Aufsteiger Borussia Düsseldorf will sich in der neuen Spielklasse teuer verkaufen (Foto: Verein),

Hoffnungsvolles Sextett ?Saisonvorschau 3. Bundesliga Damen Nord

Dr. Stephan Roscher 04.10.2015

Dass das Feld derart reduziert ist, hat folgende Gründe: Nach dem Rückzug des TV Kupferdreh während der letzten Saison sowie dem Aufstieg des TSV Schwarzenbek und des TSV Langstadt ins Unterhaus blieben in der 3. Bundesliga Nord nur noch fünf Mannschaften übrig. Doch eine davon, der traditionsreiche SC Poppenbüttel, hatte gar nicht erst für die 3. Liga gemeldet, so dass letztlich sogar nur noch vier Teams als Drittligisten feststanden. Da die von oben kommenden Watzenborn-Steinberg (Tabellenletzter 1. Bundesliga) und Baunatal (Rückzug aus der 2. Liga) auf die Meldung für Liga drei verzichteten, konnten diese vier Mannschaften nur noch durch die beiden einzigen gemeldeten Regionalligateams Torpedo Göttingen (Meister Regionalliga Nord) und Borussia Düsseldorf (3. Platz Regionalliga West) ergänzt werden, so dass eben nur sechs Teilnehmer zustande kamen. Eine weitere Auffüllung war leider nicht möglich.

Mit dem letztjährigen Ligazweiten Kieler TTK Grün-Weiß sowie den Ex-Zweitligisten SG Marßel Bremen und TTK Großburgwedel sind durchaus namhafte, traditionsreiche Klubs in der Spielklasse vertreten. Einen wohlklingenden Namen bringt natürlich auch Liganeuling Borussia Düsseldorf mit, doch der resultiert bisher natürlich aus dem Herrenbereich des deutschen Rekordmeisters. Wer weiß, vielleicht kann die Damen-Abteilung da ja in den nächsten Jahren Boden gutmachen. Sportlich eine gute Rolle spielen könnte auch der Tabellenvierte der Saison 2014/15, TTC Rödinghausen, der zum Saisonauftakt in Göttingen gewonnen hat, dann jedoch gegen Kiel unter die Räder kam.

Sportlich interessant wird es also allemal. Das Sextett wird sich untereinander nichts schenken, Partien auf gutem Niveau sind zu erwarten. Natürlich wird es keinen Abstiegskampf geben, doch ganz hinten in der Tabelle möchte freiwillig natürlich keiner landen.

Zudem verfügt die Liga über eine richtig prominente Akteurin: die frühere schwedische Jugend-Nationalspielerin Jenny Ovtcharov – früher Jenny Mellström – ist mit an Bord bei der Düsseldorfer Borussia. Sie ist seit Juli 2014 mit dem Weltranglisten-Fünften Dimitrij Ovtcharov verheiratet und feiert nun ihr Comeback in der deutschen 3. Bundesliga.

Die SG Marßel Bremen, einer von drei Großstadtvereinen in der Liga, schickt eine gut besetzte, ambitionierte Truppe ins Rennen. Der 6:0-Kantersieg im ersten Saisonspiel in Düsseldorf deutet an, dass man eine Mannschaft für die obere Tabellenhälfte haben könnte – nicht ganz unerwartet, da man sich auf zwei Positionen v verstärkt hat. Mit der 18-jährigen litauischen Nationalspielerin Egle Orlovaite und der gleichaltrigen Weißrussin Hanna Patseyeva an den Positionen eins und zwei schickt man zwei junge Nationalspielerinnen mit Perspektive ins Rennen, die auch letzte Saison bereits für die SG Marßel im oberen Paarkreuz aufgeschlagen haben, besonders erfolgreich Patseyeva mit einer 14:6-Bilanz. Das zweite Paarkreuz ist neu besetzt. An Position drei finden wir mit Nele Puls die 19-jährige bisherige Spitzenspielerin des letztjährigen Regionalligisten TSV Heiligenrode und an vier mit der Russin Irina Skachkova die Ehefrau des vor der Saison zum SV Werder gewechselten TTBL-Profis Kirill Skachkov. Desweiteren stehen Andrea Estrada Muralles, Nationalspielerin in Guatemala, Jennifer Bienert und Janina Pauluschke zur Verfügung, die schon in der Vorsaison dabei waren, in der es freilich nicht rund lief, so dass man sich am Ende mit Platz sieben zufriedengeben musste, nicht zuletzt weil die Nationalspielerinnen öfter als vom Verein erwünscht von ihren Verbänden beansprucht worden waren.

Der Kieler TTK Grün-Weiß stieg am heutigen 4. Oktober in die Saison ein und setzte mit einem klaren 6:2-Erfolg in Rödinghausen gleich eine erste Duftmarke. In der Saison 2014/15 kam der Traditionsklub von der Ostsee nur einen Zähler hinter Meister Schwarzenbek als Zweiter über die Ziellinie und hatte mit Lin Sievers die erfolgreichste Spielerin der gesamten Liga (23:2) zur Frontfrau. Die 40-jährige gebürtige Chinesin, die längst deutsche Staatsbürgerin ist, spielte jahrelang erfolgreich für die SG Marßel Bremen in der 2. Liga. Nicht geblieben ist die dänische Nationalspielerin Dänin Pernille Agerholm. Für sie ist Toptalent Jule Wirlmann, erst 16 Jahre alt, an Position zwei vorgerückt – und sie hat es auch bereits drauf, wie sie in Rödinghausen mit einem Einzel-Erfolg (gegen Zhang Ying Ni) und einem Sieg im Doppel unter Beweis stellen konnte. Zum TTK stieß mit der 18-jährigen Nathalie Wulf vom letztjährigen Ligarivalen SC Poppenbüttel eine weitere talentierte Spielerin, die Platz drei auf der Meldeliste einnimmt. Larissa Schmidt und Catharina Grothkopp, die seit der Saison 2004/05 für den Kieler TTK aufschlägt, sind an Bord geblieben. Der Tischtennis Klub Grün-Weiß von 1925, Deutschlands ältester reiner Tischtennisverein überhaupt, sollte mit diesem spielenden „Personal“ in der Lage sein, in der Liga Akzente zu setzen und oben mitzuspielen.

Torpedo Göttingen schickt als letztjähriger Regionalliga-Meister eine junge, ambitionierte und planvoll verstärkte Truppe ins Drittliga-Rennen. Für alle Fälle ist als Nummer eins eine Spielerin gemeldet, die normalerweise in Deutschland eher 2., wenn nicht 1. Bundesliga spielen würde, nämlich die Inderin Shamini Kumaresan, die auch schon beim ttc eastside berlin sowie bei TuS Bad Driburg im Oberhaus unter Vertrag stand – ob die aktuelle Nummer 263 der Welt tatsächlich zu Einsätzen im Torpedo-Dress kommen wird, wird sich zeigen. An zwei auf der Meldeliste finden wir mit deren Landsfrau Mousumi Paul eine weitere, weniger bekannte Inderin, die mit einer 3:1-Bilanz nach zwei Partien bereits angedeutet hat, dass sie für diese Liga eine gute Verstärkung sein dürfte. Die Nummer drei der Göttinger, die 2013/24 noch in der Oberliga aufschlugen, ist die ukrainische Jugend-Nationalspielerin Kateryna Kiziuk, der mit den ebenso jungen Wiegand-Schwestern Marie-Sophie und Johanna sowie Diana Rogusina weitere bewährte Kräfte aus der Aufstiegsmannschaft folgen. Der mit Spannung erwartete Auftakt ging mit einer 3:6-Heimniederlage gegen Rödinghausen leicht daneben, doch hatte man sich damit wohl mental frei gespielt und war in der neuen Spielklasse angekommen. Jedenfalls ließ man ein beeindruckendes 6:2 in Großburgwedel folgen, das Lust auf mehr macht und es noch schwerer werden lässt, das Niveau der Mannschaft verlässlich einzuschätzen. Zu den „Schwachen“ scheint sie jedenfalls nicht zu zählen.

Aufstiegsmannschaft von Torpedo Göttingen ohne die indischen Neuzugänge (Foto: Swen Pförtner).

Der TTC Rödinghausen aus dem Nordosten Nordrhein-Westfalens wies zum Ende der Vorsaison ein klar positives Punktekonto (15:9) auf und hatte mit seiner Nummer eins Tamara Tomanova (15:7) die viertbeste Spielerin der Liga in seinen Reihen. Die 20-Jährige Tschechin ist geblieben. Mit Zhan Ying Ni kam eine Zweitliga-erfahrene Spielerin aus Uentrop dazu und ersetzte Simona Slehobrova an Position zwei. Die talentierte junge Niederländerin Suzanne Dieker stieß vom Zweitligisten Anröchte zum Team und ist die neue Nummer drei. Mit Meike Müller und Lucie Krizova stehen weitere Spielerinnen im Drittliga-Kader, die schon letzte Saison dabei waren. Das Team dürfte vermutlich einen Tick besser stehen als in der vorhergehenden Runde und könnte in der oberen Tabellenbereich mitspielen. Der Auftakt in Celle war jedenfalls erfolgversprechend, wo Tomanova und Dieker mit jeweils zwei Einzelsiegen einen starken Eindruck hinterließen. Das klare 2:6 vor heimischem Publikum gegen Kiel am zweiten Spieltag indes war schon ein kleiner Dämpfer – lediglich Tomanova konnte für den TTC punkten, und das gleich doppelt (gegen Wirlmann und Sievers).

Mit dem TTK Großburgwedel ist ein weiterer chancenreicher Klub Nord-Drittligist, der erfolgversprechende Talente in seinen Reihen hat. Coach Michael Junker gibt zu Protokoll: „Mit unserer jungen und ambitionierten Truppe wollen wir in diesem Jahr so lange wie möglich um die Meisterschaft mitspielen. Wir sind uns der Ausgeglichenheit der kleinen Staffel aber voll bewusst und hoffen, mit jugendlichem Teamspirit glänzen zu können.“ Junker fügt hinzu: „Um ganz vorne zu landen, ist sicher ein großer Faktor, wie weit sich gerade die Kaderspielerinnen Amélie Rocheteau und Lotta Rose weiter entwickeln. Es dabei vor allem darum, die guten Trainingsleitungen auch punktgenau in den wichtigen Spielen abrufen zu können. Doch auch der quasi Neuzugang Nina Tschimpke (nach Schwangerschaft) wir die Mannschaft bereichern.“ „Unser Ziel ist einfach gut zu spielen“, sagt Junker. „Wir wissen, dass eine ganzjährige Topleistung für uns auch Platz 1 bedeuten kann. Der Rest wird sich im Saisonverlauf ergeben.“ Stolz ist man beim TTK darauf, „dass die ganze Mannschaft häufig gemeinsam trainiert. Dieser Umstand ist nur dadurch möglich, dass alle Spielerinnen in einem Radius von nur 20 Kilometern um die Sporthalle wohnen. So etwas ist in dieser Leistungsebene wohl einzigartig und sorgt gute Stimmung im Team und Club.“ Allerdings musste man im ersten Saisonspiel gegen einen sich bärenstark präsentierenden Aufsteiger aus Göttingen trotz Bestbesetzung – also mit Holoková, Rocheteau, Rose und Tschimpke – ein unerwartetes 2:6 hinnehmen. In diesem frühen Saison-Stadium will das noch nicht viel bedeuten, gibt aber schon einen Fingerzeig, wie ausgeglichen die Liga zu sein scheint.

Lotta Rose, eines der Toptalente des TTK Großburgwedel (Foto Verein).

Bei Aufsteiger Borussia Düsseldorf freute man sich riesig auf den Saisonbeginn und hatte sich so viel vorgenommen für die höchste Spielklasse, in der je eine Damen-Mannschaft der Borussia gespielt hat. Doch dann setzte es vor eigenem Publikum trotz Bestbesetzung eine deftige 0:6-Klatsche gegen Bremen. Aller Anfang ist schwer und es besteht noch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, zumal die letzten drei Matches des Tages allesamt nach spannenden fünf Sätzen an die Bremerinnen gingen. Trainer und Teambetreuer Peter Seidel äußerst sich vorsichtig und zurückhaltend: „Uns ist der Platz im „3. Oberhaus“ angeboten worden, den wir dann auch angenommen haben. Für die Mannschaft und besonders für mich ist dieser Sprung eine Herausforderung, da uns auf dieser Ebene alle Erfahrungswerte fehlen.“ Wie alle Klubs der Liga beklagt auch der Borussia-Coach: „Leider haben wir in der Gruppe nur sechs Mannschaften, was ich sehr traurig finde.“ Etwas „gespannt und ein wenig nervös“ sieht man der Runde entgegen. „Unser Ziel ist nicht ein bestimmter Tabellenplatz“, sagt Seidel. „Wir wollen mit Teamgeist und guten Leistungen ein ehrenwerter, achtbarer Gegner sein.“ Die Spitzenspielerin ist mit 15 Jahren noch sehr jung und lebt und trainiert im DTTZ. Wan Qian, Schwester der Erstligaspielerin Wan Yuan, kam aus Kupferdreh, das letzte Runde sein Team aus der 3. Liga zurückgezogen hatte. Mit Melissa Dorfmann, Ma Ling und Janette Püski folgen bewährte Kräfte aus dem letztjährigen Regionalliga-Team. Vor Püski finden wir aber als neue Nummer vier Jenny Ovtcharov auf dem Bogen, die ihr erstes Einzel gegen Bremens Nele Puls nach zwischenzeitlicher 2:0-Satzführung noch mit 2:3 verlor. Den Borussia-Damen steht eine sportliche Herausforderung bevor in einer Saison, in der man nichts zu verlieren hat aber viel gewinnen kann. Zunächst gilt es, sich in der ungewohnten Liga zu akklimatisieren.

Borussia Düsseldorf 2015/16 (Foto: Verein).

 

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