Jubel bei eastside: Berlin beim Final Four wieder nicht zu schlagen

BP 08.01.2017

Hannover. Der Pokal bleibt in der Hauptstadt. ttc berlin eastside gewinnt das Final Four 2017 der Damen-Pokalmeisterschaften. Finalgegner Bingen/Münster-Sarmsheim bot dem Titelverteidiger aber lange Paroli. Am Ende siegt Berlin in der vierten Auflage des Final Fours zum vierten Mal. Rund 300 Zuschauer fanden trotz Wetterchaos den Weg in die Halle und spendeten zudem 1.000 Euro zugunsten Ruwen Filus Tochter Marie.

Berlin im Stil eines Titelverteidigers

„Wir sind mega stolz, dass wir den Pokal wieder gewonnen haben“, freut sich Petrissa Solja nach dem letzten viel umjubelten Punkt zum Titelgewinn. Auch dieses Jahr konnte keine Mannschaft die Berliner beim Final Four bezwingen.

Dabei machte es Finalgegner TTC Bingen/Münster-Sarmsheim Deutschlands bester Mannschaft nicht leicht. Im Auftaktmatch setzte sich Shan Xiaona gegen Ding Yaping durch mit 3:1-Sätzen durch. Für die Zuschauer ein attraktives Spiel, in dem die 49-jährige Ding nahezu jeden Ball ausgrub, Shan Xiaona aber stets sehr geduldig zum Punkterfolg kam. Das zweite Match zwischen Hana Matelova und Petrissa Solja versprach Spannung, verlor doch letztere im Rundenspiel gegen die Tschechin deutlich. Deutschlands Nummer zwei bestätigte zwar ihre aufsteigende Form, aber am Ende hatte Hana Matelova das glücklichere Händchen und besiegte Solja im Entscheidungssatz. Die Ungarin Georgina Pota sorgte im Anschluss mit einem 3:1-Sieg gegen Yuan Wan für die 2:1-Führung der Hauptstädter. Am Ende sorgte Petrissa Solja für den Jubel des Teams und der 50 mitgereisten Fans. Zum ersten Mal überhaupt besiegte sie Bingens Spitzenspielerin und das überraschend deutlich mit 3:0 Sätzen. „Ich spiele schon seit sieben oder acht Jahren in der Bundesliga, heute habe ich endlich gegen Yaping zum ersten Mal gewonnen“, sagt die strahlende Siegerin. Sie betont aber auch, dass Yaping einen großen Anteil daran hätte, dass sie zunehmend besser gegen Abwehrspielerinnen zurecht kommt: „Wir haben in Düsseldorf viel miteinander trainiert und sie hat mir zahlreiche Tipps gegeben, wie ich gegen Abwehr spielen muss.“


Berlin überraschend deutlich im Endspiel


Wieder hat es DJK SV Kolbermoor nicht geschafft, sich gegen die Haupstädter durchzusetzen. Das erste Match im Duell der beiden besten deutschen Teams war ein Krimi und vielleicht schon der Knackpunkt zu Gunsten Berlins. Gewohnt nervenstark konnte die Berlinerin Georgina Pota im Entscheidungssatz gegen Kristin Silbereisen gewinnen. Obwohl sie im Satz zuvor bereits vier Matchballe beim Stand von 10:6 vergeben hatte. Im zweiten Duell der Nationalmannschaftskolleginnen Sabine Winter und Petrissa Solja setzte sich letztere ohne Satzverlust durch. Für die Spielerin aus Kolbermoor wäre sicher mehr drin gewesen, führte sie in jedem der drei Sätze teils mit mehreren Punkten. Eastside-Trainerin Irina Palina hatte taktisch aufgestellt, sodass die eigentliche Nummer zwei der Berliner Shan Xiaona erst im dritten Match gegen die Bulgarin Sibel Remzi an den Tisch musste. Den ersten Satz konnte Remzi noch überraschend gewinnen, dann schaltete die Weltranglisten 21. Shan aber zwei Gänge hoch und holte für Berlin den siegbringenden dritten Punkt. „Es sieht deutlich aus, aber es sind trotzdem nur ein, zwei Punkte, die so eine Begegnung kippen lassen können“, resümiert Petrissa Solja. Mit ihrer Leistung gegen Sabine Winter sei sie aber sehr zufrieden gewesen. Enttäuschte Gesichter dafür auf der Seite der Bayern: „Das erste Spiel war schon ein Knackpunkt – es ist wichtig gegen Berlin sofort Druck aufzubauen“, sagte Kristin Silbereisen. In der Folge, so Silbereisen, sei es ihnen auch nicht mehr gelungen, das Spiel wirklich eng zu gestalten.


Favorit Bingen/Münster-Sarmsheim setzt sich mit 3:1 durch


Von Anfang an bestimmte der Drittplatzierte der Damen-Bundesliga Bingen das Halbfinale gegen Busenbach. Hana Matelova gab nur einen Satz gegen die Bronzemedaillengewinnerin der Deutschen Meisterschaften 2016, Tanja Krämer, ab. Jessica Göbel kämpfte gegen Bingens Abwehr-Ass Ding Yaping wacker, verlor schließlich aber mit 3:0. Das dritte Spiel der beiden Youngsters Jenny Wolf (Busenbach) und der Französin Marie Migot (Bingen) war hingegen richtig eng. Migot vergab eine 10:8-Führung im vierten Satz mit zwei Aufschlagfehlern und verlor schließlich mit 1:3-Sätzen gegen eine starke Jenny Wolf. Den Schlusspunkt setzte Bingens Nummer eins Ding Yaping, die sich in einem attraktiven Match gegen Tanja Krämer erneut ohne Satzverlust durchsetzte. Bingens Vorsitzender Joachim Lautebach war nach Spielende natürlich sehr zufrieden: „Das Spiel war enger, als es vielleicht aussieht“, so Lautebach.


Rund 300 Zuschauer trotzen Wetterchaos/ 1000 Euro für Marie Filus gesammelt


Nicht selbstverständlich war an diesem Wochenende, dass rund 300 Zuschauer den Weg in die Halle in Hannover-Misburg fanden. Von Samstagabend bis Sonntagmorgen glich Hannover nach Wetterkapriolen einer einzigen Eislaufbahn: „Ich persönlich bin sehr zufrieden mit dem Final Four. Leider hat uns, wie so vielen anderen Sportevents in Hannover auch, der Wettergott einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht“, resümiert Organisationsleiter Uwe Rehbein. Hannovers „Mr. Tischtennis“, der auch diesmal wieder federführend an der Spitze der Organisations-Dreigestirns TTC Helga Hannover, SG Misburg und Badenstedter SC stand, wurde vom anwesenden Oberbürgermeister der Stadt Stefan Schostok für sein Engagement gelobt: „Es ist ungefähr die zwanzigste hochklassige Tischtennis-Veranstaltung, die Uwe Rehbein und sein Team hier in Hannover veranstalten“, so Schostok. Solch engagierte Personen wie Rehbein, würden die Sportvielfalt in der Landeshauptstadt garantieren, lobt der Oberbürgermeister.


Eine Herzensangelegenheit für Organisator Uwe Rehbein war es auch, während des Final Fours Spenden für Marie Filus zu sammeln. Mit Unterstützung der Tischtennisfamilie soll der schwerbehinderten zweijährigen Tochter des im Großraum Hannover aufgewachsenen Nationalspielers Ruwen Filus eine teure Delfintherapie ermöglicht werden. In Hannover wurde auch fleißig gesammelt, dazu kamen ein Mini-Tisch und ein signiertes Nationaltrikot unter den Hammer. Hut ab – insgesamt kam ein beeindruckender Erlös von 1000 Euro zusammen, der Marie und der jungen Familie Filus sicher helfen werden.

Finale: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim - ttc berlin eastside 1:3


Yaping Ding - Xiaona Shan 1:3 (10,-7,-8,-3)

Hana Matelova - Petrissa Solja 3:2 (-9,2,-10,10,7)

Yuan Wan - Georgina Pota 1:3 (-10,9,-6,-8)

Yaping Ding - Petrissa Solja 0:3 (-11,-5,-8)

Halbfinals:

TV Busenbach - TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 1:3


Tanja Krämer - Hana Matelova 1:3 (-6,7,-7,-8)

Jessica Göbel - Yaping Ding 0:3 (-3,-10,-8)

Jennie Wolf - Marie Migot 3:1 (7,11,-6,10)

Tanja Krämer - Yaping Ding 0:3 (-12,-9,-5)

SV DJK Kolbermoor - ttc berlin eastside 0:3


Kristin Silbereisen - Georgina Pota 2:3 (-9, 10, -10,11,-8)

Sabine Winter - Petrissa Solja 0:3 (-8,-9,-8)

Sibel Remzi - Xiaona Shan 1:3 (9,-2,-6,-10)

Fotos: Petra Steyer

 

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