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  • 20.03.2016 – Personalie

    NDM in Bielefeld: Top, wenn auch ohne Topstars

    NDM in Bielefeld: Top, wenn auch ohne Topstars Zufrieden mit der Bielefeld-NDM: Heike Ahlert, Thorsten List, Helmut Joosten, Michael Geiger (v.l., Foto: SH)

    Bielefeld. Drei Tage Top-Organisation, drei Tage sehenswerter Sport – das waren die 84. Nationalen Deutschen Meisterschaften in Bielefeld. Rund 3.000 Besucher haben die Titelkämpfe verfolgt. Nach dem Geschmack von NDM-Macher Thorsten List, Abteilungsleiter Tischtennis SV Brackwede, hätten es ein paar mehr sein sollen. „Aber die geringere Zahl mussten wir in Kauf nehmen als klar war, dass die top Drei der Damen und Herren nicht am Start sind“, erklärte er bei der Bilanz-Pressekonferenz am Turnier-Abschlusstag. „Das haben uns viele am Turnier Interessierte in den Ticket-Shops bestätigt, die sich ohne die Topstars gegen einen Besuch in der Halle entschieden haben.“

    Das Fehlen der Olympia-Kandidaten Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland), Timo Boll (Düsseldorf), Han Ying (Tarnobrzeg, Polen), Shan Xiaona und Petrissa Solja (beide Berlin) aufgrund des erst nach der DM-Terminierung veröffentlichten Turnierkalenders des Weltverbands ITTF – parallel zur DM laufen die Kuwait Open, bei denen die Weltklasse wichtige Weltranglistenpunkte für die Olympia-Setzung sammeln konnte – hatte das nationale Prestigeturnier im Vorfeld getrübt. Hinzukamen kurzfristige Absagen des erkälteten zweifachen Deutschen Einzel-Meisters Bastian Steger (Bremen) und der zweifachen NDM-Finalistin Irene Ivancan wegen Verpflichtungen in der türkischen Liga für den Spitzenklub Fenerbahce Istanbul.

    Achtmal Edelmetall Akteure des Gastgeberverbands

    „Für mich war das Wochenende sehr entspannt, was nicht immer so ist. Das einzige, was für wenig Entspannung gesorgt hat, war die Abwesenheit der Topstars. Wir müssen bei ITTF und ETTU erreichen, dass solche Dinge in Zukunft verhindert werden“, forderte Helmut Joosten, Präsident des Westdeutschen Tischtennis-Verbands. Der Chef des gastgebenden DTTB-Mitgliedsverbands freute sich gleichzeitig über die Ausbeute seiner Akteure. „Der WTTV hat viele Medaillen geholt, was nicht am Fehlen von Spielern lag, sondern daran, dass wir gute Leute haben.“ Achtmal Edelmetall ging an Akteure aus Nordrhein-Westfalen.

    „Wir haben hervorragenden Sport gesehen, aber verständlicherweise war die Enttäuschung vieler groß, dass die ganz großen Stars diesmal nicht vor Ort waren“, konstatierte Heike Ahlert, DTTB-Vizepräsidentin Leistungssport. Ahlert, die neben ihrer DTTB-Aufgabe auch als Vizepräsidentin der Europäischen Tischtennis Union aktiv ist, erläuterte die Umstände aus DTTB- und ETTU-Sicht.

    Die Olympischen Spiele stellen den Tischtennis-Terminkalender 2016 auf den Kopf. Wegen der Sommerspiele in Rio im August und der zuvor notwendigen Olympia-Qualifikationsturniere wurden die Weltmeisterschaften vorverlegt (28. Februar bis 6. März) und liegen damit auf dem sonst üblichen Termin für nationale Meisterschaften. Erst nachdem der DTTB den Termin für seine Titelkämpfe – wie viele andere europäische Nationen auch – auf Mitte März verschoben hatte, legte der Weltverband ITTF die Ansetzung der World Tour fest, zu der die Kuwait Open gehören. Anders als sonst üblich gibt es in diesem Jahr kein für nationale Meisterschaften reserviertes Wochenende, an dem der internationale Spielbetrieb ruht. Auch der Weltverband hat es nicht leicht; an freien Terminen mangelt es im Tischtennissport mit Individual- und Mannschaftswettbewerben inklusive Liga-Strukturen insgesamt.

    Mischung aus Erwartetem und Überraschungen

    In Bielefeld gab es sportlich eine Mischung aus Erwartetem und Überraschungen. „Größtenteils haben sich die Favoriten durchgesetzt, aber auch unsere jungen Spieler haben hier in Bielefeld die Gunst der Stunde genutzt“, bilanzierte Vizepräsidentin Ahlert. „Unsere jüngste Teilnehmerin Wenna Tu hat sich hervorragend in Szene gesetzt, und auch Sejla Fazlic und Natalia Mozler wird ihr Auftritt hier motivieren, weiter fleißig zu trainieren.“ Alle drei Jugendspielerinnen hatten die Hauptrunde erreicht, die Schwarzenbekerin Fazlic sogar das Viertelfinale.

    DTTB-Präsident Michael Geiger lobte ausdrücklich die Bedingungen, für die SV Brackwede und WTTV gesorgt hatten: „Das Turnier war hervorragend organisiert, auch abteilungsübergreifend von den fast 150 Helferinnen und Helfern. Die Stimmung in der Halle war am Samstag schon toll. Man merkt den Helfern an, dass sie gerne dabei sind. Sie verkörpern diesen Verein, zu dessen 125-jährigen Jubiläum ich der SV Brackwede herzlich gratuliere. Auch die 70 Jahre der Tischtennis-Abteilung sind sehr beachtlich.“

    Auf Wiedersehen in Bielefeld?

    Geiger fügte hinzu: „Man kann bei einem solchen Turnier nicht alle Rahmenbedingungen beeinflussen, aber es kommt darauf an, was man aus ihnen macht. Das haben Thorsten List und die SV Brackwede mit Hilfe des WTTV um Helmut Joosten und Ralf Bonen hervorragend hinbekommen.“ Deutsche Meisterschaften werden, wenn es nach dem DTTB geht, nicht zum letzten Mal in der größten Stadt in Ostwestfalen-Lippe stattgefunden haben. „Gute Partner sind immer unser erster Ansprechpartner für Folgeveranstaltungen“, betonte Geiger. Und auch Thorsten List schließt künftige Großveranstaltungen in Bielefeld nicht aus. „Die Veranstaltung hinterlässt natürlich Spuren von Müdigkeit, aber so langsam kommt Zufriedenheit auf.“ Kurz vor Turnierende sei noch nicht der richtige Zeitpunkt für die Entscheidung über eine Fortsetzungsveranstaltung. „Aber weil dieses Turnier qualitativ so hochwertig ist und die Zuschauer so interessiert, werden wir auch in Zukunft bestimmt wieder hellhörig, wenn es um Deutschen Meisterschaften geht“, schloss Orga-Chef List.

    Erst einmal gönnen sich List und Co. eine verdiente Pause nach der monatelangen intensiven Vorbereitung und geglückten Abwicklung. Schauplatz der 85. Deutschen Meisterschaften wird im kommenden Jahr nach 2011 und 2013 erneut Bamberg sein. Der Deutsche Tischtennis-Bund hat das wichtigste nationale Turnier vom 3. bis 5. März nach 2017 zum dritten Mal nach Oberfranken vergeben.

    SH

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