Patrick Franziska (Foto: Steinbrenner)
German Open: Timo Boll unterliegt Weltmeister Ma Long mit 1:4 / Ruwen Filus scheitert an Kristian Karlsson

Tagesbilanz: Patrick Franziska im Halbfinale gegen Xu Xin

Marco Steinbrenner 24.03.2018

Bremen. Patrick Franziska steht im Halbfinale der mit 235.000 Dollar dotierten German Open. Der Weltranglisten-30. aus Saarbrücken besiegte vor mehr als 5000 Zuschauern in der Bremer ÖVB Arena den Portugiesen Marcos Freitas und den Schweden Kristian Karlsson und trifft am Sonntag um 11.40 Uhr auf Chinas WM-Dritten Xu Xin. Der aktuelle Weltranglistenerste Timo Boll (Düsseldorf) verlor hingegen heute das Traum-Viertelfinale gegen Weltmeister und Olympiasieger Ma Long. Ruwen Filus (Fulda) ereilte im Achtelfinale das Aus.

Franziska besiegt die Nummern 13 und 17 der Welt

5025 Zuschauer sorgten in der ÖVB Arena für den bislang bestbesuchten Tag der German, die sechs Vorgängerveranstaltungen in Bremen eingeschlossen. Mit den Fans im Rücken spielte Doppel-Europameister Patrick Franziska eines seiner bislang besten Turniere und besiegte mit Freitas und Karlsson die aktuellen Nummer 13 und 17 der Welt. „Das ist sicherlich einer der größten Erfolge meiner Karriere bisher“, sagte Franziska nach dem Einzug in das Halbfinale, „nur den Einzug in das Viertelfinale der WM 2015 schätze ich noch einen Ticken höher ein.“ Vor dem Turnier hatte der Rechtshänder nicht mit seinem Erfolg gerechnet und zunächst sein Hotel nur bis zum Samstag gebucht. Franziska lachend: „Aber jetzt habe ich zwei Tage verlängert, man weiß ja nie…“ Bundestrainer Jörg Roßkopf kommentierte den Sieg seines Schützlings über Kristian Karlsson mit einem Augenzwinkern. „Es wurde auch Zeit, dass Kristian von einem deutschen Spieler besiegt wurde.“ Vor dem Duell mit Franziska hatte der Schwede, übrigen der Bruder von Franziska Freundin Frida, mit Ricardo Walther und Ruwen Filus bereits zwei Deutsche aus dem Wettbewerb befördert.

„Ich habe gar keine Trikots mehr. Mal schauen, was ich für morgen noch finde“, scherzte Patrick Franziska nach seinem Sieg über den Schweden, gegen den er zuletzt in der Bundesliga und im Pokal verloren hatte. „Ich musste taktisch clever spielen und mich gut bewegen. Das ist mir gelungen“, strahlte Franziska: „Das ist schon ein ziemlich gutes Gefühl, jetzt im Halbfinale zu stehen“. Lob gab es nach dem Einzug in die Vorschlussrunde vom Bundestrainer. „Patrick hat die knappen Spielstände erfolgreich gelöst und sich über den kompletten Tag gut bewegt.“ Im Halbfinale am Sonntag um 11.40 Uhr wartet nun Doppel-Weltmeister Xu Xin auf den Deutschen, der sich gegen den Franzosen Simon Gauzy nach einem 0:2-Satzrückstand noch mit 4:2 durchsetzte. Eine Glanzleistung hatte Patrick Franziska heute bereits im Achtelfinale geboten. „Ich bin immer positiv geblieben und hatte in den knappen Situationen das notwendige Selbstvertrauen“, verriet Patrick Franziska nach seinem 11:9, 9:11, 7:11, 15:13, 13:11 und 11:5-Erfolg über den Portugals Weltklassespieler Marcos Freitas.

Boll verspielt deutliche Führungen und verliert gegen Weltmeister Ma Long

Der vierfache German Open-Gewinner Timo Boll muss dagegen nach Platz zwei in Magdeburg weiterhin auf seinen fünften Triumph warten. Gegen Weltmeister und Olympiasieger Ma Long verlor der Rekordeuropameister mit 7:11, 7:11, 11:8, 9:11 und 15:17. „Das Spiel fing für Timo erst im dritten Satz an“, analysierte anschließend Jörg Roßkopf. Der 37-Jährige kam zu dem gleichen Fazit. „Erst ab Durchgang drei war ich auf Augenhöhe. Zuvor musste ich mich erst einmal an seine Aufschläge und seine Geschwindigkeit gewöhnen.“ Sowohl im vierten (9:4) als auch im fünften Abschnitt (10:5) brachte Boll deutliche Führungen nicht nach Hause. „Beim World Cup gewann ich diese knappen Sätze noch. Heute hat nicht alles gepasst. Außerdem war Ma Long sehr kreativ und clever.“ Gegenüber den vergangenen Wochen sieht sich Timo Boll „auf einem guten Weg. Ich war eine Klasse besser als noch bei den Qatar Open. Spielerisch war das ein Fortschritt.“

Im Hinblick auf die Mannschafts-Weltmeisterschaften in Halmstad (29. April bis 6. Mai) sah Roßkopf Fortschritte: „Außerdem ist die Partie gegen Ma Long ein gutes und wichtiges Spiel gewesen für Timos Vorbereitung“. Diese Meinung teilt auch Boll. „Ich brauche solche Matches, um auf mein Level zu kommen.“ Der Weltmeister zeigte nach Beobachtungen von Roßkopf einige Konzentrationsschwächen, für die Boll eine Erklärung hat: „Wenn er unter Druck gerät, macht er häufiger auch eigene Fehler. Ma Long selbst analysierte: „Das neu eingeführte Spiel mit vielen Bällen geht sehr schnell. Das führt dazu, dass ich weniger Zeit habe, mir meine Spielzüge zu überlegen.“ Trotzdem reichte es am Ende für den Chinesen zum Sieg und zum Einzug in die Vorschlussrunde. Nächster Gegner ist am Sonntag um 10.50 Uhr Wong Chun Ting aus Hongkong. Boll hatte übrigens heute im Achtelfinale bei seinem 4:3-Erfolg gegen Chuang Chih-Yuan Schwerstarbeit verrichten müssen. Der Doppel-Weltmeister aus dem Jahr 2013 erspielte sich in dem Hochgeschwindigkeits-Duell sogar einen Matchball, doch Timo Boll drehte in brillanter Manier noch das Spiel.

Ruwen Filus: „Die Niederlage ist sehr ärgerlich“

Im Achtelfinale ausgeschieden war zuvor Ruwen Filus. Der an Nummer 19 in der Welt notierte Abwehrspieler war jedoch mit seiner Leistung bei den German Open insgesamt zufrieden. „Ich gehe mit einem positiven Fazit aus dem Turnier“, sagte der Fuldaer. Die 2:4-Niederlage gegen den Schweden Kristian Karlsson bezeichnete der 30-Jährige allerdings als „sehr ärgerlich“. Filus: „Taktisch bin ich schlecht ins Spiel gekommen und ich hatte einige Probleme mit den Aufschlägen meines Gegners.“ Filus ärgerte sich über das seiner Meinung nach regelwidrige Service von Karlsson und forderte mehr Professionalität bei den Schiedsrichtern. „Sie müssen auch den Mut haben, falsche Aufschläge abzuzählen, wenn es in die Verlängerung geht.“ Selbstkritisch räumte Filus aber ein: „Ich habe mich in meinem Ärger aber zu sehr darauf zu sehr eingeschossen und hätte fokussierter sein müssen. Mit dem tollen Bremer Publikum im Rücken wäre nämlich heute viel mehr drin gewesen.“

Asien bei den Damen und im Doppel unter sich

Den Turniersieg bei den Damen machen ausschließlich Spielerinnen aus Asien unter sich aus. Feng Tianwei (Singapur) trifft im Halbfinale auf Suh Hyowon (Südkorea), die Weltranglisten-Dritte Kasumi Ishikawa (Japan) steht Cheng I-Ching (Taiwan) gegenüber. Im Doppel-Endspiel bekommt Hina Hayata die Chance, ihren Titel von Magdeburg erfolgreich verteidigen. Die Japanerin spielt diesmal allerdings nicht mit ihrer Landsfrau Miu Hirano, sondern an der Seite von Mima Ito. Im Endspiel heißen die Gegnerinnen Jeon Jihee und Yang Haeun und kommen aus Südkorea. Bei den Männern stehen sich im Finale die Titelverteidiger Jeoung Youngsik/Lee Sangsu (Korea) und Ma Long/Xu Xin (China) gegenüber.

DIE ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN AM SAMSTAG

Herren-Einzel
Viertelfinale
Patrick Franziska GER - Kristian Karlsson SWE 4:1 (9,4,-8,9,7)
Timo Boll GER - Ma Long CHN 1:4 (-7,-7,8,-9,-15)

Achtelfinale
Ruwen Filus GER - Kristian Karlsson SWE 2:4 (-12,-5,-13,8,-7)
Patrick Franziska GER - Marcos Freitas POR 4:2 (9,-9,-7,13,11,5)
Timo Boll GER - Chuang Chih-Yuan TPE 4:3 (3,-9,-11,6,-9,11,7)

DIE SPIELE AM SONNTAG

Herren-Einzel
Halbfinale

10.50: Wong Chun Ting HKG - Ma Long CHN
11.40: Patrick Franziska GER - Xu Xin CHN

Damen-Einzel
Halbfinale

10.00: Feng Tianwei SGP - Suh Hyowon KOR
12.30: Cheng I-Ching TPE - Kasumi Ishikawa JPN

Herren-Doppel
Finale

17.20: Jeoung Youngsik/Lee Sangsu KOR - Ma Long/Xu Xin CHN

Damen-Doppel
Finale

16.20: HIna Hayata/Mima Ito JPN - Jeon JIhee/Yang Haeun KOR

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