Frankfurt/Main. Der Deutsche Tischtennis-Bund trauert um Dana Weber, die am 1. November 2025 wenige Tage vor ihrem 56. Geburtstag in ihrer Heimatstadt Prag verstorben ist. Mit ihr verliert der DTTB eine außergewöhnlich engagierte Trainerin, die über fast drei Jahrzehnte hinweg die Entwicklung zahlreicher deutscher Talente geprägt hat – und eine Frau, die den Tischtennissport nicht nur gelehrt, sondern gelebt hat.
Dana Weber war eine Trainerin, die mit Herz, Leidenschaft und Tiefgang arbeitete. Sie verstand es, die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht nur sportlich zu formen, sondern sie auch über die Grenzen des Tischtennistischs hinaus zu fördern – als Menschen und als Persönlichkeiten. Auf ihren vielen Reisen zu Turnieren im In- und Ausland legte sie Wert darauf, dass ihre Spielerinnen und Spieler mehr sahen als nur Halle und Hotel: Sie sollten Land und Leute kennenlernen, Horizonte erweitern und Erfahrungen fürs Leben sammeln.
Eine Trainerin mit Herz, Kompetenz und unermüdlicher Hingabe
„Ihr Gespür für Menschen, ihre Empathie und ihre klare Haltung machten Dana Weber zu einer Trainerin, die generationen- und nationenübergreifend geschätzt wurde“, sagte Heike Ahlert, die langjährige DTTB-Vizepräsidentin Jugend- und Leistungssport. „Dies konnte ich bei den vielen nationalen und internationalen Veranstaltungen, die ich mit Dana verbringen konnte, immer wieder erleben. Sie wurde nicht nur von Funktionären wie mir, sondern von Spielerinnen und Spielern und Trainerkollegen gleichermaßen geschätzt. Ihr Tod hat mich sehr betroffen gemacht.“
DTTB-Sportvorstand Richard Prause erinnert: „Dana hat ihr Leben in den verschiedensten Bereichen dem Tischtennissport gewidmet. Sie hat ihre Liebe zum Sport zu ihrem ersten und zweiten Beruf gemacht. Den jungen Generationen hat sie die Grundlagen mitgegeben und Spielerinnen begleitet, die später den Sprung in die Damen-Nationalmannschaft geschafft haben, mit Petrissa Solja als der prominentesten.“
Von 1997 bis 2021 in Diensten des DTTB
Seit 1997 stand die Wahl-Pfälzerin in Diensten des DTTB, zunächst am Bundesstützpunkt Heidelberg, später als Internatstrainerin im 2006 neu erbauten Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf. 2008 wurde sie U15-Bundestrainerin als Nachfolgerin von Ronald Raue. Ab 2014 verantwortete sie den U18-Bereich, zuletzt leitete sie die Sichtung. Nach rund 24 Jahren beim DTTB orientierte sich Dana Weber 2021 beruflich noch einmal neu.
Ihre Handschrift trug viele Erfolge im deutschen Nachwuchstischtennis. Den größten sportlichen Triumph feierte sie 2019, als ihre Mädchenmannschaft bei den Jugend-Europameisterschaften sensationell Team-Gold gewann. Im selben Jahr wählte der Verband Deutscher Tischtennistrainer sie zur Trainerin des Jahres – eine Auszeichnung, die ihren herausragenden Einsatz und ihr Gespür für Talente würdigte.
Als Spielerin 22 Medaillen bei Landesmeisterschaften, Europaliga-Silber, Deutsche Mannschafts-Meisterin
Als ehemalige Spitzenspielerin wusste Dana Weber, wie sich Druck anfühlt. Diese Erfahrung gab sie an die nächste Generation weiter – ruhig, ehrlich, menschlich.
Die gebürtige Pragerin gewann unter ihrem Mädchennamen Kressová 22 Medaillen bei den Landesmeisterschaften der damaligen Tschechoslowakei. Mit der Nationalmannschaft belegte sie in der Europaliga den zweiten Platz. Auch bei internationalen Einzel-Meisterschaften war sie erfolgreich. Mit der TSG Dülmen wurde sie 1995 Deutscher Mannschafts-Meister. Zuvor hatte die Mutter eines Sohnes an der Karls-Universität Prag ihr Studium Sportstudium mit der Spezialisierung auf Tischtennis mit dem Diplom abgeschlossen. Beim DTTB schenkte ihr die damalige Cheftrainerin Eva Jeler das Vertrauen.
Eva Jeler: "Sie war ihren Prinzipien treu, manchmal bis an die eigene Schmerzgrenze"
Jeler gehört zu den Menschen, die die Verstorbene von all ihren Berufskollegen wohl am besten kannten. „Dana konnte stark sein wie eine Eiche und zugleich empfindsam wie eine junge Birke. Sie war treu – die Freundin, die man sich an seiner Seite wünscht, wenn das eigene Leben ins Wanken gerät. Trends, Gerede oder Schwierigkeiten konnten sie nicht aus der Ruhe bringen. Sie hatte eine klare Vorstellung von richtig und falsch und die war für sie unantastbar", beschreibt Eva Jeler. "Dana konnte arbeiten für drei – zuverlässig, engagiert, gewissenhaft. Sie hat für die Menschen, die sie mochte, immer alles gegeben. Sie war ihren Prinzipien treu, manchmal bis an die eigene Schmerzgrenze. So hat sie gelebt, so hat sie gearbeitet und so hat sie sich auch von uns verabschiedet.“
Auch nach schweren persönlichen Schicksalsschlägen blieb Dana Weber ihrem Sport und ihren Schützlingen treu. Nach dem Tod ihres Mannes Ralf Weber im Jahr 2018 fand sie Kraft darin, anderen Halt zu geben – jenen jungen Menschen, die sie als Trainerin begleitete.
Ein Leben für den Tischtennissport – und für die Menschen darin
Dana Weber hat den deutschen Tischtennissport im Nachwuchsbereich nachhaltig geprägt. Ihre Arbeit, ihre Haltung und ihre Freundlichkeit werden der gesamten Tischtennis-Familie fehlen.
Mit ihrem Engagement, ihrer positiven Ausstrahlung und ihrer aufrichtigen Herzlichkeit war sie für viele ein Vorbild. Sie verstand es, mit kleinen Gesten – etwa wenn sie zu Sitzungen selbstgebackenen Kuchen mitbrachte – eine Atmosphäre des Zusammenhalts und Wohlfühlens zu schaffen. Ihre fachliche Kompetenz gepaart mit ihrer Fürsorge und Menschlichkeit werden uns in lebendiger Erinnerung bleiben.
Das tiefe Mitgefühl des DTTB gilt ihrem Sohn Tobias und allen Angehörigen.