Dang Qiu vor einem Jahr in Wetzlar (Foto: Steinbrenner)
Wie weit kann Dang Qiu im Einzel in Chemnitz kommen? / Interview mit dem Nationalteam-Shootingstar

Dang Qiu vor der DM: „Ich möchte bei großen Turnieren Medaillen gewinnen“

DTTB 26.02.2020

Chemnitz. 2018 und 2019 hatte ihn erst Timo Boll gestoppt. Bei den Deutschen Meisterschaften am Wochenende ist der Titelverteidiger aber nicht mehr dabei. Wie weit kann Shooting-Star Dang Qiu in Chemnitz kommen? Im Interview spricht er über seine nationalen und internationalen Ambitionen, verrät, wieso er eigentlich Penholder statt Shakehand spielt und wie er am besten vom Traumjob Tischtennisprofi abschalten kann.

Frage: Bei den beiden vergangenen nationalen Meisterschaften sind Sie 2018 im Viertelfinale und 2019 im Halbfinale erst gegen Timo Boll ausgeschieden. Da Boll aber keine Nationalen Deutschen Meisterschaften mehr spielt, müsste der Weg für Sie ja nun zumindest bis ins Endspiel frei sein, oder?
Dang Qiu:
Ich sage mal so: Timo war in den beiden letzten Jahren ein würdiger Gegner (lacht).

Spaß beiseite: Mit welchen Ambitionen treten Sie bei den Deutschen Meisterschaften in Chemnitz an?
Qiu:
Ich würde gerne den Doppel-Titel mit „Benne“ (Benedikt Duda/d.Red.) verteidigen. Im Einzel möchte ich außerdem auch gerne wieder eine Medaille gewinnen. Entscheidend wird natürlich sein, wie die Form sein wird, weil wir ja alle auf einem Niveau sind und uns aus der Nationalmannschaft gut kennen. Deswegen sind Deutsche Meisterschaften auch immer sehr interessant.

Im Doppel haben Sie mit Benedikt Duda in den beiden vergangenen Jahren auch schon den Titel geholt und danach 2019 international geradezu für Furore gesorgt. Was macht Ihr Doppel so stark?
Qiu:
Zum einen verstehen wir uns super. Wir harmonieren gut miteinander und reden viel, vor dem Spiel, während des Spiels und auch nach dem Spiel. Das macht uns auf jeden Fall auch stark. Wir wissen, was der Partner mag und ergänzen uns dadurch sehr gut.

Sie sind binnen eines Jahres in der Weltrangliste um gut 50 Plätze geklettert und haben sich in den Top 100 festgesetzt. Würden Sie sich gegen eine Einstufung als Aufsteiger wehren?
Qiu:
Ein wenig sehe ich meinen Weg schon als Aufstieg, auch weil das alles so schnell ging. Bald werde ich aber wohl nicht mehr als Aufsteiger gelten, wobei ich nicht so wichtig finde, wie man sich selbst sieht. Mittlerweile habe ich aber auch schon viele Turniere und wichtige Spiele hinter mir und dadurch auch mehr Erfahrung. Ob insgesamt jetzt die Bezeichnung Aufsteiger genau passt, weiß ich nicht, aber als angemessen würde ich es schon empfinden.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf eine Nominierung für die Mannschafts-WM in Busan ein?
Qiu:
Das lässt sich nur schwer einschätzen, denn man kann nicht sagen, wonach die Trainer nominieren werden. Ich würde mich auf jeden Fall natürlich über eine Nominierung freuen und werde deswegen versuchen, bei den Turnieren, die noch vor der Nominierung stattfinden, mich so gut wie möglich zu präsentieren und so gut es geht zu spielen, damit die Trainer mich von einer guten Seite sehen.

Erst kürzlich haben Sie bei den Portugal Open erstmals ein größeres internationales Turnier gewinnen können. Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg für Sie?
Qiu:
Wenn ich ehrlich bin, freue ich mich darüber immer noch ein bisschen. Das war ein riesiger Erfolg für mich. Leider hatte ich nach Portugal gar nicht die Zeit, das ein wenig zu feiern, weil ich direkt weiter zu den Hungarian Open nach Budapest geflogen bin. Einen internationalen Titel gewinnt man nicht so oft. Es ist für mich aber vor allem ein Zeichen, dass sich die viele harte Arbeit auszahlt.

Sind Sie denn mit Ihrer Entwicklung grundsätzlich im Plan?
Qiu:
Grundsätzlich ist wichtig, immer hart zu trainieren und an sich zu glauben, dann kommt mit der Zeit auch der Erfolg. Es gibt bei uns ja nicht wie etwa im Langlauf eine bestimmte Zeit, die man erreichen muss. Mal trainiert man sehr viel, aber am Ende zahlt es sich erst viel später aus, und man weiß nicht, wieso. Mal trainiert man ein halbes Jahr hart, und es läuft nicht, und das nächste halbe Jahr trainiert man genauso, und dann läuft es auf einmal sehr gut. Deswegen ist meine Philosophie, immer weiter hart zu arbeiten, weil es irgendwann sicher auch belohnt werden wird.

Welche ganz großen Ziele möchten Sie in Ihrer Laufbahn einmal erreichen?
Qiu:
Eine meiner größten Ziele ist, einmal bei Olympia zu spielen. Bei großen internationalen Turnieren wie Olympia oder einer WM und EM möchte ich außerdem aber nicht nur mitspielen, sondern auch Medaillen gewinnen. 

Mit ihrem Klub ASV Grünwettersbach haben Sie zu Jahresbeginn durch den Pokalsieg für einen Coup gesorgt und danach Ihren Vertrag verlängert. Welche weiteren Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Klub?
Qiu:
Für so einen kleinen Verein ist es erst einmal sicher schwer, den Pokalsieg zu toppen. Deswegen muss jetzt erst einmal das Ziel sein, dass wir uns auch in der Meisterschaft über einen längeren Zeitraum durchsetzen und die Play-offs erreichen.

Ihr Penholder-Stil macht Sie zu einem Exoten nicht nur in der deutschen Nationalmannschaft. Warum haben Sie sich dafür und gegen den Shakehand-Stil entschieden?
Qiu:
Ich habe angefangen, mit Penholder zu spielen, weil ich mit Shakehand ein halbes Jahr lang Probleme hatte, die Rückhand zu spielen. Weil damals auch die Blütezeit von Wang Hao war, hat mein Vater dann gesagt, probiere die Rückhand doch mal mit Penholder, und das hat komischerweise direkt geklappt, und irgendwann haben wir uns dann gesagt, dass ich komplett Penholder spiele.

Sie nennen Stan Wawrinka als Ihr Vorbild. Warum den Schweizer Tennisprofi und nicht einen Tischtennis-Spieler?
Qiu:
Ich schaue Stan Wawrinka unheimlich gerne, auch Rafael. Nadal. Bei Stan fand ich toll, wie er als Underdog große Grand-Slam-Turniere gewonnen hat, und bei Rafa sieht man den ganzen Kampf und die Leidenschaft, die Emotionen. Man merkt, wie er einen mitreißt durch sein Spiel. Das inspiriert mich sehr. Aber natürlich hat man auch tischtennisinterne Vorbilder. Da macht es Freude, sich an den Größten zu orientieren.

Wie schalten Sie vom Tischtennis ab?
Qiu:
Ich schaue gerne Anime-Serien. Ich werde dafür von meinen Nationalmannschaftskollegen zwar auch ein bisschen ausgelacht, aber es ist eben eines meiner liebsten Hobbys. Das lenkt mich wirklich gut ab.

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