Gold für Timo Boll (Foto: ITTF)
Gold im Doppel für die Berlinerinnen Petrissa Solja und Shan Xiaona

Korea Open: Boll bezwingt Franziska und gewinnt World-Tour-Titel Nr. 19

ms 23.04.2017

Frankfurt/Incheon. Mit dem Gewinn seines 19. World-Tour-Titels endeten für Timo Boll die mit 155.000 Dollar dotierten Korea Open. Im Duell der Nationalmannschaftskollegen setzte sich der Düsseldorfer wenige Wochen vor den LIEBHERR Weltmeisterschaften in Düsseldorf (29.5. bis 5.6.) gegen den erstmals im Finale stehenden Patrick Franziska (Saarbrücken) in vier Sätzen mit 11:8, 12:10, 12:10 und 11:6 durch. Im Damen-Doppel holte das Berliner Duo Petrissa Solja/Shan Xiaona die zweite Goldmedaille für Deutschland, während sich Patrick Franziska zusammen mit dem Dänen Jonathan Groth auch im Doppel mit Silber zufrieden geben musste. Der Titel im Damen-Einzel ging an die Singapur-Chinesin Feng Tianwei, die sich gegen Kasumi Ishikawa (Japan) behauptete. 

Auf 18.500 Dollar war der Siegerscheck ausgestellt, dem Zweitplatzierten blieb ein Trostpflaster von immerhin 9.400 Dollar. Viel mehr jedoch als über das Preisgeld freuten sich Timo Boll und Patrick Franziska nur etwas mehr als fünf Wochen vor der WM in Deutschland über ihre vielversprechende Form, von der sich auch Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf, der das Finale in aller Ruhe von der Tribüne aus beobachtete, angetan zeigte: "Timo hat sich den Titel mit sehr guten Vorstellungen über alle Turniertage hinweg redlich verdient. Für Patrick Franziska war es etwas ganz Besonderes, hier in zwei Finals zu stehen. Beiden Spielern wird das einen ganz Schwung an Selbstvertrauen in Richtung WM mit auf den Weg geben."

Boll: "Bin auf dem Weg zu alter Stärke"

Das erste deutsche Finalduell seit dem Aufeinandertreffen von Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll im Endspiel der German Open 2012 in Bremen endete diesmal zugunsten des Erfahreneren. Für Boll war es bei insgesamt 19 Turniersiegen in der World Tour der erste Erfolg bei den Korea Open und der erste Titelgewinn seit den Japan Open im Jahr 2010. In vier Sätzen hielt der 36 Jahre alte Timo Boll in Incheon seinen zwölf Jahre jüngeren Herausforderer Patrick Franziska auf Distanz, wobei vor allem Satz zwei und drei mit zahlreichen guten Ballwechseln gespickt waren und nur hauchdünn in der Verlängerung für Boll endeten. Der Rekordeuropameister agierte gegen Franziska erneut auf dem sehr hohen Niveau, das ihn in den drei Tagen zuvor mit klaren 4:0-Erfolgen über Park Jeongwoo (Südkorea), Gao Ning (Singapur), Kenta Matsudaira und nur einem umkämpften 4:2 über Japans olympischen Silbermedaillengewinner mit der Mannschaft, Maharu Yoshimura, ins Finale getragen hatte. Boll war rundum zufrieden mit seinem Titelgewinn, sieht aber auch noch Potential für eine weitere Leistungssteigerung. "Ich fühle, dass ich auf dem Weg zu alter Stärke bin und besser und besser spiele. Aber vor allem physisch und in der Beinarbeit kann ich noch zulegen. Bei den Weltmeisterschaften wird es nicht leicht, aber ich stehe jetzt schon unter Strom und freue mich riesig auf die Heim-WM in Düsseldorf. Es wird wichtig sein, einen guten Start zu erwischen und mich dann Spiel für Spiel weiter zu verbessern."

Franziska: "Ich bin auf einem sehr guten Weg Richtung WM"

Franziska trumpfte auf seinem steinigen Weg ins Finale ebenfalls groß auf. Gegen Japans Nummern 24 und 13 der Welt, Yuya Oshima (4:2) und den Asienmeisterschafts-Halbfinalisten Koki Niwa (4:1), den Schweden Kristian Karlsson (4:0) und Südkoreas Überraschungs-Dritten Lim Jonghoon (4:1), im Turnierverlauf Sieger über die Titelanwärter Chuang Chih-Yuan (Taiwan) und Marcos Freitas (Portugal), blieb Franziska bei seinen starken Auftritten nahezu ungefährdet. Franziska hatte sich im Einzelfinale etwas mehr erhofft, musste im Duell der Odenwälder - Franziska wurde in Bensheim, Boll in Erbach geboren - allerdings die Überlegenheit des Weltranglisten-Elften anerkennen: "Timo hat mich im Endspiel taktisch sehr gut angespielt, dazu war ich immer Millisekunde zu spät am Ball. Das ist gegen Timo dann tödlich. Damit es knapper wird, muss ich entweder Satz zwei oder drei gewinnen, da hatte ich in beiden meine Chancen. Timo war aber heute der bessere Spieler, das kann ich gut akzeptieren." Der Erfolg des Saarbrückers ist umso bemerkenswerter, da Franziska im Laufe seiner Karriere schon häufig durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Zuletzt hatte er bis vor wenigen Wochen aufgrund einer Wassereinlagerung im Hüftkopf eine mehrmonatige Pause einlegen müssen. Franziska: "Ich bin froh, dass ich nach der langen Pause jetzt das Turnier mit zwei Endspielen gut durchgehalten habe, auch wenn am Ende die Luft etwas dünner wurde. Ich bin auf einem sehr guten Weg, auch im Hinblick auf die WM in Düsseldorf."

Shan/Solja holen dritten World-Tour-Titel

Mit einer sehr starken Vorstellung sicherten sich Petrissa Solja und Shan Xiaona ebenfalls Gold für Deutschland. Die beiden Berlinerinnen bezwangen im Finale die beiden 16 Jahre alten Japanerinnen Hina Hayata/Mima Ito, die zuvor im Halbfinale die Favoritinnen Jeon Jihee/Yanghaeun aus Südkorea ausgeschaltet hatten. Die Deutschen kontrollierten gegen das starke Teenager-Doppel, immerhin Halbfinalist der Asienmeisterschaften 2017, von Beginn an das Match und holten sich mit 11:4, 11:9, 3:11 und 11:9 den Turniersieg. Petrissa Solja nach dem Titelgewinn: "Wir freuen uns unglaublich über unseren Sieg. Wir haben von Beginn am im Finale sehr gut gespielt, waren direkt im Match und haben das Spiel unserer Gegnerinnen gut gelesen. Service, Rückschlag und die Eröffnung waren heute sehr gut bei uns. Das war wirklich eine richtig gute Leistung von uns." Für Solja/Shan, die Zweiten der EM 2016, war es nach Erfolgen bei den Austria und den German Open 2015 der insgesamt dritte Titelgewinn in der World Tour.

Zweite Silbermedaille für Franziska

Mindestens den Titel im Doppel hatte er vor seinen beiden heutigen Finals ins Visier genommen, am Ende wurde es jedoch zweimal Silber. Vor der Niederlage im Einzel gegen Timo Boll hatte Doppel-Europameister Patrick Franziska an der Seite seines dänischen Partners Jonathan Groth die Goldmedaille zwar bereits vor Augen, am Ende stand gegen die südkoreanischen Lokalmatadoren Jang Woojin/Jeong Sangeun beim 9:11, 11:8, 10:12, 11:7 und 10:12 jedoch eine denkbar knappe 2:3-Niederlage zu Buche. Nach Erfolgen bei den Austria und Croatia Open sowie bei den Europameisterschaften 2016 war es für die Kombination Franziska/Groth die erste Niederlage in einem Finale. Im fünften Satz hatte das seit vielen Jahren befreundete, aber erst seit knapp einem Jahr regelmäßig zusammen antretende deutsch-dänische Duo bereits mit 10:5 in Führung gelegen und auch im fünften immer geführt. Franziska: "Das war sehr sehr ärgerlich. Das Match hätten wir nicht verlieren müssen. Den dritten Satz hätten wir schon gewinnen können, da hätte ich dann auch ein paar Körner für das Einzelfinale gespart. Aber auch der fünfte war eigentlich unserer. Ärgerlich."

Roßkopf nominiert Filus als fünften Spieler

Mit zwei Goldmedaillen und zweimal Silber hat sich die Reise zu den Korea Open für die Deutschen nur wenig mehr fünf Wochen vor Beginn der LIEBHERR Weltmeisterschaften in Düsseldorf ausgezahlt. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf, der mit sechs Spielern angereist war, zog zufrieden Bilanz: "Das Ergebnis von Timo und Patrick ragt natürlich heraus. Aber es haben durch die Bank alle sehr gut gespielt, auch die, die am Finaltag nicht mehr im Turnier waren." Wir werden jetzt noch mit ein paar Spielern bei den Challenge-Turnieren in Slowenien und Kroatien an den Start gehen und uns dann in Düsseldorf mit zwei Lehrgängen den endgültigen Feinschliff für die Weltmeisterschaften holen."

Mit dem Ende des Turniers in Südkorea nimmt auch das WM-Aufgebot Roßkopfs noch konkretere Formen an. Zusätzlich für die von Roßkopf für die WM gesetzten Rio-Olympioniken Dimitrij Ovtcharov (Orenburg), Boll (Düsseldorf), Steger (Bremen) und Franziska (Saarbrücken) erhielt Ruwen Filus am Rande der Korea Open vom Bundestrainer die Zusage für den fünften von insgesamt sechs WM-Startplätzen. Fuldas Abwehrass hatte über Monate hinweg die in Südkorea endende interne Wertung für den fünften Startplatz angeführt und mit dem Achtelfinaleinzug in Incheon bestätigt. Roßkopf: "Ich hatte bereits bekannt gemacht, dass Ruwen die Wertung anführt. Aber jetzt ist es offiziell: Ruwen ist unser fünfter Mann in Düsseldorf. Wer der sechste WM-Starter ist, werden wir noch überlegen und erst mit der Bekanntgabe des Aufgebots in der ersten Mai-Hälfte publik machen." Filus freute sich über die offizielle Bestätigung seiner Nominierung: "Ich freue mich natürlich riesig. Nach meiner Nichtnominierung für die EM wusste ich, dass es schwer wird und ich möglichst Erster in unserem Punktesystem werden sollte. Ich denke, das habe ich souverän gemeistert, denn ich hatte einen ordentlichen Vorsprung." Für den vakanten sechsten Platz kommen mit Ricardo Walther, Benedikt Duda und Steffen Mengel gleich drei Bergneustädter in Frage.

DIE ERGEBNISSE DES FINALTAGS, 23. APRIL

Herren-Einzel, Finale
Timo Boll GER - Patrick Franziska GER 4:0 (8,10,10,6)
Zu den Ergebnissen im Herren-Einzel

Damen-Doppel, Finale
Petrissa Solja/Shan Xiaona GER - Hina Hayata/Mima Ito 3:1 (4,11,-3,9)
Zu den Ergebnissen im Damen-Doppel

Herren-Doppel, Finale
Patrick Franziska GER/Jonathan Groth DEN – Jang Woojin/Jeong Sangeun KOR 2:3 (-9,8,-10,7,-10)
Zu den Ergebnissen im Herren-Doppel

Damen-Einzel, Finale
Feng Tianwei SGP - Kasumi Ishikawa JPN 4:2 (10,-6,9,-5,8,9)
Zu den Ergebnissen im Damen-Einzel

 

DAS AUFGEBOT DES DTTB BEI DEN KOREA OPEN

Herren: Timo Boll (Düsseldorf), Benedikt Duda (Bergneustadt), Ruwen Filus (Fulda), Patrick Franziska (Saarbrücken), Steffen Mengel (Bergneustadt), Ricardo Walther (Bergneustadt)

Damen: Petrissa Solja (Berlin), Shan Xiaona (Berlin)
Trainer: Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)

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