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Im Champions-League-Halbfinale besiegt Düsseldorf Neu-Ulm in einem Thriller (Foto: Probst)
DTTB-Chefin Herweg bedauert Auseinandersetzung innerhalb der Tischtennisfamilie sehr / Gespräch zwischen Preuß und Ovtcharov nach dem Europe Top 16

Champions League ohne nationale Liga: DTTB prüft den Fall Neu-Ulm

SH 24.02.2023

Düsseldorf. Angekündigt war es schon einige Tage zuvor, mit der Pressemitteilung am Donnerstag hat der TTC Neu-Ulm es öffentlich gemacht: Der amtierende Pokalsieger, 2019 mit einer Wildcard in die TTBL aufgenommen, wird im kommenden Jahr nicht mehr im Oberhaus an den Start gehen und stellt entsprechend keinen Lizenzantrag, hat aber seine Ambitionen auf die Champions League angekündigt. Der DTTB prüft die Meldung des TTC Neu-Ulm für die Champions League ohne Zugehörigkeit zu einer nationalen Liga.

Zudem erhebt Neu-Ulms Klubchef Florian Ebner Vorwürfe an Andreas Preuß, den langjährigen Manager von Ligakonkurrent Borussia Düsseldorf, der auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Tischtennis Bundesliga (TTBL) ist. In der Pressemitteilung zum Rückzug aus der TTBL schreibt der Medien-Unternehmer: “Den deshalb bei ihm eigentlich bestehenden Interessenskonflikt empfindet der TTC Neu-Ulm seit letztem Sommer eher als Nutzung der Macht zur Einflussnahme gegen den TTC Neu-Ulm. Höhepunkt dieses Empfindens sind die Strafbescheide gegen die Vertragsverletzungen von Truls Möregardh und Lin Yun-Ju, die sich nicht an den bestehenden Verträgen, sondern mehr an dem Wunsch von Geschäftsführung und Aufsichtsratsvorsitzendem zu orientieren scheinen.”

Herweg: „Nur aus einem echten Miteinander entsteht eine Win-win-Situation

DTTB-Präsidentin Claudia Herweg kommentiert: „Ich empfinde es als unpassend, dass der Konflikt auf persönlicher Ebene gegen Andreas Preuss geführt wird. Er hat sich sein großes Renommee durch sein jahrzehntelanges großes Engagement, seine Liebe und Leidenschaft für unseren Sport und die exzellente Führung des besten Vereins Europas, Borussia Düsseldorf, verdient.“ Herweg weiter: „Sportbegeisterte Menschen wie Florian Ebner und Investoren wie die Ebner Media Group sind herzlich willkommen in der deutschen Tischtennis-Familie. Aber nur aus einem echten Miteinander entsteht eine Win-win-Situation. Eine der Stärken von Tischtennis-Deutschland besteht darin, dass wir einander gegenseitig respektieren.“

Gespräch zwischen Preuß und Ovtcharov nach dem Europe Top 16

Bereits am vergangenen Montag hatte die Geschichte eine zusätzliche Brisanz durch einen Social-Media-Post von Neu-Ulms Dimitrij Ovtcharov erhalten, den er am selben Abend bei Instagram im Nachhinein umschrieb und bei Facebook löschte. Der Text des sechsfachen Olympia-Medaillengewinners enthielt die Behauptung der Vorteilsnahme durch Borussia-Düsseldorf-Manager Andreas Preuß als TTBL-Aufsichtsratsvorsitzendem.

„Wir bedauern sehr, dass es zu einer Auseinandersetzung innerhalb der Tischtennis-Familie gekommen ist”, kommentiert DTTB-Chefin Herweg. “Wegen des am Wochenende anstehenden Europe Top 16 in Montreux wird es am Montag zu einem hoffentlich klärenden Gespräch in Düsseldorf zwischen Dimitrij Ovtcharov und Andreas Preuß kommen. Kontakt hatten die beiden bereits.”

TTBL und Borussia Düsseldorf weisen die Vorwürfe scharf zurück

Andreas Preuß selbst war vor vier Jahren, als die Liga kontrovers darüber beriet, ob sie eine Wildcard an Neu-Ulm vergeben solle, einer der großen Befürworter. Nach dem funktionierenden Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ sollte der Wettbewerb angekurbelt und die Professionalität der Liga durch den Einstieg des neu gegründeten Vereins eines ebenso erfolgreichen wie erfahrenen Geschäftsmanns weiter erhöht werden. Bei der letzten Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde er mit der Stimme von Neu-Ulm einstimmig gewählt und übt dieses Mandat bis heute aus. Die Neuwahlen stehen am Dienstag an.

So wiesen TTBL und Borussia Düsseldorf am Dienstag schon die Vorwürfe Ovtcharovs scharf zurück und gaben Preuß Rückendeckung. "Es kann an der Integrität von Andreas Preuß nicht den geringsten Ansatz eines Zweifels geben. Eine Doppelfunktion, als Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsmitglied eines Vereins ist absolut üblich im organsierten Sport – siehe auch die Besetzung des DFL-Aufsichtsrats“, sagt TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle auf der TTBL-Website. Zu keiner Zeit habe Andreas Preuß bei wichtigen Entscheidungen des TTBL-Aufsichtsrates die Interessen seines Vereins über das Wohl der Liga gestellt. Im Übrigen habe der Aufsichtsrat lediglich eine Kontrollfunktion. Die Geschäftsführung führt das operative Geschäft. Das oberste Beschlussorgan der TTBL ist der TTBL-Trägerverein, der aus allen zwölf Vereinen besteht. „Umso mehr verurteilt die Geschäftsführung der TTBL die diffamierenden Behauptungen über Andreas Preuß durch Vertreter des TTC Neu-Ulm sowie dessen Spieler Dimitrij Ovtcharov."

Stehle: „Chancengleichheit ist die Grundlage des sportlichen Wettstreits in unserer Liga“

Der TTBL-Geschäftsführer beschreibt: "Die Spieler Möregardh und Lin haben gegen ihre vertraglichen Zusagen und die Regeln der TTBL verstoßen, der Verein hat den bewussten Regelverstoß bereits öffentlich eingeräumt und nach unserer Wahrnehmung die Spieler auch nicht davon abgehalten oder abhalten wollen. Unsere Regeln schützen die Integrität unseres Wettbewerbes und sind nicht willkürlich zu beugen oder gar zu brechen. Indem die TTBL auf die strikte Einhaltung der vor Saisonbeginn von allen Vereinen und Spielern akzeptierten Regeln achtet, ist jeder TTBL-Verein vor Wettbewerbsverzerrungen und anderen Benachteiligungen gleichermaßen geschützt. Chancengleichheit ist die Grundlage des sportlichen Wettstreits in unserer Liga und auch des Sports im Allgemeinen. Deswegen weisen wir die anhaltenden und durchschaubaren Versuche einer Umkehr des Verursacher-Prinzips mit Nachdruck zurück."

Darüber hinaus weist Stehle ausdrücklich darauf hin, dass sich der TTC Neu-Ulm noch im vergangenen November bei einer Versammlung der TTBL-Vereine zusammen mit den anderen Klubvertretern einstimmig gegen eine mehrfache Spielberechtigung für TTBL-Akteure während einer laufenden Saison für einen weiteren Verein ausgesprochen hat. "Das Verhalten des TTC Neu-Ulm ist uns auch deswegen absolut unverständlich", so Stehle.

 

Hintergrund:

Auslöser der Eskalation ist ein Streit zwischen dem TTC Neu-Ulm und der TTBL. Dimitrij Ovtcharovs Teamkollegen Truls Möregardh (Schweden) und Lin Yun-Ju (Taiwan) spielten nach dem Ende der Wechselfrist zur Rückrunde für andere Klubs in der schwedischen beziehungsweise japanischen Liga, obwohl sie noch in der TTBL gemeldet sind und mit Neu-Ulm zu Jahresbeginn das Pokalfinale gegen den Liga-Rivalen aus Düsseldorf gewonnen hatten. Die Liga verhängte daraufhin gegen Moregardh und Lin je eine Geldstrafe von 10.000 Euro sowie eine Sperre von zehn Spielen - gültig allerdings erst in der nächsten Saison. Der Verein wehrt sich dagegen, dass die Sperre erst für die neue Spielzeit gilt, nicht für die laufende. Es wird erwartet, dass der Klub gegen die Entscheidung das ständige Schiedsgericht für Lizenzspieler anruft.

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