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  • 20.03.2016 – National

    Silbereisen und Baum Deutsche Meister 2016 / Überraschungs-Erfolg durch Mantz/Wan / Filus/Walther erstmals Titelträger

    Silbereisen und Baum Deutsche Meister 2016 / Überraschungs-Erfolg durch Mantz/Wan / Filus/Walther erstmals Titelträger Freude, Erleichterung, großes Glück: Patrick Baum nach verwandeltem Matchball (Foto: Gabi Bender)

    Bielefeld. Kristin Silbereisen und Patrick Baum heißen die Deutschen Meister 2016. Während es für Silbereisen der zweite nationale Titel nach 2010 war, gewann Baum in der Bielefelder Seidensticker Halle zum ersten Mal in seiner Karriere Gold im Herren-Einzel. Im Damen-Doppel überraschten die jungen Chantal Mantz/Yuan Wan sowohl Experten als auch das Publikum. Ruwen Filus und Ricardo Walther wurden ihrer Favoritenstellung im Herren-Doppel gerecht und dürfen sich nun erstmals Deutsche Meister nennen.

    „Ich freue mich riesig. Ich habe noch nie einen Einzeltitel gewonnen und schon nicht mehr richtig daran geglaubt, dass das noch klappt. Als es im sechsten Satz 7:5 und 8:5 stand, habe ich zum ersten Mal an den Titel geglaubt", sagte Patrick Baum nach dem 4:2-Finalerfolg über Nationalteamkollege Steffen Mengel. Viermal schon, 2006, 2007, 2011 und 2012, hatte der für den französischen Club Caen TT spielende Linkshänder als Dritter auf dem Podest gestanden, in der Seidensticker Halle spielte er am Sonntag sein erstes DM-Einzelfinale und setzte sich in sechs Sätzen gegen den Deutschen Meister von 2013, Mengel, durch.

    Den Sieg wollte Baum, der 28-jährige WM-Viertelfinalist von 2013, hinterher etwas relativieren. „Man muss dazu sagen, dass hier in Bielefeld starke Spieler gefehlt haben, ansonsten wäre die Freude noch eine andere. Aber ich habe hier mit Patrick Franziska und Steffen Mengel zwei gute Spieler geschlagen und relativ sicher meine Partien gewonnen. International habe ich zwar nicht so gut gespielt, aber in der französischen Liga gute Ergebnisse erzielt", betonte der Vize-Europameister von 2011 und 2010.

    In dem engen Finale seien unter anderem Baums Rückschläge mitentscheidend gewesen. „Steffens Aufschläge sind sehr unangenehm. Daher habe ich meine Rückschläge teilweise etwas umgestellt, anders retourniert als etwa im Training. Ich glaube, das hat Steffen teilweise aus dem Rhythmus gebracht.“

    Mengel: "Wir hatten uns alle etwas ausgerechnet"

    Ob eine Niederlage weniger schlimm sei, wenn man schon mal Deutscher Meister war? „Das ist schwer zu sagen“, erwiderte Steffen Mengel nachdenklich. „Wenn man in so einem Finale ist, will man das unbedingt gewinnen.“ Ohne die Teilnahme von Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll hätten das Turnier „viele Leute gewinnen können. Wir hatten uns alle etwas ausgerechnet“, sagte er für die Gruppe der Nationalspieler. „Direkt nach so einer Niederlage ist man natürlich enttäuscht. Ich hätte schon gerne gewonnen.“

    Die Chancen für eine Wiederholung des 2013er-Titels von Bamberg waren da. Einen Satzball in Durchgang zwei zur 2:0-Satzführung ließ der 27-jährige WM-Zweite mit der Mannschaft und German-Open-Dritte von 2014 aus. Im Vierten bei 7:7, „da hatte ich das Gefühl, da eine gute Chance zu haben“, unterliefen ihm zwei leichte Fehler. In Satz sechs bei 5:5 zog Patrick Baum dann davon, „da hat er ein paar echt gute Bälle gespielt“, so Mengel.

    Silbereisen: "Durfte keine Sekunde locker lassen"

    Eher verhaltener Jubel im Freundinnen-Duell: Silbereisen beim Finale ohne Coaches (Foto: Gabi Bender)Gold für Silbereisen bei den Damen: Nach 2010 wird Kristin Silbereisen zum zweiten Mal Deutsche Einzel-Meisterin. "Ich bin einfach super happy. Sabine hat es mir sehr schwer gemacht. Ich durfte keine Sekunde locker lassen", sagte ‪"‎Miss Speed", wie sie wegen ihrer hohen Beschleunigung im rechten Schlagarm genannt wird, nach dem Einzel-Finale bei den 84. nationalen Titelkämpfen. Die 31-jährige Nationalspielerin und ausgebildete Physiotherapeutin gewann vor rund 1.800 Zuschauern am Schlusstag gegen Kolbermoor-Bundesliga-Teamkollegin, Freundin und Doppelpartnerin Sabine Winter.

    Das 4:1-Ergebnis liest sich klarer, als sich die Partie für die Kontrahentinnen gestaltete. "Weil wir uns so gut kennen und viel miteinander trainieren, war das Spiel stark von Taktik geprägt. Es war für mich ganz und gar nicht einfach", so Silbereisen.

    Die beiden Topgesetzten hatten sich in ihren Halbfinals am Sonntagmorgen jeweils mit 4:0 gegen die dreifache Doppel-Meisterin aus Essen, Nadine Bollmeier (Silbereisen), bzw. die 2008er-Einzel-Titelträgerin vom TV Busenbach, Tanja Krämer, durchgesetzt.

    Winter: „Bin schon deutlicher vermöbelt worden“

    Für Sabine Winter war Teamkollegin, Freundin und Doppelpartnerin Silbereisen sicherlich die unangenehmste Finalgegnerin von allen. „Vor dem Turnier haben viele zu mir gesagt, dass die Chancen, in diesem Jahr zu gewinnen, sehr groß für mich sind. Darauf habe ich geantwortet, dass die Chancen, ins Finale zu kommen, vielleicht größer sind, aber die Titelchancen nicht unbedingt sehr groß, wenn es im Endspiel gegen Kristin geht“, sagte Winter und erklärte: „Mein Spiel liegt ihr, ihres mir nicht. Aus irgendeinem Grund mag sie meine Bälle, hat häufig eine noch bessere Antwort. Ich muss aber auch sagen, dass ich von ihr schon deutlicher vermöbelt worden bin. Ein paar Sachen habe ich aus dem Spiel ziehen können, die mich vielleicht beim nächsten Mal noch näher bringen“, sagte die dreifache Deutsche Doppelmeisterin.

    Dreimal schon, 2016, 2015 und 2012 musste die Sechstplatzierte des Europe Top 16 und Weltranglisten-49. mit dem zweiten Platz bei Deutschen Meisterschaften Vorlieb nehmen. „Ich hoffe, dass es dann beim nächsten Finaleinzug klappt. Ich werde es weiter probieren, kämpfen kann ich“, so die Team-Europameisterin und WM-Fünfte mit Deutschland.

    Doppelsiegerin Mantz: „Einfach nur geil!“

    Riesen Freude: Die Deutschen Meister im Damen-Doppel 2016: Chantal Mantz und Yuan Wan (Foto: Bender)Eine 18- und eine 19-Jährige setzen sich bei den 84. Nationalen Deutschen Meisterschaften in Bielefeld die Krone im Damen-Doppel auf. Die B-Kader-Spielerinnen Chantal Mantz (Schwabhausen) und Yuan Wan (Bingen) sind Deutsche Meister. Im Finale setzte sich das Duo gegen Kathrin Mühlbach (Leipzig) und Yuko Imamura (Kleve) in sechs Sätzen durch. Zuvor hatten Mantz/Wan die Favoritinnen Sabine Winter/Kristin Silbereisen im Halbfinale besiegt.

    Chantal Mantz und Yuan Wan – Deutsche Meister 2016! Wie fühlt sich das an? „Einfach nur geil. Ein sehr schönes Gefühl, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, beschrieb Mantz die Gefühlslage nach dem größten nationalen Erfolg ihrer noch jungen Laufbahn. 2014 hatten die Deutschen Meisterinnen gemeinsam im Mädchen-Doppel bei den nationalen Titelkämpfen triumphiert und im gleichen Jahr bei den Europameisterschaften Silber mit Deutschland gewonnen. Mantz wurde sogar Europameisterin im Einzel. Doch der erste Titel bei den Erwachsenen hat einen ganz besonderen Stellenwert.

    Den ersten großen Schritt dorthin hatten die Youngster am Morgen im Halbfinale getan – mit dem 4:3-Überraschungserfolg über die hohen Favoritinnen Sabine Winter/Kristin Silbereisen. „Danach haben wir uns gedacht, jetzt machen wir es im Finale einfach noch mal“, so Mantz und Doppelpartnerin Yuan Wan ergänzte: „Gegen Sabine und Kristin waren wir super locker und wir konnten uns im Laufe der Partie noch steigern.“ Das Erfolgsrezept der Deutschen Meister sei Harmonie – auf und abseits der Box. „Wir ergänzen uns am Tisch, Chanti spielt oft von hinten heraus und zieht stark dagegen, ich bleibe mehr am Tisch. Wir sind aber auch außerhalb des Tischtennis‘ befreundet“, erklärt die 18-jährige Yuan Wan.

    Zeit zum Feiern blieb dem jungen Duo nicht (Mantz: „Das machen wir nachher unter der Dusche.“), aber demnächst wird es die Gelegenheit sicher noch geben, wenn die beiden in Düsseldorf vereint sind. Chantal Mantz wird aus ihrer bayerischen Heimat in die NRW-Landeshauptstadt ziehen und dort am Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) unter Bundestrainerin Jie Schöpp und deren Assistent Wan Guohui – übrigens der Vater von Yuan – trainieren. Dann können die Freundinnen auch ihr Doppel-Spiel weiter verfeinern.

    Yuko Imamura happy mit Silber

    Nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen, lautete das Fazit von Yuko Imamura nach der Niederlage in ihrem ersten DM-Finale. „Wenn mir vorher einer gesagt hätte, wir gewinnen Silber, dann hätte ich sofort unterschrieben“, sagte die 20-jährige Zweitligaspielerin aus Kleve, die schon zweimal Deutsche Meisterin im Mädchendoppel war und jetzt mit Kathrin Mühlbach nicht weit weg vom obersten Podestplatz bei den Damen. „Wir haben uns die Medaille schon als Ziel gesetzt, jetzt hatten wir die sogar die Chance auf den Titel. Ich bin trotzdem sehr glücklich“, sagte die Jura-Studentin, die den Siegerinnen Mantz/Wan fair gratulierte: „Sie haben am Ende schon verdient gewonnen, in den langen Ballwechseln waren sie häufig besser, Chantal hat vor allem mit der Vorhand stark gegengezogen“, analysierte die amtierende Bundesranglistensiegerin Imamura.

    Im Halbfinale hatten sie und Kathrin Mühlbach, die Deutsche Doppelmeisterin von 2010, nach hohen Rückständen gegen die vom Papier favorisierten Nadine Bollmeier/Tanja Krämer in sieben Sätzen gewonnen.

    Filus/Walther heimsen ihren ersten DM-Titel ein

    Endlich geschafft: Steiniger Weg zum Titel für Filus/Walther (Foto: Gabi Bender)Endlich Deutsche Meister: Nachdem Ruwen Filus (Fulda) und Ricardo Walther (Bergneustadt) im vergangenen Jahr so dicht dran waren am ersten Deutschen Meistertitel, hat es in Bielefeld nun geklappt. Die Nationalspieler gewannen das Finale gegen Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller in fünf Sätzen. Für Filus und Walther, die seit geraumer Zeit auf der World Tour ein gut funktionierendes Doppel bilden, ist es der erste nationale Titel überhaupt.

    „Deutscher Meister zu sein ist eine große Ehre. Im Einzel hat der Titel vielleicht noch mehr Bedeutung, aber jetzt habe ich im Doppel schon mal angefangen“, sagte der Fuldaer Abwehrspezialist, der schon zweimal ganz dicht dran war am Doppel-Titel. 2009, ebenfalls in Bielefeld, unterlag Filus an der Seite von Steffen Mengel dem Duo Schlichter/Flemming nach 2:1- und 7:3-Führung. Im vergangenen Jahr in Chemnitz führten Filus/Walther mit 2:0 und 9:7, ehe Mengel/Duda das Match herumrissen.

    2016 in Bielefeld hat es dann geklappt – und sowohl im Finale gegen Fejer-Konnerth/Müller als auch im Halbfinale gegen Bottroff/Helbing gewannen Filus/Walther sicher. „Diese beiden Spiele waren wirklich sehr souverän von uns“, konstatierte Ricardo Walther. „Deutscher Meister zu werden und nach der Karriere auf solch einen Titel zurückzublicken ist immer schön“, sagte der Bergneustädter. Filus/Walther sind im Doppel-Ranking der World Tour unter den besten 20 Duos, wurden Zweite bei den Belarus Open 2015 und standen bei den Qatar Open im Viertelfinale. Dass ein Abwehr- und ein Angriffsspieler zusammen harmonieren ist nicht unbedingt die Regel.

    Bei Filus/Walther klappt es. „Wir können beiden mit Qualität von hinten herausspielen, obwohl ich im Einzel als Angriffsspieler näher am Tisch bin. Ich kann im Doppel aber auch mal einen Abwehrball spielen oder mal mit Übersicht einen Ball blocken, sodass Ruwen wieder besser ins Spiel kommt“, sagte Ricardo Walther. Der Titel von Bielefeld musste sich das Duo hart erkämpfen. Im Achtel- und Viertelfinale mussten die Nationalspieler über die volle Distanz gehen. „Gerade die erste Runde bei Best of Five ist schwer. Je länger die Spiele dauern, desto eher setzen sich normalerweise die Favoriten durch. Wir sind happy, dass es für uns gereicht hat, heute haben wir sehr souverän gespielt.“

    Dennis Müller verwirklicht Traum

    Die Unterlegenen im Finale, Zoltan Fejer-Konnerth (Diddeleng, Luxemburg) und Dennis Müller (Mainz), trauerten etwas vergebenen Möglichkeiten nach. „Unsere abgesprochene Taktik haben wir eigentlich ganz gut umgesetzt, aber wir haben nicht das gespielt, was wir wollten. Uns sind zu viele leichte Fehler unterlaufen“, resümierte der 26-jährige Müller vom Drittligisten Mainz 05, konstatierte aber auch: „Wenn man im Finale steht, will man auch gewinnen. Man muss aber sehen, dass wir hier gegen zwei Weltklassespieler verloren haben. Morgen werde mich über die Medaille freuen. Das war immer ein großer Traum vom mir. Im Einzel ist das sehr schwer für mich“, sagte der Fünfte des Bundesranglistenfinales von 2015. Müller hat gerade sein Lehramts-Studium abgeschlossen und steht vor dem Referendariat. Vor drei Jahren musste er sich einer Schulter-OP unterziehen, „daher freue ich mich über die Medaille hier umso mehr.“

    Wieder kein Doppel-Titel bei der NDM gab es für Fejer-Konnerth: Der frühere Nationalspieler stand in seiner langen Laufbahn im Herren-Doppel schon fünfmal (Zweimal Silber, dreimal Bronze) auf dem Treppchen, zum Meister-Titel reichte es aber noch nicht. Im Einzel war der 37-Jährige 2010 nationaler Champion, zwei Jahre später wurde er an der Seite von Timo Boll Doppel-Europameister.

    NDM 2016 - Ergebnisse am Final-Sonntag

    Damen-Doppel, Halbfinale
    Sabine Winter/Kristin Silbereisen – Chantal Mantz/Yuan Wan 3:4 (10,-8,-10,-6,8,5,-7)
    Nadine Bollmeier/Tanja Krämer – Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach 3:4 (7,5,-13,8,-11,-8,-6)

    Finale
    Chantal Mantz/Yuan Wan – Yuko Imamura/Kathrin Mühlbach 4:2 (7,8,-8,-9,6,8)

    Herren-Doppel, Halbfinale
    Ruwen Filus/Ricardo Walther – Erik Bottroff/Björn Helbing 4:2 (-8,3,-8,7,3,9)
    Hermann Mühlbach/Erik Schreyer – Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller 3:4 (-8,13,6,-7,7,-5,-10)

    Finale
    Filus/Walther - Zoltan Fejer-Konnerth/Dennis Müller 4:1 (6,8,-8,5,4)

    Damen-Einzel, Halbfinale
    Sabine Winter – Tanja Krämer 4:0 (9,9,2,6)
    Kristin Silbereisen – Nadine Bollmeier 4:0 (9,7,9,8)

    Finale
    Winter - Silbereisen 1:4 (-9,-4,-7,5,-8)

    Herren-Einzel, Halbfinale
    Lars Hielscher – Steffen Mengel 1:4 (6,-5,-12,-10,-8)
    Patrick Baum – Patrick Franziska 4:2 (-8,12,4,10,-6,11)

    Finale
    Baum – Mengel 4:2 (-9,12,-9,8,3,5)

    SH / FL

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