Unbändiger Jubel von Ma Long (Foto: Thomas)
Ding Ning und Liu Shiwen Doppel-Weltmeisterinnen

Der menschliche Außerirdische schlägt wieder zu

Leonie Stoklossa, Torsten Hansen, Jeroen van der Hoef, FL 05.06.2017

Er sinkt auf die Knie, wirft den Schläger in die Luft, lässt sich nach hinten sinken und reißt die Arme hoch. In dieser Sequenz fällt der ganze Druck, der auf den Schultern einer Nummer eins lastet, ab. Er hat es vollbracht: Ma Long ist und bleibt der beste Tischtennisspieler auf dem Planeten. Der 28-Jährige verteidigte vor 8000 Zuschauern in der ausverkauften Messehalle Düsseldorf seinen WM-Titel. Im Finale setzte sich der Olympiasieger und Weltranglistenerste gegen seinen aufstrebenden Landsmann Fan Zhendong in sieben Sätzen durch. Ein würdigeres Finale der LIEBHERR WM 2017 in Düsseldorf hätte es nicht geben können. Phantastische Ballwechsel, unfassbares Tempo und überraschende Wendungen hatte das Endspiel zu bieten – und eine Schlussphase, die das Publikum elektrisierte. Fan Zhendong führte im Entscheidungssatz mit 6:3, beim Stande von 9:9 war der Titel ganz nah. Doch Ma Long nutzte seinen zweiten Matchball zum 12:10. Der alte und neue Weltmeister, der am Vortag Timo Boll im Viertelfinale besiegt hatte, verteidigte seinen Triumph von Suzhou 2015.

Ma Long: "Verrückteste Spiel, das ich jemals erlebt habe"

„Das ist wohl das verrückteste Spiel, das ich jemals erlebt habe. Ich bin sehr glücklich, aber auch supermüde. Natürlich war dieses Mal das Glück auf meiner Seite. Das tut mir Leid für Fan Zhendong, aber ich glaube, ihm wird die Zukunft gehören“, richtete Ma Long auch Worte an den Verlierer. In die Zukunft gerichtet sagte der Weltmeister: „Der Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio ist für mich noch lang. Ich werde den Weg Schritt für Schritt gehen. Hier in Düsseldorf ist das chinesische Nationalteam so stark, weil wir als eine Mannschaft aufgetreten sind. Wir haben einen enormen Teamgeist. Wir hatten nichts voreinander zu verbergen, da wir traditionell eng zusammenzuarbeiten.“

Fan Zhendong: "Kleinigkeiten gaben Ausschlag"

Vize-Weltmeister Fan Zhendong, World-Cup-Sieger von Saarbrücken 2016, hatte im Finale einen 1:3-Satzrückstand wettgemacht und am Ende den zweiten ganz großen Einzeltitel auf dem Schläger. Doch Ma Long, von der FAZ mal zum „menschlichen Außerirdischen“ getauft, hatte etwas dagegen. „Wir haben auf einem hohen Level gespielt. Glückwunsch an Ma Long. Wir beide haben eine großartige Leistung abgeliefert. Kleinigkeiten haben den Unterschied ausgemacht. Was genau, ist schwer zu beschreiben. Ich werde an Details arbeiten und etwas für meine Schnelligkeit tun, denn ich war nicht immer schnell genug“, sparte der 20-jährige Fan nicht mit Selbstkritik.

Boll: "Großes Finale"

„Ma Long hat es sowohl menschlich als auch sportlich verdient“, hatte Timo Boll über seinen Doppelpartner bei dieser WM, schon am Sonntag nach der Viertelfinal-Niederlage gesagt. Nach dem Finale kommentierte der Rekord-Europameister via Facebook: "Großes Finale. Glückwunsch an Ma Long. Wow hat der Nerven."
Im Halbfinale am Vormittag hatten sich Ma Long (gegen Landsmann Xu Xin) und Fan Zhendong (gegen Koreas Lee Sangsu) jeweils klar durchgesetzt.  

Herren-Einzel, Finale
Ma Long CHN - Fan Zhendong CHN 4:3 (-7,6,3,8,-5,-7,10)

Herren-Einzel, Halbfinale
Ma Long CHN - Xu Xin CHN 4:0 (6,9,9,3)
Lee Sangsu KOR - Fan Zhendong CHN 0:4 (-6,-9,-6,-1)

Ding Ning gewinnt Doppel-Titel im fünften Anlauf

Ding Ning hat sich bei der LIEBHERR WM in Düsseldorf ihr zweites Gold geholt. Zusammen mit ihrer chinesischen Landsfrau Liu Shiwen gewann die am Sonntag gekürte Einzel-Weltmeisterin am Pfingstmontag auch den Titel im Doppel durch einen 4:3-Finalerfolg über Chen Meng/Zhu Yuling. Viermal hatte Ding Ning bei vorigen Weltmeisterschaften im Doppel-Finale gestanden, erst beim fünften Anlauf in Düsseldorf sollte es mit dem Gold klappen.

„Ich bin sehr begeistert und glücklich. Nachdem ich vier Mal verloren habe, konnte ich jetzt endlich meinen Traum verwirklichen. Ein großer Dank dafür geht an meine Partnerin Shiwen, die mich die ganze Zeit immer wieder motiviert hat“, erklärte Ding Ning.

„Ich war zum ersten Mal Nings Partnerin und ich bin sehr glücklich, dass wir es gemeinsam geschafft haben. Es ist ein fantastisches Gefühl für uns beide“, sagte Liu Shiwen, die das WM-Gold mit neuer Partnerin verteidigte. Bei der WM vor zwei Jahren in Suzhou hatte Liu Shiwen noch mit Zhu Yuling Doppel gespielt und Gold geholt. Jetzt steht die 26-jährige Liu erneut ganz oben auf dem Podest – diesmal mit Ding Ning.

Zhu Yuling, zusammen mit Liu Shiwen vor zwei Jahren ganz oben auf dem Siegerpodest, bekannte: „Ich habe nicht mit zwei Silbermedaillen bei dieser WM gerechnet, weil ich zuvor in keiner guten Verfassung war. Daher bin ich sehr zufrieden.“ Die 22-jährige Zhu Yuling hatte am Sonntag das Einzel-Finale gegen Ding Ning in sechs Sätzen verloren.

Die Endspiel-Duos hatten sich im Halbfinale keine Blöße gegeben. Ding Ning/Liu Shiwen besiegten Hina Hayata und Mima Ito aus Japan mit 4:1, Chen Meng und Zhu Yuling behielten gegen Feng Tianwei/Yu Mengyu aus Singapur in fünf Sätzen die Oberhand.

Damen-Doppel
Finale

Ding Ning/Liu Shiwen CHN - Chen Meng/Zhu Yuling CHN 4:3 (-9,8,-11,8,6,-6,9)

Halbfinale
Chen Meng/Zhu Yuling CHN - Feng Tianwei/Yu Mengyu SGP 4:1 (6,6,-8,6,7)
Ding Ning/Liu Shiwen CHN - Hina Hayata/Mima Ito JPN 4:1 (12,9,6,-6,3)

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