Timo Boll und Ma Long in Aktion (Foto: Erik Thomas)
Fang Bo/Solja und Silbereisen/Mengel stehen im Achtelfinale

Boll/Ma Long mit souveränem Start

Florian Leidheiser, Marco Steinbrenner 31.05.2017

Erster Auftritt für die deutschen Athleten bei der LIEBHERR WM in Düsseldorf: Alle drei Damen-Doppel und zwei Herren-Duos, darunter Timo Boll/Ma Long und die Europameister Patrick Franziska/Jonathan Groth erreichten die zweite Runde. Zudem stehen die gemischten Doppel Solja/Fang Bo und Silbereisen/Mengel im Achtelfinale.

Timo Boll und Ma Long meisterten ihren ersten gemeinsamen Auftritt in Düsseldorf mit Bravour. Gegen die ungarische Kombination Tamas Lakatos/Krisztian Nagy behaupteten sich die Nummer eins und acht der Welt glatt in vier Sätzen. „Es waren gute Auftaktgegner für uns, so, wie man es sich wünscht. Wir konnten ein paar Dinge ausprobieren, mussten nicht volles Risiko gehen, das war ganz angenehm“, diktierte Timo Boll den zahlreichen Journalisten in der Mixed-Zone in die Blöcke. Im Hinblick auf die nächste Runde sagte der Rekord-Europameister: „Wir wissen, dass wir uns noch steigern müssen. Die Verständigung mit Ma Long klappt gut, nur mit der Zeichensprache hapert es noch etwas“, so der Deutsche. Spielerisch ergänzt sich das Duo, das 2013 bei den China Open den Titel gewann, ohnehin. „Wir haben unser Grundsystem, wissen, wie wir den anderen am besten einsetzen“, sagte Boll. Ein gutes Doppel harmoniert in der Regel auch abseits des Tisches gut, das Zwischenmenschliche scheint bei der deutsch-chinesischen Kombination zu stimmen. Boll: „Bei ihm muss ich keine Angst haben, dass er denkt, der Boll macht schon wieder einen Fehler. Das ist ganz angenehm. Auch in der Hinsicht ist Ma Long vorbildlich.“ Am Mittwoch (18.45 Uhr) geht es in der Runde der letzten 32 gegen die Inder Kamal Achanta/Sathiyan Gnanasekaran. Achanta war bis zu dieser Saison Bolls Teamkollege beim Deutschen Meister Borussia Düsseldorf.

Europameister Franziska/Groth gewinnen Erstrunden-Krimi / Große Fairness von Ionescu

Viel aufregender kann eine Erstrundenpartie nicht verlaufen. Mit Ach und Krach haben Patrick Franziska und sein dänischer Doppelpartner Jonathan Groth die Runde der letzten 32 erreicht – dies nach einer Verletzungs-Unterbrechung und einer dramatischen Endphase. Die amtierenden Europameister lagen gegen Adrian Crisan/Ovidiu Ionescu (Rumänien) mit 0:2 in Sätzen hinten, gewannen dann drei Durchgänge in Folge, obwohl Franziska beim Stande von 2:2 eine längere Verletzungspause nehmen musste. Der 24-Jährige hatte sich nach ersten Diagnosen eine leichte Oberschenkelzerrung zugezogen. Mit einem vom DTTB-Mannschaftsarzt Toni Kass angelegten Verband ging es für „Franz“ weiter. „Wir müssen uns keine Sorgen machen, das ist morgen wieder weg. So etwas hatte ich schon öfter mal“, erklärte Franziska.

Im entscheidenden siebten Satz erspielten sich Franziska/Groth beim 10:6 vier Matchbälle, die das rumänische Duo allesamt abwehrte und beim 13:12 plötzlich selbst Matchball hatte. Franziska/Groth wehrten ab zum 13:13. Der nächste Punkt ging scheinbar an die Rumänen, doch Ionescu gab den von Groth reklamierten Fehlaufschlag zu. „Dass er bei diesem Spielstand den Fehlaufschlag zugibt, gibt es nur im Tischtennis“, sagte Patrick Franziska über die Fair-Play-Aktion von Ionescu, der in der TTBL für Mühlhausen spielt. Erleichterung herrschte bei den Europameistern ob des knappen Erfolgs. „Sie haben uns am Anfang überrollt. Wir mussten uns deutlich steigern und sind nach dem 0:2 aktiver geworden. Zum Glück haben wir es irgendwie ins Ziel gerettet“, sagte Franziska.

Die Enttäuschung stand Ricardo Walther und Ruwen Filus deutlich ins Gesicht geschrieben. Die deutschen Meister verabschiedeten sich aus dem Doppel-Wettbewerb gleich in der ersten Runde und verloren gegen Lubomir Jancarik/Pavel Sirucek aus Tschechien nach sieben Sätzen. „Wir erwischten einen ganz schlechten Start“, sagte Walther und spielte auf die drei verlorenen ersten Durchgänge an. Doch die DTTB-Paarung kämpfte sich in die Partie zurück und gewann die nachfolgenden drei Abschnitte. Im letzten Satz wurden beim Stand von 5:1 für Jancarik/Sirucek die Seiten gewechselt. Walther/Filus gaben nicht auf, glichen zum 6:6 aus. „Anschließend spielten unsere Gegner drei sehr gute Bälle“, berichtete Filus und musste neidlos anerkennen, „dass am Ende die Niederlage auch so in Ordnung geht“.

Alle drei Damen-Doppel weiter

Perfekte Ausbeute im Damen-Doppel: Alle drei Duos haben die zweite Runde erreicht. Die Europameisterinnen von 2013, Sabine Winter und Petrissa Solja, gaben sich gegen die Iranerinnen Mahshid Ashtari/Saba Safari keine Blöße. Winter war erstaunt über die Atmoshäre. „Ich war überrascht, wie viele Leute in der Halle waren für die erste Runde. Das hat gepusht. Ich hoffe, dass ich noch im Wettbewerb bin, wenn die Halle richtig voll ist“, sagte Winter. In der zweiten Runde geht es am Mittwoch (18 Uhr) gegen die Luxemburgerinnen Sarah de Nutte/Ni Xia Lian.

Erfolgreich lief der WM-Auftakt auch für Kristin Silbereisen und Nina Mittelham, die sich gegen Chiara Colantoni/Debora Vivarelli aus Italien in fünf Sätzen durchsetzten. „Ich habe die ganze Nacht schlecht geschlafen und war froh, dass es dann heute endlich losging. Es war gut eine erfahrene Spielerin wie Kristin an seiner Seite zu haben, die schon ein Spiel im Turnier gemacht hat und Ruhe ausstrahlen kann“, sagte die 20-Jährige Mittelham, für die es nach Suzhou 2015 und Kuala Lumpur 2016 die dritte WM ist. Die nächsten Gegnerinnen für Mittelham/Silbereisen sind am Montag Sofia Polcanova/Zhang Mo (Österreich/Kanada)

Erleichterung und Freude herrschte bei den WM-Debütantinnen Chantal Mantz und Yuan Wan, die hauchdünn den Sprung in die zweite Doppel-Runde schafften. Die Deutschen Meisterinnen von 2016 behielten im siebten Satz gegen die Spanier Sara Ramirez/Zhang Xuan die Nerven. Mitte des Entscheidungssatzes hatten die beiden 20-jährigen noch zurückgelegen. Chantal Mantz sagte: „Die Nervosität im ersten Spiel vor heimischen Publikum bei der WM im eigenen Land war größer als gedacht. Mit Glück haben wir die zweite Runde erreicht.“ Dort geht es gegen die japanischen Favoritinnen Miu Hirano/Kasumi Ishikawa.

Zwei von drei Mixed stehen im Achtelfinale

Zwei Siege fehlen Petrissa Solja und Fang Bo (China) noch zum Gewinn einer Medaille. Doch soweit denkt die Linkshänderin aktuell noch nicht. „Ich schaue nur von Runde zu Runde“, sagt die 23-Jährige sichtlich erleichtert. Nach dem 4:3-Arbeitssieg zum Auftakt gegen Lily Zhang/Kunal Chodri (USA) steigerte sich die deutsch-chinesische Kombination und blieb gegen Bernadette Szocs/Ovidiu Ionescu aus Rumänien ohne Satzverlust. „Wir haben in unserer zweiten Partie fast keine eigenen Fehler gemacht“, freute sich Solja und verschwieg nicht, „dass Fang Bo und ich zum Auftakt ein paar Punkte haben liegen lassen. Hinzu kam, dass ich zu Beginn schon ein wenig nervös war.“

In der Runde der letzten 16 stehen auch Kristin Silbereisen und Steffen Mengel. Nach einem 4:2-Arbeitssieg über die Chilenen Judith Morales und Gustavo Gomez steigerte sich das deutsche Duo in der zweiten Runde gegen die indische Kombination Madhurika Patkar/Harmeet Desai deutlich. Allerdings lagen Silbereisen/Mengel mit 0:2 hinten. Die Gegner haben sehr aggressive Rückschläge gespielt, damit mussten wir erst klarkommen. Wichtig war, den dritten Satz knapp zu gewinnen, sonst hätten wir wohl verloren“, sagte die Deutsche Meisterin Kristin Silbereisen. „Wir haben besser gespielt als im ersten Doppel, die Laufwege waren deutlich besser als im Training.“ Eine weitere Steigerung ist übermorgen im Achtelfinale nötig, wenn es gegen Chen Chien-An und Cheng I-Ching aus Taiwan geht.

Enttäuscht waren Sabine Winter und Benedikt Duda nach ihrer 3:4-Niederlage und einigen vergebenen Möglichkeiten gegen die Belgier Lisa Lung/Cedric Nuytinck. Die deutsche Links-Recht-Kombination hatte mit 2:0 geführt, eher drei Durchgänge mit 10:12 verloren gingen. Auch im entscheidenden siebten Satz fehlte ein Quäntchen. „Das ist extrem schade, zumal wir im dritten und vierten Satz unsere Chancen nicht genutzt haben. Ich hätte gerne am Abend noch in der Haupthalle weitergespielt“, erklärte Winter. Mixed-Partner Benedikt Duda erklärte: „Wir hätten das Spiel eigentlich 4:0 gewinnen müssen. Im dritten und vierten Satz führen wir 7:4, haben Satzbälle, verlieren dann jeweils 10:12. Vielleicht hätten wir da unser Time-Out nehmen sollen. Bei einer 3:1-Führung hätten wir nicht verloren“, so der Bergneustädter, für den die WM bereits vorbei ist. „Ich werde jetzt wieder ganz normal ins Training einsteigen und mich auf die Japan Open in der nächsten Woche vorbereiten.“

 

Weltverband ITTF mit Problemen in der Ergebnisdarstellung

Erhebliche Probleme mit dem Ergebnis-Provider erschwerten am Dienstag den gewohnt schnellen Zugriff auf die Online-WM-Resultate. Laut einer Information auf der Webseite der ITTF werden die WM-Ergebnisse ab sofort zum schnelleren Zugriff im PDF-Format dargestellt. Alle Ergebnisse und Auslosungen http://www.ittf.com/tournament/2705/world-table-tennis-championships/ 

AGM wählt den ITTF-Präsidenten

Außerhalb des Sportlichen steht am Mittwoch beim Annual General Meeting, der Vollversammlung des Weltverbandes ITTF, die Sportpolitik auf dem Programm. Entschieden wird unter anderem darum, wer von 2017 bis 2021 an der Spitze des Weltverbandes stehen wird. Zur Wahl stehen der ehemalige DTTB-Präsident und amtierende ITTF-Präsident Thomas Weikert (Limburg) sowie sein Herausforderer, der Belgier Jean-Michel Saive.

Die Spiele der Deutschen

Damen-Doppel, 1. Runde (beste 64)

Nina Mittelham/Kristin Silbereisen GER - Chiara Colantoni/Debora Vivarelli ITA 4:1 (7,12,-9,9,7)
Chantal Mantz/Yuan Wan GER – Sara Ramirez/Zhang Xuan ESP 4:3 (7,-9,9,8,-3,-8,8)
Petrissa Solja/Sabine Winter GER – Mahshid Ashtari/Saba Safari IRI 4:0 (11,1,12,6)

Herren-Doppel, 1. Runde (beste 64)
Ruwen Filus/Ricardo Walther GER - Lubomir Jancarik/Pavel Sirucek CZE 3:4 (-4,-7,-9,10,6,8,-6)
Timo Boll GER/Ma Long CHN – Tamas Lakatos/Krisztian Nagy HUN 4:0 (5,6,9,1)
Patrick Franziska GER/Jonathan Groth DEN – Adrian Crisan/Ovidiu Ionescu ROU 4:3 (-10,-4,5,8,9,-5,13)

Mixed, 1. Runde (beste 64)
Petrissa Solja GER/Fang Bo CHN - Lily Zhang/Kunal Chodri USA 4:3 (-9,4,-9,3,-5,2,6)
Sabine Winter/Benedikt Duda GER – Lisa Lung/Cedric Nuytinck BEL 3:4 (11,7,-10,-10,-10,9,-9)
Kristin Silbereisen/Steffen Mengel GER – Judith Morales/Gustavo Gomez CHI 4:2 (7,2,-11,-9,8,4)

Mixed, 2. Runde (beste 32)
Petrissa Solja GER/Fang Bo CHN – Bernadette Szocs/Ovidiu Ionescu ROU 4:0 (6,3,8,5)
Kristin Silbereisen/Steffen Mengel GER – Madhurika Patkar/Harmeet Desai IND 4:2 (-8,-8,9,7,10,9)

Mixed, Achtelfinale
Donnerstag, 10 Uhr, Tsch 1: Petrissa Solja GER/Fang Bo CHN - Chuang Chih-Yuan/Chen Szu-Yu TPE
Donnerstag, 10 Uhr, Tisch 4: Kristin Silbereisen/Steffen Mengel GER - Chen Chien-An/Cheng I-Ching TPE

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