Hardbat

Hardbat-Tischtennis ist eine Variante des Tischtennissports, bei der alle Spieler mit nahezu einheitlichen, ganz einfachen Schlägerbelägen spielen. Es handelt sich um Beläge mit kurzen Noppen nach außen ohne Schwamm. Der Schläger, auch "Brettchen" genannt, hat also eine harte Gummioberfläche, und daher kommt auch die englische Bezeichnung "hardbat".

Weil beim Hardbat-Schläger die Noppen des Gummis nach außen zeigen, ist die Oberfläche nicht annähernd so griffig wie bei normalen Tischtennisbelägen mit den Noppen nach innen. Mit einem Brettchen kann man deshalb beim Schlagen nur ganz wenig Schnitt und wegen der fehlenden Schwammgummischicht deutlich weniger Tempo als mit einem normalen TT-Schläger erzeugen. Dadurch sind die Schläge nicht annähernd so gefährlich und können deshalb leichter retourniert werden. Weil ein richtiger Spielfluss entsteht, dauern die Ballwechsel länger, und der Punktgewinn muss richtig "erarbeitet" werden. Weil beim Hardbat-Tischtennis das Material keine Rolle bei der Entscheidung über den Gewinner eines Ballwechsels spielt, sondern nur das Können des Spielers, macht das Ganze so viel Spaß.

Hardbat-Tischtennis ist vergleichbar mit dem Tischtennis, das bis zum Aufkommen der Schwammschläger Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts überall auf der Welt gespielt und von den Zuschauern "verstanden" wurde. Heutzutage gibt es aufgrund der fortgeschrittenen Materialentwicklung etwas griffigere Noppengummibeläge als damals, so dass damit etwas mehr Schnitt erzeugt werden kann als früher. Diese heutigen Noppengummibeläge sind beim "modernen" Hardbat-Tischtennis, das in Deutschland gespielt wird, zugelassen. Insbesondere in den USA spielt man dagegen auch das "klassische" Hardbat-Tischtennis, bei dem nur solche Noppengummibeläge verwendet werden dürfen, die sich genau so verhalten wie die Beläge der 30er und 40er Jahre.

www.hardbat-tischtennis.de

Regeln

Allgemeingültige Regeln für Hardbat-Tischtennis gibt es in Deutschland nicht - also muss jeder Verein, der Hardbat-Spiele oder Hardbat-Turniere organisieren will, selbst im Vorfeld die dafür geltenden Regeln bekanntgeben.
Der SV Vorwärts Nordhorn als Veranstalter des ältesten deutschen Hardbat-Turniers hat sich entschieden, bei seinen Veranstaltungen dafür weitestgehend die gültigen Tischtennisregeln zu verwenden. Der Grund ist einfach der, dass die meisten Teilnehmer genau diese Regeln kennen, weil sie auch sonst danach spielen. Einzig und allein bei den Schlägerbelägen sind - verständlicherweise - drei Ausnahmen von den Internationalen TT-Regeln für die Hardbat-Veranstaltungen beschlossen worden. Diese sind:

1.) Die ITTF-Regel A 4.3 (Schlägerbeläge) wird wie folgt abgewandelt: "Eine zum Schlagen des Balls benutzte Seite des Blattes muss mit gewöhnlichem Noppengummi (Noppen nach außen, Gesamtdicke einschließlich Klebstoff höchstens 2 mm, keine Schwammunterlage) bedeckt sein. Lange Noppen mit einem Verhältnis zwischen Noppenlänge und Noppendurchmesser (aspect ratio) von mehr als 0,9 (laut ITTF-Liste der zugelassenen Schlägerbeläge; siehe www.ittf.com) sind nicht zugelassen, selbst wenn sie ohne Schwammunterlage verwendet werden."

Dies ist die wichtigste Regel, die einen Schläger als Brettchen klassifiziert. Noch einmal in verständlichen Worten: kurze Noppen außen ohne Schwamm.

2.) Die ITTF-Regel A 4.6 ("Die eine Schlägerseite muss leuchtendrot, die andere schwarz sein") wird außer Kraft gesetzt.
Dies geschieht, damit bei unseren Veranstaltungen keine Schläger verboten sind, die aufgrund ihrer Beschaffenheit (siehe Regel 1) eigentlich ein Brettchen sind.

3.) Die ITTF-Regel B 2.1.3 ("Auf einer zum Schlagen des Balles benutzten Schlägerseite dürfen nur Beläge verwendet werden, die eine gültige ITTF-Genehmigung besitzen. Sie müssen so auf dem Schläger angebracht sein, dass am Rand der Schlagfläche Warenzeichen und ITTF-Symbol deutlich zu erkennen sind") wird außer Kraft gesetzt.
Auch dies wird nur gemacht, damit alle Schläger, die die Hardbat-Eigenschaften nach Regel 1 erfüllen, auch wirklich genutzt werden dürfen.

Eine beispielhafte Aufstellung von Belägen, die für Hardbat-Spiele zugelassen sind, befindet sich auf der Seite "Hardbat-Beläge". Es handelt sich um alle Beläge aus den dortigen Gruppen A, B und C. Dort führen wir in Gruppe D auch eine Liste von Noppen außen-Belägen, die wegen Nichteinhaltung der obigen Regel 1 (Noppengeometrie) bei Brettchen-Spielen nicht zugelassen sind.
Alle anderen Regeln gelten wie im normalen Tischtennis. Also wird auch bei unseren Hardbat-Veranstaltungen seit 1.7. 2001 mit dem 40 mm Ball gespielt und seit dem 1.8.2001 die neue Satzlänge bis 11 verwendet. Uns geht es darum, Hardbat-Tischtennis fast genau so zu spielen wie das heutige Tischtennis, nur eben mit bestimmten Schlägerbelägen, mit denen normalerweise längere Ballwechsel entstehen. Wir nennen das "modernes" Hardbat-Tischtennis. Es geht uns nicht darum, Tischtennis in allen Aspekten genau so zu spielen, wie es bis zum Aufkommen der Schwammschläger 1951 gespielt wurde. Damit unterscheiden wir uns von den Anhängern des "klassischen" Hardbat-Tischtennis, das sich insbesondere in den USA innerhalb der dortigen Hardbat-Bewegung gegen Ende 2005 durchgesetzt hat. 
Wir würden uns freuen, wenn andere Vereine in Deutschland, die eine Hardbat-Veranstaltung durchführen wollen, auch die von uns verwendeten obigen Regeln des "modernen" Hardbat-Tischtennis anwenden würden! 

Innerhalb des "modernen" Hardbat-Tischtennis gibt es unter Einhaltung des oben Beschriebenen zwei Varianten, die sich hinsichtlich der Freiheit der Schlägerwahl unterscheiden. Beim "modernen Hardbat-Tischtennis mit eigenem Schläger" darf jeder Turnierteilnehmer bei Berücksichtigung der prinzipiell geltenden Regeln (siehe oben) selbst bestimmen, mit welchem Schläger er spielen will. Diesen Schläger muss er dann auch selbst zum Turnier mitbringen. Diese Variante bevorteilt die wenigen echten Hardbat-Spieler, die ihren eigenen Schläger, den sie auch im Punktspielbetrieb benutzen, bei den Hardbat-Turnieren verwenden können, während alle ihre Gegner mit einem für sie ungewohnten Schläger spielen müssen. Bis einschließlich 2014 wurde bei den Nordhorn Brettchen Open diese Regel verwendet.

Mehr und mehr setzt sich allerdings, ausgehend von den Niederlanden und England und unterstützt durch das Aufkommen der Clickball-Bewegung, das "moderne Hardbat-Tischtennis mit einheitlichen Schlägern" durch. Dabei wählt der Turnierveranstalter aus Schlägern, die die oben beschriebenen Regeln einhalten, eine Schläger- und Belagsart aus, die er in ausreichender Anzahl zur Verfügung stellt und mit der dann jeder Turnierteilnehmer spielen muss. Die Verwendung eines eigenen Hardbat-Schlägers ist dabei nicht gestattet. Bei diesen Turnieren liegen die Schläger vor dem Spiel auf dem Tisch und bleiben während des gesamten Spiels auf der jeweiligen Seite des Netzes. Das bedeutet, dass die Spieler bei jedem Seitenwechsel die Schläger tauschen (wie beim Clickball). Der Gedanke dahinter ist der des "Fair Play". Die Chancengleichheit aller Teilnehmer und der Wunsch, dass der beste Spieler am Ende gewinnen soll und nicht der beste Schläger, können nicht stärker unterstützt werden, als wenn alle Spieler mit dem gleichen Schläger spielen müssen. Propagiert wird diese Variante insbesondere von der WUTTO, einer in den Niederlanden ansässigen weltweiten Organisation für Tischtennis mit einheitlichen Schlägern, die seit 2013 eine große, europaweite Turnierserie für einheitliche Schläger veranstaltet (WUTTO Grand Prix-Circuit) und am Jahresende sogar eine Weltmeisterschaft dafür durchführt. Seit 2015 verwenden die Nordhorn Brettchen Open diese Variante des Hardbat-Tischtennis.

Der Vollständigkeit halber sollen hier jedoch auch die Regeln des "klassischen" Hardbat-Tischtennis aus den USA aufgeführt werden:
Dort gelten verschärfte Regeln in Bezug auf die Beläge. So dürfen nur ganz wenige bestimmte klassische Noppengummibeläge verwendet werden. Das sind solche, die die gleichen Spieleigenschaften haben wie die Beläge aus der Zeit vor 1952. Ihre Noppen sind härter und glatter als die modernen Noppen, und deshalb kann mit ihnen noch weniger Schnitt produziert werden als mit den modernen Noppengummibelägen. Es handelt sich genau um die Beläge der Gruppe A auf der Seite "Hardbat-Beläge"
Außerdem dürfen dort auf beiden Seiten des Schlägerblattes nur die gleichen Beläge verwendet werden. 
Das Schlägerblatt darf nur aus Holz bestehen; jegliche andere Zusätze wie beispielsweise Schichten aus Karbon oder Glasfiber sind beim klassischen Hardbat-Tischtennis nicht zugelassen. 
Bezüglich der Bälle dürfen dort neben den 40 mm-Bällen auch 38 mm-Bälle verwendet werden - bei jeder Veranstaltung natürlich nur eine der beiden Größen. Es gibt in den USA allerdings auch Bestrebungen, die 40 mm-Bälle für klassische Hardbat-Turniere zukünftig nicht mehr zuzulassen.

Mehr Informationen über Alternative Spielformen

 

 

© Deutscher Tischtennis-Bund e.V. - DTTB - Alle Rechte vorbehalten

Datenschutz | Impressum
made by 934tel Media Networx GmbH