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Mazunovs Paradeschlag: die Rückhand (Foto: ms)

Dmitrij Mazunov über die Rückhand, den Nachwuchs und ungeliebten Salat

FL 03.06.2013

Bremen. Schon wieder Silber... Zum Titel in der Herren 40 reichte es für Dmitrij Mazunov bei der Senioren-EM in Bremen nicht. Was blieb, war einmal mehr Silber. Davon hat der 42-Jährige genug. "Aus Silber- und Bronzemedaillen könnte ich einen Salat machen", sagt Mazunov.

Am Rande der Senioren-EM in Bremen sprach Mazunov auch über das Rückhand-Spiel und den heutigen Nachwuchs. Der 42-jährige frühere russische Meister und mehrfache Medaillengewinner im Doppel bei EM und WM ist Co-Trainer beim Bundesligisten TTF LIEBHERR Ochsenhausen und am dortigen LIEBHERR Masters College tätig. Daneben greift er selbst zum Schläger. Mit dem SV Ottenau stieg er in dieser Saison in die 2. Bundesliga auf, wechselt aber zur neuen Saison zum Oberligisten Staig. "Das ist ganz in der Nähe zu meinem Wohnort. Der Aufwand ist deutlich geringer", sagt der A-Lizenz-Inhaber. Wie Dimitrij Ovtcharov hört auch Mazunov auf den Spitznamen „Dima“.


Waren Sie bei der Senioren-EM in Bremen die meiste Zeit unterfordert?

Dmitrij Mazunov: Mir wurde erzählt, in den ersten beiden Hauptrunden könnte ich zwischendurch Bier trinken und rauchen (lacht) und müsste mich erst danach anstrengen. Das wäre aber nicht gegangen, es war ab der ersten Hauptrunde ein ordentliches Niveau. Ich musste aufpassen.


Sie machen einen fitten Eindruck. Welches Spielniveau haben Sie noch?

Mazunov: Ich hatte seit Dezember einen Tennisarm, habe in der Rückrunde mit Schmerzmitteln gespielt. Das waren richtige Hämmer, die zu Schwindel und Herzklopfen führten. Vor vier Wochen bin ich operiert worden, habe für die EM also gar nicht trainiert. Der Doktor sagt, es gibt keine Garantie, dass es besser wird. Eine leichte Verbesserung merke ich. Ich bin optimistisch. In der Regionalliga hat es vorne noch gut geklappt, mit den Profis von Ochsenhausen kann ich nicht mithalten, das ist einfach zu schnell.


Bevor Sie nach Ochsenhausen kamen, waren Sie in Katar tätig...

Mazunov: Drei Jahre war ich dort, habe den Herren-Kader und den Nachwuchs trainiert. Das erste Jahr war klasse, alle haben voll mitgezogen. Im zweiten Jahr ließ es schon nach. Es ist schwierig, wenn der Präsident Erfolge erwartet, aber die Spieler – der beste hat etwa das Niveau Regionalliga Mitte – nicht mitziehen. Im dritten Jahr hat es gar keinen Spaß mehr gemacht. Das war schlimm, ich saß dort in meiner Wohnung und wollte nur nach Hause. Am Ende habe ich die Zeit nur noch abgesessen. Meine Familie hatte ich in der Katar-Zeit kaum gesehen, nur vier Wochen im Jahr waren frei. Und mir hat das eigene Spielen gefehlt, vor allem das Training. Das habe ich besonders vermisst, das Schwitzen, das Auspowern, die Müdigkeit danach.


Wie sieht Ihre Trainertätigkeit in Ochsenhausen aus?

Mazunov: Zum einen bin ich Co-Trainer der ersten Mannschaft, zum anderen Trainer am Liebherr Masters College. Ich kenne den Club seit 1992, habe lange für die TTF in der Bundesliga gespielt, meine Familie lebt hier und wir fühlen uns wohl. Am LIEBHERR Masters betreue ich zum Beispiel Natalia Mozler (redaktionelle Anmerkung: D/C-Kader Schülerinnen) und Dennis Klein (C-Kader Jungen/Schüler), beides Talente mit guten Möglichkeiten. Aber es ist nicht einfach. Die Jugendlichen haben heute so viele Dinge im Kopf. Auch den Leistungssport mit der Schule in Einklang zu bringen, ist eine schwierige Aufgabe. Manche Lehrer interessiert der Sport auch gar nicht.


Wie war das bei Ihnen seinerzeit in Russland?

Mazunov: Ich bin zur siebten Klasse auf ein Sportinternat gegangen. Wir hatten viele Freiheiten, konnten immer fehlen, wenn Lehrgänge oder Turniere anstanden. Die Lehrer haben Rücksicht genommen.


Warum wird der Abstand zwischen China und Europa immer größer?

Mazunov: In China trainieren die Kinder mit eschs, sieben, acht Jahren schon fünf, sechs Stunden am Tag. In Europa fangen die meisten erst nach der Schule, mit 17, 18, an, wie Profis zu trainieren. Daher ist der Unterschied so groß. Spieler wie Timo Boll oder Dima Ovtcharov sind Einzelfälle.


Was ist Ihr Lösungsvorschlag?

Mazunov: Mein Eindruck ist, dass die europäischen Nationen stärker zusammenarbeiten müssten, vor allem die große Tischtennis-Nationen wie Deutschland, Frankreich, Schweden usw. Es muss gemeinsam ein Weg gefunden werden, gemeinsame Turniere und Lehrgänge. Trainer und Experten sollten sich an einen Tisch setzen.


Themenwechsel: Sie sind bekannt für ihr Rückhand-orientiertes Spiel, schlagen auch viel mit der Rückhand auf. Wie wichtig ist das Rückhand-Spiel im Welttischtennis heute?

Mazunov: Schauen Sie sich die WM in Paris an. Zhang Jike ist zum zweiten Mal Weltmeister geworden und amtierender Olympia-Sieger. Er ist ein Spieler, der eine bessere Rückhand hat als Vorhand, der die Spiele vor allem wegen seiner Rückhand gewinnt. Wenn du keine gute Rückhand hast, bist du leicht auszurechnen. Nur Vorhand-Bomben zu ziehen, reicht nicht aus. Wenn du nur eine gute Vorhand besitzt, wirst du zu leicht ausgespielt. Gerade in den östlichen Ländern wie Russland, Polen, Tschechien wird sehr viel Wert auf die Rückhand gelegt. Ich rate den jungen Spielern auch, öfter mit der Rückhand aufzuschlagen. Da deckt man von vornherein den Tisch gut ab.


Warum spielt ihr Bruder Andrej nicht in Bremen mit?

Mazunov: Er ist Jugendtrainer in Russland. Ich habe ihn gefragt, ob er mitspielen will. Er wollte leider nicht und hat jetzt noch vier Jahre Zeit, in der 40er zu spielen. Hoffentlich klappt es noch mal mit Gold im Doppel. Ich habe in meiner Karriere so oft Silber und Bronze gewonnen, davon könnte ich einen Salat machen. Bronzemedaillen kann ich nicht mehr sehen.

 

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