Die US-Amerikanerin Zhang Lily spielte zum zweiten Mal im Bingener Dress und war nicht weit von einem Sieg gegen Petrissa Solja entfernt (Bild: Dr. Stephan Roscher).
Play-offs für Busenbach und Böblingen in weiter Ferne

Berlin baut Tabellenführung aus, Anröchte im Süden erfolgreich, prickelndes Remis in Langstadt

Dr. Stephan Roscher 28.01.2019

Ein interessantes Bundesliga-Wochenende liegt hinter uns. Zwei Partien endeten mit klaren Ergebnissen, zwei gingen über die volle Distanz. Der ttc berlin eastside ließ im Topspiel in Bad Driburg nichts anbrennen und sprintet mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung Halbfinals. Nach einer erfolgreichen Tour in südliche Gefilde sprang der TTK Anröchte auf den dritten Tabellenplatz und hat die Play-offs so gut wie eingetütet. Einen richtigen Thriller erlebten die Fans in Langstadt, wo sich der Gastgeber und Bingen 220 Minuten im „Derby“ duellierten und am Ende beide mit der Punkteteilung zufrieden waren.

 

TV Busenbach – TTK Anröchte 4:6

Drei Stunden stemmten sich die Spielerinnen des TV Busenbach, die in den Einzeln auf die verletzte Tanja Krämer verzichten mussten, mit aller Kraft gegen die drohende Niederlage – doch am Ende standen die Badenerinnen mit leeren Händen da.

Der 6:4-Auswärtssieg des TTK Anröchte, dem man tags darauf ein 6:2 in Böblingen folgen ließ, bedeutet, wenn man sich ganz nüchtern die Tabelle anschaut, dass die Ostwestfälinnen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die Play-offs erreichen werden, während der TVB damit kalkulieren muss, diese Saison nicht dabei zu sein.

Da im Doppel, das der Gastgeber noch erfolgreich über die Bühne brachte, bei Krämer die alte Wadenverletzung wieder aufbrach, mussten alle drei Busenbacher Youngster in den Einzeln ran. Und verkauften sich teuer gegen die routinierten Gäste-Spielerinnen. Doch es fehlte eben jener berühmte Tick, den es braucht, wenn man solche Partien erfolgreich nach Hause bringen will. Die 19-jährige Belgierin Lisa Lung hinterließ einen sehr starken Eindruck und besiegte Jang Henrich wie auch Jing Tian-Zörner. Doch die jeweils noch drei Jahre jüngeren deutschen Top-Talente des TVB, Anastasia Bondareva und Franziska Schreiner, konnten es ihrer Teamkollegin nicht gleichtun, gewannen gegen ihre routinierten Gegnerinnen zwar einige Sätze, konnten aber nicht punkten. Aufgrund der geschlosseneren Mannschaftsleistung war der Sieg des TTK letztlich verdient, bei dem sich alle Spielerinnen in die Siegerliste eintragen konnten.

„Dieses Jahr haben wir die Pest am Schuh!“, so das ernüchterte Fazit von Busenbachs Frontfrau Jessica Göbel. „Im Doppel brach bei Tanja die alte Wadenverletzung auf, so dass wir erneut ohne unsere eins ins Rennen gingen. Hervorzuheben ist die Leistung von Lisa Lung, die in beiden engen Einzeln am Ende jeweils die Nerven behielt und die Partien für sich entscheiden konnte. Unsere restlichen Jungen zahlten heute Lehrgeld, was aber nach einem intensiven Lehrgang sicherlich nicht ganz überraschend kam. Alles in allem ist ohne Tanja nicht mehr drin als maximal ein Unentschieden.“

Höchst zufrieden war dagegen TTK-Chef Manfred Vogel. „Das Spiel war hart umkämpft. Besonders loben möchte ich unser Doppel mit Qi Shi und Yang Henrich.“ Vogels Analyse des Erfolgs: „Im Gegensatz zur vergangenen Saison sind wir in der Lage, unsere Führungen auch nach Hause zu bringen. Und alle Spielerinnen sind bei engen Spielen mutiger geworden und haben Nervenstärke bewiesen.“

 

SV Böblingen – TTK Anröchte 2:6

Es war ein überaus erfolgreicher Trip des TTK Anröchte in den Südwesten und Süden der Republik. In Böblingen ließ man am Sonntagvormittag nichts anbrennen und siegte deutlich mit 6:2 zur Überraschung der Böblinger Fans, die mehrheitlich von einem Schlagabtausch auf Augenhöhe ausgegangen waren. Anröchte ließ das nicht zu und gestattete nur Qianhong Gotsch die üblichen beiden Einzel-Erfolge – 3:1 gegen Aimei Wang und 3:0 gegen Shi Qi, wobei das Defensivduell gegen Anröchtes Nummer zwei zumindest zwei Sätze lang heftig umkämpft war (13:11, 12:10, 11:5). Der Sieg gegen Shi, mit der Gotsch kurzen Prozess machte, war im Übrigen der 600. Bundesligasieg der Böblinger Ausnahmespielerin (Einzelbilanz aktuell 18:0).

Ein besseres Ergebnis für die Schwäbinnen verpassten das Doppel Kaim/Kraft, die Wang/Golota hauchdünn unterlagen, sowie Theresa Kraft im Einzel, die mit 9:11 im Entscheidungsdurchgang gegen Yang Henrich den Kürzeren zog.

Anröchte sprang durch die optimale Ausbeute von 4:0 Punkten am Wochenende mit nunmehr 11:7 Zählern auf den dritten Tabellenplatz. Dort fühlt man sich pudelwohl und möchte so schnell nicht mehr weg. „Wir freuen uns natürlich sehr“, so Anröchtes Vorsitzender Manfred Vogel. „Die Tabelle sollten wir uns einrahmen lassen.“

Doch auch aus Böblingen gab es, trotz der bisher höchsten Saisonniederlage, positive Worte. „Zuerst haben wir die Doppel-Aufstellung nicht optimal getroffen. Dann verliert Theresa im Doppel und Einzel mit 9:11 im fünften Satz. Wenn diese beiden Partien kommen, sind wir nicht so weit weg. Doch der Konjunktiv hilft uns nicht weiter“, so SVB-Coach Volker Ziegler, der bei sein Saisondebüt am Rande der Bande gab. “Ich bin trotz der Niederlage sehr zufrieden, wie die Mannschaft sich präsentiert hat. Trotz der vielen Misserfolge ist der Kampfgeist im Team ungebrochen“, fügte Ziegler hinzu.

 

TuS Bad Driburg – ttc berlin eastside 2:6

Vielleicht war Berlins Champions-League-Niederlage vom Freitag (1:3 in Hodonin) besonderes Pech für den TuS Bad Driburg. Der Spitzenreiter tat nämlich beim Spitzenspiel genau das, was ihm zwei Tage zuvor in Tschechien misslungen war, nämlich hoch fokussiert aufzutreten und seine Chancen kompromisslos zu nutzen. Ohne es beim Namen zu nennen, schien sich die eastside-Spielerinnen selbst demonstrieren zu wollen, dass sie es besser können, als zuletzt in der Königsklasse gezeigt.

Durch den klaren Erfolg in Ostwestfalen liegt der Hauptstadtklub nun bereits fünf Minuspunkte vor der Konkurrenz – die direkte Halbfinal-Qualifikation wird immer konkreter.

Georgina Pota pausierte diesmal, dafür waren – im Vergleich zu Hodonin – Matilda Ekholm und Kathrin Mühlbach im Aufgebot. Hatte sich nach den Doppeln noch mancher der 180 Driburger Fans Hoffnungen auf einen Überraschungscoup gemacht – Eerland/de Nutte hatten die Gästeführung durch ein klares 3:0 über Ekholm/Mühlbach egalisiert –, zeigte sich in den Einzeln rasch, wer das Sagen hatte. Nina Mittelham (3:1 gegen Britt Eerland) und Shan Xiaona (3:0 gegen Sarah de Nutte) brachten eastside mit 3:1 in Front. Bad Driburg kam nochmals zurück durch Nadine Bollmeier, die Mühlbach mit 3:1 bezwang. Doch danach zog der Favorit flott auf 5:1 davon – Ekholm hatte mit der 15-jährigen Sophia Klee ebenso wenig Probleme wie Shan mit Eerland, die heute enttäuschte. Nina Mittelham setzte nach zwei Stunden und 20 Minuten den Schlussakkord gegen Sarah de Nutte.

Berlins Manager Andreas Hain war zufrieden: „So muss man in der Bundesliga als Spitzenreiter auftreten. Heute haben wir vom ersten Ball an deutlich gemacht, dass wir nichts zu verschenken haben. Nun gilt es, so schnell wie möglich die direkte Qualifikation für die Play-off-Halbfinals einzutüten.“

Auch Bad Driburgs Manager Franz-Josef Lingens betonte das Positive: „Vor 180 begeisterten Zuschauern ein tolles Spiel und beste Werbung für unseren Sport. Berlin war erwartungsgemäß von Position eins bis drei eine Klasse für sich. Wir haben aber gut mitgespielt und ich bin rundum zufrieden mit der Veranstaltung.“ In den nächsten Wochen werde es nochmals richtig ernst: „Jetzt kommen für uns noch vier schwere und wichtige Spiele, wo wir einen Spitzenplatz verteidigen wollen.“

 

TSV 1909 Langstadt – TTG Bingen/Münster-Sarmsheim 5:5

„Das war eine Werbung für die Damen-Bundesliga, ein letztlich gerechtes Unentschieden vor einer begeisterungsfähigen Kulisse“, so das Fazit von Bingens Vorsitzendem Joachim Lautebach nach fesselnden 220 Minuten in der Eckehard-Colmar-Halle. Von Langstädter Seite mochte ihm keiner widersprechen.

Zwar waren aufgrund verschiedener lokaler Ereignisse – unter anderem der 80. Geburtstag des Ex-Pfarrers mit großer Einladung – diesmal „nur“ 220 Fans erschienen, doch die bekamen das volle Programm geboten nebst einer Spannung, wie sie gewiss kein „Tatort“ im TV toppen kann.

Von der Aufstellung her war der Gast aus Rheinhessen im Vorteil, hatte er doch zum zweiten Mal in dieser Saison die US-Amerikanerin Zhang Lily als Nummer eins aufgeboten. Langstadt musste dagegen auf seine Nummer zwei verzichten – die Taiwanerin Cheng Hsien-Tzu musste in ihrer Heimat ein Ausscheidungsturnier für die WM spielen. Andererseits waren sowohl Zhang als auch Yuan Wan von fiebrigen Erkältungen geplagt, weshalb man sich entschied, Wan nur im Doppel einzusetzen. Eine Rechnung, die aufging, da das Bingener Topdoppel Mantz/Wan gegen Solja/Lemmer nichts anbrennen ließ.

Im Hinspiel hatte Langstadt mit beiden Assen gespielt und Bingen ohne Zhang – doch am Ende war das Ergebnis dasselbe, nicht zuletzt, weil Janina Kämmerer am Sonntag einen Traumtag erwischt hatte und beide Einzel sowie ihr Doppel an der Seite von Monika Pietkiewicz gewann. Neben spielerischer Klasse zeigte die 20-jährige Tochter des Sportlichen TSV-Leiters Nerven wie Drahtseile, gelang es ihr doch, Marie Migot als auch am Ende Giorgia Piccolin jeweils im fünften Satz zu besiegen und in den entscheidenden Momenten – nach vorne getrieben von den Fans – noch etwas draufzupacken. Bereits im Doppel hatte Kämmerer es mit ihrer Partnerin voll ausgekostet und mit 11:9 im fünften Durchgang gegen Migot/Piccolin gewonnen. „Ich bin total happy, dass ich heute zwei Einzel und auch noch das Doppel gewonnen habe“, gab eine freudestrahlende Janina Kämmerer nach erfolgreich verrichteter Arbeit zu Protokoll. „Gegen Migot hatte ich bei internationalen Jugendturnieren noch nie eine Chance gehabt.“

Um ein Haar hätte allerdings Petrissa Solja – Einzelbilanz nun 12:2 – ihre Meisterin gefunden. Hätte die Frontfrau des TSV gegen Zhang Lily verloren, wäre es nichts mit dem Punkt geworden. Doch gegen die Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln, gegen die sie beim letzten internationalen Aufeinandertreffen mit 0:3 den Kürzeren gezogen hatte, behielt sie die Nerven und schaukelte das Match knapp mit 3:2 nach Hause. Umso bemerkenswerter, als Zhang mit Soljas Spin und ihren gefährlichen Aufschlägen bestens zurechtkam. „Ich wusste, dass Lily sehr gut ist, schließlich hatte ich zuletzt gegen sie verloren“, so die 24-jährige deutsche Nationalspielerin. „Sie hat meine Bälle stark zurückgebracht und mich voll gefordert. Aber mit einem so tollen Publikum im Rücken gewinnt man dann eben auch so schwierige Spiele.“

Etwas unglücklich agierte Alena Lemmer, die ihr erstes Match gegen Piccolin mit 16:18 im Entscheidungssatz verlor und im zweiten gegen Migot dann völlig einbrach. Dass die für Cheng an Position zwei hochgerückte Monika Pietkiewicz oben einen schweren Stand haben würde und beide Matches - jeweils mit 1:3 Sätzen - verlor, überraschte indes nicht.

„Mit der Aufstellung von Bingen und unserer - ohne Cheng - ist das natürlich ein super Ergebnis für uns“, so das Fazit eines rundum zufriedenen Manfred Kämmerers. „Natürlich hätte Alena auch noch ein Spiel gewinnen können, aber das Doppel haben wir knapp gewonnen und Peti ihr Einzel ja auch. Also alles gut, ein gerechtes Ergebnis mit tollem Sport heute wieder.“

Der Gastgeber konnte von fünf fünften Sätzen vier nach Hause bringen, hatte also auch deshalb allen Grund zur Zufriedenheit. Dennoch erkannte Joachim Lautebach die Leistung des Gegners neidlos an: „Besonders Janina Kämmerer hatte ich nicht so stark erwartet, sie wurde von den Zuschauern richtg nach vorne getrieben, hat das aber auch super gemacht. Gut gefallen hat mir bei uns Lily Zhang, die um ein Haar Peti Solja geschlagen hätte. Alles in allem geht das Ergebnis in Ordnung.“

Durch das Unentschieden – das fünfte der südhessischen Remis-Königinnen in der laufenden Saison – bleibt Langstadt mit ausgeglichenem Punktekonto (9:9) auf Platz sechs der Tabelle, hat allerdings bei sechs Punkten Vorsprung auf den Siebten Busenbach die Play-off-Teilnahme bereits so gut wie in der Tasche. Bingen/Münster-Sarmsheim steht mit einem Zähler mehr (10:8) aktuell auf Rang vier und kann am kommenden Sonntag vor heimischer Kulisse gegen Busenbach das Play-off-Ticket ganz offiziell lösen.

 

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