Borussia Düsseldorf dominiert FINAL FOUR nach Belieben

27.12.2009

 

Pokalsieger 2009 Borussia Düsseldorf, v.l. Timo Boll, Seiya Kishikawa, Manager Andreas Preuß, Christian Süß, Trainer Dirk Wagner, Trinko Keen, Physiotherapeut Ole Nauert, Pressesprecher Alexander Schilling.

 

 

 

 

 

Borussia Düsseldorf - TTF LIEBHERR Ochsenhausen 3:0

 

 

 

4.300 Fans sahen in der Westfalenhalle das Duell der "ewigen" Rivalen aus Düsseldorf und Ochsenhausen. Zunächst durften die Oberschwaben ein wenig an einer Sensation riechen, als ein ganz stark aufspielender Tiago Apolonia gegen den Weltranlistenvierzehnten Timo Boll mit 2:1 Sätzen in Führung ging. Doch der Ausnahmekönner aus dem Odenwald legte unter Druck stehend noch einen Zahn zu und entschied das rassige Duell auf Augenhöhe in fünf Sätzen zu seinen Gunsten. Und dann ging plötzlich alles recht zügig über die Bühne, frühzeitig resignierende Ochsenhausener fügten sich in ihr Schicksal. Allerdings spielt man in aller Regel so stark wie es der Gegner zulässt - und hoch konzentrierte, bis in die Haarspitzen motivierte Düsseldorfer ließen rein gar nichts mehr zu und fegten ihre Kontrahenten regelrecht von der Platte. Durfte Chuang Chih-Yuan gegen Christian Süß zwar noch ein wenig mitspielen, wenngleich sein Mienenspiel beim 7:11, 9:11, 7:11 den fehlenden Glauben an die eigene Siegeschance verriet, gönnte der kleingewachsene Japaner Seiya Kishikawa, inzwischen fast unbemerkt auf Rang 30 der Weltrangliste emporgeklettert, seinem Widersacher Adrian Crisan nicht einmal mehr das Mitspielen und machte beim 11:5, 11:5, 11:2 kurzen Prozess mit dem chancenlosen Rumänen.

 

 

 

Die Titelsammler aus dem Rheinland hatten einen weiteren hochkarätigen Siegespokal in der Tasche und feierten diesen Erfolg ausgelassen, aber auch würdevoll, so wie es sich für den "FC Bayern des Tischtennissports" geziemt. Aus den Händen von DTTB-Präsident Thomas Weikert nahmen die Düsseldorfer Gipfelstürmer, die damit ihr sensationelles Halbfinal-Aus von Hannover im Jahr zuvor eindrucksvoll ausgebügelt hatten, den Siegespokal entgegen. Die erste Hürde ist genommen, zwei weitere liegen in dieser Saison noch vor der Borussia, die auch die nationale Meisterschaft sowie die Champions League ganz oben auf dem Siegertreppchen beenden möchte. In der Verfassung von Dortmund ist ihnen beides unbedingt zuzutrauen.

 

 

 

In der ohnehin schon extrem starken und ausgeglichenen DTTL sind die Düsseldorfer das Ausnahmeteam und scheinen kaum schlagbar zu sein. Das bekamen die gegen diesen Gegner leidgeprüften Ochsenhausener am Sonntag einmal mehr zu spüren. Letzte Saison konnten die Rheinländer alle wichtigen Duelle mit den ambitionierten Oberschwaben für sich entscheiden - nur einmal in sechs Partien hatten Chuang & Co. die Nase vorne. Und 2009/10 gab es bisher zwei Aufeinandertreffen, die beide mit 3:0 an das Boll-Team gingen. Ob die Ochsenhausener, immerhin Vizemeister und Vize-Champions-League-Sieger und kürzlich in der Königsklasse gegen die starken Niederösterreicher erfolgreich, ihr "Düsseldorf-Trauma" noch in dieser Saison überwinden können, scheint angesichts der in der Westfalenhalle gezeigten Leistungen fraglich. Immerhin hatten Apolonia und Co. den Zuschauern die interessanteste Begegnung des Endrundenturniers von Dortmund beschert - das 3:2 gegen die von 180 mitgereisten Fans frenetisch unterstützten Maberzeller war das einzige richtig spannende Match des DTTB FINAL FOUR. Doch Borussia Düsseldorf verkörperte - zumindest an diesem nachweihnachtlichen Sonntag - eine Klasse für sich, so dass keiner der Konkurrenten eine echte Chance hatte, diese Mannschaft in ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu zwingen.

 

 

 

 

 

Dirk Wagner (Trainer Düsseldorf): "Das war eine fantastische Mannschaftsleistung. Alle drei Jungs haben absolut überzeugend gespielt. Wir haben uns den Pokal heute wirklich verdient."

 

 

 

 

 

Andreas Preuß (Manager Düsseldorf): „Kishi hat heute zum ersten Mal den Pokal gewonnen und großen Anteil daran. Für diesen jungen Burschen freut es mich besonders. Das ist schon Wahnsinn, dass wir in diesem Jahr drei Titel gewonnen haben. Aber keiner war selbstverständlich. Jeder Sieg musste hart erarbeitet werden, und das ist uns heute nochmals eindrucksvoll geglückt. Ein perfekter Jahresausklang."

 

 


Timo Boll: "Tiago Apolonia war ein ebenbürtiger Gegner. Ich musste eine Schippe drauflegen und deutlich aggresiver spielen, um ihn zu schlagen. Wenn man das Spiel gegen ihn nicht sehr schnell macht, hat man schlechte Karten. Zum Glück ist es mir gelungen, das Tempo zu steigern. Ich fühle mich zurzeit gut in Form und möchte 2010 den Abstand zu den Top-Chinesen weiter verringern.“


Christian Süß: "Wir waren Favorit und wollten unbedingt den Titel gewinnen, nachdem uns das im letzten Jahr leider nicht gelungen war. Daher ist es besonders schön, dass es jetzt geklappt hat."

 

 

 

 

 

Rainer Ihle (Präsident Ochsenhausen): „Wir sind zum dritten Mal an der besten Vereinsmannschaft Europas gescheitert. Das ist nicht tragisch und muss von uns akzeptiert werden. Die Leistung Tiago Apolonias gegen Timo Boll konnte sich sehen lassen. Zwischenzeitlich keimte bei uns Hoffnung auf, diesmal Düsseldorf ein Bein zu stellen. Chuang und Crisan haben dann aber ihren Gegnern zu wenig entgegengesetzt. Überhaupt glaube ich, dass uns ein personeller Umbruch 2010/11 ganz gut täte, nicht weil die Mannschaft schwach wäre, sondern weil manche Spieler einfach schon zu lange in Ochsenhausen sind und frischer Wind durch das eine oder andere neue Gesicht nicht schaden kann.“

 

 

 

DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb, gleichzeitig Verwaltungsratsvorsitzender der Borussia,  analysierte das Geschehen klar und treffend, hatte aber auch aufmunternde Worte für den unterlegenen Endspielgegner parat: "1. Boll ist eben eine Bank. Und wenn Christian Süß, der mittlerweile am Tisch wie ein Mann kämpfen kann, sein Potenzial mobilisiert, ist er die zweite Bank. Und wenn Kishi so schnell und genial spielt,  wie er es gegen Karakasevic und Crisan vorgeführt hat, dann hat die Borussia drei Bänke. Aber ehrlich - mit dieser Leistungsexplosion von Christian und Kishi hätten wir vor der Saison nicht gerechnet. 2. In Ochsenhausen machen  Rainer Ihle und Anders Johansson sehr gute Arbeit. Die haben eine solche Niederlage nicht verdient, zumal nach dem glänzenden Spiel von Tiago Apolonia gegen Boll Hoffnung aufkommen konnte. Eine Prise mehr Kampfgeist täte Chuang und Crisan sicherlich gut. 3. Der Rahmen war hervorragend. Benno Neumüller und sein Team haben nach Hannover zum zweiten Mal aus einem früher oft trist ablaufenden Pokalfinale ein Ereignis gemacht. Ich gratuliere."

 

 

 

DTTB-Präsident Thomas Weikert erfreute sich in doppelter Hinsicht an dem Cup-Event: "Das war eine gute Veranstaltung mit erneut über 4.000 Zuschauern, die voll auf ihre Kosten kamen. Und es war ein gelungener Testlauf für die Weltmeisterschaften 2012 an gleicher Stelle, wo wir dann sicher noch mehr Fans begrüßen dürfen und hoffentlich an den historischen Erfolg von Rossi und Speedy 1989 anknüpfen und Titel erringen werden."

 

 

 

contenthouse-Chef Benno Neumüller unterstrich die grandiose Leistung des Cupsiegers und zeigte sich insgesamt angetan: "Was die Düsseldorfer in der Westfalenhalle geboten haben, war Extraklasse und eines Champions würdig. Und das gilt nicht nur für Timo Boll, sondern auch für Christian Süß und Seiya Kishikawa. Mit der Veranstaltung können wir durchaus zufrieden sein, der Rahmen passte und die Publikumsresonanz war gut. Ich sage bewusst jetzt nicht sehr gut, weil ich davon überzeugt bin, dass noch weitaus mehr Zuschauer für den großen Sport mit dem kleinen Ball zu begeistern sind, wenn wir alle weiterhin in engem Schulterschluss daran arbeiten."

 

 

 

Die im Halbfinale gescheiterten Plüderhausener und Fuldaer ließen die Köpfe nur für kurze Zeit hängen. So SVP-Chef Geritt Albrecht: "Unsere Party geht weiter, schließlich feiere ich heute meinen Geburtstag." 100 "Gelbhemden" aus dem Remstal feierten mit dem Plüderhausener Macher und Manager, der allerdings auch eine kritische Anmerkung machte: "Der Modus sollte insofern geändert werden als es viel spannender wäre, wenn die Halbfinalpaarungen erst zu Turnierbeginn ausgelöst würden und nicht schon Wochen vorher feststünden." Fuldas Boss Stefan Frauenholz: "Das war ein packendes Halbfinale, sehr spannend für die Zuschauer. Leider fehlte uns am Ende das nötige Qäntchen Glück. Jan-Ove Waldner, der leider mit einer heftigen Magen-Darm-Infektion im Bett lag, hätte vielleicht schon noch den einen uns fehlenden Zähler beigesteuert. Aber auch so fahren wir erhobenen Hauptes nach Hause, da wir alles gegeben haben." Dieser Meinung waren auch die 180 Maberzeller Anhänger, überwiegend in neue, schmucke Fanschals gehüllt, die die größte Fangruppe in der Westfalenhalle stellten und das Stimmungs-Highlight des gesamten Turniers waren. Im Halbfinale jedenfalls brachten die Osthessen die Halle fast ebenso zum Beben wie später Culcha Candela.

 

 

 

Nach dem sportlichen Teil des Events wurde die Westfalenhalle zur Party-Zone umfunktioniert. Vor knapp 3.000 verbliebenen Zuschauern rockten Culcha Candela die "Bude" und animierten die begeisterten Fans immer wieder zum Mitmachen, etwa wenn die sieben Berliner Rapper ihre Chart-Hits "Hamma", "Monsta" oder "Schöne Neue Welt" zum Besten gaben und dabei auch tänzerische Höchstleistungen vollführten. Ein echtes "Hamma"-Konzert als würdiger Abschluss eines gelungenen, stimmungsvollen DTTB FINAL FOUR 2009.

 

 

 

 

 

Die Final-Übertragung im DSF hat eine durchschnittliche Zuschauerquote von über 200.000 erreicht. In der Spitze wurden bei einigen Highlights der vergangenen Saison schon Werte bis zu 280.000 registriert. Als Durchschnittsquote ist das jedoch der beste Wert, der jemals auf DSF im Tischtennis gemessen wurde.

 

 

 

 

 

Der Liveticker des DTTB wurde rege genutzt. So verfolgten 1.416 User das Halbfinale zwischen Düsseldorf und Plüderhausen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von knapp 11 Minuten und insgesamt 182.963 Hits. Beim zweiten Semifinale (Fulda-Ochsenhausen) war noch mehr los: 1.688 verschiedene User, knapp 25 Minuten Verweildauer und 499.913 Zugriffe. Die Topwerte dann beim Endspiel: 1.969 Benutzer, die 677.301 Zugriffe generierten und jeweils länger als 28 Minuten auf der Tickerseite blieben.

 

 

 

Auch das Presseecho auf die Veranstaltung fiel durchgehend positiv aus. Tenor: Cup+Concert vor guter Kulisse - die Rechnung ging auf. Hier ein Auszug aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Sportlich attraktiv waren die Spiele schon immer. Und auch die Ausgabe 2009 hatte ihren Reiz. Diesmal in der einsamen Klasse von Borussia Düsseldorf, das in der Besetzung Timo Boll, Christian Süß und Seiya Kishikawa weder im Halbfinale gegen Plüderhausen noch im Endspiel gegen Ochsenhausen einen Punkt abgab. … Für das Image des Tischtennis war die Veranstaltung jedoch hervorragend: Der Touch des Jugendlichen, die moderne Inszenierung mit Musikuntermalung und Lichteffekten, die Fernsehübertragung im DSF …, das alles hatte seinen Wert.“ (FAZ.NET, 27.12.09).

 

 

Christian Süß präsentierte sich in Bestform.

Hallenperspektive während der Halbfinalspiele.

Timo Bolls Vorhandtopspin war wie gewohnt eine gefährliche Waffe.

Culcha Candela und die Fans in ihrem Element.

DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher (Text & Fotos)

 

 

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