Tamara Boros zu ihrer aktiven Zeit (Foto: Schillings)
Erinnerungen an Tamara Boros historischen Triumph in Magdeburg bei den German Open 2002

„Ein Traum für jede Sportlerin“

MS 09.11.2017

Magdeburg. "Tamara Boros und Ma Lin heißen die Sieger der 37. German Open in Magdeburg. Am Finaltag der deutschen Station der mit insgesamt 1,6 Millionen Dollar dotierten Pro-Tour-Serie des Weltverbands ITTF setzte sich die Weltranglisten-Dritte aus Kroatien gegen die Chinesin Fan Ying klar in vier Sätzen durch und verlor beim gesamten Turnier keinen einzigen Satz!" So stand es am 20. Oktober 2002 auf tischtennis.de und ähnlich in vielen überregionalen Zeitungen der Welt zu lesen. 15 Jahre später ist Boros in neuer Funktion erneut in Magdeburg im Einsatz.

Dreimal Boros gegen China – dreimal 4:0!

Die Magdeburger GETEC-Arena wurde 2002 zur Stätte eines Triumphzuges, den es anschließend in ähnlicher Art von europäischen Spielern nur noch einmal drei Jahre später von Timo Boll beim World Cup in Lüttich geben sollte. Tamara Boros blieb in sechs Einzeln ohne jeden Satzverlust und besiegte ab dem Achtelfinale vier Asiatinnen in Folge mit 4:0 – darunter Singapurs damalige Weltklassespielerin Jin Jung Hong sowie mit Li Xiaoxia und Guo Yue zwei spätere Einzel-Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen im Einzel bzw. mit der Mannschaft. Ihre Finalgegnerin Fan Ying hingegen, eine damals erst 16 Jahre alte Abwehrspielerin, verschwand ein Jahr später von der internationalen Bühne, als chinesische Offizielle eine Liaison mit dem damals in der Welt aufstrebenden Wang Hao für leistungsabträglich hielten und den weiblichen „Störfaktor“ kurzerhand vom Nationalkader in Peking zurück in die Provinz beorderten.

Als sei es gestern gewesen

2017 ist Tamara Boros nun erneut in Magdeburg zu Gast. Nicht mehr im Trikot Kroatiens, sondern diesmal im Nationaldress des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Seit 1. Juli ist Boros Trainerin des Deutschen Tischtennis-Zentrums (DTTZ) in Düsseldorf und der U23-Nationalspielerinnen des DTTB. 15 Jahre ist ihr epochaler Erfolg her, doch bei ihrer Rückkehr in die GETEC Arena liefen die Bilder von 2002 vor Boros ab, als sei es gestern gewesen: „Schon als ich hörte, dass die German Open diesmal wieder in der gleichen Halle stattfinden, kamen die Erinnerungen zurück. Als ich dann wieder Arena betrat, habe ich mich an alles genau erinnert. Das war ein Gänsehautgefühl: Solch ein Turnier mit sechs Siegen ohne Satzverlust und Erfolgen über drei Chinesinnen ist ein Traum für jede Sportlerin. Für mich war der Gewinn der German Open 2002 eines der wertvollsten Erfolge meiner Sportlerkarriere!“

Von Magdeburg nach Paris

Ihr Triumph war für die damals 24 Jahre alte Tamara Boros einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zu ihrer bedeutendsten Medaille: Als bislang letzte Europäerin gewann „Tammy“ sieben Monate später im Mai 2003 Bronze im Einzel bei den Weltmeisterschaften in Paris. Boros: „Der Titelgewinn in Magdeburg war mitentscheidend für meinen Halbfinaleinzug in Paris. Ich war zwar bereits eine Top-Ten-Spielerin, aber der Sieg bei den German Open hat mir einfach noch viel mehr Selbstvertrauen gegeben und mir vor allem gezeigt, dass ich auch starke Chinesinnen schlagen kann.“

15 Jahre später vermittelt sie nun ihre Erfahrungen aus dem Spitzensport jungen Athleten. Den Hinweis auf ihre früheren eigenen Erfolge bemüht die bescheidene Boros dabei in der Regel nie. Eine Ausnahme machte sie dennoch diesen German Open: Hier nutzte Boros beispielhaft ihren Sieg von 2002, um der U21-EM-Zweiten Yuan Wan vor Augen zu führen, dass im Spitzensport selbst unmöglich Scheinendes nie unmöglich ist. Boros: „Sie ist eine gute Spielerin, aber manchmal fehlt es ihr etwas an Selbstvertrauen. Deshalb habe ich ausnahmsweise einmal dieses Beispiel bemüht. Normalerweise mache ich das nicht und halte es auch nicht für sinnvoll. Mir ist wichtig, meine Erfahrung weiterzugeben, aber meine Erfolge spielen dabei keine Rolle.“

Mario Amiz machte ihr den Trainerberuf schmackhaft

2012 tauschte Boros im Alter von 34 Jahren frühzeitig den Spieler- gegen den Trainerberuf ein. Eine Virus-Langzeiterkrankung hatte 2006 ihre Karriere unterbrochen und sie anschließend nie auf ihr früheres Niveau zurückfinden lassen. „Der Virus hat Nerven dauerhaft beeinträchtigt, die Auswirkungen auf den Gleichgewichtssinn hatten und bis heute haben. Es war frustrierend, weit vom alten Level zurückzubleiben.“ Ihr Wechsel ins Traineramt war nicht von langer Hand geplant, im Gegenteil: „Trainer investieren unglaublich viel, erhalten aber nicht immer die Anerkennung und den Respekt, den sie verdienen. Das wollte ich eigentlich für mich nicht.“ Den entscheidenden Impuls für ein Umdenken erhielte Boros, die selbst 20 Jahre lang von ihrem Entdecker Neven Cegnar trainiert und betreut wurde, 2011 am Rande der WM in Rotterdam in einem Gespräch mit ihrem Landsmann Mario Amizic. Die Trainerikone aus Zadar machte Boros den Einstieg in den Trainerberuf und in das Team der Werner-Schlager-Academy in Österreich schmackhaft, dem damals auch der heutige DTTB-Sportdirektor Richard Prause angehörte.

„Es macht mir Freude, wenn eine Trainingseinheit gut war“

Heute weiß Boros: Die Wahl des Trainerberufes ist für sie eine Berufung. „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, ohne Tischtennis zu leben. Es ist ein Privileg, wenn man seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen kann“, so Boros. „Es macht mir Spaß, täglich mit jungen Spielern zu arbeiten und ihnen behilflich zu sein, das Maximale aus sich herauszuholen, egal auf welchem Niveau.“ Boros weiter: „Wenn Trainer und Athlet nach einem Training spüren, dass es eine gute Einheit war, das ist ein schönes Gefühl.“ Die zweimalige Gewinnerin des Europe Top 12 und dreifache Doppel-Europameisterin strebt nach bereits bestandener Bachelor-Prüfung parallel zu ihrem Engagement beim Deutschen Tischtennis-Bund derzeit an der Universität Split ihren Master-Abschluss im Studiengang Tischtennissport an: „Drei Jahre Studium habe ich jetzt hinter mir, jetzt fehlen noch 1 bis 2 Jahre bis zum Master-Degree.“

Boros fühlt sich in Düsseldorf pudelwohl

In Düsseldorf fühlt sich Boros, die in Grafenberg fußläufig in der Nähe des Deutschen Tischtenniszentrum wohnt, pudelwohl. „Düsseldorf ist eine tolle Stadt, und die Arbeitsbedingungen sind fantastisch. Es herrschen beste Voraussetzungen für die Athleten und die Trainer, um erfolgreich zu arbeiten.“ Boros, die als Spielerin selbst als trainingsfleißig und diszipliniert galt, weiß: „Das Wichtigste ist, dass ein Spieler arbeiten und sich verbessern will. Man muss dafür leben und versuchen, sich weiterzuentwickeln.“

Bis zu ihrer Rückkehr in ihre Wahlheimat werden allerdings noch ein paar Tage vergehen. Ihre Schützlinge sind in Magdeburg zwar bereits ausgeschieden, aber aus der Ottostadt reist Boros heute über Frankfurt direkt weiter zu den Hungarian Junior and Cadet Open in Szombatheley, wo die in Senta geborene Kroatin ab Freitag als Trainerin für die Betreuung des DTTB-Nachwuchses im Einsatz sein wird.

Die wichtigsten Stationen von Tamara Boros bei ihrem Titelgewinn 2002

Finale
Boros - Fan Ying (China) 4:0        
Halbfinale
Boros – Guo Yue (China) 4:0
Viertelfinale
Boros – Jin Jung Hong (Singapur) 4:0
Achtelfinale
Boros – Li Xiaoxia (China) 4:0

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