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  • 30.03.2016 – Personalie

    Der den dümpelnden Riesen erweckt hat: Eine Laudatio auf "HWG" von Hans-Reinhard Scheu

    Der den dümpelnden Riesen erweckt hat: Eine Laudatio auf Mit beiden Beinen im Hier und Jetzt, gedanklich seiner Zeit immer voraus: Hans Wilhelm Gäb (Foto: Dr. Roscher)

    Hofheim/Taunus. Zehn Jahre ist es her, dass Hans Wilhelm Gäb die Gratulanten-Schar zum Austausch freundlicher Gedanken in einer „virtuellen Geburtstagsfeier“ aufforderte, um ihnen Reisestrapazen und sich die Flut wohlgemeinter Grußadressen zu ersparen.
    Eine originelle Idee und Ausdruck außergewöhnlicher Fürsorge und Bescheidenheit. Jetzt aber zu seinem 80. Jubeltag am 31. März muss die virtuelle Verbundenheit einer gebührenden Laudatio in Schriftform Platz machen – erst recht im großen Kreis der Tischtennisfreunde, die ihm so unendlich viel zu verdanken haben.

    Denn „HWG“ hat in den achtziger Jahren den dümpelnden Riesen DTTB aus dem Dornröschenschlaf erweckt – gestützt auf die Basiserlebnisse als mehrfacher Deutscher Meister und Nationalspieler, die aufrüttelnden Erlebnisse im Funktionärswesen und die wegweisenden Erfahrungen in den Chefetagen der Industrie.

    Immer einige Schritte voraus

    WTTV-Trainergespann bei Jugend-DM 1975: Gäb und Berni Vossebein (l.) beraten Ralf Wosik (r., Foto: DTTB)Wer wie er clever mit eigenem Schlägervertrieb sein Studium finanziert, wer auf dem Feld der zweiten Liebe Motorsport eine Fachzeitung aus dem Boden stampft, wer durch bahnbrechende Reformen und Projekte die Verbandsarbeit revolutioniert, wer mit der Organisation und Durchführung spektakulärer Events seiner Zeit und den meisten handelnden Personen immer einige Schritte voraus ist, der könnte ja abheben, das Ego über das Teamwork stellen und sich - spätestens heute - auf seinen Lorbeeren, das heißt seinen Großtaten, Ehrenämtern und Auszeichnungen ausruhen.

    Weder - noch. Hans Wilhelm Gäb war nie Deutscher Meister im Einzel, aber x-Mal im Doppel, Mixed und mit seiner Borussia. Mannschaftsspieler eben. Und der ist er immer geblieben, wohlwissend, dass nun mal einer - am besten er selbst - mit Fantasie und Engagement vorangehen, vormachen, vorleben muss, um andere zu überzeugen und mitzunehmen in die Unwägbarkeiten und Chancen im Neuland.

    Mitfreuen, mitleiden mit Roßkopf, Fetzner, Boll und Co.

    Eberhard Schöler, Norbert Wolf, seine rechte Hand Heide Goetze, Charles Roesch, Eva Jeler und natürlich seine starke Ehefrau Hella seit 55 Jahren an seiner Seite - das waren im Sport und daheim seine wertvollsten Mitspieler im Kampf gegen Verbandspatina, im zähen Ringen um Reputation und nimmermüde Bemühungen um vorzeigbare sportliche Erfolge.

    Fügung, ja Belohnung für den WM-Macher, dass Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner 1989 in Dortmund als Krönung glanzvoller Tischtennis-Festtage Weltmeister im Herren-Doppel wurden. Die Olympia-Medaille der beiden und Rossis Titelgewinn bei der Stuttgarter EM ist als Zubrot für Spieler, Führungs-Crew und vor allem einen Präsidenten zu werten, der sich über die Erfolge seiner Zöglinge – heute Timo Boll und Co. – wie ein Kind freuen kann und bei deren Niederlagen mehr leidet als damals, wenn er gegen Arndt oder Gomolla verlor.

    Kapitän von Organspende-Vereinen und Sporthilfe / Moralische Instanz

    Starke Partnerin an seiner Seite: Hella Gäb mit ihm bei der Verleihung des Verdienstkreuzes 2006 (Foto: E. Blatt)Die heimtückische, lebensbedrohende Krankheit, gottlob via Transplantation besiegt, zwang Gäb zum Rückzug aus zahlreichen Ämtern und von reizvollen Verpflichtungen und führte ihn zu neuen Ufern: „Verein Sportler für Organspende“, „Kinderhilfe Organtransplantation“ und „Deutsche Sporthilfe“ – natürlich nicht als Matrose, sondern als Kapitän, das Steuer allzeit fest in der Hand.

    Akribisch, manchmal ungeduldig bis unerbittlich, keine Notlügen duldend und doch freundlich zu allen, einfühlsam, hilfsbereit, Mann der leisen Töne und Meister der Diplomatie – so charakterisiert ihn sein enges Umfeld; alle, auch Andersdenkende, würdigen mit Respekt seine Integrität, seine Intelligenz, sein Charisma, seinen leisen Humor, akzeptieren ihn als moralische Instanz.

    Resignation bleibt ein Fremdwort

    Weil das Herz des Hans Wilhelm Gäb auch fast fünf Jahrzehnte nach dem Ende seiner Spielerkarriere und zwei Jahrzehnte nach der Präsidentenzeit immer noch für des Spiel mit dem kleinen Ball schlägt, sorgt sich der Kopf um die Zukunft des Tischtennissports: Die mangelhafte Transparenz ob der vertrackten Kombination Technik/Taktik, die karge Medienpräsenz und die Imageprobleme des DTTB in der Öffentlichkeit wie unter den potenziellen Sponsoren. Doch weil Resignation für Hans Wilhelm Gäb stets ein Fremdwort war, ist der Hoffnungsfunke bereits entzündet, die WM 2017 in seiner sportlichen Heimat Düsseldorf.

    Wünschen wir dem Jubilar nebst persönlichem Wohlergehen und Gedeihen seiner Projekte als verspätetes Geburtstagsgeschenk 2017 Titelkämpfe mit Glanz und Gloria wie einst 1989, verbunden mit der Wiedergeburt eines gebührenden Stellenwerts seines geliebten Spiels. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute, Hans!

     

    Der Autor

    Hans-Reinhard Scheu (Foto: SWR)Hans-Reinhard Scheu war Sport-Redakteur, Chefreporter und TV-Moderator der Sport-Hintergrundsendung "Sport unter der Lupe“ beim Südwestfunk Baden-Baden. Er kommentierte Großanlässe wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften, war zusammen mit Friedrich-Karl Brauns über Jahrzehnte die Stimme des Tischtennissports der ARD in Radio und Fernsehen und erhielt für seine Arbeit viele Auszeichnung, u.a.: mehrfach Hörfunk-Sportreporter des Jahres, Preisträger der Silbernen Kugel des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, vielfache Ehrungen durch den Verband Deutscher Sportjournalisten im Bereich Hörfunk und Fernsehen.

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