Doha. Mit einer spektakulären Aufholjagd ist Ying Han in das Viertelfinale des mit 500.000 US-Dollar dotierten WTT Champions Doha (7. bis 11. Januar) eingezogen. Die beste Abwehrspielerin der Welt machte gegen die Weltranglistenachte Chen Yi (China) einen 0:2-Satzrückstand wett. Vier Deutsche hingegen blieben im Achtelfinale auf der Strecke: Die Weltranglisten-17. Sabine Winter unterlag der Japanerin Miyu Nagasaki mit 6:11 im Entscheidungssatz, Ex-Europameister Dang Qiu blieb im Duell der Penholder-Asse gegen den Weltranglistensechsten Félix Lebrun ebenso chancenlos wie der zweimalige Olympiadritte Dimitrij Ovtcharov gegen Taiwans Star Lin Yun-Ju. Am frühen Vormittag hatte Benedikt Duda im Duell der Nummern zwölf und zwei der Welt eine knappe 2:3-Niederlage gegen den topgesetzten Lin Shidong (China) hinnehmen müssen.
Ying Han nach erfolgreicher Aufholjagd im Viertelfinale
Mit einer beeindruckenden Vorstellung hat sich Ying Han in die Runde der besten Acht gespielt, in der nun am Samstag um 11:30 Uhr MEZ die topgesetzte Weltranglistenzweite Wang Manyu wartet. Die deutsche Defensivstrategin setzte sich gegen Wangs Landsfrau Chen Yi in fünf Sätzen durch und wandelte in einer bemerkenswerten Aufholjagd gegen Chinas Nummer acht der Welt einen 0:2-Satzrückstand noch in einen hochverdienten 3:2-Erfolg um. Nach dem mit 4:11 noch deutlich verlorenen Auftaktdurchgang fand die dreimalige Europe-Top-16-Siegerin immer besser zu ihrem Spiel. Zwar ging auch Durchgang zwei noch einmal mit 11:9 an die Favoritin. Doch in den folgenden drei Sätzen ließ die von Satz zu Satz sicherer werdende Düsseldorferin ihrer Gegnerin mit 11:7, 11:2 und 11:5 keine Chance mehr. Ying Han sagte nach der erfolgreichen Aufholjagd: "In den ersten zwei Sätzen habe ich keinen richtigen Rhythmus gefunden. Danach habe ich aber ein Loch in ihrem System entdeckt und weiter gekämpft - das hat gut funktioniert."
Sabine Winter unterliegt starker Nagasaki mit 2:3
In ihrem ersten Duell seit ihrer System- und Materialumstellung vor rund einem Jahr erwischte Winter gegen die ehemalige Jugend-Weltmeisterin mit 11:8 zunächst einen vielversprechenden Start. Anschließend übernahm jedoch die 23 Jahre alte Nagasaki zunehmend die Initiative, ließ sich von den Tempo- und Effetvariationen im Spiel Winters kaum beeindrucken und erspielte sich mit oftmals kaum erreichbaren Platzierungen die verdiente 2:1-Führung. Erst gegen Ende des vierten Satzes fand die Bayerin nach einer einminütigen Auszeit wieder besser zu ihrem Rhythmus und glich zum 2:2 aus.
Die vollständige Kontrolle über das Spiel konnte die 33-Jährige gegen die Asiatin jedoch nicht zurückgewinnen. Im Entscheidungssatz hielt die EM-Dritte von München die Partie bis zum Stand von 6:6 noch offen, doch fünf Punkte in Folge bescherten Nagasaki schließlich den dritten Sieg im dritten direkten Vergleich. Sabine Winter sagte anschließend: "Alles in allem war Nagasaki heute die bessere Spielerin. Ich versuche es nächstes mal wieder."
Dang Qiu verliert Duell der Penholder-Asse gegen Lebrun
Überraschend deutlich endete das Duell der europäischen Penholder-Asse zwischen Dang Qiu und Félix Lebrun. Die Nummer sechs der Welt hielt den Düsseldorfer mit 11:1, 11:7 und 11:7 auf Distanz. Der Weltranglistenzehnte, der in Runde eins bei seinem 3:0-Sieg über den Südkoreaner Oh Junsung auf ganzer Linie überzeugt hatte, fand nach seinem Ausscheiden lobende Worte für die Leistung des Olympiadritten: „Félix war heute einfach sehr stark. Er hat von Beginn an extrem gute Bälle getroffen und mich sehr gut angespielt – er war heute deutlich der bessere Spieler. Ich kann mir selbst keinen großen Vorwurf machen. Ich bin eigentlich in guter Form, aber er hatte heute auf meine Bälle jedes Mal eine noch bessere Antwort.“
Dimitrij Ovtcharov kann herausragenden Lin Yun-Ju nicht stoppen
Wie Dang Qiu gegen Lebrun stand auch Dimitrij Ovtcharov gegen Lin Yun-Ju auf verlorenem Posten. Nur einen Tag nach seinem beeindruckenden Erstrundenerfolg über World-Cup-Sieger Hugo Calderano (Brasilien) musste Ovtcharov beim 3:11, 5:11 und 6:11 die Überlegenheit des nahezu fehlerfrei aufspielenden Taiwanesen anerkennen. Im elften Aufeinandertreffen mit Lin war es insgesamt die siebte Niederlage für Ovtcharov, der 2025 beim World Cup noch knapp die Oberhand behalten hatte.
Ovtcharov befand nach der klaren Niederlage selbstkritisch: "Er hat mich heute überhaupt nicht zu meinem Spiel kommen lassen. Das Macht muss ich mir noch einmal in Ruhe anschauen, um es dann das nächste Mal wieder besser zu machen. Lin hat auf jeden Fall sehr stark gespielt, auch in taktischer Hinsicht. Gefühlt hat er keinen Fehler gemacht und mich permanent unter Druck gesetzt, so dass ich gar nicht zu meinem Spiel gefunden habe. Alles in allem war eine sehr gute Leistung von ihm, aber eben auch keine gute von mir - deshalb auch das klare Ergebnis."
Benedikt Duda verliert Fünfsatzkrimi gegen Lin Shidong
Am frühen Vormittag bereits war der Weltranglistenzwöfte Benedikt Duda in einem hochklassigen Duell gegen den topgesetzten Weltranglistenzweiten Lin Shidong ausgeschieden. Beim 11:8, 6:11, 8:11, 11:6 und 6:11 erkannte Duda im Anschluss an das Match neidlos die starke Vorstellung des Chinesen an: „Im fünften Satz hatte ich am Anfang noch eine 3:2-Führung. Aber es ist leider Lin Shidongs Stärke, dass er am Ende sehr wenige Fehler macht – das macht wohl im Moment noch den Unterschied zwischen der Nummer zwei und zwölf der Welt aus.“ Zwar haderte der Bergneustädter verständlicherweise mit dem Ergebnis, durfte dafür jedoch umso zufriedener mit seiner starken Leistung sein. Bei der knappen Fünfsatzniederlage gegen Lin Shidong zeigte sich der ehrgeizige Duda weiter verbessert: „Es war das knappste Ergebnis, das mir je gegen ihn gelungen ist. Zuvor hatte ich in drei Spielen keinen einzigen Satz gegen ihn gewonnen. Aber ich habe auch heute gesehen, was ich noch verbessern kann – diese Sachen habe ich auf dem Schirm.“
Die Bilanz Dudas, der beim ersten Turnier des Jahres 2026 in Runde eins seine jahrelange Negativserie gegen den dreimaligen Europe-Top-16-Sieger Darko Jorgic (Slowenien) beendet hatte, fiel überaus positiv aus: „Für mich zeigt sich deutlich: Wenn ich Pausen setzen kann, um Zeit zum Trainieren und zur Vorbereitung zu haben, dann spiele ich auch sehr gut. Ich nehme viel Positives aus den Spielen gegen Lin und Darko mit. Ich würde sagen: Benedikt Duda ackert sich weiter nach vorne.“ Vor rund 15 Monaten war dem inzwischen 31 Jahre alten Linkshänder mit dem Einzug ins EM-Finale von Linz und dem nur wenige Tage später folgenden dritten Platz beim Champions Montpellier der Durchbruch in die absolute Weltspitze gelungen, der er seitdem ohne Unterbrechung angehört. Die bislang beste Platzierung in der Weltrangliste gelang Duda in der November-Weltrangliste des Jahres 2025 mit Platz acht.
Vier weitere Deutsche kämpfen heute um Viertelfinaleinzug
Vier Deutsche kämpfen heute noch um den Einzug in das Viertelfinale. Die Weltranglisten-17. Sabine Winter bekommt es nach ihrem klaren Auftaktsieg über die Rumänin Bernadette Szöcs um 16:40 Uhr mit der Japanerin Miyu Nagasaki zu tun. Dang Qiu, an Position zehn der aktuell in der Weltrangliste am höchsten eingestufte Deutsche, der am Vortag Südkoreas Jungstar Oh Junsung besiegte, trifft um 17:15 Uhr auf den Olympiadritten Félix Lebrun, der sich zum Auftakt gegen Patrick Franziska durchgesetzt hatte. Direkt anschließend kommt es um 17:50 Uhr zum Duell zwischen der dreimaligen Europe-Top-16-Siegerin Ying Han und der Weltranglistenachten Chen Yi aus China. Im letzten Spiel des Tages mit deutscher Beteiligung will um 19:35 Uhr Dimitrij Ovtcharov gegen Taiwans Nummer eins Lin Yun-Ju an seine gestrige starke Leistung gegen World-Cup-Sieger Hugo Calderano (Brasilien) anknüpfen.
Noch vier weitere WTT-Turniere im Januar
Das WTT Champions Doha markiert den Auftakt zu einem auch in diesem Jahr ereignisreichen Turnierkalender. Zwei Tage nach dem letzten Ballwechsel des Champions-Turniers geht in Doha an gleicher Stelle vom 13. bis 18. Januar ein WTT Star Contender über die Bühne. Unmittelbar anschließend folgt vom 18. bis 24. Januar der WTT Contender Muscat im Oman. Zudem sind vom 27. bis 31. Januar zwei Feeder-Veranstaltungen parallel angesetzt – eine in Doha, die andere in Lille (Frankreich).
Die Ergebnisse der Deutschen am Freitag
Damen-Einzel, Achtelfinale
Ying Han - Chen Yi CHN 3:2 (-4,-9,7,2,5)
Sabine Winter – Miyu Nagasaki JPN 2:3 (8,-4,-4,8,-6)
Herren-Einzel, Achtelfinale
Benedikt Duda – Lin Shidong CHN 2:3 (8,-6,-8,6,-6)
Dang Qiu – Felix Lebrun FRA 0:3 (-1,-7,-7)
Dimitrij Ovtcharov – Lin Yun-Ju TPE 0:3 (-3,-5,-6)
Die Spiele der Deutschen am Samstag
Damen-Einzel, Achtelfinale
Ying Han - Wang Manyu CHN 11:30 Uhr
Links
Zu den Ergebnissen auf der WTT-Homepage
Zum Livestream auf DYN (kostenpflichtig)
Das Aufgebot des DTTB beim Champions Doha
Damen
Sabine Winter (TSV Dachau), Ying Han (KTS Tarnobrzeg/Polen)
Herren
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT), Dimitrij Ovtcharov (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell)
Betreuer
Tamara Boros (Damen-Bundestrainerin), Zhu Xiaoyong (DTTB-Stützpunkttrainer)