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Faustyna Stefanska vor der Messe Erfurt
Nach ihrer langwierigen Verletzung geht es endlich bergauf für die Nachwuchsspielerin des SV SCHOTT Jena

Die Wahl-Thüringerin Faustyna Stefanska hofft auf den Heimvorteil in Erfurt

SH 09.06.2024

Erfurt. Faustyna Stefanska hat zwei Vereine. Die 16-jährige Linkshänderin aus Leer in Ostfriesland spielt bei den Damen beim niedersächsischen MTV Engelbostel-Schulenburg an Position vier in der 3. Bundesliga Nord. Beim SV Schott Jena hat sie eine Spielberechtigung für den Nachwuchs. Letztere entscheidet über die Verbandszugehörigkeit. Daher startet Stefanska bei den Deutschen Tischtennis-Finals (13. – 16. Juni, Messe Erfurt) für Thüringen. Und ist dort aktuell auch bei den Damen die Nummer eins.

Bei den diesjährigen Thüringer Landesmeisterschaften im Januar holte die Gymnasiastin ungeschlagen den Titel im Damen-Einzel und gewann an der Seite ihres Jenaer Vereinskollegen Kaito Ishida außerdem das Mixed. Bei den Mitteldeutschen Meisterschaften einen Monat später, der Qualifikation zu den TT-Finals, war sie bei den Erwachsenen ebenfalls nicht zu stoppen.

Der Erfolg in so jungen Jahren kommt nicht von ungefähr. Stefanska ist Teil einer Tischtennis-Familie. Schon ihre vier Jahre ältere Schwester Sofia hatte es in die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes geschafft, ihr Vater Zbigniew Stefanski, ehemaliger polnischer Nationaltrainer, leitet eine Tischtennisschule in Leer.

Mit vier Jahren mit dem Tischtennis begonnen, mit 13 Gold bei den Jugend-Euros

Mit jeweils vier Jahren brachte er seine Töchter zum Tischtennis (Zitat Faustyna: „Das gefiel mir und ich bin dabeigeblieben.“). Mit acht trainierte Faustyna bereits dreimal pro Woche. Manchmal kam eine vierte Einheit hinzu, nicht nur bei ihrem Vater, sondern auch in ihrem ersten Verein, dem TuS Horsten. Wie ihre Schwester machte sie ihren Weg vom Niedersachsen-Kader in die deutsche Spitze der Jugend-15-Akteurinnen. Mit 13 Jahren war sie Teil des Schülerinnen-Teams, das bei den Jugend-Europameisterschaften in Kroatien die Goldmedaille gewann. Und im Anschluss antwortete sie ihrer Heimatzeitung auf die Frage nach ihren Zielen: „Ich will zu den Olympischen Spielen.“

Es ging stetig bergauf, doch dann streikte der Körper. Monatelang laborierte sie an Rückenschmerzen und einer Bänderdehnung im linken Schlagarm. "Ein- bis zweimal Training pro Woche waren das Maximum. Vorhand spielen ging gar nicht", erzählt sie. Eine mehrwöchige Pause und viel Physiotherapie brachten Besserung. Zurück in alter Form und dem früheren Trainingspensum ist sie aber noch nicht. Auch deshalb sagt der eigentlich ambitionierte Teenager über die Ziele bei den beiden Starts in der Messe Erfurt: „Ich habe mir eigentlich nichts vorgenommen.“ Sowohl in der ältesten Jugendklasse als auch bei den Damen gibt die zweifache Medaillengewinnerin der U15-DM im Vorjahr ihr Debüt bei nationalen Meisterschaften. Im Interview vor den TT-Finals spricht Faustyna Stefanska außerdem über ihren Heimvorteil und darüber, was das Besondere am Format des Events ist.

Frage: Wie fühlst du dich so kurz vor deiner Premiere bei der DM der Damen?
Faustyna Stefanska:
Ich fühle mich gut. Ich bin etwas nervös wegen meiner Verletzung, aber ich hoffe, dass ich das Beste aus mir herausholen kann.

Was hast du dir für die U19- und Damen-Wettbewerbe vorgenommen?
Stefanska:
Wegen meines Arms, aber auch sonst habe ich mir eigentlich nichts vorgenommen. Ich bin in meinem ersten U19-Jahr und möchte mir keinen zu großen Stress machen. Ich will das Beste geben. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden.

Wer wird dich in der Halle anfeuern?
Stefanska:
Mein großer Wunsch ist, dass es mein Vater trotz der Arbeit schafft, in die Halle zu kommen. Bestimmt kommen auch ein paar Leute aus dem Jugendbereich des Thüringer Tischtennis-Verband und hoffentlich auch ein paar Erfurter zum Beispiel vom Sportinternat. Ich freue mich über jeden, der kommt, um uns Thüringer anzufeuern.

Wie findest du die Idee dieser Multi-DM?
Stefanska:
Ich finde die Idee sehr schön, auch wenn ich weiß, dass das alles sehr viel Zeit und Aufwand kostet und man das Event sehr gut durchplanen muss. Aber das lohnt sich. Es ist einfach megacool, dass alle Leute vom Tischtennis aufeinandertreffen.

Was genau ist für dich das Besondere an den TT-Finals?
Stefanska:
Hier trifft sich halb Tischtennis-Deutschland. Man kann viele verschiedene Spieler unterschiedlicher Klassen kennenlernen und sich mit ihnen austauschen. Auch mit den Zuschauern natürlich.  

Du bist noch nicht so lange eine TTTV-Spielerin: Hat sich bei dir schon das Heimvorteil-Gefühl eingestellt?
Stefanska:
Den Heimvorteil spüre ich auf jeden Fall. Es wird viele Zuschauer geben, die uns anfeuern. Wir haben hier viel Leute vor Ort, auch viele Ansprechpartner direkt bei den TT-Finals. Außerdem fühlt man sich einfach wohler in einer Stadt, in der man sich auskennt. Ich trainiere öfter in Erfurt und hier finden viele unserer Lehrgänge statt. Das ist ganz klar ein Vorteil.

Jena hat seine Damen-Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurückgezogen. Ändert sich dadurch für dich etwas?
Stefanska:
Nein, ich bleibe Thüringen erhalten. Bei den Damen spiele ich weiterhin beim MTV Engelbostel-Schulenburg. In der nächsten Saison bin ich voraussichtlich an Position drei aufgestellt. Wir hoffen, dass es dann mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga endlich klappt. In diesem Jahr sind wir knapp in der Relegation gescheitert.

Über die Deutschen Tischtennis-Finals

Wenn in diesem Jahr die Deutschen Meister gesucht werden, ist alles viel größer als in den Vorjahren. Vom 13. bis 16. Juni sind in Erfurt die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren, der Jugend 15 und 19 sowie der Leistungsklassen mit den besten Spielerinnen und Spielern auf Verbands-, Bezirks- und Kreisebene am selben Ort vereint. Die Deutschen Tischtennis-Finals sind ein viertägiges Event in der Messe Erfurt mit insgesamt rund 500 Aktiven. Amateure gehen dann Tür an Tür bzw. Tisch an Tisch mit den Nationalmitgliedern im Jugend- und Erwachsenenbereich an den Start.

Es ist das große Treffen der Tischtennis-Familie, das nach der Premiere 2024 jährlich ausgetragen werden soll. Neben dem sportlichen Geschehen gibt es ein vielfältiges sportliches Mitmachprogramm für alle Zuschauerinnen und Zuschauer sowie Workshops und freitags die Summer Party mit DJ auf dem Außengelände. Ein weiteres Event veranstaltet die Landeshauptstadt des Freistaats Thüringen in der Turnierwoche selbst. Das seit 1975 jährlich stattfindende Krämerbrückenfest ist das größte Altstadtfest des Sportlandes und bietet ein buntes Programm rund um Kunst, Kultur, Unterhaltung und Kulinarisches. TT-Finals-Besucher können beide Highlights miteinander verbinden.

Tickets sind begehrt, aber noch verfügbar

Die TT-Finals finden in zwei Messehallen statt. Das Turnier startet am Donnerstag (13. Juni) mit der Klasse der Jugend 19 und endet am Sonntag (16. Juni) mit den Finalspielen der Jungen 15, der Leistungsklassen sowie der Asse bei den Damen und Herren. Der Kartenvorverkauf läuft sehr gut, noch sind aber Karten für alle vier Turniertage zu haben. Alle Informationen über das Turnier, das Rahmenprogramm und die Tickets unter www.tt-finals.de.

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