich nicht mehr halten“, sagte Wehking. Der 30-jährige Linkshänder konnte gegen den WM-Viertelfinalisten von 2014 voll dagegen halten, was auch am Aufschlag-Rückschlag-Spiel lag. „Wenn das bei mir funktioniert“, so Wehking, „dann kann ich gegen die richtig Guten etwas ausrichten“, sagte der Kölner, der kürzlich sein Staatsexamen als Lehrer ablegte und wohl im kommenden Jahr einen neuen Anlauf auf die Einzel-Medaille nehmen wird. Wehking: „Aber ob ich diese Chance noch mal bekomme?“

    Patrick Franziska zeigte sich nach dem Spiel erleichtert. „Nach meinen Rückschlägen zuletzt ist das Halbfinale für mich und Siege gegen Spieler wie Flemming oder Wehking keine Selbstverständlichkeit. Daher bin ich echt happy, gewonnen zu haben, jeder Sieg tut im Moment gut“, sagte der 23-jährige Düsseldorfer, der bei der Team-WM in Kuala Lumpur und auch beim Rekordmeister Borussia Düsseldorf selten zu seiner Form gefunden hatte. Franziska behielt dennoch die Nerven, biss sich durch und zeigte sich phasenweise von Wehking überrascht. „Lennart hat sehr gut gespielt, vor allem auch passiv und mit der Rückhand. Das hatte ich so nicht in Erinnerung.“ Im Halbfinale am Sonntag wartet Nationalteamkollege Patrick Baum auf Franziska. „Gegen Patti habe ich noch nie gewonnen, ich werde versuchen, mich noch mal zu steigern.“

    Bergneustädter duellieren sich sieben Sätze lang

    Morgens liefs nicht, abends umso besser: Steffen Mengel (Foto: Holger Straede)Partien gegen Teamkollegen sind oft von Taktik geprägt. Beim Viertelfinale zwischen den Bergneustädtern Steffen Mengel und Ricardo Walther hatte man eher den Eindruck des offenen Visiers. Lange, umkämpfte Ballwechsel prägten die Partie – mit dem besseren Ende für Mengel. Der Deutsche Meister von 2013 – am Morgen noch überraschend früh im Doppel gescheitert – steigerte sich im Tagesverlauf zusehends und rang Walther in sieben Sätzen nieder. „Die Sätze, die ich gewonnen habe, waren sehr klar. Zwei Sätze habe ich nach 8:6-Führung vergeben, da habe ich mir das Leben etwas schwer gemacht. Ric hat aber gut dagegen gehalten, gegen ihn darf man einfach nicht nachlassen. Wir trainieren viel, kennen uns gut, ich musste hart arbeiten“, sagte Mengel, der am Sonntag im Halbfinale auf Lars Hielscher trifft. Der Mühlhäuser hatte den Brackweder Lokalmatadoren und DM-Zweiten von 2008, Lei Yang, klar ausgeschaltet. Lei wiederum war für das Aus des topgesetzten Ruwen Filus im Achtelfinale verantwortlich. "So wie er heute seine Chancen genutzt hat, habe ich sie nicht genutzt. Er hat auch viel zu leichte Punkte gekriegt. Meine Abwehr war nicht stabil genug, das ist als Abwehrspieler natürlich schlecht. Wenn ich die ersten beiden knappen Sätze gewinne, sieht es wahrscheinlich anders aus", sagte Filus nach der 2:4-Niederlage. Der Weltranglisten-42. konnte zuletzt aus familiären Gründen nur eingeschränkt, wollte dies aber nicht als Grund für die Niederlage anführen. "Ich habe es leider nicht geschafft, meine beste Leistung abzurufen. Ansonsten wird es schwer. Ich bin kein Timo Boll, der zu den Deutschen Meisterschaften fährt und mit 50 Prozent durchgeht. Ich muss schon immer an mein Limit kommen“, zeigte sich Filus selbstkritisch.

    Für Bollmeier ist Bielefeld ein gutes Pflaster / Winter und Silbereisen marschieren

    Für Nadine Bollmeier scheint Bielefeld ein gutes Pflaster zu sein. 2003 und 2009 stand sie im Halbfinale und in diesem Jahr auch wieder. Mit 4:1 bezwang die Essenerin die Überraschungsviertelfinalistin Sejla Fazlic (Schwarzenbek). Für Bollmeier ist es die schon sichere fünfte DM-Bronzemedaille insgesamt, in ein Einzel-Finale zog die Essenerin allerdings noch nie ein. Im Halbfinale am Sonntag gegen Kristin Silbereisen sind die Chancen auf das erste Endspiel ihre Karriere gar nicht schlecht. „Ich würde sagen, es ist ein Duell auf Augenhöhe, ein 50:50-Spiel. Unsere Bilanz dürfte in etwa ausgeglichen sein. Viel wird von der Tagesform abhängen. Wenn ich gut spiele, kann ich was machen. Allerdings ist Kristin momentan in Topform, hat auch eine gute WM gespielt“, sagt Bollmeier. Und die Kontrahentin gibt den Respekt zurück: „Gegen Nadine ist es für mich immer schwer. Ich mache mir aber keinen riesen Druck, ich war schon Deutsche Meisterin, für mich würde keine Welt untergehen, wenn es nicht klappt“, sagte Silbereisen, Titelträgerin von 2010, und unlängst WM-Fünfte mit Team Deutschland geworden. Die Weltranglisten-70. Musste gegen Schwabhausens Chantal Mantz über sechs Sätze gehen, lag 1:2 hinten. „Ich fühle mich eigentlich gut, hatte mich nur über den zweiten Satz geärgert, den ich nach Führung und Satzbällen noch verloren haben. Später habe ich die Taktik umgestellt. Knackpunkt war der sechste Satz, den ich nach 7:10 noch drehen konnte“, sagte Silbereisen.

    Im zweiten Halbfinale am Sonntag stehen sich die topgesetzte Sabine Winter (Kolbermoor) und Tanja Krämer (Busenbach) gegenüber. Winter, die an ihre gute WM-Form anzuknüpfen scheint, ließ gegen Yuan Wan (Bingen) nur einen Satzverlust zu, Krämer, Deutsche Meisterin von 2008, behauptete sich deutlich gegen Leipzigs Kathrin Mühlbach. In der ersten Hauptrunde überraschend ausgeschieden war die an Position fünf gesetzte WM-Teilnehmerin Nina Mittelham (Bad Driburg) gegen die erst 14-jährige Natalia Mozler (Schwabhausen).

    Doppel: Kaltstart der Gesetzten misslingt

    Gefürchteter Rückschlag von Mühlbach, Platzierung im Anschluss von Schreyer (Foto: Straede)Im Herren-Doppel hatte es schon am Morgen zwei Gesetzte kalt erwischt. Die Bergneustädter Titelverteidiger Benedikt Duda/Steffen Mengel ereilte das Aus im Auftaktmatch ebenso wie die an Position drei gesetzten Patrick Baum/Lars Hielscher. Das Überraschungsduo im Halbfinale: Jülichs Hermann Mühlbach und Hielschers Mühlhausener Vereinskollege Erik Schreyer. Seit ihrer Jugend kennen sich die Doppelpartner, die beide in Sachsen groß geworden, gleich alt (27) und auch freundschaftlich verbunden sind. Die Rechts-Links-Kombination ergänzt sich perfekt, wie Drittliga-Mann Schreyer beschreibt: „Gegen uns ist es echt eklig zu spielen, gerade im Aufschlag-Rückschlag-Bereich. ‚Hermi‘ mit seinem Effet und seinen Rückschlägen geht volles Risiko. Ich sorge für Sicherheit und Platzierung.“

    Schreyer: „Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen“

    Am Ziel Medaille bei Deutschen Meisterschaften arbeitet das Duo schon länger. „Wir probieren es seit mehreren Jahren, waren öfter schon mal dicht dran, denn die Favoriten haben es gerade in ihrem ersten Spiel schwer“, erklärt A-Lizenz-Trainer und Taktik-Fuchs Mühlbach. „Wir dagegen sind schon warm von der Runde davor.“ Im vergangenen Jahr in Chemnitz hatten sie dem auch damals topgesetzten Nationalteam-Duo Ruwen Filus/Ricardo Walther erhebliche Probleme bereitet, konnten 2015 eine 2:0-Satzführung und 9:7 in Punkten allerdings nicht verwerten. Ähnlich drohte es ihnen am Samstag gegen Baum/Hielscher zu ergehen, nachdem sie im Entscheidungsdurchgang drei Matchbälle bei 10:7 nicht verwerten konnten. „Bei 10:10 haben wir uns angeguckt und beide gedacht, dass es jetzt wieder nicht reicht“, erzählt die Nummer zwei in Jülichs Zweitliga-Mannschaft, Mühlbach. Der Schlüssel zum Erfolg: das eigene Risiko minimieren. „Wir haben dann einfacher gespielt, das gemacht, was sie erwarten konnten: Statt des schwereren parallelen Rückhand-Flips zur Eröffnung gab es den diagonalen. So waren sie am Zug, und wir haben gehofft, dass sie den Fehler machen. So kam es auch.“
    Gegen das Bayern-Doppel Christoph Schüller/Marius Zaus hatten sie im Viertelfinale nur zu Beginn Probleme. Nun haben sie Bronze sicher, ihre erste Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. „Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, freut sich Erik Schreyer und ergänzt: „Dieselbe Wellenlänge im Doppel zu haben, ist total wichtig. Ich fühle mich immer wohl mit ‚Hermi‘, egal was passiert. Ich finde, es ist extrem wichtig, dass man sich auch Abseits des Tisches gut versteht.“

    Silbereisen/Winter souverän, nicht mal in der Nähe eines Satzverlusts

    Die Vorjahresfinalisten Ruwen Filus/Ricardo Walther taten sich in beiden Begegnungen schwer, konnten jedoch am Ende Julian Mohr/Dominik Scheja (Neckarsulm/Ober-Erlenbach) ebenso im Entscheidungssatz besiegen wie die Qiu-Brüder Liang und Dang (Grenzau und Ober-Erlenbach).
    Ähnlich spannend machten es im Viertelfinale Tanja Krämer und Tanja Bollmeier bei den Damen: Gegen Jessica Göbel/Nadine Sillus behaupteten sie sich mit 12:10 im siebten Satz, treffen am Sonntag in der Vorschlussrunde auf Yuko Imamura und Hermann Mühlbachs Schwester Kathrin. Im Damen-Halbfinale sind die Gesetzten unter sich. Die Turnierfavoritinnen Kristin Silbereisen/Sabine Winter marschieren bislang auch im Doppel durchs Turnier, waren als Duo nicht mal in der Nähe eines Satzverlusts. Ihre Gegnerinnen in am Sonntag um 10 Uhr, die ehemaligen Jugend-Nationalspielerinnen Chantal Mantz/Yuan Wan, konnten in ihrem Viertelfinale gegen die Leipziger Erstligistinnen Huong Do Thi/Anna-Maria Helbig in vier glatten Sätzen ebenfalls Kraft sparen.

    Zu den Ansetzungen und Ergebnissen: http://turniere.ttvr.de/2016_NDM/

    Die Spiele am Final-Sonntag

    Damen-Einzel
    Halbfinale, 11.30 Uhr
    Sabine Winter – Tanja Krämer
    Kristin Silbereisen – Nadine Bollmeier

    Finale gegen 16 Uhr

    Herren-Einzel
    Halbfinale, 12.15 Uhr
    Lars Hielscher – Steffen Mengel
    Patrick Baum – Patrick Franziska

    Finale gegen 17 Uhr

    Damen-Doppel
    Halbfinale, 10 Uhr
    Sabine Winter/Kristin Silbereisen – Chantal Mantz/Yuan Wan
    Nadine Bollmeier/Tanja Krämer – Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach

    Finale gegen 14 Uhr

    Herren-Doppel
    Halbfinale, 10.45 Uhr
    Ruwen Filus/Ricardo Walther – Erik Bottroff/Björn Helbing
    Hermann Mühlbach/Erik Schreyer – Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller

    Finale gegen 15 Uhr
     

    Ergebnisse vom Samstag

    Damen-Einzel
    Viertelfinale
    Sabine Winter – Yuan Wan 4:1 (8,-8,8,8,6)
    Tanja Krämer – Kathrin Mühlbach 4:0 (11,6,6,9)
    Nadine Bollmeier – Sejla Fazlic 4:1 (11,-15,6,5,4)
    Kristin Silbereisen – Chantal Mantz 4:2 (9,-10,-9,2,11,3)

    Achtelfinale
    Sabine Winter – Yuko Imamura 4:0 (7,8,4,10)
    Yuan Wan – Yvonne Kaiser 4:0 (8,6,9,4)
    Kathrin Mühlbach – Christina Feierabend 4:3 (6,-7,-7,9,7,-9,2)
    Tanja Krämer – Alena Lemmer 4:0 (10,3,9,7)
    Nadine Bollmeier – Huong Do Thi 4:0 (3,4,8,4)
    Sejla Fazlic – Natalia Mozler 4:3 (8,9,-6,-2,2,-9,10)
    Chantal Mantz – Wenna Tu 4:1 (1,-7,1,6,5)
    Kristin Silbereisen – Jessica Göbel 4:0 (7,3,3,6)

    Herren-Einzel
    Viertelfinale
    Lars Hielscher – Lei Yang 4:0 (3,10,5,7)
    Steffen Mengel – Ricardo Walther 4:3 (-7,6,-10,3,5,-9,8)
    Patrick Baum – Benedikt Duda 4:0 (5,16,5,9)
    Patrick Franziska – Lennart Wehking 4:3 (-5,4,10,-3,-11,11,7)

    Achtelfinale
    Lei Yang – Ruwen Filus 4:2 (10,11,-8,-4,12,2)
    Lars Hielscher – Erik Bottroff 4:3 (8,12,-12,-4,-11,2,5)
    Ricardo Walther – Dennis Klein 4:1 (7,-11,10,7,5)
    Steffen Mengel – Robin Malessa 4:2 (6,4,-8,-11,7,1)
    Patrick Baum – Michael Servaty 4:0 (7,9,7,4)
    Benedikt Duda – Julian Mohr 4:1 (7,5,-8,4,4)
    Lennart Wehking – Zoltan Fejer-Konnerth 4:0 (9,2,8,3)
    Patrick Franziska – Alexander Flemming 4:0 (5,9,2,9)

    Damen-Doppel
    Viertelfinale
    Sabine Winter/Kristin Silbereisen – Alena Lemmer/Nina Mittelham 4:0 (6,6,6,6)
    Chantal Mantz/Yuan Wan – Huong Do Thi/Anna-Marie Helbig 4:0 (6,1,6,8)
    Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach – Yvonne Kaiser/Vivien Scholz 4:0 (3,7,9,11)
    Nadine Bollmeier/Tanja Krämer – Jessica Göbel/Nadine Sillus 4:3 (3,-6,11,-10,-10,6,10)

    Herren-Doppel
    Viertelfinale
    Ruwen Filus/Ricardo Walther – Qiu Dang/Qiu Liang 4:3 (5,3,-8,-9,1,-9,11)
    Erik Bottroff/Björn Helbing – Nico Christ/Lennart Wehking 4:2 (5,-5,-2,8,4,4)
    Hermann Mühlbach/Erik Schreyer – Christoph Schüller/Marius Zaus 4:1 (12,-7,7,4,5)
    Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller – Torsten Mähner/Marlon Spieß 4:0 (7,6,6,4)

    SH / FL

    Weitere Informationen: