Bärenstarker, aber enttäuschter Patrick Franziska (Foto: Steinbrenner)
Australian Open: Patrick Franziska unterliegt nach Matchball in spektakulärem Halbfinale gegen Xu Xin

Franziska verliert Siebensatz-Drama gegen die Nr. 1 der Welt, aber gewinnt Chinas Respekt

14.07.2019

Geelong. Der Siegeszug von Patrick Franziskas bei den Australian Open ist nach einem an Dramatik und Klasse nicht zu überbietenden Halbfinale beendet. Der Saarbrücker unterlag in einem spektakulären Siebensatz-Thriller nach Matchball mit 10:12 im Entscheidungssatz dem Weltranglistenersten Xu Xin (China), der sich anschließend auch den Titel sicherte.

Franziska: "Ganz nah dran geschnuppert"

Beim 7:11, 11:5, 6:11, 11:6, 11:6, 9:11 und 10:12 diktierte der EM-Dritte das Match gegen den besten Spieler der Welt bei seinen eigenen Satzgewinnen fast nach Belieben. Mit klugen Auf- und Rückschlägen, sicherem Kurz-Kurz-Spiel, einer brachialen Rückhand und fast fehlerlosen Vorhandtopspins stellte Franziska seinen Kontrahenten immer wieder vor unlösbare Aufgaben. Nach einer vollkommen verdienten 3:2-Satzführung stand der Doppel-Europameister von 2016 in Durchgang sechs bei 7:5 und 9:9 erstmals dicht vor dem Sieg, im dramatischen Entscheidungssatz erkämpfte er sich zudem bei 10:9 einen Matchball - eine Chance, diesen zu verwandeln, ließ Xu Xin dank eigenem Aufschlag und unerreichbarer Vorhand dem Odenwälder allerdings nicht. Franziska gestand: "Mein Return ist vielleicht einen Tick zu hoch gewesen, und dann schlägt es eben gleich ein. Deshalb ist er auch die Nummer eins der Welt. So nahe liegt das beieinander. Gestern habe ich gegen Falck vier Matchbälle abgewehrt, und heute durfte ich bei einem eigenen nur ganz nahe dran schnuppern."

Chinas Anerkennung der besonderen Art

Dennoch: Diese Niederlage ist ein Sieg. Die Art und Weise, wie der WM-Dritte im Mixed der Nummer 1 der Welt nicht nur auf Augenhöhe begegnete, sondern über weite Strecken sogar das Match dominierte, untermauerte noch einmal eindrucksvoll das Ausnahmeniveau, auf das sich Franziska in Australien katapultierte und mit dem er in den beiden Runden zuvor schon Chinas Weltranglistendritten Fan Zhendong und Schwedens WM-Finalisten Mattias Falck aus dem Turnier befördert hatte.

Dass Franziska Down Under mit dem gefühlten Sieg über Xu Xin und dem echten Triumph über Fan Zhendong nachhaltig in den sehr kleinen, erlauchten Kreis der ernsthaften China-Gefährder vorgestoßen ist, verriet auch der heftige Jubelausbruch des Weltranglistenersten und seines Trainers Chen Qi nach verwandeltem Matchball, der auf der World Tour extrem selten bei den eher cool auftretenden chinesischen Superstars zu sehen ist. 

Franziska: "Bin enttäuscht, aber auf einem guten Weg"

Diese Anerkennung der ungewöhnlichen Art tröstete den 27-Jährigen aber nicht wirklich über die hauchdünne Niederlage hinweg. Es war die insgesamt vierte - nach vorausgegangenen Aufeinandertreffen Jahr 2018 im Halbfinale der German Open in Bremen, im Finale der Team-WM in Halmstad (Schweden) und im Viertelfinale der Australian Open. Franziska: "Ich habe voller Selbstvertrauen gespielt und war mir auch im Match immer sicher, dass ich heute gegen ihn gewinne. Jetzt bin ich natürlich erst einmal tief enttäuscht, weil wirklich sehr, sehr viel drin war. Alles in allem war es aber ein supertolles Turnier für mich, das mir noch mehr Selbstvertrauen geben wird. Und es zeigt mir, dass ich auf einem sehr guten Weg bin. Und irgendwann fällt dann auch Xu Xin!" 

Xu Xin besiegt im Finale Wang Chuqin

Im Finale des Herren-Einzels holte sich Xu Xin anschließend den Titel mit einem 4:0-Erfolg über seinen Landsmann Wang Chuqin, der im zweiten Vorschlussrundenmatch Weltmeister Ma Long mit 4:2 besiegt hatte. Australien-Open-Siegerin im Damen-Einzel Weltmeisterin wurde in einem chinesischen Finale Sun Yingsha, die Weltmeisterin Ding Ning mit 4:0 besiegte. In den drei Doppel-Wettbewerben hatten sich am Samstag die Südkoreaner Jeoung Youngsik/Lee Sangsu (Herren-Doppel), die im Viertelfinale die DM-Zweiten Franziska/Ricardo Walther ausgeschaltet hatten, die Chinesinnen Chen Meng/Wang Manyu (Damen-Doppel) sowie das Hongkong-Duo Wong Chun Ting/Doo Hoi Kem die Goldmedaillen gesichert. 

Die Matches im Live-Streaming auf itTV

 

https://www.ittf.com/tournament/5007/2019/2019-ittf-world-tour-australian-open/

Die Ergebnisse im Herren-Einzel 


Finale
Xu Xin CHN - Wang Chuqin CHN 4:0 (6,8,4,8)

Halbfinale
Patrick Franziska - Xu Xin CHN 3:4 (-7,5,-6,6,6,-9,-10)
Ma Long CHN - Wang Chuqin CHN 2:4 (-8,6,-4,8,-7,-8)

Viertelfinale Samstag
Patrick Franziska - Mattias Falck SWE 4:3 (6,-10,-9,-3,10,8,9)

Achtelfinale
Patrick Franziska - Fan Zhendong CHN 4:2 (-8,-7,4,9,4,7)
Dimitrij Ovtcharov - Ma Long CHN 0:4 (-7,-13,-7,-9)

Beste 32
Patrick Franziska - Kazuhiro Yoshimura JPN 4:0 (8,3,3,6)
Dimitrij Ovtcharov - Yukiya Uda JPN 4:2 (2,7,4,-7,-9,8)


Die Matches im Live-Streaming auf itTV

Australian Open: Ergebnisse, Auslosungen auf der Event-Homepage der ITTF


Das deutsche Aufgebot in Geelong (Australien)

Herren-Einzel: Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Russland), Qiu Dang (ASV Grünwettersbach), Bastian Steger (SV Werder Bremen), Ricardo Walther (Borussia Düsseldorf)
Damen-Einzel: Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Han Ying (KTS Tarnobrzeg, Polen)

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