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  • 07.01.2008 – Personalie

    Auf Wiedersehen, Ronald Raue

    Auf Wiedersehen, Ronald Raue

    Seligenstadt. Es war ein rührender Moment für alle. Die komplette deutsche Mannschaft mit dem Trainerteam hatte im Centrecourt Aufstellung genommen. Spielerinnen und Spieler jeweils mit einer langstieligen dunkelroten Rose in den Händen. Applaus der deutschen und internationalen Delegationen brandete auf, als Ronald Raue (Foto) die Box betrat.

    Nach 17 Jahren in Diensten als Trainer beim Deutschen Tischtennis-Bund hat Ronald Raue zum 31. Dezember seinen Abschied genommen. Bei den JOOLA German Youth Open in Seligenstadt wurde der Schülerinnen-Bundestrainer nun offiziell verabschiedet. Er hatte sich das so gewünscht. Kein auf Wiedersehen beim LIEBHERR Europe Top 12 Anfang Februar in Frankfurt vor den Augen tausender Zuschauer, sondern ein Abschied von und mit den Menschen, die ihn in seinem Berufsleben in den vergangenen Jahren immer begleitet haben: die Spielerinnen und Spieler aus dem In- und Ausland, die deutschen und internationalen Trainerkollegen, die Offiziellen und Funktionäre.

    Seit 1991 in Diensten des DTTB

    Geboren in der DDR war Ronald Raue in seiner aktiven Zeit als Spieler DDR-Meister im Doppel und zwölfmal Mannschaftsmeister mit der BSG Außenhandel Berlin. Seit 1975 arbeitete er hauptberuflich als Tischtennistrainer. Begonnen hat er beim DTTB im Jahr 1991 als Bundesstützpunkttrainer für Berlin. Er war der einzige Bundestrainer aus dem aktuellen Team, der aus den neuen Bundesländern stammt. Ab 1992 war er Bundestrainer für Sichtung und Auswahl. 1996 und 1997 folgten zwei Jahre als Bundestrainer am Tischtennisinternat in Heidelberg. Seit 1997 ist er für den weiblichen Nachwuchs zuständig. 13. wurden die Schülerinnen und Mädchen bei seinen ersten Jugend-Europameisterschaften im neuen Amt. Von da an ging es stetig nach oben. Im Jahr 2000 dann einer der Höhepunkte: Die deutschen Mädchen gewann erstmals den Mannschaftstitel. Im Goldteam von Bratislava standen vier auch heute noch sehr bekannte Athletinnen: Gaby und Meike Rohr sowie Kristin Silbereisen und Laura Stumper. In ähnlicher Besetzung hatten sie 1998 und 1999 ebenfalls für Mannschaftsgold gesorgt, zu der Zeit noch in der Schülerinnenklasse, die Raue im neuen Jahrtausend verantwortlich übernahm.

    Ronald Raue hat viele herausragende Nachwuchsspielerinnen auf ihrem Weg nach oben unterstützt. Zuletzt bedankte sich die aktuelle Schülerinnenmannschaft bei ihrem Coach mit vier Medaillen bei den Jugend-Europameisterschaften in Bratislava im vergangenen Sommer: zweimal Bronze durch Sabine Winter und Kathrin Mühlbach im Einzel, Gold durch Sabine Winter im Doppel mit Barbora Balazova aus der Slowakischen Republik sowie Silber durch das Duo Winter/Arne Hölter. Ronald Raue musste sich im Stillen zu Hause darüber freuen. Die Folgen eines Bandscheibenvorfalls handicapen ihn bis heute. Das Rückenleiden ist auch der Grund für den vorzeitigen Ruhestand des 63-Jährigen. „Der Abschied fällt mir schon schwer“, gibt er zu, „denn man hört nicht gerne auf, wenn etwas so großen Spaß macht. Meine Belastbarkeit ist einfach nicht mehr so hoch wie früher. Aber guter Nachwuchs ist da, deshalb wird man meinen Weggang verkraften“. Vor allem der letzte Satz ist typisch für Ronald Raue. „Neben seiner fachlichen Kompetenz, Kollegialität und Loyalität zeichnen ihn vor allem Gelassenheit und Ruhe aus“, fasst DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig zusammen.

    „Du hast dir die fachliche Wertschätzung der deutschen und internationalen Kollegen erworben und mit deinen Mädchen und Jungen viele Medaillen bei internationalen Meisterschaften gewonnen. Was noch mehr zählt, ist, dass du auch menschlich die höchste Wertschätzung von allen erfährst, die mit dir zusammenarbeiten. Deine Zuverlässigkeit, deinen Humor und deine hilfreiche Gelassenheit werden wir vermissen“, sagte Jürgen Ahlert (Foto), DTTB-Vizepräsident Jugend, in seiner Laudatio. Er freue sich aber, dass Raue dem DTTB zumindest für eine Übergangszeit noch weiterhin zur Verfügung stehen werde. Vorerst wird Ronald Raue nämlich bei der Regional- und Talentsichtung sowie Minikaderlehrgängen noch regelmäßig als Honorarkraft zum Einsatz kommen.

     

     

     

     

     

     

    So hatte sich Ronald Raue seinen Ausstand gewünscht: im Kreise seiner Spielerinnen, Spieler und Trainerkollegen

     

     

    Zum Abschied bekam der gebürtige Deschneier unter anderem eine Fotocollage mit Bildern aus seiner Trainerzeit. An seiner Seite: seine Nachfolgerin im Amt, Dana Weber, seit wenigen Tagen die neue Schülerinnen-Bundestrainerin

    Das Trainerteam des DTTB

    SH
    Fotos: Marco Steinbrenner