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Gutes Erstliga-Debüt: Laura Kaim (Bild: Erik Thomas).
SV DJK Kolbermoor - ttc berlin eastside 3:5 / TSV Langstadt - TSV Schwabhausen 4:4

Berlin schiebt sich auf Platz 2 vor, Langstadt tritt auf der Stelle

Dr. Stephan Roscher 14.02.2021

Kolbermoor. Der ttc berlin eastside hat das Spitzenspiel beim mit drei Nachwuchsspielerinnen aus der Zweitligamannschaft angetretenen SV DJK Kolbermoor mit 5:3 gewonnen. Die Oberbayern, die diverse Stammspielerinnen ersetzen mussten, haben sich hervorragend verkauft. Im Verfolgerduell glückte dem TSV Langstadt der erhoffte Sieg gegen den TSV Schwabhausen nicht. Beide Teams mussten auf ihre Spitzenspielerin verzichten. Am Ende gab es eine gerechte Punkteteilung. Die Sonntagspartie zwischen Schwabhausen und Berlin fiel den frostigen Temperaturen zum Opfer. Die Hallenheizung schaffte die vorgeschriebenen 15 Grad nicht, sodass die Partie nicht ausgetragen werden konnte und die Punkte vermutlich am grünen Tisch an die Berlinerinnen gehen werden.

 

SV DJK Kolbermoor – ttc berlin eastside 3:5 

Mit den in der Zweitligamannschaft gemeldeten Youngstern Naomi Pranjkovic, 16 Jahre jung, Laura Tiefenbrunner, immerhin schon 19, und dem 15-jährigen Nesthäkchen Laura Kaim hatte der Tabellenführer der Not gehorchend eine Teenager-Truppe um die erfahrene Kristin Lang gruppiert. Und die zog sich gegen den in Bestbesetzung angereisten Champions-League-Sieger sehr achtbar aus der Affäre. Kolbermoors Trainer Michael Fuchs erläuterte die Situation, die zu der unerwarteten Aufstellung seines Teams führte: „Auf Svetlana Ganina und Yuan Wan mussten wir sehr kurzfristig krankheitsbedingt leider verzichten. Laura Kaim wusste zum Beispiel am Freitagvormittag, als sie Unterricht hatte, noch nichts von ihrem “Glück”.“ 

Berlin trat mit „voller Kapelle“, also in der Aufstellung Shan-Mittelham-Eerland-Göbel an und ging aufgrund der personellen Konstellation natürlich als glasklarer Favorit an die Tische. Doch die junge Truppe aus Oberbayern hatte nichts zu verlieren und spielte 140 Minuten lang locker und unverkrampft auf. Zudem hatte die routinierte Kristin Lang einen richtig guten Tag erwischt.  

Kristin Lang in Topform, Naomi Pranjkovic mit Sensationssieg 

Gleich zu Beginn setzte Kristin Lang ein Zeichen und besiegte Nina Mittelham in fünf umkämpften Sätzen. Naomi Pranjkovic, die erstmal im oberen Paarkreuz der 1. Bundesliga Damen aufschlug, hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings längst gegen Shan Xiaona die Segel gestrichen, deren virtuoses Penholderspiel gerade für junge Spielerinnen eine schier unüberwindliche Hürde darstellt. Neun Punkte in drei Sätzen, mehr war für die 16-Jährige nicht zu holen. Nach vier umkämpften Durchgängen musste Laura Tiefenbrunner der erfahrenen Jessica Göbel gratulieren, während Erstligadebütantin Laura Kaim gegen Europas Nummer fünf, Britt Eerland, zwar in drei von vier Sätzen ohne Chance blieb, den zweiten Durchgang jedoch für sich verbuchen konnte.  

1:3 nach dem ersten Durchgang, doch dann glänzte erneu Kristin Lang, die gegen Shan Xiaona 2:0 Sätze vorlegte, dann den Ausgleich hinnehmen musste, den fünften Durchgang aber mit 11:6 gewann. Und es folgte der Paukenschlag der gesamten Partie: Naomi Pranjkovic hatte die Schlappe gegen Shan komplett abgeschüttelt und bot gegen eine gewiss hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibende Nina Mittelham ein Klassespiel. 11:4, 11:3, 12:10 hieß es am Ende sensationell für die Jugendnationalspielerin aus Kolbermoor. 

3:3 – sollte da noch mehr gehen? Nein, im hinteren Paarkreuz verkauften sich die Talente des SV DJK zwar teuer, konnten jedoch zwei Niederlagen gegen ihre namhaften Gegnerinnen nicht verhindern. Laura Tiefenbrunner konnte beim 7:11, 13:11, 7:11 und 5:11 gegen Britt Eerland einen Satzgewinn verbuchen, Laura Kaim war dies gegen Jessica Göbel nicht vergönnt, auch wenn sie im zweiten Durchgang ziemlich dicht dran war (8:11, 10:12, 7:11).  

Kolbermoors Trainer hochzufrieden, Berlins Manager freut sich auf das Rückspiel 

„Ein wirklich beherztes und auch überzeugendes Spiel meiner jungen Mannschaft, trotz der knappen Niederlage“, freute sich Michael Fuchs. „Und letztendlich war es aus meiner Sicht sogar etwas unglücklich, dass wir nicht einen oder sogar zwei Punkte geholt haben. Klar kann man den Sieg von Naomi so nicht “einplanen”, umso mehr muss man ihr nach der so klaren Niederlage zuvor gegen Nana Respekt zollen – einmal mehr eine starke Leistung von Naomi.“ Fuchs fuhr fort mit der Einzelkritik: „Kristin wird von Woche zu Woche besser und hat für mich, vor allem im zweiten Spiel, wohl ihre bisher beste Leistung in dieser Saison gezeigt. Aber auch im unteren Paarkreuz hatten wir unsere Chancen. Laura (Tiefenbrunner) hatte im ersten Spiel gegen Jessica Göbel im 3. und 4. Satz Führungen und auch im Spiel gegen Britt Eerland stand es 1:1 und 6:2 – da war definitiv was drin.“  

Auch die Jüngste im Bunde kam an die Reihe: „Bei Laura (Kaim) hat man im Spiel gegen Eerland gute Ansätze gesehen – sie hat sogar einen Satz gewonnen. Aber natürlich hängen für sie die Trauben hier noch sehr hoch, vor allem gegen so Spitzenleute wie Eerland beziehungsweise so erfahrene Spielerinnen wie Jessica Göbel. Mit mehr Spielpraxis auf diesem Niveau wird sich das aber in Zukunft auch ändern, denke ich.“ Auch perspektivisch bot die Partie wichtige Erkenntnisse. „Wir sind sehr froh, dass wir in unserer 2. Mannschaft konkurrenzfähige Spielerinnen, teilweise sogar in Kolbermoor vor Ort, haben, die auch in der 1. Bundesliga einspringen können und, wie man heute gesehen hat, auch dem großen Champions-League-Sieger in guter Aufstellung Paroli bieten können“, betonte Fuchs. „Wir sind sehr stolz auf die ganze Mannschaft und freuen uns auch über die Entwicklungen der Spielerinnen, vor allem wenn man die aktuelle Situation ohne andere Wettkampfpraxis außer in der 1. Bundesliga berücksichtigt.“ 

„Das war erneut kein überzeugender Auftritt unserer Mannschaft“, so eastside-Manager Andreas Hain kurz und bündig. „Letztlich haben wir aber den Tabellenführer geschlagen und beide Punkte eingefahren. Also alles okay so.“ Schon in wenigen Tagen steigt das zweite Aufeinandertreffen der beiden Meisterschaftsfavoriten an ungewohntem Ort: „Wir freuen uns jetzt auf das Rückspiel am kommenden Samstag, das unter dem Motto „Porta Gigantentreffen in Frankfurt“ steht (Sportschule Frankfurt am Main, 14.00 Uhr), und sind gespannt, ob Kolbermoor dann wieder mit allen Stammkräften anreisen wird. Wie nehmen es jedenfalls wie es kommt, wollen erneut gewinnen und Kolbermoor an der Tabellenspitze ablösen.“ 

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TSV Langstadt – TSV Schwabhausen 4:4 

Beim Duell des Tabellenzweiten Langstadt und des Vierten Schwabhausen fehlte bei beiden Teams die Spitzenspielerin. Bei den Südhessinnen fiel Topspielerin Petrissa Solja verletzt aus – man hört, dass ein Bandscheibenvorfall die Weltranglisten-19. zurzeit noch außer Gefecht setzt, die kommende Woche aber wieder vorsichtig ins Training einsteigen möchte. Da aber auch die Oberbayern, die man in der Vorrunde auswärts noch mit 6:2 hatte schlagen können, einen verletzungsbedingten Ausfall zu verkraften hatten – mit Sabine Winter musste die zurzeit erfolgreichste Spielerin der Liga pausieren –, war man vor der Partie im Langstädter Lager optimistisch, zwei Punkte einzufahren.  

Mateja Jeger und Orsolya Feher brillieren in Langstadt 

Allerdings hatte man nicht auf der Rechnung, dass zwei Gästespielerinnen einen richtigen Sahnetag erwischten – die an die Spitzenposition gerückte Kroatin Mateja Jeger (Bilanz vor der Partie 5:9) und die als Nummer drei aufgestellte Ungarin Orsolya Feher (3:5) machten in Langstadt ihre bis dahin wohl besten Saisonspiele. Die erfahrene Tanja Krämer unterlag Jeger mit 1:3, wobei die Sätze eins und vier hauchdünn in der Verlängerung verloren gingen. Die Ägypterin Dina Meshref zog später deutlicher und ohne Satzgewinn den Kürzeren. Gegen Feher blieb zunächst Langstadts Ersatzspielerin Janina Kämmerer ohne Chance, im zweiten Durchgang der Partie musste auch Franziska Schreiner nach einem umkämpften Match gratulieren (14:16, 9:11, 11:6, 9:11).  

Für Langstadt konnte jede der eingesetzten Spielerinnen jeweils einen Matchgewinn verbuchen. Vorne gelang dies zunächst Dina Meshref (3:0) und später auch Tanja Krämer (3:1) gegen Fehers Landsfrau Mercedesz Nagyvaradi, wobei Krämers Match (11:13, 12:10, 11:9, 11:9) mit etwas Pech auch hätte verlorengehen können. Im unteren Paarkreuz hielten sich Franziska Schreiner und Janina Kämmerer standesgemäß an Schwabhausens Ersatzspielerin Sarah Diecke, die etatmäßig im Regionalligateam der Oberbayern auf der Spitzenposition aufschlägt, schadlos. Schreiner siegte haushoch und überließ ihrer Gegnerin im gesamten Match ganze neun Punkte. Kämmerer hatte anfänglich zu kämpfen und verlor den ersten Durchgang knapp, hatte danach aber das Geschehen im Griff (10:12, 11:4, 11:7, 11:5). „Gegen Feher hatte ich wenige Chancen, sie hat so viel Druck gemacht, da war es sehr schwer, eigene Akzente zu setzen“, räumte Kämmerer nach der Begegnung ein. „Ich bin froh, dass ich mit meinem Sieg wenigstens das Unentschieden noch gesichert habe.“  

Beide Klubs mit Punkteteilung zufrieden 

Ihr Vater Manfred, Sportlicher Leiter des TSV, erkannte die starke Leistung Schwabhausens an. „Ein gerechtes Ergebnis bei zwei gleichwertigen Mannschaften“, so Kämmerer. „Sowohl gegen Jeger als auch Feher, die deutlich stärker war als in der Vorrunde, war heute kein Kraut gewachsen. Auf jeden Fall haben wir spannende Spiele auf teilweise sehr gutem Niveau erlebt. Wir sind zufrieden, mehr wäre heute auch nicht gerecht gewesen.“ Langstadts Coach Thomas Hauke äußerte sich ähnlich. „Es lief eigentlich komplett anders als erwartet“, konstatierte Hauke. „Der Knackpunkt war, dass wir in den Matches gegen Jeger und Feher einfach keinen Zugriff bekommen haben. Die beiden haben immer noch eine bessere Antwort gefunden und das mussten wir heute akzeptieren.“  

Acht Tage vor dem Topspiel gegen Berlin in der Sportschule Frankfurt am Main war die Performance der Langstädterinnen, die mit nunmehr 10:6 Punkten auf Rang drei abgerutscht sind und den ttc eastside vorbeiziehen lassen mussten, noch nicht in jeder Beziehung mitreißend, was allerdings auch am Gegner lag, der in überzeugender Manier auftrat. 

Dementsprechend war Gästetrainer Alexander Yahmed auch sehr angetan. „Es war ein spannendes Spiel mit einen schönen Ausgang, den wir so nicht erwartet hatten, umso angenehmer war die Heimreise“, sagte Yahmed. „Es wurde einiges umgesetzt, was wir im Training zu ändern versucht haben, das freut mich am meisten und ich bin mit der kompletten Mannschaft zufrieden, denn alle haben gut gespielt.“ 

„Das war ein Spiel der Verletzten“, so Schwabhausens Abteilungsleiter Helmut Pfeil. „Peti, Sabine und Alina waren verletzungsbedingt nicht einsetzbar. So waren beide Mannschaften entscheidend geschwächt. Trotzdem lag die Favoritenrolle bei Langstadt.“ Pfeil fügte hinzu: „Keineswegs enttäuscht haben Mercedesz und Sarah, die erst am Vortag von ihrem Einsatz erfahren hatte, auch wenn sie kein Spiel gewinnen konnten. Sehr konzentrierte und gute Leistungen boten Mateja und Orsolya, die mit ihren Siegen das unerwartete aber letztendlich verdiente Unentschieden sichern konnten.“ Pfeils Fazit: „Dieser Punkt brachte uns den Play-off-Spielen wieder etwas näher.“

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