Über seinen Auftritt in Lüttich, eine geplante Coaching-App und seine Popularität in China

Timo Boll im Interview mit People's Daily China

26.10.2017

Timo Boll hat mit seinen Siegen gegen Ma Long und Lin Gaoyuan beim Men’s World Cup in Lüttich natürlich auch in China für großes Aufsehen gesorgt. Dank unseres Jungen-Nationaltrainers Zhu Xiaoyong sind wir an die Interviews im People’s Daily, der größten Zeitung Chinas, und der Table Tennis World China, gekommen – und an die entsprechenden Übersetzungen.

 

People‘s Daily China: Zunächst herzlichen Glückwunsch zu ihren Siegen gegen Lin Gaoyuan und Ma Long! Was denken Sie über das Spiel gegen den jungen Spieler und wie würden Sie Lins Performance bewerten?

Timo Boll: Es ist unglaublich, mit welcher technischen und taktischen Vielfalt die chinesischen Spieler auf der Tour unterwegs sind. Früher waren die Spielsysteme sehr ähnlich. Heute spielt jeder anders, man muss sich immer neu einstellen. Es war mein erstes Duell gegen Lin, ich musste erst ein Gefühl für ihn bekommen. Das ist mir aber schnell gelungen. Dennoch ist da ein weiterer Stern am chinesischen Tischtennis-Himmel.

Was denken Sie insbesondere über den Sieg gegen ihren alten Gegner Ma Long? Was hat zum Sieg geführt und wie würden Sie ihren Gegner und Ihre eigene Performance bewerten?

Schon bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf war ich nah dran. Da habe ich gemerkt: Ich kann ihn noch einmal packen. Dieses Gefühl hatte ich die Jahre zuvor nicht mehr. In Lüttich habe ich meine Chance gewittert und schnell gemerkt, dass er physisch und psychisch nicht auf dem absoluten Top-Level ist. Das musste ich ausnutzen! Für mich ein großartiger Erfolg, weil Ma Long weiterhin der perfekteste Spieler ist.

Sie sind 36 Jahre und zeigen starke Leistungen zurzeit. Was planen Sie für die zukünftige Karriere? Werden Sie weiter spielen?

Ich fühle mich aktuell sehr gut, muss mit meinen Kräften natürlich etwas haushalten. Die Leistungen von Lüttich kann ich nicht jede Woche abrufen – das sind mir natürliche Grenzen gesetzt. Aber ich denke nicht an ein Karriere-Ende und möchte so lange spielen, wie es mir mein Körper erlaubt! Olympia 2020 ist mein nächstes Ziel – parallel plane ich natürlich schon, was danach kommen könnte. Jetzt kommt etwa eine von mir entwickelte App auf dem Markt, die ein umfangreiches Online-Coaching präsentiert. Dieses Angebot ist für Freizeitspieler genauso wie für Profis. Sie erscheint zwar zunächst nur in deutscher und englischer Sprache – aber auch an den chinesischen Markt denke ich.

Der chinesische Trainer Liu Guoliang war schon immer der Meinung, dass Timo Boll der stärkste Gegner für China ist. In der Tat haben Sie jetzt wieder ihre Stärke bewiesen. Haben Sie in letzter Zeit etwas Neues an ihrer Technik ausprobiert.

Zuerst einmal ehrt mich diese Meinung von Liu Guoliang, der meines Erachtens einer der größten Fachmänner unserer Sportart ist. Ich spiele in diesem Jahr erstmals die Turnierserie T2 APAC, eine spezielle Turnierserie mit etwas anderen Regeln. Dort muss man schnell zum Punktabschluss kommen und muss noch kreativer spielen. Diese Spielform kommt mir sehr gelegen. Ich fühle mich derzeit einfach gut, obwohl ich die Tage vor Lüttich sehr müde war und eine hartes Arbeitsprogramm hatte.

Sie haben sehr viele Fans in China. Möchten Sie Ihnen etwas sagen?

Ich bin sehr dankbar für den großen Support, den ich China immer erhalte. Das ist nicht selbstverständlich. Ich weiß, dass mir meine Fans die Siege gegen Lin Gaoyuan und Ma Long nicht übelnehmen, sich sogar für mich freuen. Ich bin auch immer gerne in China, das bleibt meine zweite Heimat.

 

Auch das chinesische Tischtennis-Magazin Table Tennis China wollte wissen, wie Timo Boll Lin Gaoyuan und Ma Long schlagen konnte.

 

Im siebten Satz gegen Lin lagen sie bereits 4:10 hinten, als Sie Punkt für Punkt aufholten. Was ging Ihnen während dieser Aufholjagd durch den Kopf?

Bei 4:10 denkt man natürlich nicht mehr an den Sieg. ich hatte große Probleme mit einer neuen Aufschlag-Variante von Lin, mit der er im siebten Satz immer punktete. Ich habe natürlich nicht aufgegeben, das gehört sich nicht und habe eine neue Rückschlagplatzierung ausprobiert. Das hat gut funktioniert. Bei meinem eigenen Aufschlag hatte ich sowieso immer Vorteile. Je näher ich kam, desto mehr hatte ich das Gefühl, das etwas geht. Das Lin bei der WM gegen Xu Xin einen ähnlichen Vorsprung verspielte, wusste ich jedoch nicht mehr in diesem Moment.

Bei den Weltmeisterschaften 2010 haben Sie Ma Long besiegt, sieben Jahre später konnten sie erneut gegen ihn gewinnen? Was war für Sie der Unterschied zwischen den beiden Partien? Was war ausschlaggebend für den Sieg in Lüttich?

Der Sieg 2010 liegt schon zu lange zurück. Seitdem hat sich das Spiel sehr verändert. Wichtiger war bei der WM in Düsseldorf zu spüren, dass ich einigermaßen mithalten konnte und ein System gefunden hatte, das Ma Long anscheinend nicht sehr mag. Bei mir muss natürlich alles passen und Ma Long darf nicht seinen besten Tag haben, damit ich wie dieses Mal gewinnen kann.

 

 

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