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  • 20.03.2016 – National: Spezial

    Chantal Mantz/Yuan Wan Deutsche Meister: "Einfach nur geil" / Walther/Filus am Ziel

    Chantal Mantz/Yuan Wan Deutsche Meister: Riesen Freude: Die Deutschen Meister im Damen-Doppel 2016: Chantal Mantz und Yuan Wan (Foto: Bender)

    Bielefeld. Eine 18- und eine 19-Jährige setzen sich bei den 84. Nationalen Deutschen Meisterschaften in Bielefeld die Krone im Damen-Doppel auf. Die B-Kader-Spielerinnen Chantal Mantz und Yuan Wan sind Deutsche Meister. Im Finale setzte sich das Duo gegen Kathrin Mühlbach und Yuko Imamura in sechs Sätzen durch. Zuvor hatten Mantz/Wan die Favoritinnen Sabine Winter/Kristin Silbereisen im Halbfinale besiegt. 

    Chantal Mantz und Yuan Wan – Deutsche Meister 2016! Wie fühlt sich das an? „Einfach nur geil. Ein sehr schönes Gefühl, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, beschrieb Mantz die Gefühlslage nach dem größten nationalen Erfolg ihrer noch jungen Laufbahn. 2014 hatten die Deutschen Meisterinnen gemeinsam im Mädchen-Doppel bei den nationalen Titelkämpfen triumphiert und im gleichen Jahr bei den Europameisterschaften Silber mit Deutschland gewonnen. Mantz wurde sogar Europameisterin im Einzel. Doch der Premieren-Titel bei den Damen hat einen ganz besonderen Stellenwert. Den ersten großen Schritt dorthin hatten die Youngster am Morgen im Halbfinale getan – mit dem 4:3-Überraschungserfolg über die hohen Favoritinnen Sabine Winter/Kristin Silbereisen. „Danach haben wir uns gedacht, jetzt machen wir es im Finale einfach noch mal“, so Mantz und Doppelpartnerin Yuan Wan ergänzte: „Gegen Sabine und Kristin waren wir super locker und wir konnten uns im Laufe der Partie noch steigern.“ Das Erfolgsrezept der Deutschen Meister sei Harmonie – auf und abseits der Box. „Wir ergänzen uns am Tisch, Chanti spielt oft von hinten heraus und zieht stark dagegen, ich bleibe mehr am Tisch. Wir sind aber auch außerhalb des Tischtennis‘ befreundet“, erklärt die 18-jährige Yuan Wan.

    Zeit, den gemeinsamen Titel zu feiern, bleibt dem jungen Duo am Sonntag nicht (Mantz: „Das machen wir nachher unter der Dusche.“), aber demnächst wird es die Gelegenheit sicher noch geben, wenn die beiden in Düsseldorf vereint sind. Chantal Mantz wird aus ihrer bayerischen Heimat in die NRW-Landeshauptstadt ziehen und dort in Zukunft am Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) unter Bundestrainerin Jie Schöpp und deren Assistent Wan Guohui – übrigens der Vater von Yuan – trainieren. Dann können die Freundinnen auch ihr Doppel-Spiel weiter verfeinern.

    Yuko Imamura happy mit Silber

    Nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen, lautete das Fazit von Yuko Imamura nach der Niederlage in ihrem ersten DM-Finale. „Wenn mir vorher einer gesagt hätte, wir gewinnen Silber, dann hätte ich sofort unterschrieben“, sagte die 20-jährige Zweitligaspielerin aus Kleve, die schon zweimal Deutsche Meisterin im Mädchendoppel war und jetzt mit Kathrin Mühlbach nicht weit weg vom obersten Podestplatz bei den Damen. „Wir haben uns die Medaille schon als Ziel gesetzt, jetzt hatten wir die sogar die Chance auf den Titel. Ich bin trotzdem sehr glücklich“, sagte die Jura-Studentin, die den Siegerinnen Mantz/Wan fair gratulierte: „Sie haben am Ende schon verdient gewonnen, in den langen Ballwechseln waren sie häufig besser, Chantal hat vor allem mit der Vorhand stark gegengezogen“, analysierte die amtierende Bundesranglistensiegerin Imamura. Im Halbfinale hatten sie und Kathrin Mühlbach, die 2010 mit Sabine Winter Deutsche Meisterin war, nach hohen Rückständen gegen die vom Papier favorisierten Nadine Bollmeier/Tanja Krämer mit 4:3 gewonnen.

    Filus/Walther diesmal vorn

    Endlich geschafft: Steiniger Weg zum Titel für Filus/Walther (Foto: Gabi Bender)Endlich Deutsche Meister: Nachdem Ruwen Filus und Ricardo Walther im vergangenen Jahr so dicht dran waren am ersten Deutschen Meistertitel, hat es in Bielefeld nun geklappt. Die Nationalspieler gewannen das Finale gegen Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller in fünf Sätzen. Für Filus und Walther, die seit geraumer Zeit auf der World Tour ein gut funktionierendes Doppel bilden, ist es der erste nationale Titel überhaupt.
    „Deutscher Meister zu sein ist eine große Ehre. Im Einzel hat der Titel vielleicht noch mehr Bedeutung, aber jetzt habe ich im Doppel schon mal angefangen“, sagte der Fuldaer Abwehrspezialist, der schon zweimal ganz dicht dran war am Doppel-Titel. 2009, ebenfalls in Bielefeld, unterlag Filus an der Seite von Steffen Mengel dem Duo Schlichter/Flemming nach 2:1- und 7:3-Führung. Im vergangenen Jahr in Chemnitz führten Filus/Walther mit 2:0 und 9:7, ehe Mengel/Duda das Match herumrissen.
    2016 in Bielefeld hat es dann geklappt – und sowohl im Finale gegen Fejer-Konnerth/Müller als auch im Halbfinale gegen Bottroff/Helbing gewannen Filus/Walther sicher. „Diese beiden Spiele waren wirklich sehr souverän von uns“, konstatierte Ricardo Walther. „Deutscher Meister zu werden und nach der Karriere auf solch einen Titel zurückzublicken ist immer schön“, sagte der Bergneustädter. Filus/Walther sind im Doppel-Ranking der World Tour unter den besten 20 Duos, wurden Zweite bei den Belarus Open 2015 und standen bei den Qatar Open im Viertelfinale.

    Dass ein Abwehr- und ein Angriffsspieler zusammen harmonieren ist nicht unbedingt die Regel. Bei Filus/Walther klappt es. „Wir können beiden mit Qualität von hinten herausspielen, obwohl ich im Einzel als Angriffsspieler näher am Tisch bin. Ich kann im Doppel aber auch mal einen Abwehrball spielen oder mal mit Übersicht einen Ball blocken, sodass Ruwen wieder besser ins Spiel kommt“, sagte Ricardo Walther. Der Titel von Bielefeld musste sich das Duo hart erkämpfen. Im Achtel- und Viertelfinale mussten die Nationalspieler über die volle Distanz gehen. „Gerade die erste Runde mit Best of Five ist schwer. Je länger die Spiele dauern, desto eher setzen sich normalerweise die Favoriten durch. Wir sind happy, dass es für uns gereicht hat, heute haben wir sehr souverän gespielt.“

    Dennis Müller verwirklicht Traum, Fejer-Konnerth verpasst ersten Doppel-Titel

    Die Unterlegenen im Finale, Zoltan Fejer-Konnerth und Dennis Müller, trauerten etwas vergebenen Möglichkeiten nach. „Unsere abgesprochene Taktik haben wir eigentlich ganz gut umgesetzt, aber wir haben nicht das gespielt, was wir wollten. Uns sind zu viele leichte Fehler unterlaufen“, resümierte der 26-jährige Müller vom Drittligisten Mainz 05, konstatierte aber auch: „Wenn man im Finale steht, will man auch gewinnen. Man muss aber sehen, dass wir hier gegen zwei Weltklassespieler verloren haben. Morgen werde mich über die Medaille freuen. Das war immer ein großer Traum vom mir. Im Einzel ist das sehr schwer für mich“, sagte der Fünfte des Bundesranglistenfinales von 2015. Müller hat gerade sein Lehramts-Studium abgeschlossen und steht vor dem Referendariat. Vor drei Jahren musste er sich einer Schulter-OP unterziehen, „daher freue ich mich über die Medaille hier umso mehr", so der Mainzer, ehe er zur Dopingkontrolle abkommandiert wurde.

    Wieder kein Doppel-Titel bei der NDM gab es für Fejer-Konnerth: Der frühere Nationalspieler stand in seiner langen Laufbahn im Herren-Doppel schon fünfmal (Zweimal Silber, dreimal Bronze) auf dem Treppchen, zum Meister-Titel reichte es aber noch nicht. Im Einzel war der 37-Jährige 2010 nationaler Champion, zwei Jahre später wurde er an der Seite von Timo Boll Doppel-Europameister.

    Damen-Doppel, Halbfinale
    Sabine Winter/Kristin Silbereisen – Chantal Mantz/Yuan Wan 3:4 (10,-8,-10,-6,8,5,-7)
    Nadine Bollmeier/Tanja Krämer – Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach 3:4 (7,5,-13,8,-11,-8,-6)

    Finale
    Chantal Mantz/Yuan Wan – Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach 4:2 (7,8,-8,-9,6,8)

    Herren-Doppel, Halbfinale
    Ruwen Filus/Ricardo Walther – Erik Bottroff/Björn Helbing 4:2 (-8,3,-8,7,3,9)
    Hermann Mühlbach/Erik Schreyer – Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller 3:4 (-8,13,6,-7,7,-5,-10)

    Finale
    Filus/Walther - Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller 4:1 (6,8,-8,5,4)

    FL

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