Liu Guoliang und seine Superstars (Foto: Schillings)
Alle für einen: Chinas Aufstand der Superstars / Publikum skandiert den Namen Liu Guoliangs

China Open: Boll und Ovtcharov spielen um Medaillen

23.06.2017

Chengdu. Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll haben bei den mit 220.000 Dollar dotierten China Open das Viertelfinale erreicht und spielen am Samstag um Medaillen. Die Topmeldung des Tages ist jedoch das Nichtantreten von Chinas Superstars Ma Long, Fan Zhendong und Xu Xin, die ihre Achtelfinalbegegnungen kampflos abgaben. Die offensichtlich abgesprochene Aktion wird in ersten Reaktionen in internationalen Medien als Akt der Solidarisierung mit dem kürzlich aus seinem Amt ausgeschiedenen Cheftrainer Liu Guoliang gewertet. 

Stiller Aufstand der Superstars / Publikum skandiert lautstark für Liu Guoliang

Nach dem stillen, aber öffentlichkeitswirksamen Fernbleiben der Stars skandierte das Publikum in Chengdu minutenlang den Namen von Liu Guoliang. Die Entscheidung des chinesischen Verbandes, den Olympiasiegers von 1996 nicht mehr mit dem Amt des Chefcoaches, dafür jedoch mit dem Posten des Vizepräsidenten zu betrauen, gerät dadurch in ein anderes Licht. Der vermeintliche politische Aufstieg des sportlichen Schwergewichts erhält durch den Aufstand der Stars den Beigeschmack der Entmachtung. Auf eine Stellungnahme des chinesischen Verbands wird derzeit gewartet, auch von der ITTF. Weltverbandspräsident Thomas Weikert (Limburg) sagte in einer ersten Reaktion: "Die Situation kam vollkommen überraschend. Wenn bei den China Open, einem der Topturniere im Tischtennis, die Nummern eins bis drei Welt nicht antreten, dann ist das aber in keinem Fall gut für unseren Sport. Wir kennen aber die Hintergründe noch nicht, diese müssen nun erst einmal genau aufgeklärt werden. Alles andere wäre im Moment Spekulation."

Auch Deutschlands Asse zeigten sich überrascht. In Spielerkreisen wird natürlich die Aktion der Chinesen diskutiert. Timo Boll: "Angeblich soll Liu Guoliang 'degradiert' worden sein, warum, das weiß ich nicht. Die chinesischen Spieler sind Liu Guoliang sehr dankbar und wollten wohl ein Zeichen setzen gegen diese Entscheidung. Das habe ich aber auch nur so gehört." Dimitrij Ovtcharov meint: "Keiner wusste davon, das ist wohl ganz kurzfristig gelaufen. Ich denke, alle aktuellen chinesischen Nationalspieler haben Liu unglaublich viel zu verdanken. Er war Mentor, Haupttrainer, Vaterfigur und Förderer in einer Person und hat sie alle zu Stars geformt. Sie kämpfen nun anscheinend für ihn und wollen ihn gerne zurück. Das finde ich eine tolle Geste. Es zeigt auch, was für ein enger Zusammenhalt im ganzen chinesischen Team herrscht. Aber es ist natürlich auch extrem schade für das Turnier, dass die chinesischen Topstars beim Heimturnier mit Liveübertragungen im Fernsehen nicht antreten."

Ovtcharov: "Dieser Sieg gibt mir Selbstvertrauen für Samstag"

Ungeachtet dessen wurde in Chengdu auch Tischtennis gespielt. Zwei Durchgänge benötigte Dimitrij Ovtcharov im Achtelfinale, um seinen Rhythmus zu finden, dann gelangen dem Weltranglisten-Fünften vier Satzgewinne in Folge gegen den Schweden Kristian Karlsson. In Durchgang sechs allerdings lag der Europameister von 2013 und 2015 mit 6:10 im Hintertreffen, bevor er auf Anhieb seinen ersten Matchball verwandelte. Ovtcharov war hinterher zufrieden mit seiner Leistung: "Gegen Kristian ist immer schwer, wir kennen uns gut aus dem Training. Nach dem 0:2 habe ich mich gesteigert und dann drei super Sätze gespielt. Auch nach dem 6:10 habe ich weiter gekämpft und noch 12:10 gewonnen. Ich denke, dieses hartnäckige Dranbleiben ist eine Qualität. Taktisch und mental war das eine gute Leistung, körperlich hänge ich immer noch etwas durch und bin nicht auf dem Niveau, das ich bei der WM hatte. Aber der Sieg gibt mir Selbstvertrauen für Samstag." 

Im Viertelfinale am Samstag um 5.30 Uhr deutscher Zeit trifft Ovtcharov auf den heute kampflos gegen Ma Long erfolgreichen Japaner Yuya Oshima. Ovtcharov: "In China in das Halbfinale einzuziehen, wäre natürlich eine tolle Sache. Aber gegen Oshima wird es kein leichtes Spiel für mich. Dreimal habe ich gespielt, zweimal verloren. Aber das letzte Duell bei meinem Titelgewinn bei den India Open habe ich knapp mit 4:3 gewonnen."

Timo Boll: "Wieder sehr viel Wind in der Halle"

Timo Boll entledigte sich Herausforderer Omar Assar ebenfalls in sechs Sätzen. Der Ägypter holte sich zwar Durchgang eins und fünf und hielt in Satz zwei lange mit, alle anderen Durchgänge hingegen waren eine klare Angelegenheit für Timo Boll. Boll fühlte eine Steigerung gegenüber dem gestrigen Match, haderte aber erneut mit den äußeren Einflüssen in der Halle: "Meine Konzentration war vielleicht heute etwas besser. Aber es war wieder sehr viel Wind in der Halle. Vor allem durch den Rückenwind auf einer Seite hat man einen sehr großen Nachteil." Boll weiter: "Aber ich habe einmal das Break geschafft. Man muss hier taktisch komplett anders spielen und man findet schwierig einen guten Rhythmus." Der Weltranglisten-Achte spielt nun am Samstag um 10.15 Uhr gegen den Südkoreaner Kim Donghyun um den Einzug ins Halbfinale.

Damen-Einzel: Shan Xiaona unterliegt erneut Ishikawa

Es bleibt dabei: Shan Xiaona liefert Kasumi Ishikawa stets beachtliche Gegenwehr, kann gegen Japans Weltranglisten-Sechste aber nicht gewinnen. Am Ende des Achtelfinal-Duells stand diesmal eine 1:4-Niederlage für die Berlinerin, die im vierten Durchgang nur knapp den Satzausgleich verpasste. Die übrigen drei Sätze gingen allerdings souverän an die World-Cup-Finalistin von 2015. Doch genau den verlorenen vierten Durchgang sah Shan als Knackpunkt des Matches an: "Ich habe sehr gut gespielt und hatte eine Chance. Aber bei 10:9 habe ich einen Fehlaufschlag gemacht." Wie Timo Boll kritisierte auch Shan die starke Klimaanlage: "Bei meinem Aufschlag werfe ich den Ball sehr hoch. Das ging in dieser Halle nicht, weil er dann verweht wird. Das hat mich natürlich schon beeinträchtigt."

Wie erwartet war zuvor am Morgen Deutschlands Abwehr-Angriff-Kombination Han Ying/Shan Xiaona im Doppel-Viertelfinale gegen die Weltmeisterinnen Ding Ning/Shan Xiaona ohne echte Chance geblieben. Immerhin durfte das DTTB-Duo nach einem 4:11 im ersten Durchgang in den beiden Folgesätzen (10:12 und 13:15) zumindest an einem Satzgewinn schnuppern.

DIE SPIELE DER DEUTSCHEN AM SAMSTAG (24. Juni)

Herren-Einzel
Viertelfinale
05.30 Uhr: Dimitrij Ovtcharov - Yuya Oshima JPN
10.15 Uhr: Timo Boll - Kim Donghyun KOR
Halbfinale
14 Uhr/14.45 Uhr

 

DIE ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN AM FREITAG (23. Juni)

Herren-Einzel
Achtelfinale
Dimitrij Ovtcharov - Kristian Karlsson SWE 4:2 (-9,-9,6,6,4,10)
Timo Boll - Omar Assar EGY 4:2 (-7,9,4,4,-7,3)

Damen-Einzel 
Achtelfinale 

Shan Xiaona - Kasumi Ishikawa JPN 1:4 (-7,9,-5,-10,-5)

Damen-Doppel
Viertelfinale
Han Ying/Shan Xiaona - Ding Ning/Liu Shiwen CHN 0:3 (-4,-10,-13)

 

DAS DTTB-AUFGEBOT BEI DEN DEN CHINA OPEN (20. bis 25. Juni)
Herren:
 Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland), Wang Xi (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell)
Damen: Han Ying (Tarnobrzeg, Polen), Shan Xiaona (ttc berlin eastside)

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