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Titel verteidigt: Olympiasieger und Weltmeister China gewinnt den LIEBHERR World Team Cup

China wie immer und Liu Guoliang wünscht sich ein WM-Finale mit Deutschland

Christian Domaschke / FL 06.11.2011

Magdeburg. Gut anderthalb Stunden vor dem Finale steht Liu Guoliang noch in der Trainingshalle, die Arme verschränkt, der Blick messerscharf. An zwei Tischen spielen sich die Penholderspieler Xu Xin und Ma Lin warm, dahinter Ma Long und Wang Hao. Wang Liqin, der in Magdeburg gar nicht zum Einsatz gekommen ist, sitzt an der Wand mit Kopfhörern in den Ohren und schaut etwas bedröppelt drein. Anweisungen und Erklärungen überlässt Liu Guoliang dem Assistenztrainer, Liu schaut nur zu, nicht nur kritisch zu seinen Schützlingen, sondern häufig auch nach ganz links. Dort spielen sich die Südkoreaner warm, die Finalgegner. Ryu Seung Min bringt seine schnellen Beine auf Betriebstemperatur, Oh Sang Eun übt mit Joo Se Hyuk – und der chinesische Chefcoach seziert gedanklich deren Bewegungen, schmiedet Taktiken für alle Aufstellungen und Eventualitäten. Das zeigt: China ist überlegen wie noch nie, den Respekt und die Achtung vor dem Gegner hat die Tischtennis-Weltmacht aber nicht verloren. Vielleicht ist das auch ein Erfolgsgeheimnis. Vier Stunden später weiß Liu Guoliang: Die minutiöse Vorbereitung hat sich ausgezahlt.

Schnellere Beine dürften im Welttischtennis nur schwer zu finden sein. Xu Xin ist kein Weg zu weit

 

Südkorea ohne seinen Besten, Joo Se Hyuk

Mit 3:0 gewinnen Ma Long, Xu Xin und Wang Hao gegen Südkorea, das überraschend den in der Weltrangliste bestplatzierten Spieler Joo Se Hyuk (10) nicht eingesetzt hat. Gründe dafür gibt es: Joo Se Hyuk ist Abwehrspieler, ein System, gegen das die Chinesen aus dem Effeff agieren können. Südkoreas Coach Yoo Nam Kyu schickt neben den bewährten Stammkräften Ryu Seung Min und Oh Sang Eun den erst 19-jährigen Kim Min Seok ins Rennen. Ausgerechnet dieser noch recht unbekannte Spieler sorgt für die knappste Niederlage. 2:3 heißt es am Ende gegen den Weltranglisten-8. Xu Xin, der im Halbfinale am Samstag noch die deutschen Patrick Baum und Bastian Steger deutlich geschlagen hatte. Zuvor hatte Ryu Seung Min, der Olympiasieger von 2004, den amtierenden Weltranglistersten Ma Long nur den ersten Satz abknüpfen können. Ryu spielte zu Beginn einige seiner bekannten spektakulären Vorhand-Bälle, doch im Verlauf der Partie stellt sich Ma Long immer besser auf seinen Gegenüber ein. Letztlich ist es eine klare Angelegenheit. Im Doppel setzen Ma Long und Wang Hao den Schlusspunkt.

China hatte seine eigenen Fans dabei

Die etwa 2700 Zuschauer in der GETEC-Arena hätten den Südkoreanern gerne eine Sensation gegönnt, das Publikum war fast geschlossen auf Seiten des Außenseiters. Aber auch China hatte eine größere Fanschar mobilisiert. Etwa 30 Mitarbeiter von China Unicom, einem der großen Sponsoren der Nationalmannschaft, saßen im Teamdress auf der Tribüne und feuerten ihre Spieler lautstark an. Hinterher absolvierten Wang Hao und Co. einen kleinen Autogramm- und Fotomarathon, Chinas Damen hatten zuvor schon vor dieser Sonderfankurve fürs Familienfoto posiert.

„Für uns war das hier ein guter Test, vor allem für die Olympischen Spiele“, resümierte Liu Guoliang. In Magdeburg wurde nach dem Mannschaftssystem gespielt, das auch in London gilt. Für Liu sei es wichtig gewesen, die jungen Spieler Ma Long und Xu Xin zu sehen und darüber hinaus die Doppelkombinationen.

Oh Sang Eun und seine Kampfansage an Deutschland

Die geschlagenen Südkoreaner hielten sich mit der Analyse des Endspiels gar nicht lange auf. Frust war nicht angesagt, stattdessen schickte Oh Sang Eun eine Kampfansage an Deutschland. „Wir wollen alle besser werden, um die Deutschen dann in Deutschland zu schlagen. Wir sind mit der Leistung bei dem olympischen Test hier sehr zufrieden“, betonte Oh. Mit seinen ambitionierten persönlichen Zielen hielt er auch nicht hinterm Berg. „Ich will Timo Boll am Tisch treffen und ihn schlagen.“ Und wenn er Timo dann hinter sich gelassen habe, wolle er sich gegen die Chinesen behaupten, sagte Oh Sang Eun.

Ein Anspruch, den auch die deutschen Herren in Bestbesetzung, dann wieder mit Timo Boll und Christian Süß, bei den großen Veranstaltungen im kommenden Jahr haben. Zumindest Dimitrij Ovtcharov hat am Samstag bei seinem Sieg gegen Wang Hao gezeigt, dass es gehen kann.

Die besten Damen der Welt: China gelang in Magdeburg auch die Revanche gegen Weltmeister Singapur

Finals am Sonntag

Herren:

China - Südkorea 3:0

Ma Long - Ryu Seung Min 3:1 (-11, 7, 5, 4)

Xu Xin - Kim Min Seok 3:2 (9, -6, -7, 5, 8)

Wang Hao/Ma Long - Oh Sang Eun/Kim Min Seok 3:1 (6, -7, 8, 5)

Finale, Damen:

China - Japan 3:0

Li Xiaoxia - Ai Fukuhara 3:0 (7, 8, 4)

Guo Yan - Sayaka Hirano 3:1 (8, -11, 7, 8)

Guo Yue/Li Xiaoxia - Kasumi Ishikawa/Ai Fukuhara 3:0 (5, 9, 8)

Halbfinals am Samstag

Herren

China - Deutschland 3:1

Xu Xin - Patrick Baum 3:0 (6, 3, 9)

Wang Hao - Dimitrij Ovtcharov 1:3 (-7, -8, 9, -9)

Ma Long/Wang Hao - Bastian Steger/Patrick Baum 3:0 (5, 8, 5)

Xu Xin - Bastian Steger 3:0 (6, 1, 3)


Japan - Südkorea 1:3

Kenta Matsudaira - Joo Se Hyuk 1:3 (-7, 5, -4, -7)

Kaii Yoshida - Oh Sang Eun 0:3 (-2, -3, -6)

Koki Niwa/Kenta Matsudaira - Ryu Seung Min/Oh Sang Eun 3:1 (6, 11, -8, 6)

Kaii Yoshida - Ryu Seung Min 2:3 (-7, 9, -8, 10, -6)


Damen

Singapur - China 0:3

Feng Tianwei - Ding Ning 0:3 (-6, -8, -9)

Wang Yuegu - Guo Yan 1:3 (9, -10, -9, -8)

Sun Beibei/Wang Yuegu - Li Xiaoxia/Ding Ning 0:3 (-11, -9, -6)


Hongkong - Japan 2:3

Tie Yana - Ai Fukuhara 1:3 (5, -8, -9, -5)

Jiang Huajun - Sayaka Hirano 2:3 (-8, 9, 8, -6, -6)

Lee Ho Ching/Tie Yana - Kasumi Ishikawa/Ai Fukuhara 1:3 (11, -9, -10, -10)

 

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