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Er ist einfach überall: Timo Boll (Foto: MS)
Timo Boll steigert sich mal wieder von Runde zu Runde und macht Kumpel Dima Ovtcharov im Endspiel ratlos

Comebacker Boll ist "super happy" über Titel Nummer acht

SH 27.06.2021

Warschau. Er ist wieder da! Aber das kann man bei Timo Boll ja öfter schreiben. Der 40-jährige Düsseldorfer sicherte sich im deutschen Duell mit Dimitrij Ovtcharov beim Finale in der Torwar Arena von Warschau seinen 20. Titel insgesamt und achten im Einzel bei Europameisterschaften. Typisch Boll steigerte er sich auch diesmal von Runde zu Runde des Turniers, absolvierte im Viertelfinale am Samstag gegen Bundesliga-Teamkollege Anton Källberg das seiner Meinung nach „beste Spiel seit ein, zwei Jahren“ und hielt am Sonntagvormittag in der Vorschlussrunde ebenso den schwedischen WM-Finalisten von 2019, Mattias Falck, in Schach.

Auch den topgesetzten Dimitrij Ovtcharov, EM-Titelträger von 2015 und 2013, brachte Rekord-Europameister Boll mit kluger Taktik und beeindruckender Spritzigkeit nahezu zur Verzweiflung. Spätestens Mitte des vierten Satzes war da eindeutig Ratlosigkeit im Blick des World-Cup-Siegers von 2017 und aktuellen Weltranglistenneunten, Ovtcharov, der selbst nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Beim Stand von 4:5 nahm er eine Auszeit, nachdem er eine kleine Führung zu Satzbeginn verspielt hatte, doch die Wende blieb aus. Timo Boll gewann das Endspiel der beiden Freunde mit 9:11, 11:6, 11:9, 11:8 und 11:8 und  verbesserte neben seiner eigenen auch die Medaillenbilanz des DTTB auf insgesamt 131 Mal Edelmetall bei Europameisterschaften seit der EM-Premiere im Jahr 1958, darunter 48 Mal Gold.

Statt Karriereende aufs Treppchen: "Es war sehr emotional"

"Es war sehr emotional. Vor einem Jahr hatte ich eine schwere Verletzung und wusste nicht, ob meine Karriere überhaupt weitergehen kann", erklärte Timo Boll noch kurz vor der Siegerehrung. "Ich habe lange pausiert, es ausheilen lassen und Richtung Olympia hart trainiert. Dass das jetzt mit einem Europameistertitel belohnt wird, macht die Quälerei ein bisschen wett. Ich bin natürlich super happy."

Und mit Blick auf die Sommerspiele Tokio in einerm Monat fügte er hinzu: "Ich fahre bestimmt mit einem guten Gefühl dorthin. Es ist wichtig zu wissen, dass man als 40-Jährige noch so ein Turnier durchstehen kann, körperlich, aber auch mental. Ich habe es hier über mehrere Spiele und Tage geschafft, in diesen tiefen Tunnel einzudringen, der nötig ist auf diesem Level. Außerdem habe ich ein Feedback bekommen, woran ich in den letzten Tagen bis zu Abreise noch arbeiten muss. Olympia kann kommen."

Mit der vierten Goldmedaille in fünf Wettbewerben ist es nicht nur das beste Ergebnis des Deutschen Tischtennis-Bundes. In der Wertung der Invidual-Wettbewerbe schiebt sich Deutschland damit vor Ungarn, das im bisherigen Rekordjahr 1958 "nur" dreimal Gold sowie dreimal Silber und dreimal Bronze gewonnen hatte. Ungarns Herren gewannen zwar zusätzlich noch Team-Gold, die Mannschafts- und Individual-Wettbewerbe werden jedoch seit 2012 getrennt ausgetragen.

Herren-Einzel, Finale
Timo Boll - Dimitrij Ovtcharov 4:1 (-9,6,9,8,8)

Halbfinale
Timo Boll - Mattias Falck SWE 4:2 (11,10,6,-9,-9,7)
Dimitrij Ovtcharov - Marcos Freitas POR 4:2 (9,-8,-9,12,8,9)

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