Im Vier-Stunden-Duell mit Holland macht Deutschland zweimal einen Rückstand wett

Han Ying führt DTTB-Damen nach dramatischem Kampf ins Finale

16.09.2017

Luxemburg. Mit einer beeindruckenden Teamleistung hat Deutschland bei den Team-Europameisterschaften in Luxemburg nach den Titelgewinnen 2013, 2014 und 2015 zum vierten Mal in Folge das Finale erreicht. In einem Halbfinale, dessen dramatischer Verlauf auch einem Endspiel gerecht worden wäre, setzte sich die Mannschaft von Bundestrainerin Jie Schöpp in einem mehr als vierstündigen Krimi gegen Ex-Europameister Niederlande mit 3:2 durch. Gegner im Finale wird wie 2013 und 2015 Rumänien sein, das Russland mit 3:1 besiegte. Deutschlands Herren bestreiten heute um 19 Uhr ihr Viertelfinalmatch gegen Slowenien.

Han Ying: „Wir wussten, wie schwer es wird“

Was für ein Krimi! Nach fast vier Stunden Spielzeit setzten sich die deutschen Damen gegen die Niederlande mit 3:2 durch und stehen im Finale. Im vierten Einzel zwischen Han Ying und Lie Jie fehlte den Niederländern nur ein Satz zum Sieg. „Wir haben gewusst, wie schwer das Match heute wird“, gestand Deutschlands Spitzenspielerin Han Ying nach dem Match freimütig ein. Die Weltranglistenneunte bewies einmal mehr ihre Qualitäten als Mannschafts- und Führungsspielerin und avancierte gegen Holland zur Matchwinnerin, auch wenn sie anschließend bescheiden auf den Anteil ihrer Teamkolleginnen verwies: „Wir haben das 3:2 als Mannschaft geschafft. Auch Xiaona hat einen Punkt gemacht und Nina hat toll gekämpft. Und alle haben ständig auf der Bank mitgefiebert und angefeuert.“ Dennoch, es war die in Düsseldorf lebende und für den polnischen Champions-League-Finalisten Tarnobrzeg spielende Han Ying, die zunächst mit ihrem klaren 3:0 über Britt Eerland zum 1:1-Ausgleich punktete und bei einer 2:1-Führung der Holländerinnen mit einer bemerkenswerten Energieleistung ein zweites Mal einen Rückstand egalisierte und ihrem Team damit auch moralisch auf die Beine zurück verhalf. Das Aufeinandertreffen der Defensivstrateginnen gegen Li Jie war dabei ebenso dramatisch wie lang: Im Duell der Spitzenspielerinnen bog Han einen 0:2-Satzrückstand mit Engelsgeduld und nur vereinzelten Attacken noch in einen 3:2-Erfolg um.

Shan Xiaona: "Ich bin im Moment keine Abwehrkillerin"

Anschließend sorgte die Berlinerin Shan Xiaona mit einem 3:1 über Britt Eerland für den Siegpunkt des Favoriten, machte es aber nach einer klaren 2:0-Satzführung noch einmal sehr spannend, bis sie ihren dritten Matchball verwandelte. Ihr erstes Einzel hatte die Weltranglisten-16. überraschend mit 1:3 gegen das bärenstarke Defensivass Li Jie verloren, hatte jedoch nach dem Match eine simple Erklärung für ihre nicht einkalkulierte Niederlage parat: „Alle sagen immer ich wäre eine Abwehrkillerin. Ich denke das manchmal zwar auch, aber ich habe mittlerweile schon einige Matches gegen Abwehr verloren. Ich glaube, Abwehrkillerin trifft im Moment nicht mehr ganz zu, ich muss wieder mehr gegen Abwehr trainieren. Auch gegen Eerland ist es unnötigerweise noch einmal spannend geworden, weil ich am Ende viel zu passiv gespielt habe.“

Deutschlands Nummer drei in Luxemburg, die erst 20 Jahre alte Nina Mittelham, kassierte im Halbfinale überraschend ihre erste Niederlage in diesem Turnier. Die Nummer 108 der Weltrangliste unterlag überraschend beim Zwischenstand von 1:1 im dritten Mannschaftseinzel der 128 schlechter notierten Kim Vermass und wirkte gegenüber ihren bisherigen Auftritten ungewohnt gehemmt. Mittelham: „Ich habe nicht gut gespielt. Meine beste Waffe, die Vorhand, ist heute überhaupt nicht gekommen.“

Gegen Rumänien im Finale

Spitzenspielerin Han Ying freut sich jedenfalls schon auf das Finale gegen Rumänien: „Wir wollen natürlich wieder den Titel holen und im Finale wird es noch einmal einen Tick schwerer als heute. Aber wir sind der Favorit. Ich sehe unsere Chancen bei 55:45.“

DAMEN, ENDRUNDE

Finale, Sonntag 14 Uhr
Deutschland - Rumänien

Halbfinale
Deutschland - Niederlande 3:2
Shan Xiaona - Lie Jie 1:3 (11,-8,-13,-8)
Han Ying - Britt Eerland 3:0 (2,3,5)
Nina Mittelham - Kim Vermaas 2:3 (-7,7,6,-7,-9) 
Han Ying - Lie Jie 3:2 (-11,-10,7,6,6)
Shan Xiaona - Britt Eerland 3:1 (6,5,-3,9)

Rumänien - Russland 3:0

Viertelfinale

Deutschland - Polen 3:0
Han Ying - Li Quian 3:1 (7,-13,6,8)
Shan Xiaona - Katarzyna Grzybowska 3:0 (4,4,6)
Nina Mittelham - Natalia Partyka 3:1 (-9,10,4)

Österreich - Niederlande 2:3
Russland - Ungarn 3:1
Rumänien - Portugal 3:0


HERREN, ENDRUNDE

Finale, Sonntag 17 Uhr

Halbfinale, Samstag
Deutschland - Slowenien, 19 Uhr
Frankreich - Portugal, 16 Uhr

Freitag, Viertelfinale

Deutschland - Ukraine 3:0
Timo Boll - Kou Lei 3:0 (7,8,5)
Dimitrij Ovtcharov - Viktor Yefimov 3:0 (5,9,6)
Ruwen Filus - Yevhen Pryshchepa 3:0 (5,9,7)

Schweden - Slowenien 2:3
Frankreich - Griechenland 3:0
Portugal - Kroatien 3:1

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