Das Bundesliga-Debüt der Amerikanerin Zhang Lily verlief mit einem Sieg und einer Niederlage durchaus erfolgreich (Bild: Petra Steyer).
Bingen/Münster-Sarmsheim zeigt keinen Respekt vor dem deutschen Meister

Böblingen trotzt eastside einen Punkt ab, Bingen schlägt Kolbermoor

Dr. Stephan Roscher 29.10.2018

Keiner kann behaupten, dass die Bundesligasaison 2018/19 bis jetzt nicht außerordentlich spannend wäre. Erneut gab es am Sonntag zwei ganz enge Duelle über die volle Distanz mit überraschenden Resultaten. Böblingen düpierte eastside und stibitzte dem hohen Favoriten einen Punkt. Bingen/Münster-Sarmsheim zeigte keinen Respekt vor Meister Kolbermoor und siegte mit 6:4.

 

 

SV Böblingen – ttc berlin eastside 5:5

Dass ausgerechnet die bisher so glücklosen, von Verletzungspech gebeutelten Böblingerinnen der „Übermannschaft“ aus Berlin ein Remis abtrotzen würde, hatten nicht viele auf der Rechnung. Der „Underdog“ war mit der Devise „wir haben keine Chance, aber wir wollen sie nutzen“ ins Match gegangen. Und wie er das tat!

Natürlich war das Management des viermaligen Deutschen Meisters alles andere als begeistert, zumal von den fünf eigenen Punkten drei geschenkt waren – die verletzte Yanhua Yang-Xu gab ihre beiden Einzel sowie das Doppel mit Julia Kaim kampflos ab. Auch Rosalia Stähr, die aufgrund von Problemen mit dem großen Zeh nicht auftreten konnte, war nicht spielfähig. Es schien so leicht zu sein für eastside, doch am Ende konnte nur die am Vorabend in Busenbach noch etwas desolate Nina Mittelham mit zwei Einzelsiegen etwas Zählbares verbuchen.

Auf der anderen Seite muss man die tolle kämpferische Moral der Schwäbinnen anerkennen, die sich den ersten Punktgewinn der Saison redlich verdient hatten und bei denen einmal mehr Qianhong Gotsch überragte, die nicht nur Shan Xiaona sondern sogar Matilda Ekholm im Griff hatte. Julia Kaim blieb es vorbehalten, im Krimi gegen die Inderin Krittwika Roy Sinha (9:11, 9:11, 12:10, 12:10, 11:9) den umjubelten Punkt einzutüten. Bei 0:2-Satzrückstand und 3:7 hatte die 20-jährige Böblingerin bereits wie die sichere Verliererin ausgesehen, biss jedoch auf die Zähne und kämpfte sich Punkt für Punkt heran, um am Ende gefeiert zu werden.

In Böblingen war man verständlicherweise hocherfreut über die Energieleistung des eigenen Quartetts, das ja eigentlich nur ein Trio war. Manager Frank Tartsch unterstrich die Weltklasse-Leistung von Qianhong Gotsch, die gegen Shan und Ekholm Defensiv-Tischtennis vom Feinsten zeigte und in den Einzeln nun schon wieder mit einer 8:0-Bilanz notiert ist: „Heute legte Hongi noch einmal eine Schippe drauf, da das SWR-Fernsehen vor Ort war und eine Reportage über sie anfertigte“, stellte der SVB-Chef augenzwinkernd fest. „Unser Team hat sich heute einmal für seine Mühen belohnt“, ergänzte Tartsch resümierend. „Ich bin froh, dass endlich einmal ein Doppel gewonnen wurde. Qianhong Gotsch und Theresa Kraft haben richtig gut zusammengespielt.“

Berlins Manager Andreas Hain zeigte sich verärgert über die Leistung seines Teams. Sein Kurzkommentar direkt nach der Partie: „Ich bin für heute bedient.“ Etwas moderater formulierte es eastside-Präsident Alexander Teichmann. „Bei allem Respekt vor der Leistung der SV Böblingen - heute haben wir alle zu wenig gebracht“, so Teichmann. „Der Punktverlust war nicht notwendig. Das müssen wir ändern.“

 

TTG Bingen/Münster-Sarmsheim – SV DJK Kolbermoor 6:4

Dass die radikal verjüngte Truppe aus Bingen/Münster-Sarmsheim tatsächlich schon so weit ist, eine Spitzenmannschaft wie Kolbermoor zu schlagen, hatten die meisten Experten wohl auch nicht erwartet. Beim 6:4 gegen den Champion glückte den mit gutem Team-Spirit auftretenden Rheinhessinnen vor gut 160 Fans tatsächlich die „kleine Revanche“ für die verloren gegangene Finalserie der Vorsaison um die Deutsche Meisterschaft. 

Das Debüt der US-Amerikanerin Zhang Lily beim neuen Spitzenreiter, die immerhin Sabine Winter besiegte, zahlte sich auch insofern aus, als dadurch Wan Yuan im hinteren Paarkreuz aufschlagen konnte, wo sie nicht zu bezwingen war. Zudem glückte der TTG etwas gegen Kolbermoor ganz und gar Ungewöhnliches. Man gewann – im Gegensatz zu allen drei Final-Partien im Mai/Juni – endlich einmal ein Doppel gegen die Oberbayern.  

Beim Gast überragte Kristin Lang mit ungefährdeten Siegen gegen Zhang Lily und Chantal Mantz, während Svetlana Ganina nur Doppel spielen konnte. Dazu Trainer Michael Fuchs: „Aufgrund von gesundheitlichen Problemen musste Svetlana leider ihre beiden Einzel abschenken, nachdem sie es im Doppel noch probiert hatte, aber die Probleme dann einfach zu groß wurden und es fahrlässig gewesen wäre, sie weiter spielen zu lassen.“

„Ich bin selbst ein wenig überrascht, wie schnell sich unsere junge Mannschaft gefunden hat und dass sie von Anfang an so gute Ergebnisse erzielen konnte“, sagte ein strahlender TTG-Vorsitzender Joachim Lautebach nach der prickelnden Partie. „Schließlich sind drei neue Spielerinnen dazu gekommen. Aber alle kannten sich untereinander gut von internationalen Turnieren, sind in einer Altersstufe und verstehen sich prächtig. Auch Lily Zhang, die erst am Freitag angekommen ist, war vom ersten Augenblick an voll im Team integriert.“ Lautebach unterstrich die starke Leistung seiner Spielerinnen: „Alle haben super gespielt, auch Chantal, die sich gegen Sabine Winter und die extrem starke Kristin Lang lange gewehrt hat. Ich bin stolz auf die Mannschaft.“

Weniger Anlass zur Freude hatte Michael Fuchs, der die Geschehnisse aber gewohnt sachlich analysierte. „Es war letztendlich das erwartete enge Spiel“, so Kolbermoors Trainer. „Im oberen Paarkreuz ist es so abgelaufen, wie ich vermutet habe, jedoch haben die Damen aus Bingen im unteren Paarkreuz den entscheidenden Ausschlag gegeben.“ Fuchs präzisierte: „Im vorderen Paarkreuz hatten wir den erhofften Vorteil, wobei Kristin wieder mit einer überragenden Leistung sowohl Lily Zhang klar besiegte, als auch in einem umkämpften Spiel eine sehr stark spielende Chantal Mantz schlug. Leider konnte Sabine nach einem Sieg über Chantal gegen Lily Zhang nicht ihr komplettes Potenzial abrufen, wobei die Amerikanerin vermutlich auch die stärkste Spielerin bei den Bingern ist.“ Hinten lief es suboptimal. „Dass Wan Yuan eine der stärkeren Spielerinnen im unteren Paarkreuz darstellt, war uns bewusst. Enttäuschenderweise hatte Katharina aber auch gegen Marie Migot keine wirkliche Chance, so dass die Niederlage im unteren Paarkreuz entschieden wurde.“ Sein Fazit: „Insgesamt sind wir natürlich mit der Niederlage nicht zufrieden und hoffen, dass wir in den nächsten Spielen auch wieder im unteren Paarkreuz die nötigen Siege einfahren können.“

 

Die Ergebnisse und Begegnungen im Detail finden Sie hier.

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