Sorgte 1999 für eine der positiven Überraschungen: Bastian Steger (Foto: DTTB)
Nächtliche Hotelbesuche zur Weitergabe der Auslosung / Bodenflicken während des Turniers

20 Jahre German Open: Die Anfänge 1999 in Bremen

SH 08.10.2019

Bremen

. 2019 ist das Jubiläumsjahr. Vor 20 Jahren, ebenfalls in Bremen, hat die Erfolgsgeschichte „ITTF World Tour“ in Deutschland ihren Anfang genommen. 1999 waren die ersten „German Open“ in der damaligen Stadthalle Bremen, die heute als ÖVB-Arena firmiert. Auch damals war der Ansturm der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Herren Länder riesig, das Organisationsteam allerdings weniger erfahren als heute, trotz der WM 1989 in Dortmund, der EM 1992 in Stuttgart, trotz Veranstaltungen wie dem European Masters Cup, Ladies Team Cup oder Nations Cup sowie zahlreicher Länderspiele.

 

Zwar gab es die „Internationalen Meisterschaften von Deutschland“, wie sie zuvor hießen, seit der Saison 1924/25, doch „German Open“ unter dem offiziellen Dach des Weltverbands erhöhten die Aufmerksamkeit und Anforderungen ans Turnier. Rainer Kruschel, der heutige Turnierdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes bei den German Open und 1999 Organisationsleiter der Tischtennis Marketing Gesellschaft erinnert sich: An 20 Tischen habe man zu Turnierbeginn in der Haupthalle der Stadthalle gespielt (Heute sind es im Maximum vier, und die Vorrunden finden in der Nebenhalle statt). Bis halb eins in der Nacht dauerten die Wettkämpfe am ersten Tag. Danach folgte die Auslosung, die bis halb zwei ging. „Wir hatten die Spieler damals noch in weiter entfernten Hotels untergebracht“, erklärt Kruschel.

In Laufentfernung gab es zu der Zeit noch nicht ausreichend Hotels auf dem vorgeschriebenen Vier-Sterne-Standard. So fuhren zwei bis drei Busshuttles die Strecken zwischen Hotels und Halle ab. Weil das Internet noch wenig genutzt wurde, waren die Nationen auf die Papierausdrucke angewiesen, die der Fahrdienst in der Nacht auf die Hotels verteilen musste. „Die Spieler mussten schließlich wissen, gegen wen sie wann am nächsten Morgen spielen mussten“, so Kruschel. Um die Aktiven und Trainer nach der nächtlichen Auslosung nicht aufzuwecken, schoben freiwillige Helfer und Turnierorganisatoren die Ansetzungen oder Abreisetermine für den kommenden Tag in den Hotels unter den Türen der jeweiligen Zimmer durch. So waren die Teilnehmer nach dem Aufstehen direkt informiert.

Übergang von der Ära Roßkopf zur Ära Boll / Steger sorgte für positive Überraschung

Auch der Bremer Tobias Kück, einer der Volunteers der ersten Stunde und auch 2019 im Einsatz, hat die Zeit vor 20 Jahren in guter Erinnerung. „Wir waren mit zehn Fahrern mit Bussen und PKWs damals fast rund um die Uhr im Einsatz. Es war immer etwas los. Heute können fast alle zur Halle laufen. Da ist die Arbeit schon fast zu ruhig für uns.“

Sportlich dauerte die Ära Jörg Roßkopf zu der Zeit noch an, der damals 18-jährige, aufstrebende Timo Boll unterlag in der Stadthalle Rumäniens Adrian Crisan. Für die positive Überraschung sorgte Bolls gleichaltriger ehemaliger Jugend-Nationalteamkollege und später langjährige Werderaner Bastian Steger, der in Runde eins den favorisierten Niederländer Danny Heister besiegte und im Anschluss Österreichs späteren Weltmeister Werner Schlager auf Trab hielt. Mit dem Ausgang des Turniers hatten die Deutschen allerdings nichts zu tun. Chinas Verbandspräsident und langjähriger Generalcheftrainer Liu Guoliang gewann das Herren-Einzel, seine Nationalteamkollegin Wang Nan, die Dominatorin ihrer Zeit, die Damen-Konkurrenz.

Roter Boden war nur angemalt

Bei der WM 1989 in Dortmund war der rote Boden noch nicht der heutige Taraflex-Spezialboden, sondern rot angemaltes Holz. Die Farbe war ein später weltweit übernommener Standard, den die Deutschen bei den Weltmeisterschaften 1989 in Dortmund gesetzt hatten. Intensive Versuchsreihen im Vorfeld der Heim-WM auch in Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen attestierten der Kombination aus weißem Ball, grünem (heute blauem) Tisch und rotem Boden die beste Sichtbarkeit für den Zuschauer.

1999 in Bremen war der Sportspezialboden schon eingeführt. Der hielt auch, die Unterkonstruktion jedoch an einer Stelle nicht. „Da mussten wir im laufenden Wettbewerb Teile des roten Bodens entfernen, die gebrochene Holzunterkonstruktion per Akku-Schrauber mit dem Hallenboden fixieren und darauf wieder den roten Boden auslegen“, erzählt Rainer Kruschel. Es wurde viel probiert vor allem in den ersten Jahren, und bis heute wird von Turnier zu Turnier versucht zu optimieren.

Weil der Sportboden teuer war, legte man ihn 1999 übrigens noch nicht in den Randbereichen des Innenraums aus. Damit die Optik stimmte, ließ das Team der Stadthalle den Holzboden passend rot anmalen. Überhaupt lieferten die damaligen Bremer Event-Macher um Claus Kleyboldt, Peter Rengel und Andreas Adolph über die Jahre immer wieder Ideen, die die Organisation von Tischtennis-Großveranstaltungen voranbrachten. Das Konzept, nicht nur aus einem einzelnen Großverein Volunteers für ein einziges Event zu akquirieren, sondern nach und nach eine immer größere Datenbank mit heute bundesweit aktiven freiwilligen Helfer aufzubauen, entstand in Bremen. „Es war schon immer ein sehr kreatives Hallen-Team hier vor Ort, das im Anschluss an eine Veranstaltung Verbesserungsvorschläge machte, egal ob zur Präsentation oder organisatorischen Abläufen“, sagt Britta Gerlach, die Geschäftsführerin TMG, die damals wie heute die Federführung bei der Organisation von Großveranstaltungen in Deutschland hat.

German Open in Bremen: „Best World Tour Event“ in 2015 und 2018

Der Standard in Deutschland ist heute hoch. So räumen die Macher mit den German Open regelmäßig die ITTF-Trophäe „Best World Tour Event“ ab. Für Bremen 2015 und 2018, für Berlin 2013 und Magdeburg 2017. Neben den Zuschauerzahlen fallen Aspekte wie Spielbedingungen, Halle, Hotels, Essen, Transportservice oder auch die Kommunikation im Vorfeld ins Gewicht. „Die Auszeichnung für eine gelungene Turnierorganisation bei German Open ist auch ein Lob an das gesamte Orga-Team aus DTTB, dem jeweiligen Mitgliedsverband und der TMG“, so Gerlach. „Unser großer Dank gilt auch den jeweiligen Städten, den Hallenbetreibern und allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die uns Jahr für Jahr großartig unterstützen. Die vielfältige und langjährige Erfahrung aller Beteiligten erleichtert unsere Arbeit enorm.“

Auch das Team der ÖVB-Arena ist sehr stolz über die internationale Wertschätzung. "Diese Auszeichnungen waren für uns natürlich eine besondere Ehre, aber so oder so sind wir seit 20 Jahren mit Herzblut dabei und freuen uns jedes Mal aufs Neue auf die Spieler, Veranstalter und Fans", sagt Andreas Adolph, der heute der Leiter der ÖVB-Arena ist.

19 German Open, acht Mal in Bremen

Im Jahr nach dem Debüt des Turniers hat Deutschland übrigens mit German Open pausiert. Die Europameisterschaften – ebenfalls in Bremen – waren das Turnier-Highlight im Jahr 2000. Auch dafür konnte das Orga-Team die Erfahrungen aus dem Vorjahr bestens nutzen. Seitdem haben German Open jährlich stattgefunden, Heim-WMs 2006, 2012 und 2017 oder –EM 2009 zum Trotz.

Die German Open 2019 enden am 13. Oktober. Die German Open 1999 haben am 14. Oktober begonnen. Es ist in diesem Jahr die 19. Auflage der deutschen Station der World Tour, die achte in Bremen – und bestimmt nicht die letzte.

 

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