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Pretty in pink: Bernadette Szocs machte den Farbtest auf internationaler Bühne bei T2 schon 2019 (Foto: T2)
ITTF-Material-Chefin Claudia Herweg erklärt, wie aufwendig der Weg zu den neuen Belagfarben war

Ab Oktober wird’s bunt

SH 05.02.2021

Köln/Singapur. „Als wir die Reaktionen auf das Thema in den sozialen Medien analysierten, war die Stimmung gemischt: Ein Drittel freute sich sehr, ein Drittel war total dagegen - und dem Rest war es einfach egal“, sagt Claudia Herweg, Head of Equipment des Weltverbands, auf ittf.com über die unterschiedlichen Meinungen über die neuen Belagfarben, die ab Oktober dieses Jahres zugelassen sind.

In einem Video erklärt die Material-Expertin, die mit ihrem Team in Köln arbeitet, wie die Farbauswahl und -tests im Vorfeld stattgefunden haben. Schließlich mussten die neuen, den Herstellern vorgegebenen Farbbereiche zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen sich von den Farben der Bälle und der schwarzen Belagseite deutlich abheben, denn diese bleiben auch in Zukunft gleich. „Die Farbauswahl mag trivial klingen, ist aber eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die Palette der Farben und ihrer Abstufungen ist riesig“, so Herweg.

AGM gab den Startschuss für neue Farben 2019

Beim Annual General Meeting 2019, der Mitgliederversammlung der ITTF, hatten über 75 Prozent der Delegierten aus aller Welt den Antrag aus Hongkong und des Equipment Komitee auf eine Ausweitung der Farben von Belägen gestimmt. Claudia Herweg nennt dies in ihrem Beitrag auf der ITTF-Website „nicht nur eine überraschend große Mehrheit für neue Belagfarben, sondern auch ein klares Statement für mehr Vielfalt hier“.

Im ersten Schritt wählten die Material-Experten einen standardisierten Farbraum nach CIELab aus, einem Modell, das die wahrnehmbaren Farben in einem dreidimensionalen Raum definiert. Aus diesem riesigen Satz von Farben und deren Schattierungen konnten Herweg und ihre Mitarbeiter schnell die Töne aussortieren, die wegen der schwarzen Belagrückseite und der Ballfarben leicht auszuschließen waren. Von den in Frage kommenden Farbtönen ließ das Team je drei Farbvarianten herstellen, die zwei spielstarke Akteure in der Praxis am Tisch testeten – bei natürlichem Tageslicht und auf einem Profi-Court ohne äußeren Lichteinfall. „Außerdem haben wir auch die Profis beim T2-Einladungsturnier in Singapur 2019 um ihre Rückmeldung gebeten“, beschreibt Claudia Herweg. Gelb etwa flog danach raus aus der Farbpalette. Insgesamt sei die Resonanz bei den Assen positiv gewesen, von Dimitrij Ovtcharov bis Jeoung Youngsik aus Südkorea. Rumäniens Topspielerin Bernadette Szocs testete beim T2-Event in Malaysia den pinkfarbenen Belag auf der Rückhand sogar unter Wettkampfbedingungen. Vor allem die Rückmeldung der Profis war wichtig für das Team Herwegs. „Gerade Spitzensportler reagieren sehr sensibel auf Veränderungen im Material. Da sind Details oft sehr wichtig.“

Ab Oktober neu: Pink, Violett, Grün und Blau

Nach den Rückmeldungen der Stars definierten die Kölner vier weitere Farben für den Markt: Pink, Violett, Grün und Blau sowie die erlaubten Schattierungen, in denen die Hersteller nun neue Produkte entwickeln dürfen. „Wir wollten vorsichtig beginnen, denn wir können ja zu einem späteren Zeitpunkt neue Farbtöne hinzufügen“, erklärt Herweg. Ab dem 1. Oktober sind zunächst die vier genannten Hauptfarben neben dem klassischen Rot und Schwarz auf dem Markt.

„Tischtennis ist bunt und eine so vielfältige Sportart. Ich glaube, dass es vielen Spielerinnen und Spielern wichtig ist, ihr Material individuell zu gestalten. Die neuen Farben bei den Belägen bieten eine weitere Möglichkeit dazu“, sagt Claudia Herweg, und sie vergisst auch das kritisch eingestellte Drittel der User aus der Social-Media-Analyse nicht: „Für alle, die Zweifel haben, muss sich nichts ändern. Wer die klassische Kombination bevorzugt, bleibt einfach bei Rot und Schwarz.“

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