Petrissa Solja (Foto: Erik Thomas)
Silbereisen als einzige DTTB-Starterin unter den letzten 32 / Solja überraschend ausgeschieden

Herren-Sextett geschlossen in Runde 2

Marco Steinbrenner 31.05.2017

Ohne Niederlage haben die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) bei den LIEBHERR Weltmeisterschaften in Düsseldorf die erste Runde im Einzel überstanden. Auf Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll, Bastian Steger, Patrick Franziska, Ruwen Filus und Ricardo Walther warten am morgigen Donnerstag jedoch deutlich stärkere Gegner. Bei den Damen hat Kristin Silbereisen als einzige DTTB-Starterin schon die dritte Runde der besten 32 erreicht. Ausgeschieden sind dagegen Petrissa Solja, Sabine Winter (jeweils in Runde zwei), Chantal Mantz, Yuan Wan und Nina Mittelham (alle in der ersten Runde).

Dimitrij Ovtcharov: Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben geholt

„Nach der 2:0-Satzführung war ich mir einen Tick zu sicher“, berichtete Dimitrij Ovtcharov im Anschluss an seinen 4:2-Auftaktsieg gegen Lubomir Jancarik aus Tschechien. „Ich hatte bis dahin besser gespielt, als ich zuvor dachte.“ Jancarik steigerte sich in der Begegnung und schaffte anschließend den Satzausgleich. Doch Ovtcharov kam zurück, gewann den fünften Abschnitt und holte im sechsten Durchgang einen 8:10-Rückstand auf, um noch mit 13:11 zu gewinnen. „Der Sieg gibt mir Auftrieb für die nächsten Runden“, sagte Dimitrij Ovtcharov und hatte noch ein Lob für die Fans in der Halle parat. „Die Zuschauer haben mir viel Auftrieb gegeben.“ Bundestrainer Jörg Roßkopf sprach von einem „erwartet schweren Start“. Nach den ersten zwei Sätzen habe es einen „kleinen Bruch“ im Spiel des Deutschen gegeben. „Jancarik spielte sehr stabil und auf einem hohen Niveau.“ Der Sieg sei, so Roßkopf weiter, „gut für das Selbstvertrauen von Dimitrij“.

Mit einem souveränen 4:0-Pflichtsieg gegen Gavin Rumgay, der in seiner schottischen Heimat fünfmaliger Jugendmeister im Tennis war, startete Timo Boll in die Einzel-Konkurrenz. „Das war ein angenehmer Erstrundengegner für mich, der nicht so fest und mit wenig Spin spielt“, merkte der Weltranglistenachte an. Ein deutlich stärkeres Kaliber wartet auf den Deutschen am Donnerstag um 14.15 Uhr. Jakub Dyjas (Polen), gegen den Timo Boll vor zwei Jahren bei der WM im chinesischen Suzhou nach hartem Kampf mit 4:2 gewann, setzte sich schließlich bei den letzten Europameisterschaften gegen Dimitrij Ovtcharov durch. „Das wird ein harter Prüfstein.“

„Ich habe mich gut bewegt und direkt in die Partie gefunden“, bilanzierte Patrick Franziska nach seinem 4:0-Auftaktsieg gegen den Slovaken Peter Sereda und freute sich gleichzeitig über den klaren Erfolg. „Den letzten Vergleich hatte ich nur knapp gewonnen.“ Der 24-Jährige genoss die Stimmung in der Messehalle und war froh, dass es endlich auch im Einzel losging. „Auf diesen Moment habe ich seit Monaten gewartet.“

Bastian Steger: Trotz Erfolg noch Luft nach oben

„Es ist völlig unabhängig vom Gegner immer schwer, in der ersten Runde zu spielen“, sagte Bastian Steger nach seinem 4:3-Arbeitssieg gegen Lin Yun Ju aus Taiwan. Die Nummer 25 der Weltrangliste hätte die Partie eigentlich schon im fünften Durchgang für sich entscheiden können, vergab jedoch in der Satzverlängerung mehrere Matchbälle. „Das passiert schon mal“, merkte Steger mit einem Augenzwinkern an und gab zu, „dass in meinem Spiel noch Luft nach oben ist“. Nächster Gegner ist Tamas Lakatos (Ungarn), gegen den der 36-Jährige bislang noch nicht antreten musste. „Ich werde mir heute Abend noch Videos anschauen, um gegen ihn gut vorbereitet zu sein.“

Erleichterung bei Ricardo Walther nach seinem 4:1-Erfolg gegen den Kroaten Frane Kojic. „Ich bin zufrieden. Die erste Runde ist nie einfach.“ Der 25-Jährige gab trotz des Sieges ehrlich zu, „dass es sicherlich nicht meine beste Partie war.. Die Leistung war ordentlich.“ Am Donnerstag um 20.30 Uhr wartet auf die Nummer 50 der Weltrangliste nunmehr der 16 Plätze vor ihm zu findende Alexander Shibaev (Russland). „Er ist ein guter Spieler und Favorit. Aber mit den Zuschauern im Rücken kann ich das packen.“ Walther weiß schon jetzt, „dass ich mich auf einiges in der Box einstellen muss. Er ist ein ganz spezieller Typ und nicht immer fair“.

„Ich musste mir viel ausdenken und angreifen, um als Sieger aus der Box zu gehen“, sagte Ruwen Filus nach seinem 4:2-Erfolg gegen Diogo Carvalho aus Portugal. Trotz des Erfolgs verschwieg der 29-Jährige keinesfalls, „dass ich mich noch steigern muss. Es ist noch einige Luft nach oben vorhanden.“ Zunächst aber zähle, so Filus, nur der Sieg und der Einzug in die nächste Runde. Am Donnerstag kommt es ab 20.15 Uhr zum Duell mit Joao Geraldo. Der Portugiese spielt für die TTF LIEBHERR Ochsenhausen in der Tischtennis Bundesliga (TTBL). „Geraldo wurde in der Meisterschaft nie gegen Abwehrspieler gestellt“, weiß Ruwen Filus. „Dies könnte heißen, dass er nicht gut mit defensiven Systemen klar kommt. Darauf kann und werde ich mich aber natürlich nicht verlassen.“

Kristin Silbereisen: Unbekannte Koreanerin wartet in der dritten Runde

„Mein Ziel war und ist es auch weiterhin, hier eine gute Performance abzugeben“, sagte Kristin Silbereisen nach dem Einzug in die dritte Runde. Gegen Yu Mengyu aus Singapur feierte die Deutsche Meisterin einen 4:2-Erfolg. „Die Bälle von ihr liegen mir. Außerdem habe ich ein, zwei knappe Situationen für mich entschieden. Das war ein gutes Spiel von meiner Seite“, sagte Silbereisen und zeigte sich „einfach nur glücklich“. Bundestrainerin Jie Schöpp sparte nicht mit Lob für ihren Schützling. „Das war eine ganz starke Vorstellung von Kristin.“ Am Donnerstag um 13.15 Uhr wartet die Koreanerin Lee Zion. „Ich kenne sie nicht", sagt Silbereisen und hält sich deshalb mit einer Prognose zurück. Zum Auftakt hatte sich die Bundesligaspielerin aus Kolbermoor gegen Charlotte Carey aus Wales mit 4:1 behauptet.

Beim World Cup im Oktober des vergangenen Jahres hatte Sabine Winter gegen Lily Zhang aus den USA noch gewonnen. Bei der Heim-WM reichte es allerdings nicht zu einem Erfolg für Winter. Und das, obwohl die Bundesligaspielerin aus Kolbermoor mit 2:1- und 3:2-Sätzen in Führung lag. „Im dritten Durchgang sind mir viele leichte Fehler bei der Spieleröffnung passiert“, sagte Sabine Winter und kam zu der Erkenntnis, „dass ich bei einer 3:0-Satzführung die Partie vermutlich nicht verloren hätte“. So aber verpasste die 24-Jährige den Sprung unter die letzten 32, „obwohl ich nach nach dem 2:1 auch noch einige Chancen hatte, das Spiel zu gewinnen. Am Ende bin ich zu passiv gewesen.“ Das Auftaktmach hatte Sabine Winter mit 4:1 gegen Mateja Jeger aus Kroatien gewonnen.

Die Tränen der Enttäuschung konnte Petrissa Solja nach ihrer Niederlage gegen Szandra Pergel aus Ungarn in der zweiten Runde nicht verbergen. „Schon wieder wurde ich für einen angeblich falschen Aufschlag bestraft“, berichtete die Nummer 20 der Weltrangliste enttäuscht. Mit 11:4 und 7:2 lag Solja in Front und befand sich eigentlich auf der Siegerstraße. Doch dann ließ sie sich durch die Schiedsrichter-Entscheidung völlig aus der Konzentration bringen. „Das war mein sechstes Spiel hier in Düsseldorf. In den fünf Partien zuvor hat niemand deshalb gemeckert.“ Für Jie Schöpp habe sich ihr Schützling „nicht so gut bewegt. Außerdem fehlte die notwendige Konstanz.“ Die Niederlage kommt für Schöpp „nicht so überraschend, da Petrissa in den vergangenen Wochen und Monaten verletzungs- und krankheitsbedingt nicht viel trainieren konnte“. Wenn die 23-Jährige körperlich und mental in Topform gewesen wäre, so die Bundestrainerin weiter, „hätte Petrissa auch das Spiel gewonnen“. Nach dem 4:1-Starterfolg gegen Wu Yue (USA) sprach die Linkshänderin von einem „ungefährdeten Sieg. Ich hatte mich schon beim Einspielen gut gefühlt und wusste, dass es durchaus eine knappe Partie werden könnte. Deshalb war ich auf alles vorbereitet.“ Wenige Stunden später war der Einzelauftritt in Düsseldorf jedoch beendet.

Die DTTB-Einzel am Mittwoch und Donnerstag

Herren-Einzel, 1. Runde (beste 128)
Patrick Franziska GER – Peter Sereda SVK 4:0 (3,5,10,4)
Timo Boll GER – Gavin Rumgay SCO 4:0 (4,4,7,4)
Bastian Steger GER – Lin Yun-Ju TPE 4:3 (10,3,-7,9,-16,-8,5)
Dimitrij Ovtcharov GER – Lubomir Jancarik CZE 4:2 (9,5,-6,-7,5,11)
Ruwen Filus GER – Diogo Carvalho POR 4:2 (7,-10,9,-5,5,5)
Ricardo Walther GER – Frane Kojic CRO 4:1 (6,9,8,-8,6)

Herren-Einzel, 2. Runde (beste 64)
Donnerstag 14.15, Tisch 2: Patrick Franziska GER - Jang Woojin KOR
Donnerstag 15.15, Tisch 1: Timo Boll GER - Jakub Dyjas POL
Donnerstag 15.15, Tisch 4: Bastian Steger GER - Tamas Lakatos HUN
Donnerstag 19.30, Tisch 1: Dimitrij Ovtcharov GER - Paul Drinkhall ENG
Donnerstag 20.30, Tisch 3: Ruwen Filus GER - Joao Geraldo POR
Donnerstag 20.30, Tisch 4: Ricardo Walther GER - Alexander Shibaev RUS

Damen-Einzel, 1. Runde (beste 128)
Sabine Winter GER – Mateja Jeger CRO 4:1 (8,5,-8,2,10)
Chantal Mantz GER – Adina Diaconu ROU 2:4 (-6,7,8,-13,-9,-3)
Nina Mittelham GER – Maria Xiao ESP 0:4 (-4,-9,-8,-9)
Kristin Silbereisen GER – Charlotte Carey WAL 4:1 (5,7,-7,7,8)
Yuan Wan GER – Galia Dvorak ESP 1:4 (-6,10,-6,-7,-9)
Petrissa Solja GER – Wu Yue USA 4:1 (5,8,7,-8,3)

Damen-Einzel, 2. Runde (beste 64)
Sabine Winter GER - Lily Zhang USA 3:4 (7,4,-7,-10,7,-6,-6)
Kristin Silbereisen GER - Yu Mengyu SGP 4:2 (7,-8,7,9,-7,8)
Petrissa Solja GER - Szandra Pergel HUN 1:4 (4,-9,-7,-3,-7)

Damen-Einzel, 3. Runde (beste 32)
Donnerstag 13.15, Tisch 2: Kristin Silbereisen GER - Lee Zion KOR

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