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Die Freude ist groß beim TV 1879 Hilpoltstein. Foto: Giurdanella
Der Herbstmeister ist auch der endgültige Meister im Unterhaus

2. Bundesliga: Hilpoltstein feiert, aber in die TTBL steigt niemand auf

Julian Hörndlein 19.04.2025

Frankfurt/Main. Der TV 1879 Hilpoltstein hat sich die Meisterschaft im Unterhaus gesichert. Die Mittelfranken haben damit nach der bereits gewonnen Herbstmeisterschaft auch die gesamte Saison krönen können. Auf der anderen Seite der Tabelle überwiegt der Frust: Der TTC Lampertheim verpasst den Klassenerhalt knapp, die Hertha aus Berlin zieht sich aus der 2. Bundesliga zurück.

28:8 Punkte: Die Bilanz des TV Hilpoltstein kann sich sehen lassen. Mit einigermaßen Vorsprung auf die Mainzer Verfolger steht das Team nach der Saison auf dem ersten Platz der Liga. „Es hat niemand auf die Meisterschaft spekuliert“, analysiert Abteilungsleiter Ulrich Eckert im Nachgang. Auch mit der Herbstmeisterschaft habe man nicht rechnen können. Dennoch stand vor allem nach der starken Vorrunde ein möglicher Aufstieg im Raum, der dann allerdings verworfen wurde. Man habe sich intensiv mit der Möglichkeit beschäftigt, aber: „Eigentlich sind wir ein Breitensportverein“, sagt Eckert. Die Finanzen, strukturelle Themen und auch die Vereinssatzung hätten es in diesem Jahr nicht erlaubt, in die TTBL aufzusteigen. Zu groß ist das Risiko, dass es läuft wie so oft in den letzten Jahren. Eine oder zwei Spielzeiten, dann der Wiederabstieg. Das Schicksal hatte zuletzt Mainz 05, den TTC indeland Jülich und auch Bad Homburg ereilt, auch wenn die Hessen nach dem letztjährigen Wiederaufstieg nun im Oberhaus bleiben dürfen. Vom Tisch ist ein möglicher Aufstieg in Hilpoltstein allerdings nicht. „Wir müssen das langfristig planen“, weiß Ulrich Eckert. Auf eine „Wahnsinnssaison“ könnte nun ein Umbruch folgen. Juan Perez wechselt nach Bad Homburg, die Einsatzmöglichkeit von Petr Fedotov ist noch nicht geklärt, auch Li könnte zur Verfügung stehen. Aus der tschechischen Liga kommt Jan Valenta nach Mittelfranken, zudem unterstützt Martin Buch Andersen. „In der nächsten Saison geht es bei Null los“, sagt der Abteilungsleiter.

Windsbach und Oldenburg steigen auf

Die 2. Bundesliga wird im nächsten Jahr nochmal bayerischen Zuwachs erhalten. Aus der 3. Bundesliga Süd steigt der TSV Windsbach auf, der einen regelrechten Durchmarsch hingelegt hatte. Zudem ist da ja noch der TTC Fortuna Passau, der in der nächsten Saison ein Vierteljahrhundert im Unterhaus feiert. „Die Stimmung ist sehr gut“, sagt dort Sportwart Walter Reichert. Yuki Matsuyama sei einer der besten Spieler gewesen, die je im Fortuna-Dress aufgelaufen seien.

Auch das Doppel habe gut funktioniert. Zum Jubiläum ist das Ziel klar: „In diesem Jahr wollen wir natürlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, meint Reichert lachend. Die Dreiflüssestadt begrüßt dann den Kroaten Leon Benko und den Koreaner Kim Gaon. Mit Blick auf die neue bayerische Konkurrenz legt sich Reichert fest: „Windsbach wird sicher gut mitspielen.“ Die zweiten Aufsteiger kommen aus Oldenburg.

Groß ist die Enttäuschung beim TTC 1957 Lampertheim. Die Aufsteiger hatten sich zu Beginn der Saison als klarer Außenseiter gesehen, im Verlauf der Saison allerdings gut in die Liga gefunden. Am Ende hat es haarscharf nicht gereicht. Der TTC Hohenstein-Ernstthal hat mit 12:24 die gleiche Punktebilanz, aber ein um fünf Spiele besseres Spielverhältnis. „Es ist tragisch“, erklärt der Vorsitzende Uwe van gen Hassend. Er kritisiert vor allem die wechselhaften Aufstellungen der Gegner. Nach einem durchaus emotionalen Saisonabschluss blickt van gen Hassend mit einigen Tagen Abstand etwas nüchterner auf die Situation: „So ist Sport eben.“ In Lampertheim habe man auf die volle Unterstützung der Fans zählen können, der Verein lebt von der ehrenamtlichen Tätigkeit. Groll gegen die punktgleichen Hohensteiner hegt er keinesfalls. „Hohenstein gilt unser Glückwunsch“, meint van gen Hassend. Im nächsten Jahr ist man dann wieder in der 3. Bundesliga Nord dabei. Fans, Sponsoren und auch die Verantwortlichen in Lampertheim gehen diesen Schritt mit.

Für das Team vom TTC SR Hohenstein-Ernstthal geht eine aufregende Saison zu Ende. „Wir haben uns auf den letzten Metern gerettet“, sagt Manager Christian Hornbogen. Der Verein hatte einigen organisatorischen Aufwand, denn die Spiele konnten nicht in der hauseigenen „Grünen Hölle“ ausgetragen werden. „Dadurch hat man bei den Fans aber auch neue Gesichter gesehen“, stellt der Funktionär fest. Auch er gibt den Respekt an Lampertheim zurück: „Uwe hat als Erster gratuliert.“ Der Teamgeist im Verein habe gestimmt. Die zweite Mannschaft, die in der 3. Bundesliga Süd aufschlägt, sei bei jedem Spiel des Unterhausteams dabei gewesen. Für nächstes Jahr ist er sich sicher, wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben. Unter anderem soll das sächsische Nachwuchstalent Karl Zimmermann gefördert werden.

Rückzug in der Hauptstadt

Die Lichter gehen unterdessen aus bei Hertha BSC Berlin. „Die Katze ist aus dem Sack“, meint Pressesprecher Lukas Bieber. Man habe schon seit einiger Zeit gewusst, dass die wirtschaftliche Situation vor allem der Fußballabteilung Einfluss auf die Tischtennisabteilung haben würde. Gerade die Sponsorensituation sei in einer Stadt wie Berlin wegen der hohen Dichte an Profisport angespannt. Der Verein geht nun zurück in den Amateursport, die Hertha wird in der Regionalliga antreten. Ein anfänglicher Abstieg ist dann schon einkalkuliert. „Wir vertrauen darauf, dass wir dann nach und nach wieder aufbauen“, sagt Bieber. Ziel sei zu Beginn die Oberliga, später die Regionalliga. Der Fokus soll nun auf Spielern aus Berlin und Brandenburg sowie der Jugendarbeit liegen.

Auf der anderen Seite Deutschlands ist Mike Küven mit der Performance seines TTC indeland Jülich zufrieden. Platz drei bis fünf hatte man vor der Saison als Ziel ausgegeben, das wurde mit dem vierten Platz zielgenau erreicht. Bis Februar habe man sogar noch um die Vizemeisterschaft mitgespielt, Mainz sei aber zu stark gewesen. Auch Küven kennt die Problematik mit den unterschiedlichen Aufstellungen in der Liga, sein Verein habe nur drei Ausfälle in 18 Spielen gehabt. „Da sind wir ziemlich konstant gewesen“, meint er. Für die nächste Saison hat der TTC alle vier Verträge verlängern können.

Förderung von jungen Talenten bei mehreren Vereinen im Vordergrund

Die Vizemeisterschaft ging dann an den erwähnten 1. FSV Mainz 05, die Rückkehrer aus der TTBL. „Wir sind mit der Vizemeisterschaft sehr zufrieden“, resümiert Abteilungsleiter Michael Krebs. Tom Jarvis habe als Punktegarant voll überzeugt, John Oyebode eine gute Bilanz im hinteren Paarkreuz erspielt. Zur neuen Saison bleibt allerdings nur Albert Vilardell, es kommen der Spanier Daniel Berzosa und der Franzose Nathan Lam. Das Ziel ist eine junge Mannschaft, in der auch die Youngsters Johannes Willeke und Ole Kaspers gefördert werden.

Auf den Plätzen sechs und sieben haben sich der 1. FC Saarbrücken-TT II und der SV Union Velbert einquartiert. „Es war eine zufriedenstellende Saison“, sagt Saarbrückens Teammanager Nicolas Barrois. Es habe Verletzungs- und Terminprobleme gegeben. Man habe von den Profi-Kräften Eduard Ionescu und Cedric Meissner profitieren können. Ein Lichtblick sei Samuel Arpas gewesen, der das Team zur Rückrunde verstärkt und eine Bilanz von 3:7 erspielt hat. „Wir sind davon überzeugt, dass er uns noch viel Freude bereiten wird“, meint Barrois. Das Ziel für die nächste Saison wird wieder der Klassenerhalt sein.

In Velbert blickt Harald Ricken auf eine für ihn positive Saison zurück: „Wesentlich zum Klassenerhalt beigetragen hat Wim Verdonschot, der sich zu einem starken Spieler im oberen Paarkreuz entwickelt hat.“ Ebenfalls positive Bilanzen hätten Xuansong Yuan und Anton Limonov erspielt. In der kommenden Saison gibt es eine Neuigkeit zu vermelden: „Erstmals zur neuen Saison wird mit Teo Yordanov ein Trainer verpflichtet“, teilt Ricken mit. Man möchte junge und talentierte Spieler weiterentwickeln, ein Selbstläufer sei der Klassenerhalt aber nicht.

Bertelsmeier verabschiedet sich in die TTBL

Großen Fokus auf die Jugend legt auch der 1. FC Köln. Nachdem sich der zwischenzeitlich infrage kommende Aufstieg in die TTBL nicht materialisiert hatte, musste man mit Tobias Hippler und Andre Bertelsmeier zwar zwei vielversprechende Talente ins Oberhaus ziehen lassen, mit Mike Hollo steht aber bereits ein entwicklungsfähiger Nachwuchsspieler in den Startlöchern – der deutsche U15-Meister von 2018 kommt aus der 3. Bundesliga Süd von der DJK-SpVgg Effeltrich. Nachdem auch Florian Cnudde nicht mehr für die Geißböcke aufschlagen wird, wechselt Florian Bluhm in die Domstadt. Auch einen weiteren Spitzenspieler wird es noch geben, das steht laut Abteilungsleiter und Spielertrainer Gianluca Walther bereits fest. Er blickt auf eine turbulente Saison zurück: „Es war eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen.“ Im November residierte der FC sogar auf dem ersten Platz. „Aber es ist uns in umkämpften Partien oft nicht gelungen, die Spiele für uns zu entscheiden“, so Walther. Viermal musste die Mannschaft ohne Andre Bertelsmeier ran, viermal hatte man dann eine Niederlage zu verzeichnen. Der deutsche Nachwuchsstar avancierte in Köln zum Topspieler, wurde mit einer Bilanz von 24:3 bester Spieler der Liga. Da ist es kaum verwunderlich, dass er in der kommenden Saison in der TTBL aufschlagen wird, nämlich beim TSV Bad Königshofen. „Unser Weg ist es, junge Spieler weiterzuentwickeln und wenn wir dann auch noch die Gelegenheit haben, das hoffnungsvollste deutsche Talent zu fördern, wollten wir dies eben kompromisslos durchziehen“, erklärt Walther. Die Entwicklung von Bertelsmeier führte auch dazu, dass der FC aus internationalen Gründen auf den Youngster verzichten musste. In der kommenden Saison bleibt Walther weiterhin als Spieletrainer, auch der 18-jährige Lleyton Ullmann hält der Domstadt die Treue.

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