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Oldies, but Goldies: Bastian Steger freut sich in Rio mit Timo Boll über Bronze - und heute über seinen 40. Geburtstag.
Interview mit Bastian Steger: "Olympia war das absolute Highlight meiner Karriere"

Bastian Steger ist 40: "Noch das eine oder andere Jährchen dranhängen"

MS 19.03.2021

Frankfurt am Main. Im März 2021 feiern gleich zwei Akteure, die mehr als zwei Jahrzehnte das deutsche Tischtennis bestimmt und mitbestimmt haben, einen besonderen Geburtstag. Nach Timo Boll am 8. März wird heute auch dessen langjähriger Nationalmannschaftskollege Bastian 'Basti' Steger 40 Jahre alt. Oder eher jung? Im Interview mit tischtennis.de klärt der zusammen mit seiner Frau Natalia in Düsseldorf lebende gebürtige Oberpfälzer und vielfache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften nicht nur diese Frage auf.

Basti Steger – herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag: 40 Jahre alt oder jung?

Steger: „Nun, vom Papier müsste ich jetzt wohl eher sagen: eher alt – zumindest fürs Tischtennis. Von meinem Gefühl her sage: Noch nicht ganz so alt. Oder eigentlich sogar noch einigermaßen jung. Ja, das trifft es wohl am besten.“

Das Aufstehen ist Ihnen also heute nicht schwerer gefallen als mit 39?
Steger: „Nein, das Aufstehen ist mir nicht wirklich schwerer gefallen als gestern. Und ich hoffe, das wird auch noch eine Weile so bleiben.“

Zwickt es denn noch wirklich so gar nicht im Vergleich zum jungen Basti?
Steger: „Glücklicherweise nicht. Bis zum heutigen Tag bin ich bin in meiner Karriere ziemlich gut durchs Leben gekommen, auch was Verletzungen angeht. Von dieser Seite kann ich mich überhaupt nicht beschweren. Und im Tischtennis macht mir immer noch Riesenspaß ins Rennen zu gehen. Ich bin sehr dankbar, dass es bisher keine körperlichen Probleme gab.“

Timo Boll, der 11 Tage älter ist als Sie, wird wohl noch eine Zeit dranhängen. Auch Sie nehmen es mit 40 noch mit jedem in der Welt auf. Wie lange werden die Fans denn Basti Steger noch erleben dürfen?
Steger: „Ich hoffe natürlich, dass es noch ein paar Jährchen weitergeht! Zunächst einmal läuft mein Vertrag in Bad Königshofen ja noch zwei Jahre. Ich muss sagen, dort gefällt mir es ausgesprochen gut und es macht richtig viel Spaß. Danach werde ich hoffentlich noch das eine andere Jährchen dranhängen. Ich denke, wenn mein Körper mitspielt, dann ist das problemlos möglich. Ich bin da ziemlich optimistisch. Aber man weiß natürlich nie, was in Zukunft kommt.“

"Meine Gegner müssen sich weiterhin warm anziehen"

Mit zunehmendem Alter lassen Schnelligkeit, Reaktionsvermögen und Belastbarkeit bei Menschen nach. Sie als Leistungssportler benötigen all dies jeden Tag auf extrem hohen Niveau. Spüren Sie schon eine Veränderung? Wir verraten es auch nicht weiter…
Steger: „Nein, eigentlich merke ich bisher überhaupt keinen Unterschied zu früher. Allenfalls bei der Regeneration. Da gönnt man sich vielleicht auch einmal nach einem besonders harten Spiel oder Turnier mal einen Tag länger Pause, aber das ist ja kein Problem. Aber natürlich braucht man auch Glück. Einfach deshalb, weil ja die Dauerbelastung seit vielen, vielen Jahren da ist. Aber ich denke schon, dass ich da irgendwo einen ganz guten Körper habe, außerdem ist meine Spielweise relativ ökonomisch. Meine Gegner müssen sich also weiterhin warm anziehen: Ich fühle mich immer noch sehr gut!“

Gerade ist das Turniersystem im Umbruch. WTT hat die World Tour ersetzt. Sie hatten ursprünglich beim Middle East Hub in Katar starten wollen, sich dann aber anders entschieden.
Steger: „Durch die neuen WTT-Bestimmungen hätte ich nur ein Turnier spielen dürfen. Der Aufwand für eine maximal relativ geringfügige Verbesserung in der Weltrangliste wäre sehr hoch gewesen. WTT ist vor allem auf die besten Spieler abgestimmt. Ich muss mir da schon gut überlegen, ob und wo sich ein Start für mich lohnt. Mal schauen, wie sich das entwickelt.“

Falls das Karriereende doch noch irgendwann kommt: Wird es danach den Trainer Steger geben?
Steger: „Gute Frage. Was im Anschluss an die Karriere kommt, weiß ich selbst noch nicht so genau. Ein Einstieg als Trainer wäre natürlich durchaus eine Option. Ich habe die A-Lizenz vor ein paar Jahren zusammen mit Lars Hielscher gemacht. Zumindest ist damit die Basis gelegt, irgendwann auch als Trainer einsteigen zu können. Allerdings ist dieses Thema für mich momentan doch noch ein bisschen zu weit weg. Erst einmal hoffe ich auf ein paar weitere Jährchen als Spieler und anschließend werden wir mal schauen, was kommt. Also: Bisher habe ich wirklich noch keine konkreten Pläne.“

"Ich bin ein wunschlos glücklicher Mensch"

Zurück zum 40-sten: Zu nullen, das wäre vor Corona eine Riesenfete gewesen. Wieviel Personen haben das Glück, heute persönlich und nicht nur virtuell mit Ihnen anzustoßen – oder wird nur trainiert?
Steger: „Das wird keine große Feier heute werden. Wir werden uns irgendwas Gutes zum Essen holen und dann werde ich den Tag zu zweit mit meiner Frau Natalia genießen. Wäre nicht Corona, hätte ich wahrscheinlich schon ein paar Leute eingeladen, wir wären irgendwo in Düsseldorf essen gegangen und hätten zusammen angestoßen. Aber das ist momentan alles ein bisschen schwierig. Vielleicht holen wir das irgendwann nach, aber heute wird es erst einmal ein ganz ruhiger Geburtstag.“

Seit eineinhalb Jahren sind Sie unter der Haube. Sind denn mit 40 jetzt Mini-Bastis in Planung, die irgendwann die Rückhand noch perfekter schwingen als der Papa?
Steger (lacht): „Mini-Bastis, da müssen wir mal abwarten, was daraus wird. Wir lassen uns alle mal überraschen, würde ich sagen. Und falls Nachwuchs kommt, schauen wir mal, wie das dann mit der Rückhand wird. Das wird sich dann alles zeigen.“

Zweimal Bronze bei Olympischen Spielen, dreimal Silber und einmal Bronze bei Weltmeisterschaften, viermal Europameister, im Einzel zweimal EM-Bronze und zweimal Deutscher Meister. Welches waren die allerschönsten Momente Ihrer Karriere?
Steger: „Der Medaillengewinn bei Olympia mit der Mannschaft ist natürlich ganz klar vorne, über die Bronzemedaille geht nichts! Das ist mein Highlight und auch durch nichts anderes zu toppen. Dass es sogar gleich zweimal mit der Medaille geklappt hat, ist einfach sensationell. Da leuchten einem auf dem Siegerpodest natürlich ganz weit die Augen! Es war schon in jungen Jahren immer mein großes Ziel, bei Olympia mitzuspielen und eine Medaille zu gewinnen. Dass ich dies dann auch wirklich erreichen konnte, ist fantastisch.“

Haben Sie einen besonderen Wunsch heute zum 40. Geburtstag?
Steger: „Eigentlich bin ich ja ein wunschlos glücklicher Mensch. Ich bin sehr zufrieden und dankbar für alles in meinem Leben, ich kann da wirklich nicht meckern. Mein einziger Wunsch ist es, gesund zu bleiben. Wie extrem viel wert Gesundheit ist, wird einem in diesen Zeiten noch einmal viel bewusster als es eigentlich immer schon war!“

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