Team-Leistung: Die DTTB-Herren stehen erneut im Olympia-Halbfinale (Foto: Facebook Ovtcharov)

3:1 gegen Österreich: DTTB-Herren zum dritten Mal in Folge im Halbfinale

FL 14.08.2016

Rio de Janeiro. Zum dritten Mal in Folge stehen Deutschlands Herren im olympischen Team-Halbfinale. Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Bastian Steger bezwangen den amtierenden Europameister Österreich mit 3:1 und nahmen Revanche für das verlorene EM-Finale 2015. Das DTTB-Trio trifft in der Vorschlussrunde - wie die Damen - auf Japan. 2012 in London hatte Deutschland Bronze, 2008 in Peking Silber gewonnen. Den Mannschafts-Wettbewerb gibt es seit 2008.


Die DTTB-Herren knüpften am Sonntag im Riocentro 3 an die Leistung vom Achtelfinalsieg gegen Taiwan an und nahmen Revanche für die EM-Final-Niederlage im vergangenen Herbst in Ekaterinburg. Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger verbuchten je einen Einzelpunkt, das Doppel Boll/Steger verlor wie gegen Taiwan im Entscheidungssatz. Dennoch war es ein verdienter und souveräner Erfolg des deutschen Teams, das in den Einzeln keinen Satz abgab. „Wir können sehr zufrieden sein. Es waren einige knappe Sätze dabei, die wir zu unseren Gunsten entschieden haben. Das ist das Positive“, sagte Dimitrij Ovtcharov, der etwa gegen Stefan Fegerl einen 6:10-Rückstand im zweiten Satz in einen 12:10-Erfolg ummünzte.


Herausragende Konstanz seit 2008


„Jetzt haben wir zwei Chancen, eine Medaille zu gewinnen. Die Jungs sind gut drauf, sind heiß, die Stimmung ist gut. 2016, 2012 und 2008 im Halbfinale zu stehen mit fast der gleichen Aufstellung (2008 spielte Christian Süß für Bastian Steger), zeigt schon, welche Konstanz diese Mannschaft hat über Jahre hat. Das ist herausragend“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf.


Ein kleiner Wermutstropfen war einmal mehr die Fünf-Satz-Niederlage im Doppel von Boll/Steger gegen Gardos/Habesohn, die Europameister von 2012 und EM-Zweiten von 2015/2013. „Wir haben jetzt zweimal im Doppel knapp verloren. Da müssen wir uns ein bisschen Gedanken machen, was wir vielleicht taktisch ändern können. Das Doppel hat eine wichtige Bedeutung, und die Duos werden in den nächsten Spielen noch stärker“, betonte Dimitrij Ovtcharov. Eine Umstellung des Doppels mache aber keinen Sinn, so der Weltranglistenfünfte. „Timo ist der klar bessere Doppelspieler als ich, dafür bin ich, denke ich, derzeit im Einzel stärker.“


Timo Boll äußerte sich zum verlorenen Doppel so: „Wir haben gegen ein sehr eingespieltes, funktionierendes Doppel gespielt, haben das eigentlich ganz gut gemacht. Der erste Satz war ärgerlich, den wir nach 7:2-Führung noch verloren haben. Den fünften Satz haben wir verpennt. Eine andere Doppelpaarung haben wir nicht. Es sind Feinheiten, an denen wir arbeiten müssen. Gegen asiatische Doppel ist es eh ein ganz anderes Spiel“, sagte der Rekord-Europameister, unter anderem selbst fünfmal Doppel-Europameister.


Steger schlägt wieder den Einser "Viel besser geht es nicht"


Wieder gute Leistung: Bastian Steger (Foto: ITTF)Wie schon gegen Taiwan war auf Bastian Steger Verlass, der nach dem verlorenen Doppel erneut den gegnerischen Einser dominierte, mit 3:0 gegen den Neu-Düsseldorfer Stefan Fegerl gewann und Deutschland eine Runde weiter brachte. „Es scheint, als ob mir die Einser liegen. Es war wieder ein super Spiel, ich war klar, ruhig, habe mich gut bewegt. Viel besser geht es nicht“, so der 35-Jährige vom TTBL-Club Werder Bremen.


Österreichs Topspieler Fegerl, der in den vergangenen Jahren eine imposante Entwicklung nahm und mittlerweile die Nummer 20 in der Welt ist, haderte: "Bei uns hat die Spritzigkeit und auch der Mut gefehlt. Gegen Deutschland, die auf das Finale schielen, kann man mit dieser Leistung nicht bestehen. Ich persönlich hatte heute meinen schlechtesten Tag hier, hatte Probleme mit dem eigenen Aufschlag und war mehr und mehr verunsichert", bekannte der 27-Jährige selbstkritisch.


Japan in der Vergangenheit ein Lieblingsgegner des deutschen Teams


Im Halbfinale geht es am Montag (20 Uhr deutsche Zeit) gegen Japan, das Hongkong mit 3:1 besiegte. Japan ist in der jüngeren Vergangenheit so etwas wie der Lieblingsgegner des deutschen Teams. Bei großen Turnieren behielt die DTTB-Auswahl die Oberhand, etwa in den Halbfinals der WM 2012 und 2014 sowie den Olympischen Spielen 2008. „Sie haben bisher bei großen Turnieren nicht geschafft, uns zu schlagen, wollen dies jetzt unbedingt tun. Wir haben immer gern gegen sie gespielt. Aber es wird sehr schwer“, sagt Timo Boll. „Japan hat eine junge Truppe, die heiß ist, ein sehr gutes Doppel hat. Ich würde sagen, dass sie derzeit leicht favorisiert sind“, sagt Dimitrij Ovtcharov.

Auftrieb gibt dem amtierenden Vize-Weltmeister Japan der eigene Spitzenspieler. Jun Mizutani holte in Rio Einzel-Bronze, ist beflügelt, machte im Viertelfinale gegen Hongkong zwei Punkte. Während Ovtcharov eine negative internationale Bilanz gegen Mizutani aufweist, hat Boll fast immer gegen den Linkshänder gewonnen. Seine Bilanz liegt bei 16:1. „Japan ist ein schwerer Brocken. Aber wenn wir alle noch mal ein paar Prozent draufpacken, haben wir eine Chance“, betont Bastian Steger.


Das zweite Halbfinale bestreiten China und Südkorea, die sich erwartungsgemäß gegen England und Schweden durchsetzten.


Viertelfinale

Deutschland – Österreich 3.1

Timo Boll - Robert Gardos 3:0 (12,8,10)

Dimitrij Ovtcharov - Stefan Fegerl 3:0 (7,10,8)

Timo Boll/Bastian Steger - Robert Gardos/Daniel Habesohn 2:3 (-7,2,-8,6,-3)

Steger - Fegerl 3:0 (8,11,7)


China - England 3:0

Südkorea - Schweden 3:1

Japan - Hongkong 3:1


Halbfinale am Montag

Deutschland - Japan, 20 Uhr

China - Südkorea

 

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